Christliche Kultur am Sonntag: „Heimkehr – die letzten Tage im Leben der Mönche“ (Gastbeitrag)

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Nicolas Diat: „Heimkehr. Die letzten Tage im Leben der Mönche“

Heute ein Gastbeitrag, ausnahmsweise auf Wunsch der Verfasserin einmal nicht zu einem Roman oder Film, sondern zu einer Art Reportage über ein meistens sehr verdrängtes Thema, das Sterben; und speziell das Sterben im Kloster. Der Autor, Nicolas Diat, wird einigen Lesern wahrscheinlich schon als der Journalist bekannt sein, der die Interviewbücher mit Kardinal Robert Sarah gemacht hat. Ich übergebe das Wort an Angela Römelt, Dipl. Theol.:

 

Nicolas Diat, Heimkehr. Die letzten Tage im Leben der Mönche. Kißlegg 2019.

Der Tod ist ein Meister aus China.

Heimlich, still und leise hat er sich über drei Monate in die Schlagzeilen, den Alltag, die Gedanken und Gefühle der Menschen zurück geschlichen. Von seiner Sommerresidenz auf Netflix aus hat er nahezu im Handstreich zurückerobert, was ihm über fast siebzig Jahre genommen worden war; die Realität der Menschen des Westens.

Der mittelalterliche „Gevatter“ Tod war ein Familienmitglied.Er saß am Tisch, hatte die Hand an der Wiege und konnte jederzeit ungebeten eintreten. Man beschloss den Tag mit der Gebetsbitte, nicht unversehens – und unversehen- im Schlaf zu sterben. Man entwickelte eine Ars Moriendi, eine Kunst des Sterbens aus der täglichen Erfahrung heraus, dass dieses eine Thema das Thema aller war. Sterben würde jeder, und es war nicht egal, wie.

Der neuzeitliche Tod ist jener übel beleumundete Vetter, der vor Jahren nach Papua-Neuguinea ausgewandert ist und von dem niemand mehr gerne spricht. Wenn er im Land ist, trifft er sich mit Verwandten auf neutralem Terrain. Im Krankenhaus oder im Hospiz. Er ist kein Teil unseres Lebens mehr und dabei hat er unsere Handynummern, von jedem.

Die „Corona-Krise“ führt uns vor Augen, was bisher mehr oder weniger ein Spiel war: Sterben tun immer nur andere. Im Film. Im Videospiel. In Kabul.

Die Alten. Die Vorerkrankten. Die anderen.

Unsere neuzeitliche Ars Moriendi erschöpft sich darin, um das Thema einen Kranz aus Zahlen zu bauen, und zwar so, dass wir nicht darin sind. Weil wir weder alt noch vorerkrankt noch in Kabul sind.

Es ist schwierig, von der deutschen katholischen Kirche einen Beitrag zu einer Ars Moriendi Edition 2020 zu erhalten. Am ehesten und verstörendsten gelingt es noch dem umstrittenen Hildesheimer Bischof Wilmer, wenn er sagt „der Allmächtige schlechthin ist derTod“, damit freilich etwas, das allein aus dem Nichtsein heraus definiert wird – Tod ist nicht-Leben, aber aus sich selbst heraus nichts – eine Macht zusprechend, die nur verständlich scheint, wenn Leben lediglich als irdische, organische Existenz verstanden wird.

Nicolas Diat, geb. 1975, ist ein Meister aus Frankreich. Ein Meister der poetischen Prosa, der behutsamen Annäherung an ein Thema, der dialogischen Gestaltung eines Buches. Wikipedia nennt ihn einen „Essayisten“. In seinem Buch „Heimkehr. Die letzten Tage im Leben der Mönche“, erschienen im fe-medien Verlag 2019 (das französische Original unter dem Titel „Un Temps pour Mourir“, 2018) unternimmt er in der Tat einen Versuch. In mehreren unterschiedlichen Klöstern versucht er zu verstehen, wie Mönche sterben. Herausgekommen ist dabei eine Ars Moriendi nicht so sehr für die Gegenwart als mitten ins Gesicht der Gegenwart. In your face, Freund Hein!

Diat hat für sein Buch im Laufe des Jahres 2017 acht verschiedene Klöster besucht. Alles Männerorden. Darunter bekannte Namen wie Solemnes, Citeaux und die Große Kartause und unbekanntere wie die Abtei Lagrasse der Regularkanoniker der Gottesmutter. Er hat sich von Äbten und Patres und Brüdern, die mit der Pflege der Kranken beauftragt waren, erzählen lassen, oft in stundenlangen sehr intensiven Gesprächen. Diese Erzählungen handelten nie vom Tod, immer nur vom Sterbenden. Der Tod, wie gesagt, ist nichts. Nicht mehr lebendig, nicht mehr atmend, nicht mehr unter uns. Der sterbende Mönch ist alles das in höchstem Maße. Diat schildert zu Beginn jedes Kapitels, das jeweils einem Kloster gewidmet ist, seine Ankunft dort, in etwa die Lage, die es umgebende Natur, seine Geschichte, und der Leser schleicht sich sozusagen hinter ihm rasch durch die zufallende Pforte und begegnet im nächsten Augenblick höchst lebendigen Menschen. Diats Buch ist auch und vielleicht sogar noch mehr, ein Buch über das Leben, das Leben im Kloster.

