Christliche Kultur am Sonntag: „Eine Weihnachtsgeschichte“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Charles Dickens: „Eine Weihnachtsgeschichte“

Zweiter Advent, es geht auf Weihnachten zu, also heute ein passender Klassiker:

Der geizige Geschäftsmann Ebenezer Scrooge wird am Vorabend des Weihnachtstages vom Geist seines toten Partners Jacob Marley besucht, der Ketten trägt und ihm kundtut, dass er wegen seines schlechten Lebens jahrelang ruhelos durch die Welt wandern muss, und dass er für Scrooge seinerseits eine Warnung hat. Er kündigt ihm den Besuch dreier weiterer Geister an: dem der vergangenen, dem der gegenwärtigen und dem der zukünftigen Weihnacht. Die Geister kommen und führen Scrooge zu Szenen aus seinem vergangenen Leben, aus dem Weihnachtsfest anderer Menschen und dem Weihnachtsfest in zukünftigen Jahren.

(Scrooge und Marleys Geist. Gemeinfrei.)

Dickens‘ Buch ist sehr schön, wirklich schön geschrieben, nicht allzu lang und geeignet für ältere Kinder und Erwachsene; vielleicht ein Buch zum Vorlesen in den Weihnachtsferien. Den Text gibt es auch online in einer älteren deutschen Übersetzung und auf Englisch für alle, die ein bisschen hineinlesen wollen.

Screenshot (1690)

(Der berühmte Beginn des 1. Kapitels.)

Es gibt etliche Verfilmungen, die zwar nicht so gut wie das Buch sind, aber oft trotzdem nicht schlecht: ich kenne z. B. Disney’s Animationsfilm von 2009 oder „Eine Weihnachtsgeschichte“ von 1984.

Christliche Kultur am Sonntag: „Der Schatten des Bären“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Regina Doman: „Der Schatten des Bären“

„Der Schatten des Bären“ (im englischen Original erstmals 1997 veröffentlicht) ist der erste Band der „Fairy Tale Novels“, einer Reihe von nach Märchen verfassten Jugendbüchern der amerikanischen katholischen Autorin Regina Doman, und bisher der einzige davon, der auf Deutsch übersetzt wurde. Leider ist er schriftstellerisch ein wenig schwächer als die späteren Bände, und die Übersetzung hat Schwachstellen (das Deutsch wirkt an ein paar Stellen wie aus den 80ern gefallen), aber das sind kleinere Mankos, die sich aushalten lassen.

Grundlage des Romans ist das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“, und es geht um zwei Schwestern, die 18-jährige Blanche und die 17-jährige Rose, die mit ihrer Mutter (ihr Vater ist an Krebs gestorben) in New York City leben. Eines Winterabends lernen sie einen jungen Mann kennen, der ihre Mutter vor dem Zusammenstoß mit einem Auto bewahrt hat, und den ihre Mutter (die Krankenschwester ist) hereinbittet, weil er Erfrierungen an den Füßen hat. Er hat Dreadlocks und wirkt relativ abgerissen, Blanche meint, ihn öfter bei den Drogendealern an ihrer Highschool gesehen zu haben, und er will ihnen nur seinen Spitznamen sagen – „Bär“. Außerdem gibt er offen zu, dass er diesen Spitznamen aus dem Jugendgefängnis hat, wo er und sein Bruder nach einer Verurteilung wegen Drogenbesitz waren. Blanche hat Angst vor ihm, aber Rose findet ihn sympathisch und unterhält sich mit ihm, und stellt überraschenderweise fest, dass sie, Blanche und Bär die selben Dichter mögen – G. K. Chesterton, T. S. Eliot… Bär kommt wieder, um die Stiefel, die sie ihm geliehen haben, zurückzubringen, und Rose lädt ihn dann ein, sie öfter besuchen zu kommen, was er in den Wochen und Monaten darauf auch tut. Er ist katholisch wie sie, sie mögen dieselben Dinge und führen einige tiefgreifende Unterhaltungen, und so langsam freundet sich Blanche mit Bär an, der sich als vertrauenswürdig und hilfsbereit herausstellt. Aber er hat Geheimnisse, die er nicht preisgeben will, muss schließlich den Kontakt zu den Mädchen abbrechen, und dann stellen sie fest, wer er eigentlich ist und dass er einem Verbrechen auf der Spur ist.

Das Buch ist nicht dick und schätzungsweise für Jugendliche ab 13, 14 Jahren geeignet. Schön finde ich es, wie die Autorin in ihren Romanen die Details der originalen Grimm’schen Märchen hineinbringt; das gilt auch für die folgenden Bände: „Black as night“ (nach Schneewittchen), „Waking Rose“ (nach Dornröschen), „The Midnight Dancers“ (nach Die zertanzten Schuhe) und „Alex O’Donnell and the 40 Cyberthieves“ (nach Ali Baba und die 40 Räuber). Die sind leider nur auf Englisch zu haben, aber wenn eine ihr Englisch aufbessern will, ist das eine gute Gelegenheit.