Denn das Sterben der Mönche ist anders als das der „Menschen in der Welt“, und das liegt in erster Linie daran, dass ihr Leben anders ist. Es hat ein anderes Gravitationszentrum.

Der Mönch begegnet, je nach Orden mehr oder weniger intensiv, seinem eigenen Sterben schon sehr bald nach seinem Eintritt. (Vor Jahren nahm ich an einer Führung durch ein Benediktinerkloster teil, und der uns begleitende, junge und rüstige Mönch, betrat mit uns den Friedhof und sagte:“Ich weiß schon ziemlich genau, wo ich mal liegen werde.“) Der Tod ist im Leben der Mönche stets präsent, aber nicht als der „Allmächtige“, von dem Bischof Wilmer spricht, sondern als Durchgang zum Ewigen Leben.

Oh, ja, Mönche fürchten den Tod. Manche sehr, manche wenig, manche wie jeder von uns, aber wer – wie in mindestens einer Besprechung des Buches, die ich gelesen habe betont – Schilderungen erwartet, wie Mönche angesichts des eigenen Sterbens zweifeln und verzweifeln an dem Glauben, dem sie ihr ganzes Leben „geopfert“ haben, wird sanft enttäuscht. Es scheint nicht einmal Diats Absicht gewesen zu sein, den Leser zu enttäuschen. Er beschreibt den Tod eines jungen Mannes an Multipler Sklerose, den erschütternden Fall eines Selbstmords, den völlig unerwarteten Tod eines Novizen, und immer wieder erwecken seine Schilderungen den Eindruck, dass er das Grässliche, Schockierende, allmächtig Zerstörende des Todes selbst hinter dem nächsten Satz erwartete – und es kommt nicht. Die All-Macht des Lebens, des irdischen und des ewigen, ist so übermächtig, dass der Tod geradezu verschwindet. Die Beschreibung des tatsächlichen, realen Leidens, die durchaus ihren Platz hat in diesem Buch, Schmerzen, Behinderungen, Ängste, wird gehalten von zwei Aspekten, die wie Säulen in jedem Kapitel auftauchen: dem Glauben und der Gemeinschaft. Und beides ist viel weniger romantisch als man denken möchte.

Die Gemeinschaft. Keiner der sterbenden Mönche ist alleine. Auch der Selbstmörder, der es im Augenblick seines Todes war, liegt auf dem Friedhof seines Klosters begraben und die Erschütterung, die sein Tod für den ganzen Konvent bedeutet, ist in jeder Zeile spürbar. Jede Geschichte, jedes Schicksal wird in Gesprächen und Begegnungen erzählt mit den Menschen, die daran Teil hatten und noch immer Teil haben. Diat spricht mit Äbten, die ihre Verantwortung für jeden Mitbruder geradezu körperlich zu spüren scheinen, die den Schwerkranken bitten, mit dem Heimgang zu warten, bis sie von einer Reise zurück kommen. Er begegnet Krankenpflegern, die erzählen, wie sie sich selbst verändert haben in der jahrelangen Pflege eines Mitbruders, und immer wieder dem Problem, dass der Schwerstkranke und Sterbende von der modernen Medizin aus der Gemeinschaft hinaus genommen wird. „Sobald wir den Notarzt oder den Krankenwagen rufen, verlieren wir die Kontrolle über den Kranken,“ sagt der Abt der Benediktinerabtei En-Calcat. (S.48) und kritisiert das moderne Gesundheitssystem als unmenschlich. „Wenn wir die Lebenden immer wieder wie Automaten reparieren, werden wir wie Elektroschrott enden.“ (S.61)

In der klösterlichen Gemeinschaft hat der Sterbende seinen Platz. Er ist keine Nummer, er ist ein Bruder.

Die zweite Säule ist die Liturgie. Im weitesten Sinne. Nicht nur schildert Diat Totenmessen von solcher Schönheit, dass man als Leser auf der Stelle sterben möchte, wenn man denn vorher Mönch werden könnte, auch schon vor dem Tod des Mönches wird klar, dass jedes Kloster auf seine Weise zwei Gebäude darstellt: das äußere der mehr oder weniger alten Mauern, und das innere der Regel und der Liturgie, ebenfalls mehr oder weniger alt, aber meistens mehr. Ohne die Regel und die Liturgie gäbe es keine Gemeinschaft, die den sterbenden Mönch trägt, und ohne den einzelnen Mönch, jeden einzelnen, auch den Sterbenden, gäbe es keine Regel und Liturgie mehr. Aus diesem Ineinanderwirken des irdischen, „normalen“ Lebens – die Glocke läutet zur Vesper, klapp das Buch zu, leg den Hammer weg,nimm dein Brevier und geh in die Kapelle – und des ewigen – „ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus“ (Koh 12,5) entsteht beim Lesen des Buches etwas wie ein großer, stiller Klang, ein Herzschlag des Ewigen durch alle Widerlichkeiten des Sterbens hindurch, das sehr, sehr tröstlich wirkt.

Nicolas Diat hat den Versuch einer Ars Moriendi für eine erschütterte Zeit vorgelegt, von der er 2017 kaum ahnen konnte, wie nötig 2020 sie haben würde. Für alle Nichtmönche, die das Buch zur Hand nehmen, bleibt natürlich die frustrierende Frage, was von dieser Art zu leben und zu sterben sich überhaupt übertragen lässt in ein „weltliches Leben“.

Da mögen für verschiedene Leser verschiedene Aspekte wichtig werden, die deutlichste Präsenz dürften aber die oben genannten Säulen des mönchischen Lebens und Sterbens haben: die Gemeinschaft und die Regel und die Liturgie. Die Sterbenden nicht alleine zu lassen, ihnen einen Platz zu geben, den sie als Sterbende einnehmen dürfen, ist eine Herausforderung ganz eigener und unerwarteter Brisanz in Tagen, in denen weder Priester noch Angehörige zu an CoVid-19 Sterbenden gelassen werden. Man kann sich aber fragen, was die Äbte, Krankenpatres und Mitbrüder der Klöster, die Nicolas Diat besucht hat, getan hätten in solch einer Situation. Sie hätten ihre Schmerz über die Trennung nicht geleugnet noch verborgen. Sie hätten den Namen des Sterbenden ausgesprochen und für ihn gebetet. In der Gemeinschaft. Und ihm so einen Platz gegeben. Mindestens das.

Eine Regel und eine Liturgie, das lehrt dieses Buch auf unaufdringliche Weise, sollte jeder Mensch sich zulegen. Es kann die der Kirche sein, es können sehr persönliche Formulierungen und Rituale sein, die sich im Laufe eines Lebens entwickeln. Aber eine Regel und eine Liturgie, möglichst unabhängig von Strom und WLAN, sollte das Leben brauchen, um das kurze Nichts des Todes auf dem Weg zum Ewigen Lebens durchschreiten zu können.

Nicolas Diat hat ein wunderbares, tröstendes und ermutigendes Buch geschrieben, das möglicherweise Sterben hilft, ganz sicher aber leben.

Christliche Kultur am Sonntag: „Jenseits des schweigenden Sterns“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: C. S. Lewis: „Jenseits des schweigenden Sterns“

Wenn auch nicht so hervorragend wie die „Chroniken von Narnia“ oder der wunderschöne Roman „Du selbst bist die Antwort“, ist C. S. Lewis‘ Science-Fiction-Roman „Jenseits des schweigenden Sterns“ (Originaltitel: „Out of the Silent Planet“) doch recht gut. Eigentlich handelt es sich nur um den ersten Band der „Perelandra“-Trilogie; die beiden Folgebände heißen „Perelandra“ und „Die böse Macht“. Ich muss aber sagen, dass mir persönlich der erste Band am meisten taugt, und im Grunde genommen kann man jeden für sich lesen, ohne viel von den anderen wissen zu müssen.

Monochrome head-and-left-shoulder photo portrait of 50-year-old Lewis

(C. S. Lewis. Gemeinfrei.)

Das Buch beginnt mit dem alleinstehenden mittelalten Philologieprofessor Elwin Ransom, der in den Semesterferien auf Wanderurlaub ist und durch Zufall zu einem Herrenhaus gerät, wo sein ehemaliger Mitschüler Devine und ein bekannter Physiker namens Weston irgendwelche undurchsichtigen Machenschaften betreiben und einen geistig behinderten Jungen, der bei ihnen angestellt ist, gerade in ein Nebengebäude zerren wollen, was Ransom verhindert. Als die beiden Männer den Jungen nach Hause gehen haben lassen, lädt Devine Ransom ein, zu bleiben, fragt ihn aus, wobei herauskommt, dass niemand genau weiß, wo er ist und er nicht vermisst werden würde, wenn er plötzlich verschwinden würde, und die Sache endet damit, dass Ransom betäubt wird und schließlich auf einem kleinen Raumschiff aufwacht, das bereits die Erde verlassen hat.

Devine und Westen, die das Raumschiff zu zweit betreiben, sind damit auf dem Weg zu einem anderen Planeten, auf dem sie schon einmal waren (ohne dass irgendjemand davon weiß): Malakandra, wie ihn die Bewohner nennen. (Wie Ransom später herausfindet, handelt es sich um den Mars.) Während Devine nur das Gold will, das sich dort massenhaft findet, träumt Weston davon, der Menschheit neue Welten zu eröffnen, den Weltraum zu kolonisieren, auch falls die Erde unbewohnbar wird. Wieso ihn die beiden Männer entführt haben, wird Ransom nicht gesagt. Als das Raumschiff schließlich auf Malakandra landet, kann er fliehen und trifft dann auf Marsbewohner, die „Hrossa“, die ihn freundlich aufnehmen. Allerdings sind Devine und Weston ihnen gegenüber nicht allzu freundschaftlich eingestellt…

Lewis‘ Buch war einer der ersten Science-Fiction-Romane, in denen die Außerirdischen keine Monster sind. Tatsächlich haben die drei vernunftbegabten Spezies auf Malakrandra, wie sich herausstellt, keinen Sündenfall hinter sich und sind damit schlichtweg gut; verehren Gott; und werden von Engeln regiert. „Jenseits des schweigenden Sterns“ (eigentlich die ganze Perelandra-Trilogie) bietet Raum für interessante theologische Spekulationen. Die „wissenschaftlichen“ Vorstellungen sind natürlich auf einem etwas veralteten Stand (der Roman ist 1938 erschienen), auch die Begriffe sind etwas veraltet (z. B. werden Planeten manchmal auch als „Sterne“ bezeichnet – daher der Titel (der „schweigende Stern“ ist die Erde)).