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Christliche Kultur am Sonntag: „Du selbst bist die Antwort“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Erst einmal: Entschuldigung, dass in den letzten Wochen keine Beiträge gekommen sind – manchmal ist man ein bisschen im Stress. Jetzt sollte es wieder normal weitergehen.

 

Heute: C. S. Lewis: „Du selbst bist die Antwort“ (Originaltitel: „Till we have faces“)

Dieser Roman ist meiner Meinung nach eins von Lewis‘ besten Werken (auf jeden Fall besser als die Perelandra-Trilogie, und sogar besser als Narnia), und komischerweise eins der am wenigsten bekannten. (Der deutsche Titel gibt übrigens einen falschen ersten Eindruck; er klingt sehr nach „Selbstfindung“, dabei ist es ein Satz, den die Ich-Erzählerin am Ende an jemand anderen richtet.)

Der Autor beschreibt die Geschichte vor dem Beginn des Buches so:

Lewis_Du_selbst_bist_die_Antwort_klein

Es handelt sich bei dem Roman um eine Nacherzählung der griechischen Sage von Amor und Psyche, und zwar aus der Sicht von Psyches ältester Schwester. Das Ganze spielt in der Antike, in einem kleinen Fürstentum irgendwo nördlich von Griechenland. Die Ich-Erzählerin Orual beginnt ihre Geschichte aufzuschreiben, als sie alt ist und auf ihr Leben zurückblickt, und zwar als Anklage gegen die Götter. Das erste Kapitel beginnt so:

Till_we_have_faces

Orual erzählt  zuerst von ihrer Kindheit als älteste Tochter des Königs von Glome, mit ihrem jähzornigen Vater, ihrer hübschen flatterhaften jüngeren Schwester Redival und dann ihrer jüngsten Halbschwester Istra, die auf Griechisch, das ihnen ihr Erzieher, ein griechischer Sklave und Philosoph, den alle wegen seiner roten Haare nur den Fuchs nennen, beibringt, Psyche genannt wird. Istra/Psyche (um die sich vor allem Orual und der Fuchs kümmern, da ihre Mutter schon im Kindbett gestorben ist, und ihr Vater, freundlich ausgedrückt, nicht begeistert davon ist, nur Töchter zu haben), ist von Anfang an ein besonderes Kind, und als sie älter wird, beginnen die Menschen von Glome, sie zu verehren und kommen mit Krankheiten zu ihr, damit sie ihnen die Hände auflegt. Aber als dann einiges Unglück auf einmal Glome trifft, und die Priester der Göttin Ungit ein Menschenopfer verlangen und darauf kommen, dass Psyche die Götter beleidigt haben könnte, wendet sich das Blatt. Der höchste Priester setzt tatsächlich durch, dass Psyche in ein nahes Gebirge gebracht und dort als Opfer für den Gott des Berges an einen Baum gekettet zurückgelassen wird. Orual ist völlig verzweifelt, Psyche dagegen, die immer schon eine seltsame Sehnsucht nach der Welt der Götter gespürt hat, deutlich gefasster.

Ihre trauernde ältere Schwester geht einige Zeit später ins Gebirge, um zu sehen, ob sie wenigstens Überreste ihrer Schwester begraben kann. Aber sie trifft Psyche sehr lebendig an, und die erzählt ihr, dass sie mit dem Gott des Berges vermählt worden sei, und will ihr ihren Palast zeigen – den Orual nicht sehen kann. Sie sagt ihr auch, ihr Gemahl käme nur nachts zu ihr und sie dürfe ihn nicht sehen und keine Lampe in ihr Schlafgemach bringen. Orual will alles nicht glauben und kehrt schließlich nach Hause zurück. Sie überzeugt sich selbst, dass etwas Finsteres dahinterstecken müsse und schließlich kommt sie ein zweites Mal zu Psyche und droht ihr, sich selbst zu töten, wenn Psyche nicht eine Lampe, die sie ihr mitgebracht hat, nachts anzündet, um den Gott anzusehen…

In dem Buch geht es um einen gewissen Konflikt zwischen dem Kult des Priesters, für den heilige Orte dunkle Orte sind und Religion im Kern irrational ist, und den rationalen Maximen des griechischen Philosophen von der göttlichen Natur, und letzten Endes darum, wo beide Unrecht haben, aber Orual will eigentlich gar nichts mit der Welt des Göttlichen zu tun haben, und darum geht es ganz zentral.