Christliche Kultur am Sonntag: „Trotz Folter und Strick“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Robert Hugh Benson: „Trotz Folter und Strick“ (Originaltitel: „Come rack! Come rope!“)

Robert Hugh Benson (1871-1914), Konvertit vom Anglikanismus und katholischer Priester, war seinerzeit ein ziemlich bekannter Schriftsteller, der heute leider oft mehr oder weniger vergessen scheint; sein noch bekanntester Roman ist „Der Herr der Welt“, ein apokalyptischer Zukunftsroman (auf den ich übrigens aufmerksam geworden bin, weil der Papst ihn vor Jahren einmal in einer Predigt empfohlen hat – unironisch eins der sehr wenigen Dinge, für die ich Papst Franziskus dankbar bin).

Monsignor R. H. Benson in Oct. 1912, Aged 40.jpg

(Msgr. Robert Hugh Benson. Gemeinfrei.)

Mein (bisher; ich habe noch zu wenig von ihm gelesen) liebstes Buch von ihm ist allerdings der historische Roman „Come rack! Come rope!“, der im 16. Jahrhundert spielt. Es gibt eine deutsche Übersetzung von 1926 dazu, die den Titel „Trotz Folter und Strick“ trägt, die ich aber nicht bewerten kann, weil ich ihn im Original gelesen habe; und wer genug Englisch versteht, dem kann ich das nur empfehlen, denn die Sprache in Msgr. Bensons Buch ist wunderschön. Der Titel ist ein Zitat vom hl. Edmund Campion, der eine Nebenrolle im Buch spielt.

Der Roman beginnt Ende des Jahres 1577 im Norden Englands. Der siebzehnjährige Katholik Robin Audrey, der einzige Sohn eines verwitweten niederen Adeligen, reitet zu der gleichaltrigen Marjorie, mit der er sich vor kurzem verlobt hat (noch ohne ihren jeweiligen Eltern etwas davon zu sagen). Unter Elisabeth I. ist die anglikanische Kirche seit langem Staatskirche, und alle, die nicht am anglikanischen Gottesdienst teilnehmen wollen, also insbesondere die Katholiken, müssen hohe Geldstrafen zahlen; Priester reisen verkleidet umher, um den Katholiken hin und wieder heimliche Messen bieten zu können, und wenn sie gefasst werden, werden sie gehängt, ausgeweidet und gevierteilt (so beispielsweise – Spoiler – mit dem hl. Edmund Campion geschehen); Katholiken, die Priester verstecken, werden ebenfalls manchmal hingerichtet. Nun hat Robins Vater beschlossen, dass er genug davon hat, und an Ostern zur anglikanischen Kirche übertreten wird. Als Robin sich mit Marjorie bespricht, sind sie sich einig, dass Robin dabei nicht mitmachen kann, wissen aber noch nicht, wie es dann weitergehen soll…

Auf eines muss man sich bei diesem Buch einstellen: Es geht nicht so weiter, wie die meisten modernen Leser erwarten würden. Die Gnade/Übernatur zählt hier letztlich mehr als die Natur, und das Ende ist für Katholiken ein Happy End, für andere aber vermutlich weniger.

Robert Hugh Bensons feinsinniger Humor ist wunderschön. Eine Kostprobe aus dem ersten Kapitel:

„Robin Audrey was no more religious than a boy of seventeen should be. Yet he had had as few doubts about the matter as if he had been a monk. His mother had taught him well, up to the time of her death ten years ago; and he had learned from her, as well as from his father when that professor spoke of it at all, that there were two kinds of religion in the world, the true and the false—that is to say, the Catholic religion and the other one. Certainly there were shades of differences in the other one; the Turk did not believe precisely as the ancient Roman, nor yet as the modern Protestant—yet these distinctions were subtle and negligible; they were all swallowed up in an unity of falsehood.“

(Meine Übersetzung: „Robin Audrey war nicht religiöser als ein siebzehnjähriger Junge sein sollte. Aber er hatte so wenige Zweifel in Bezug auf diese Angelegenheit, als ob er ein Mönch gewesen wäre. Seine Mutter hatte ihn gut unterrichtet, bis zum Zeitpunkt ihres Todes vor zehn Jahren; und er hatte von ihr gelernt, wie auch von seinem Vater, wenn dieser Bekenner überhaupt davon sprach, dass es zwei Arten von Religion in der Welt gab, die wahre und die falsche – das hieß, die katholische Religion und die andere. Sicherlich gab es Nuancen von Unterschieden bei der anderen; der Türke glaubte nicht genau dasselbe wie der antike Römer, noch wie der moderne Protestant – aber diese Unterschiede waren subtil und vernachlässigbar; sie gingen alle in einer Einheit des Irrtums unter.“)

Außer dem hl. Edmund Campion kommen noch mehr historische Figuren vor – u. a. Maria Stuart, Anthony Babington, der hl. Nicholas Owen – und es ist sehr schön, wie gut recherchiert der Roman ist, und wie die Figuren tatsächlich wie Menschen des 16. Jahrhunderts wirken.