Lewis hat ja auch in seinen theologischen Werken einiges dazu geschrieben, inwiefern es in den Legenden und Kulten des Heidentums schon Ahnungen von der wahren Religion gab, und dieser Roman führt das in einer mythologischen Weise aus, was ihn teilweise etwas seltsam macht (v. a. gegen Ende), aber letztlich passt das alles zusammen. Zwischendurch ist der Roman dunkel und traurig und hart, und das Ende ist dann wahnsinnig schön. Tatsächlich ist das eins der wenigen Bücher, bei denen ich an manchen Stellen jedes Mal heulen muss.

 

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Chroniken von Narnia“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: C. S. Lewis: „Die Chroniken von Narnia“

Lewis‘ nicht nur für Kinder geeignete Kinderbücher gehören ja zu den bekanntesten Klassikern der christlichen Literatur. Der erste Band mit dem englischen Titel „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ (erschienen 1950), auf Deutsch unter dem etwas unscheinbareren Titel „Der König von Narnia“ herausgekommen, handelt von den vier Geschwistern Peter, Suse, Edmund und Lucy, die während des 2. Weltkriegs aufs Land ins Haus eines alten Professors geschickt werden, um vor den Bombenangriffen auf England sicher zu sein, und da einen Zugang zu einem magischen Land namens Narnia entdecken, wo eine Hexe herrscht, die macht, dass es immer Winter, aber niemals Weihnachten ist. Die Ankunft der vier Geschwister erfüllt eine Prophezeiung, und jetzt kehrt auch der Löwe Aslan zurück, mit dem zusammen sie die Hexe bekämpfen sollen. Ein Problem: Edmund ist einmal allein in Narnia gewesen, hat die Hexe getroffen, und sich von ihr einwickeln lassen.

Als nächster Band der Reihe erschien „Prinz Kaspian von Narnia“, in dem die vier ein zweites Mal nach Narnia kommen, wo inzwischen hunderte von Jahren vergangen sind und das meiste aus den alten Zeiten vergessen oder nur noch Mythos ist; dann kamen „Die Reise auf der Morgenröte“ und „Der silberne Sessel“, die weitere Abenteuer in Narnia erzählen (jetzt kommen auch zwei weitere Kinder aus unserer Welt vor). Danach brachte Lewis eine Geschichte heraus, die nur in Narnia, d. h. hauptsächlich in den Nachbarländern von Narnia, spielt (mit dem sehr hübschen englischen Titel „The horse and his boy“ – dt. „Der Ritt nach Narnia“; sie beginnt mit einer Flucht von zwei sprechenden Pferden und zwei Kindern aus dem Reich der Kalormenen nach Narnia), als vorletztes eine Vorgeschichte, in der Narnia erschaffen wird (hier taucht der alte Professor Kirk als Kind auf, und man erfährt, woher die Hexe kam; engl. Titel „The Magician’s Nephew“, dt. „Das Wunder von Narnia“); und als letztes „Der letzte Kampf“ – und hier geht es um das Ende der narnianischen Welt. Meiner bescheidenen Meinung nach werden ja besonders „Der Ritt nach Narnia“, „Der silberne Sessel“ und „Der letzte Kampf“ deutlich zu wenig geschätzt.

Lewis ist für seine relativ offene Symbolik in den Büchern von manchen kritisiert worden (Aslan steht für Jesus, was nicht schwer zu erraten ist, wenn man die christliche Religion kennt); aber die Symbolik passt einfach, und Aslan und andere Figuren sind keine bloßen Nacherzählungen, sondern völlig authentische Teile dieser Geschichten.

Was die Verfilmungen angeht, die Walden Media zu den ersten drei Bänden produziert hat, ist „Der König von Narnia“ ziemlich gut geraten, „Prinz Kaspian von Narnia“ immerhin nicht schlecht, und „Die Reise auf der Morgenröte“ hat mit dem Buch nur noch wenig zu tun.

(Karte der Welt von Narnia von David Bedell.)

Christliche Kultur am Sonntag: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Michael Ende: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“

Die Handlung dieses Kinderbuchs (geeignet schätzungsweise für Kinder ab ca. 10 Jahren) setzt am Nachmittag des Silvestertages in der Villa des bösen Zauberers Beelzebub Irrwitzer ein, der unangenehmen Besuch von einem höllischen Zwangsvollstrecker erhält. Irrwitzer hat seinen Teil eines Vertrages mit dem Teufel nicht erfüllt und im vergangenen Jahr nicht genug böse Taten vollbracht, und jetzt droht ihm selbst Böses. Der Grund für seinen Rückstand: Der Rat der Tiere hat ihm einen Spion ins Haus geschickt, einen Kater, der sich Maurizio di Mauro nennt. Obwohl der böse Zauberer (der Bescheid wusste, was vor sich ging, es aber nicht wagte, die ganze Tierwelt wissen zu lassen, dass er einer von denen ist, die ihr so sehr schaden) es geschafft hat, den nicht allzu klugen Kater einzuwickeln und ihn glauben zu machen, er sei ein großer Wohltäter, hat ihn dessen Anwesenheit bei seinen bösen Geschäften doch sehr gestört.