Christliche Kultur am Sonntag: „Quo vadis?“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Henryk Sienkiewicz: „Quo vadis?“

Der Titel dieses Romans des polnischen Schriftstellers Sienkiewicz, erschienen erstmals 1895, ist Latein für „Wohin gehst du?“ und bezieht sich auf eine Legende über den Apostel Petrus. Als die Christenverfolgung unter Nero (nach dem Brand Roms) begonnen habe, sei Petrus aus Rom geflohen; an der Via Appia sei er dann Jesus begegnet, und habe ihn gefragt „Domine, quo vadis – Herr, wohin gehst du?“, worauf die Antwort gelautet habe: „Nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen.“ Darauf sei Petrus, beschämt, dass er seinen Herrn so schlecht vertreten und seine Herde im Stich gelassen hatte, nach Rom zurückgekehrt, wo er dann gekreuzigt wurde.

Diese Erzählung kommt im Roman vor, und der Apostel Petrus spielt eine gewisse Rolle, ebenso der Apostel Paulus; die zentralen Protagonisten sind aber andere. Die Handlung beginnt folgendermaßen: Der reiche junge Patrizier Marcus Vinicius, der vor kurzem aus dem Krieg nach Rom heimgekehrt ist, hat sich in die schöne Lygia verliebt, nachdem er einige Tage im Haus ihrer Pflegeeltern Aulus Plautius und Pomponia Graecina zu Gast war. Sie ist eine Fürstentochter vom Volk der Lygier (die im heutigen Polen lebten), und als Geisel nach Rom gekommen, wo sie aufgewachsen ist. (Damals kam es vor, dass bei Abschlüssen von Friedensverträgen und dergleichen eine oder beide Seiten Geiseln stellen mussten, die dann lange bei der anderen Seite lebten, was verhindern sollte, dass der Frieden wieder gebrochen wurde.) Marcus Vinicius setzt von da an alles daran, Lygia zu seiner Geliebten zu machen, wobei ihn sein Onkel Petronius, der eine hohe Position an Neros Hof hat, unterstützt; Petronius bringt Nero dazu, Lygia zuerst an den Kaiserhof zu holen, woraufhin sie zu Marcus kommen soll. Lygia allerdings ist damit nicht ganz einverstanden (auch wenn sie selbst sich schon etwas in Marcus verliebt hat), und kann mithilfe ihres Sklaven Ursus fliehen. Dann findet Marcus Vinicius heraus, dass sie und ihre Pflegemutter Christinnen sind, und dass sie sich bei anderen Christen versteckt…

Man muss sich damit abfinden, dass der Protagonist des Romans erst einmal eine Zeit lang ziemlich unsympathisch ist; und die Beschreibungen der antiken Christen sind vielleicht etwas klischeehaft. (Ein Gottesdienst, dessen Beginn beschrieben wird, erinnert mich etwas zu sehr an eine evangelikale Erweckungspredigt und zu wenig an die liturgische Ordnung, von der man bei den antiken Christen selbst liest. (Und allein schon: Keine Türhüter, sodass sich zwei Heiden einfach einschleichen können!)) Aber der Roman ist sehr schön geschrieben, die Handlung ist spannend, und auch die Nebenfiguren sehr gut gemacht. Insgesamt wirklich empfehlenswert.

Poster for Quo Vadis (1913 silent film) - Original.tiff

(Poster für den Stummfilm von 1913, einer der ersten Filme nach dem Roman. Gemeinfrei.)

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Brautleute“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Alessandro Manzoni: „Die Brautleute“ („I Promessi Sposi“)

Manzoni ist für Italien quasi das, was Goethe oder Fontane oder Thomas Mann für Deutschland ist; nur dass er mir besser gefällt. Sein in einer ersten Fassung 1827 und in der Endfassung 1840-42 erschienener Roman spielt im Herzogtum Mailand in den Jahren 1628-1630. Ich habe ihn dieses Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen und sofort geliebt. In früheren deutschen Übersetzungen hieß er oft „Die Verlobten“; in meiner neueren Übersetzung von Burkhart Kroeber heißt er „Die Brautleute“, was dem italienischen Titel wohl besser entspricht, weil die zwei Hauptfiguren nicht nur verlobt sind, sondern eigentlich kurz vor ihrer Hochzeit stehen.

Der Erzähler gibt das Buch als Nacherzählung einer Geschichte aus, die er in einer anonymen barocken Schrift gefunden hat. Es geht um Renzo Tramaglino und Lucia Mondella, ein junges Paar aus einem kleinen Dorf in den Bergen bei Mailand; sie stehen kurz vor ihrer Hochzeit. Ein Adliger aus der Gegend, Don Rodrigo, hat angefangen, Lucia nachzustellen, und bedroht ihren Pfarrer, um die Hochzeit zu verhindern, und will Lucia dann entführen lassen. Renzo, Lucia und Lucias verwitwete Mutter Agnese müssen aus ihrem Dorf fliehen, und sich auf der Flucht dann trennen; und dann gibt es noch allerlei Verwicklungen, die sie voneinander entfernen.

(Renzo und Lucia, Illustrationen in der Ausgabe von 1840. Gemeinfrei.)