Aber er hat noch eine Frist bis Mitternacht, und nachdem der höllische Beamte vorläufig wieder fort ist, kommt Irrwitzers Tante, die Geldhexe Tyrannja Vamperl ins Spiel, die dasselbe Problem hat (bei ihr ist es ein Rabe namens Jakob Krakel, der allerdings nicht ganz so leichtgläubig ist wie der Kater Maurizio). Tyrannja hat eine Idee, wie sie und ihr Neffe ihren Rückstand noch aufholen können, nämlich, indem sie gemeinsam den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch brauen, der Wünsche wahr werden lassen kann. Sie machen sich hastig ans Werk, während Jakob, der auch zu der Villa gekommen ist, Maurizio davon überzeugen kann, dass die Hexe und der Zauberer tatsächlich böse sind, und die beiden Tiere sich an den Versuch machen, das Unterfangen zu verhindern. Am Ende ist es jemand vom Himmel, der ihnen dabei zu Hilfe kommt: Der zuständige Tagesheilige Sankt Silvester persönlich.

Nicht nur die Darstellung des Bösen und Guten ist sehr gut gelungen, es gibt an einer Stelle auch eine hübsche kurze Darlegung des hl. Silvester, was Gut und Böse eigentlich ist. Außerdem sind die beiden Tiere sehr sympathische Protagonisten, und Michael Ende schreibt natürlich wie immer wunderbar. Meiner Meinung nach übertrifft der „Wunschpunsch“ die „Unendliche Geschichte“ eindeutig.

Christliche Kultur am Sonntag: Dean Koontz (Leserempfehlung)

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Dean Koontz (Autor u. a. der „Odd Thomas“-Serie)

Diesmal eine Leserempfehung, für die ich herzlich danke: Leser Oliver hat einen neueren Autor aus dem Bereich Fantasy/Thriller zu empfehlen, der übrigens auch außerhalb christlicher Kreise ziemlich erfolgreich ist (mehrfach auf Platz 1 der New-York-Times-Bestseller-Liste):

‚Eines der katholischsten Werke der Populärkultur ist die Odd Thomas Serie von Dean Koontz.
 Koontz ist Katholik, mit einem Faible für die alte Messe, und bringt seit Ende der 90er seinen Katholizismus immer mehr in seinen Werken zur Geltung.
 In seinen Büchern ist er nur selten explizit katholisch, sondern lässt seine Helden katholische Werte verkörpern.‘

Oliver hat auch auf mehrere Interviews mit Koontz und Artikel über sein Werk (u. a. hier, hier und hier) hingewiesen, die ziemlich Lust machen, seine Bücher zu lesen (ich hab mir tatsächlich gleich mal eins bestellt und bin ziemlich gespannt darauf).

Christliche Kultur am Sonntag: Der Herr der Ringe, Der kleine Hobbit, Das Silmarillion

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: J. R. R. Tolkien: „Der Herr der Ringe“, „Der kleine Hobbit“ & „Das Silmarillion“

„Der Herr der Ringe ist natürlich von Grund auf ein religiöses und katholisches Werk, unbewusstermaßen zuerst, aber bewusst im Rückblick“, schrieb der katholische Autor J. R. R. Tolkien (1892-1973) in einem Brief über sein bekanntestes Buch; außerdem ist es ein sehr schönes Werk und eins, das die Bezeichnung „Epos“, die man ja inzwischen gerne Fantasyromanen, die nur ausführliche Schundliteratur plus Drachen oder Werwölfe sind, gern beilegt, tatsächlich verdient hat. Die Geschichte vom scheinbar aussichtslosen Kampf gegen Sauron, der Mittelerde bedroht, von dem einen Ring, der mächtigen Waffe, die zerstört werden muss, bevor sie Sauron wieder in die Hände fällt, die aber dazu neigt, jeden, der ihr nahekommt, in ihren Bann zu ziehen, ist wirklich spannend; und die Figuren, die hier auftauchen, vom Bösen angefochten werden, zum Teil schwanken, und sich schließlich für eine Seite entscheiden müssen, sind ebenso faszinierend.

(Die Verfilmung hat ein paar kleinere Fehler (Faramir! Aragorns Krönungsszene!), ist aber trotzdem im Ganzen sehenswert.)

Das schöne Kinderbuch „Der kleine Hobbit“ erzählt die unmittelbare Vorgeschichte dazu (und die neueste Verfilmung ruiniert es ein wenig mit unnötiger Überdramatisierung und Streckung durch dazuerfundenes Zeug ohne viel Sinn dahinter); und das „Silmarillion“, nach Tolkiens Tod veröffentlicht, dann die weitere Vorgeschichte – genau genommen ab der Erschaffung der Welt. Hier erfährt man nicht nur, wer Sauron und Gandalf eigentlich sind, sondern kann auch etliche weitere mehr oder weniger zusammenhängende Geschichten über Engel, Dämonen, Elben, Orks, Zwerge und Menschen lesen; das Silmarillion ist einfach wunderschön und viel zu wenig bekannt.