Es kommen Hungersnot, Krieg und Pest in diesem Buch vor, aber es bleibt eine trotz ihrer Fremdheit verständliche, menschliche und manchmal sehr faszinierende Welt, die Manzoni hier zeigt. Das Schöne ist: Er hat wirklich sehr gut recherchiert, bis hin zu sämtlichen Erlassen der Mailänder Gesundheitsbehörde und der korrekten Anrede für Kardinäle; und er erfasst einfach den Geist des 17. Jahrhunderts und hat es nicht nötig, seine Figuren zurückversetzte „ihrer Zeit voraus“ seiende Charaktere seines eigenen Jahrhunderts sein zu lassen. Außerdem schön: Der billige Antiklerikalismus des 19. Jahrhunderts fehlt bei dem Katholiken Manzoni völlig. Man hat im Verlauf der Handlung sehr bewundernswerte Kirchenleute wie Kardinal Federigo Borromeo oder Pater Cristoforo (ein Kapuzinerpater und Lucias Beichtvater), und sehr, nun, nicht bewundernswerte wie Don Abbondio (Renzos und Lucias Pfarrer) oder die Nonne Gertrude. Der Schreibstil ist hervorragend.

Man legt das Buch jedenfalls weg mit einer gehörigen Bewunderung für Mut und Frömmigkeit, und mit der gefestigten Erkenntnis, dass Behördeninkompetenz nichts Neues unter der Sonne ist. Der Roman hat um die 800 Seiten; aber keine zu viel. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Nebenfiguren manchmal so ausführlich ausgestaltet sind (was an sich sehr schön ist), dass die Hauptfiguren fast ein wenig unterzugehen drohen; und dass Manzoni an ein oder zwei Stellen durchblicken lässt, dass er Aristoteles nicht so sehr bewundert, wie es sich schickt. Aber bis auf das könnte man es fast das perfekte Buch nennen. Sehr, sehr empfehlenswert.

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Frau des Pilatus“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Gertrud von Le Fort: „Die Frau des Pilatus“

Diese Novelle von 1955 handelt von, wie der Titel es sagt, der Frau des Pontius Pilatus, die in der Bibel nur mit einem Satz erwähnt wird: Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Ich habe heute seinetwegen im Traum viel gelitten. (Mt 27,19)

Wie man weiß, hörte Pilatus darauf nicht. In den Legenden, die sich später zu ihr finden, heißt seine Frau Procula oder Claudia Procula und wurde mancherorts auch als Heilige verehrt.

Die Novelle schildert zuerst das Geschehen rund um den Karfreitag: Claudia Proculas Traum, und wie sie vergeblich versucht, ihren Mann von der Hinrichtung Jesu abzuhalten, was sie auch weiterhin nicht vergessen kann. Und sie schildert dann, wie Claudia Jahrzehnte später, wieder in Rom, auf die kleine ärmliche religiöse Gruppe der „Nazarener“ stößt, in deren Versammlung sie den Satz hört, den sie auch in ihrem Traum lauter Gruppen von Menschen hat sagen hören: „gelitten unter Pontius Pilatus“. Um diese Zeit beginnt in Rom die Christenverfolgung, die Pilatus aufgetragen wird.

Es geht um Claudia Proculas Liebe – trotz allem – für ihren Mann, und ihren Weg zu Gott.

(Griechische Ikone der hl. Prokula. Gemeinfrei.)

Christliche Kultur am Sonntag: „Eine Weihnachtsgeschichte“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Charles Dickens: „Eine Weihnachtsgeschichte“

Zweiter Advent, es geht auf Weihnachten zu, also heute ein passender Klassiker:

Der geizige Geschäftsmann Ebenezer Scrooge wird am Vorabend des Weihnachtstages vom Geist seines toten Partners Jacob Marley besucht, der Ketten trägt und ihm kundtut, dass er wegen seines schlechten Lebens jahrelang ruhelos durch die Welt wandern muss, und dass er für Scrooge seinerseits eine Warnung hat. Er kündigt ihm den Besuch dreier weiterer Geister an: dem der vergangenen, dem der gegenwärtigen und dem der zukünftigen Weihnacht. Die Geister kommen und führen Scrooge zu Szenen aus seinem vergangenen Leben, aus dem Weihnachtsfest anderer Menschen und dem Weihnachtsfest in zukünftigen Jahren.

(Scrooge und Marleys Geist. Gemeinfrei.)

Dickens‘ Buch ist sehr schön, wirklich schön geschrieben, nicht allzu lang und geeignet für ältere Kinder und Erwachsene; vielleicht ein Buch zum Vorlesen in den Weihnachtsferien. Den Text gibt es auch online in einer älteren deutschen Übersetzung und auf Englisch für alle, die ein bisschen hineinlesen wollen.

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(Der berühmte Beginn des 1. Kapitels.)

Es gibt etliche Verfilmungen, die zwar nicht so gut wie das Buch sind, aber oft trotzdem nicht schlecht: ich kenne z. B. Disney’s Animationsfilm von 2009 oder „Eine Weihnachtsgeschichte“ von 1984.

Christliche Kultur am Sonntag: „Der Schatten des Bären“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Regina Doman: „Der Schatten des Bären“

„Der Schatten des Bären“ (im englischen Original erstmals 1997 veröffentlicht) ist der erste Band der „Fairy Tale Novels“, einer Reihe von nach Märchen verfassten Jugendbüchern der amerikanischen katholischen Autorin Regina Doman, und bisher der einzige davon, der auf Deutsch übersetzt wurde. Leider ist er schriftstellerisch ein wenig schwächer als die späteren Bände, und die Übersetzung hat Schwachstellen (das Deutsch wirkt an ein paar Stellen wie aus den 80ern gefallen), aber das sind kleinere Mankos, die sich aushalten lassen.