Silmarillion.png

(Erstausgabe des Silmarillions von 1977 mit einer Zeichnung von Tolkien auf dem Cover. Gemeinfrei.)

Christliche Kultur, diesmal am Montag: „Pater Brown“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute, ausnahmsweise etwas verspätet: „Pater Brown“ (Kurzgeschichten und Fernsehserie)

Die Kurzgeschichten von G. K. Chesterton um den hellsichtigen Pater Brown, der immer wieder mit Kriminalfällen konfrontiert wird und sie löst, indem er sich in den Verbrecher hineinversetzt, haben ja Kultstatus in Katholikenkreisen und dürfen in dieser Serie auf keinen Fall übergangen werden. Erschienen sind Chestertons 49 Kurzgeschichten zwischen 1910 und 1935; sprachlich und erzählerisch sehr schön, enthalten sie außerdem so einige überraschende theologische Einsichten, die aber nicht holzhammerartig präsentiert werden. Die meisten Kurzgeschichten hängen nicht zusammen, aber eine zweite Figur taucht mehrere Male auf: Der Meisterdieb Flambeau, der sich bekehrt und Pater Browns Freund wird.

Die deutschen Filme mit Heinz Rühmann („Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“) haben wenig mit den originalen Geschichten zu tun; aber die österreichische Serie mit Josef Meinrad hält sich gut an sie und ist generell relativ gut gelungen (mit vereinzelten Ausnahmen – die Folge „Der Hammer Gottes“ hat das zentrale Motiv in der entsprechenden Kurzgeschichte ziemlich verdreht). (Die in den letzten Jahren produzierte BBC-Serie mit Mark Williams ist filmisch gut gemacht, basiert aber auch oft nur lose auf Chestertons Geschichten und offensichtlich konnten die Macher die meiste Theologie nicht vertragen und mussten die Titelfigur zu einem theologisch Liberalen umdichten.)

Soviel zu den Verfilmungen, die ich kenne (das sind nicht die einzigen, die produziert wurden); am lohnendsten sind aber natürlich die in mehreren Bänden erhältlichen Kurzgeschichten. Man findet übrigens auch zweisprachige Bände mit ein paar Erzählungen auf Deutsch und im englischen Original nebeneinander, z. B. hier.

Schlechte Fanfiction gibt’s auch zur Heiligen Schrift, Teil 4: Batseba

(Die bisherigen Teile hier: Teil 1, Teil 2a, Teil 2b, Teil 3.)

Mir ist aufgefallen, dass ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr mit meiner Rezension zu dem Sammelband „Saat des Segens“ der evangelikalen Romanautorin Francine Rivers über biblische Frauengestalten aus dem Stammbaum Jesu weitergemacht habe; jetzt also endlich zum vorletzten Roman, dem um Batseba, die Frau des Urija, König Davids Geliebte und schließliche Ehefrau, Mutter Salomos und über ihn Urahnin Jesu. (Beim nächsten Mal zum eigentlich „interessantesten“ Roman, dem um Maria.)

Dieser Roman beginnt, als Batseba noch ein Kind ist und zusammen mit ihrer Familie im Lager des von König Saul verfolgten David und seiner kleinen Anhängerschar lebt, und endet mit ihrem Tod, als schon ihr Sohn Salomo auf dem Thron Israels sitzt; er umfasst damit die Ereignisse, die in der Bibel in 1 Sam 27 – 1 Kön 2 berichtet werden.

Aus dieser langen Geschichte hätte ein George R. R. Martin* vermutlich 10 Bände zu je 1000 Seiten machen können. Hollywood würde locker Stoff für eine Serie mit 5-10 Staffeln finden. Mrs. Rivers handelt alles in 134 Seiten ab. Noch mehr als in den anderen Bänden wird deutlich, dass sie sich mit diesen Büchern einfach keine rechte Mühe machen wollte. Klar: Eine Romanreihe zu biblischen Figuren kann man in christlichen Kreisen immer verkaufen.

Außerdem merkt man, wie sehr sich ihre Protagonistinnen ähneln; eine individuelle Persönlichkeit hat keine wirklich. Sie spüren alle eine gewisse Sehnsucht nach Gott, zweifeln manchmal, treffen manchmal eine falsche Entscheidung, sind dann aber wieder mutig und treu, und, tja, mehr fällt mir zu ihnen nicht ein. Aber solche Figuren haben für Autoren etwas Praktisches: Die Leser (bzw. Leserinnen) können nach Belieben ihre eigenen Gefühle auf sie projizieren.

Der Einzelband trägt auf Deutsch den Titel „Frau die Gnade fand – Batseba“, im Sammelband lautet der Titel „Batseba – Schönheit aus der Asche“, im englischen Original „Unspoken“. Wie gesagt, das Buch beginnt noch in Batsebas Kindheit; ihr Vater Eliam und ihr Großvater Ahitofel gehören beide zu Davids Gefolgsleuten. Die biblische Batseba taucht erstmals auf, als sie schon mit Urija verheiratet ist und David sich für sie interessiert, aber hier hat die Autorin sich natürlich eine Hintergrundgeschichte ausdenken müssen, und sie hat für ihre Geschichte tatsächlich zwei Verse aus der Bibel in Verbindung gesetzt: In englischen Übersetzungen wird Batseba in 2 Sam 11,3 als Tochter Eliams bezeichnet, und in 2 Sam 23,34 taucht in einer Liste von Davids Kriegshelden ebenfalls ein Eliam auf, der als Sohn Ahitofels des Giloniters bezeichnet wird. (Die lateinische Vulgata hat auch an beiden Stellen „Eliam“, in der Einheitsübersetzung steht allerdings an der ersten Stelle „Ammiel“, an der zweiten „Eliam“.) Während man in der Bibel über Eliam (Ammiel?) nichts weiter erfährt, spielt Ahitofel eine größere Rolle in all den Intrigen und Kämpfen im 2. Buch Samuel – aber dazu später.

Das erste Kapitel erzählt also im Schnelldurchlauf die Vorgeschichte zu Davids und Batsebas Verhältnis, die Mrs. Rivers sich ausgedacht hat. Sie hat hier die biblische Geschichte in ein paar Details abgeändert: In der Bibel zieht der von Saul verfolgte David ins Gebiet der Philister, verbündet sich dort (scheinbar) mit einem Philister namens Achisch, der ihm und seinen Leuten eine kleine Stadt namens Ziklag überlässt, und führt von dort aus heimlich Überfälle auf die Geschuriter, Geresitern und Amalekiter aus, während er Achisch glauben lässt, seine Überfälle würden ihn nach Juda führen. Als ein Krieg zwischen Saul und den Philistern ausbricht, zieht David mit Achisch, um sich mit anderen Philisterfürsten zu treffen, doch die fürchten, dass David in der Schlacht gegen Saul zum Verräter werden könnte, und so schickt Achisch David zurück nach Ziklag. Die Stadt ist in der Zwischenzeit von den Amalekitern überfallen worden, die die dort zurückgebliebenen Frauen und Kinder weggeschleppt haben, aber David kann sie noch einholen und alle befreien.

In diesem Roman leben Davids Leute in einem Lager aus Zelten bei En-Gedi und Adullam, Achisch kommt nicht vor, und David und seine Krieger ziehen erst zu den Philistern, weil sie sich ihnen zum Schein anschließen und sich dann in der Schlacht gegen sie wenden wollen, als sie erfahren, dass Saul gegen sie zieht, werden aber dann wie in der Bibel von ihnen abgewiesen. Zu dieser Zeit ist Batseba acht Jahre alt und schon auf ihre kindliche Art in David verliebt, der vierzehn Jahre älter ist als sie und bereits drei Frauen hat. Wir bekommen ein paar Szenen mit David und seinen Männern, Batseba, ihren Eltern und ihrem Großvater in ihrem Lager. Davids Anhänger, allen voran Ahitofel, sind David treu ergeben, weil er dem Herrn ergeben und von Ihm erwählt ist, und sind gebannt von seinen Psalmendichtungen. Man merkt, dass die Autorin es gerne mitreißend beschreiben würde, und ein guter Autor könnte das vermutlich, aber ihre Beschreibung ist ungefähr so mitreißend wie ein Neues Geistliches Lied. Die kleine Batseba ist, wie gesagt, besonders hingerissen von David, aber ihre Mutter warnt sie schon da, dass sie sich nicht in einen polygamen König verlieben solle und es „besser ist, Gott zu verehren und nicht einen Menschen“ (S. 348). Dann ziehen also die Männer zu den Philistern, und in ihrer Abwesenheit tauchen Amalekiter auf, die die zurückgebliebenen Frauen und Kinder verschleppen; das ist eine der Stellen, an denen es hätte spannend werden können, aber nach drei Seiten sind sie auch schon wieder befreit und es ist nicht viel passiert. Die Autorin hat es eben aufgenommen, um ein bisschen Action am Anfang zu haben, und weil es in der Bibel steht.