Grundlage des Romans ist das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“, und es geht um zwei Schwestern, die 18-jährige Blanche und die 17-jährige Rose, die mit ihrer Mutter (ihr Vater ist an Krebs gestorben) in New York City leben. Eines Winterabends lernen sie einen jungen Mann kennen, der ihre Mutter vor dem Zusammenstoß mit einem Auto bewahrt hat, und den ihre Mutter (die Krankenschwester ist) hereinbittet, weil er Erfrierungen an den Füßen hat. Er hat Dreadlocks und wirkt relativ abgerissen, Blanche meint, ihn öfter bei den Drogendealern an ihrer Highschool gesehen zu haben, und er will ihnen nur seinen Spitznamen sagen – „Bär“. Außerdem gibt er offen zu, dass er diesen Spitznamen aus dem Jugendgefängnis hat, wo er und sein Bruder nach einer Verurteilung wegen Drogenbesitz waren. Blanche hat Angst vor ihm, aber Rose findet ihn sympathisch und unterhält sich mit ihm, und stellt überraschenderweise fest, dass sie, Blanche und Bär die selben Dichter mögen – G. K. Chesterton, T. S. Eliot… Bär kommt wieder, um die Stiefel, die sie ihm geliehen haben, zurückzubringen, und Rose lädt ihn dann ein, sie öfter besuchen zu kommen, was er in den Wochen und Monaten darauf auch tut. Er ist katholisch wie sie, sie mögen dieselben Dinge und führen einige tiefgreifende Unterhaltungen, und so langsam freundet sich Blanche mit Bär an, der sich als vertrauenswürdig und hilfsbereit herausstellt. Aber er hat Geheimnisse, die er nicht preisgeben will, muss schließlich den Kontakt zu den Mädchen abbrechen, und dann stellen sie fest, wer er eigentlich ist und dass er einem Verbrechen auf der Spur ist.

Das Buch ist nicht dick und schätzungsweise für Jugendliche ab 13, 14 Jahren geeignet. Schön finde ich es, wie die Autorin in ihren Romanen die Details der originalen Grimm’schen Märchen hineinbringt; das gilt auch für die folgenden Bände: „Black as night“ (nach Schneewittchen), „Waking Rose“ (nach Dornröschen), „The Midnight Dancers“ (nach Die zertanzten Schuhe) und „Alex O’Donnell and the 40 Cyberthieves“ (nach Ali Baba und die 40 Räuber). Die sind leider nur auf Englisch zu haben, aber wenn eine ihr Englisch aufbessern will, ist das eine gute Gelegenheit.

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Christliche Kultur am Sonntag: „Du selbst bist die Antwort“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Erst einmal: Entschuldigung, dass in den letzten Wochen keine Beiträge gekommen sind – manchmal ist man ein bisschen im Stress. Jetzt sollte es wieder normal weitergehen.

 

Heute: C. S. Lewis: „Du selbst bist die Antwort“ (Originaltitel: „Till we have faces“)

Dieser Roman ist meiner Meinung nach eins von Lewis‘ besten Werken (auf jeden Fall besser als die Perelandra-Trilogie, und sogar besser als Narnia), und komischerweise eins der am wenigsten bekannten. (Der deutsche Titel gibt übrigens einen falschen ersten Eindruck; er klingt sehr nach „Selbstfindung“, dabei ist es ein Satz, den die Ich-Erzählerin am Ende an jemand anderen richtet.)

Der Autor beschreibt die Geschichte vor dem Beginn des Buches so:

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Es handelt sich bei dem Roman um eine Nacherzählung der griechischen Sage von Amor und Psyche, und zwar aus der Sicht von Psyches ältester Schwester. Das Ganze spielt in der Antike, in einem kleinen Fürstentum irgendwo nördlich von Griechenland. Die Ich-Erzählerin Orual beginnt ihre Geschichte aufzuschreiben, als sie alt ist und auf ihr Leben zurückblickt, und zwar als Anklage gegen die Götter. Das erste Kapitel beginnt so:

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Orual erzählt  zuerst von ihrer Kindheit als älteste Tochter des Königs von Glome, mit ihrem jähzornigen Vater, ihrer hübschen flatterhaften jüngeren Schwester Redival und dann ihrer jüngsten Halbschwester Istra, die auf Griechisch, das ihnen ihr Erzieher, ein griechischer Sklave und Philosoph, den alle wegen seiner roten Haare nur den Fuchs nennen, beibringt, Psyche genannt wird. Istra/Psyche (um die sich vor allem Orual und der Fuchs kümmern, da ihre Mutter schon im Kindbett gestorben ist, und ihr Vater, freundlich ausgedrückt, nicht begeistert davon ist, nur Töchter zu haben), ist von Anfang an ein besonderes Kind, und als sie älter wird, beginnen die Menschen von Glome, sie zu verehren und kommen mit Krankheiten zu ihr, damit sie ihnen die Hände auflegt. Aber als dann einiges Unglück auf einmal Glome trifft, und die Priester der Göttin Ungit ein Menschenopfer verlangen und darauf kommen, dass Psyche die Götter beleidigt haben könnte, wendet sich das Blatt. Der höchste Priester setzt tatsächlich durch, dass Psyche in ein nahes Gebirge gebracht und dort als Opfer für den Gott des Berges an einen Baum gekettet zurückgelassen wird. Orual ist völlig verzweifelt, Psyche dagegen, die immer schon eine seltsame Sehnsucht nach der Welt der Götter gespürt hat, deutlich gefasster.