Saul, der also den Philistern allein gegenübersteht,  begeht in der Schlacht Selbstmord, als er merkt, dass eine Niederlage unausweichlich ist, und seine Söhne, darunter Davids bester Freund Jonatan, werden im Kampf getötet. David zieht mit seinen Leuten wieder ins Gebiet von Juda, nach Hebron, Sauls Haus führt weiter Krieg gegen ihn, und er heiratet ein paar weitere Frauen. Dort leben sie alle mehrere Jahre lang und dort wird Batseba als Vierzehnjährige mit einem von Davids Kriegern, dem Hetiter Urija, verheiratet (er ist Ende zwanzig). Ihre Mutter predigt ihr, dass sie froh über den für sie ausgesuchten Mann sein sollte („Uria ist freundlich, stark und anständig, und du wirst seine einzige Frau sein. David hat dich noch nie eines Blickes gewürdigt, aber Uria sieht dich an, als ob du eine kostbare Perle wärst.“, S. 358), und Batseba fügt sich, wenn auch nicht allzu begeistert: „Ich werde Uria heiraten, Mutter, und ich werde ihm den Respekt und Gehorsam erweisen, den er verdient. Aber Liebe… die kann man nicht befehlen.“ (Ebd.).

Zu ihrer Hochzeit kommt auch David, und hier haben wir erstmals Folgendes: „Schnell blickte sie sich um und begegnete wieder Davids Blick. Was für ein Blick das war! Sie begriff instinktiv, was er bedeutete, und spürte, wie ihr Hochgefühl der Verzweiflung wich. Warum sieht er mich erst jetzt als Frau, wo es zu spät ist? Warum hat er mich nicht einen Neumond eher so ansehen können?“ (S. 359f.) David verlässt die Feier schließlich, ohne weiter mit ihr zu reden.

Über Uria erfahren die Leser nur skizzenhaft etwas – er ist ein sanfter und frommer Mann, ein guter Krieger und viel fort von zu Hause, und Batseba achtet ihn und erledigt die Hausarbeit für ihn, aber mehr nicht. Und jetzt, als sie jung verheiratet ist, wird an einer Stelle – was für die spätere Geschichte ganz interessant ist – auch schon das Thema Sittsamkeit angesprochen, und zwar in typisch (wie soll man es sagen?) orientalischer Weise:

„Manchmal brachte er [Uria] Soldaten mit nach Hause; dann musste Batseba einen Schleier vor ihr Gesicht ziehen, damit die Gäste sie nicht anstarrten, wenn sie sie bediente. Er bat sie, den Schleier auch dann zu tragen, wenn sie hinausging. ‚Es sind raue Gesellen in Davids Armee – Männer, die keinen Respekt vor Frauen haben.‘
  ‚Solche Männer kenne ich mein ganzes Leben lang, Uria. Mir hat noch nie einer etwas getan.‘
‚Damals warst du noch ein Kind, Batseba. Jetzt bist du eine schöne junge Frau. Meine Frau. Hör auf mich.‘ Er hob ihr Kinn an und sah ihr in die Augen. ‚Es ist weise, sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben.'“ (S. 361)

Zwei Jahre vergehen, in denen Batseba kinderlos bleibt. Sauls Erbe wird ermordet, David wird von den Stämmen Israels zum König erhoben, und er erobert Jerusalem. Auch Batseba und Uria ziehen jetzt in die Stadt, wo der neue Königspalast gebaut wird, und bauen ein Haus ganz in der Nähe. Die Israeliten erringen Siege über die Philister und holen die Bundeslade nach Jerusalem. Am Ende des Kapitels gibt sich die Autorin Mühe, poetisch zu sein: „Aber vor der Tür lauerte ein größerer Feind als die Feinde Israels. Ein größerer Kampf stand kurz bevor, einer, der das Volk in Stücke reißen konnte. Und dieser Krieg würde nicht in den Bergen, Tälern oder Ebenen von Israel toben. Sondern in der unwegsamen Wüste des menschlichen Herzens.“ (S. 366)

Im 2. Kapitel geht es dann an den eigentlichen Punkt der Geschichte: Batsebas und Davids Ehebruch. Israel reagiert auf eine Provokation des Ammoniter-Königs Hanun mit einem neuen Kriegszug, und die Autorin macht klar, dass sie von Davids kriegslustigen Militärleuten (u. a. seinem Heerführer Joab) nicht viel hält, aber auch der kriegsmüde König, der in Jerusalem zurückbleibt und seine Männer allein ziehen lässt, macht nicht die beste Figur. David sehnt sich nach seinem alten Leben als Hirte zurück, wo er mehr Gelegenheit fand, Gott nahe zu sein, findet in seinem polygamen Haushalt keine Ruhe, und ihm fehlen die Worte, um Psalmen zu dichten. Batseba unterdessen ist einsam, wünscht sich, endlich ein Kind zu haben und macht sich Sorgen, dass ihr Mann nicht aus dem Krieg zurückkehren könnte.