Ihre trauernde ältere Schwester geht einige Zeit später ins Gebirge, um zu sehen, ob sie wenigstens Überreste ihrer Schwester begraben kann. Aber sie trifft Psyche sehr lebendig an, und die erzählt ihr, dass sie mit dem Gott des Berges vermählt worden sei, und will ihr ihren Palast zeigen – den Orual nicht sehen kann. Sie sagt ihr auch, ihr Gemahl käme nur nachts zu ihr und sie dürfe ihn nicht sehen und keine Lampe in ihr Schlafgemach bringen. Orual will alles nicht glauben und kehrt schließlich nach Hause zurück. Sie überzeugt sich selbst, dass etwas Finsteres dahinterstecken müsse und schließlich kommt sie ein zweites Mal zu Psyche und droht ihr, sich selbst zu töten, wenn Psyche nicht eine Lampe, die sie ihr mitgebracht hat, nachts anzündet, um den Gott anzusehen…

In dem Buch geht es um einen gewissen Konflikt zwischen dem Kult des Priesters, für den heilige Orte dunkle Orte sind und Religion im Kern irrational ist, und den rationalen Maximen des griechischen Philosophen von der göttlichen Natur, und letzten Endes darum, wo beide Unrecht haben, aber Orual will eigentlich gar nichts mit der Welt des Göttlichen zu tun haben, und darum geht es ganz zentral.

Lewis hat ja auch in seinen theologischen Werken einiges dazu geschrieben, inwiefern es in den Legenden und Kulten des Heidentums schon Ahnungen von der wahren Religion gab, und dieser Roman führt das in einer mythologischen Weise aus, was ihn teilweise etwas seltsam macht (v. a. gegen Ende), aber letztlich passt das alles zusammen. Zwischendurch ist der Roman dunkel und traurig und hart, und das Ende ist dann wahnsinnig schön. Tatsächlich ist das eins der wenigen Bücher, bei denen ich an manchen Stellen jedes Mal heulen muss.

 

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Chroniken von Narnia“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: C. S. Lewis: „Die Chroniken von Narnia“

Lewis‘ nicht nur für Kinder geeignete Kinderbücher gehören ja zu den bekanntesten Klassikern der christlichen Literatur. Der erste Band mit dem englischen Titel „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ (erschienen 1950), auf Deutsch unter dem etwas unscheinbareren Titel „Der König von Narnia“ herausgekommen, handelt von den vier Geschwistern Peter, Suse, Edmund und Lucy, die während des 2. Weltkriegs aufs Land ins Haus eines alten Professors geschickt werden, um vor den Bombenangriffen auf England sicher zu sein, und da einen Zugang zu einem magischen Land namens Narnia entdecken, wo eine Hexe herrscht, die macht, dass es immer Winter, aber niemals Weihnachten ist. Die Ankunft der vier Geschwister erfüllt eine Prophezeiung, und jetzt kehrt auch der Löwe Aslan zurück, mit dem zusammen sie die Hexe bekämpfen sollen. Ein Problem: Edmund ist einmal allein in Narnia gewesen, hat die Hexe getroffen, und sich von ihr einwickeln lassen.

Als nächster Band der Reihe erschien „Prinz Kaspian von Narnia“, in dem die vier ein zweites Mal nach Narnia kommen, wo inzwischen hunderte von Jahren vergangen sind und das meiste aus den alten Zeiten vergessen oder nur noch Mythos ist; dann kamen „Die Reise auf der Morgenröte“ und „Der silberne Sessel“, die weitere Abenteuer in Narnia erzählen (jetzt kommen auch zwei weitere Kinder aus unserer Welt vor). Danach brachte Lewis eine Geschichte heraus, die nur in Narnia, d. h. hauptsächlich in den Nachbarländern von Narnia, spielt (mit dem sehr hübschen englischen Titel „The horse and his boy“ – dt. „Der Ritt nach Narnia“; sie beginnt mit einer Flucht von zwei sprechenden Pferden und zwei Kindern aus dem Reich der Kalormenen nach Narnia), als vorletztes eine Vorgeschichte, in der Narnia erschaffen wird (hier taucht der alte Professor Kirk als Kind auf, und man erfährt, woher die Hexe kam; engl. Titel „The Magician’s Nephew“, dt. „Das Wunder von Narnia“); und als letztes „Der letzte Kampf“ – und hier geht es um das Ende der narnianischen Welt. Meiner bescheidenen Meinung nach werden ja besonders „Der Ritt nach Narnia“, „Der silberne Sessel“ und „Der letzte Kampf“ deutlich zu wenig geschätzt.

Lewis ist für seine relativ offene Symbolik in den Büchern von manchen kritisiert worden (Aslan steht für Jesus, was nicht schwer zu erraten ist, wenn man die christliche Religion kennt); aber die Symbolik passt einfach, und Aslan und andere Figuren sind keine bloßen Nacherzählungen, sondern völlig authentische Teile dieser Geschichten.

Was die Verfilmungen angeht, die Walden Media zu den ersten drei Bänden produziert hat, ist „Der König von Narnia“ ziemlich gut geraten, „Prinz Kaspian von Narnia“ immerhin nicht schlecht, und „Die Reise auf der Morgenröte“ hat mit dem Buch nur noch wenig zu tun.

(Karte der Welt von Narnia von David Bedell.)