Als sie eines Nachmittgs wegen der rituellen Reinigung nach ihrer Menstruation in ihrem Hinterhof badet, sieht der König sie vom Schlossdach aus. In der Bibel heißt es an dieser Stelle: Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen. David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte: Ist das nicht Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija? Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm und er schlief mit ihr – sie hatte sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück. (2 Sam 11,2-4)

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(Batseba im Bad in einer mittelalterlichen Buchmalerei.)

Hier gibt es ja einen gewissen Interpretationsspielraum für eine Nacherzählung; man kann aus Batseba ein Opfer sexueller Gewalt durch ihren Herrscher oder auch eine willige Mittäterin machen. (In der Kunst gab es auch mal den Usus, sie auf ihrem Dach badend darzustellen, um die Aufmerksamkeit des Königs auf sich zu lenken.) Mrs. Rivers stellt die Szene folgendermaßen dar:

„Plötzlich hatte sie das Gefühl, dass jemand sie beobachtete. Sie schaute nach oben. Da, auf der Mauer stand jemand. Ein Mann. Sie legte instinktiv die Arme um ihren Körper und duckte sich unter den halb durchsichtigen Baldachin. Es war mitten am Nachmittag, eine Zeit, in der die meisten Menschen vor der Hitze in den Schatten ihrer Häuser flohen. Was machte dieser Mann da oben auf dem Dach des Palastes?
  Sie merkte, dass sie wütend wurde. Sie spähte zu der Mauer hoch, um zu sehen, welcher Wächter es war, der sie da begaffte. Sie würde es Uria berichten. Und ihrem Vater und Großvater.
 Ihr Herz stolperte. Das war kein Palastwächter. Das weiße Gewand war mit Purpur verziert.
David!
Ihr Herz begann zu hämmern. […] Sie wusste, dass sie jetzt eigentlich ins Haus fliehen sollte, aber der plötzliche, wütende Schmerz war zu stark. Sollte er ruhig sehen, was er sich entgehen lassen hatte! […] Sie schaute trotzig offen zu der Palastmauer hoch. […]

 ‚Herrin?‘
 Batseba zuckte zusammen und schaute weg, die Röte schoss ihr ins Gesicht. Ihre Magd sah irritiert zur Mauer hoch. Voller Erleichterung stellte Batseba fest, dass David nicht mehr da war.“ (S. 373f.)

David, der plötzlich wie besessen von dieser Frau ist, hat sie zuerst nicht erkannt und lässt einen Wächter namens Joram nachforschen, wer in diesem Haus wohnt; als ihm klar wird, wer sie ist („die Ehefrau eines seiner besten Freunde, die Tochter eines Mannes, dem er vertraute und der ihm vertraute, die Enkelin Ahitofels, des fähigsten Militärberaters von Israel“, S. 376), ist er erst erschrocken, beschließt dann aber, zwei Palastwächter bei Einbruch der Nacht zu ihr zu schicken und sie holen zu lassen. Batseba ist zwar erschrocken, schämt sich und weiß, dass sie etwas Falsches tut, lässt sich aber trotzdem am Ende leicht verführen. Nach dieser Nacht sind beide erschrocken, David versichert Batseba, er würde dafür sorgen, dass alles geheim bleibt, und lässt sie noch vor dem Morgengrauen schnell zurückbringen.

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(Batseba erhält Davids Brief, Jan Steen. Gemeinfrei.)

Einige Wochen später merkt sie allerdings, dass sie schwanger ist, und schickt durch ihre Magd und den Wächter Joram, der sie abgeholt hat, eine Nachricht an David. David fasst den Plan, nach Uria, der noch bei der Belagerung der Stadt Rabba ist, zu schicken, damit Batseba eine Nacht mit ihm verbringen und ihm das Kind unterschieben kann.

Uria kommt also und erstattet Bericht von der Belagerung. In der Bibel heißt es: „Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen. Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab. Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen. Darauf sagte David zu Urija: Bist du nicht gerade von einer Reise gekommen? Warum bist du nicht in dein Haus hinuntergegangen? Urija antwortete David: Die Lade und Israel und Juda wohnen in Hütten und mein Herr Joab und die Knechte meines Herrn lagern auf freiem Feld; da soll ich in mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meiner Frau zu liegen? So wahr du lebst und so wahr deine Seele lebt, das werde ich nicht tun.“ (2 Sam 11,7-11)

Hier wird zumindest nicht direkt gesagt, dass Uria etwas ahnen würde; bei Mrs. Rivers ist es anders; hier hat sie sich etwas dichterische Freiheit erlaubt, was aber nicht ganz schlecht wirkt. Der Ehebruch ist nicht ganz geheim geblieben – bei den Palastdienern jedenfalls – und Uria wird offenbar auch misstrauisch, weil David ihn bewusst zu seiner Frau schickt und ihm sogar noch ein Festessen in sein Haus bringen lässt. Als die Diener es dorthin bringen, ist nur Batseba da, die sich denkt: „Kannte David seine Männer so wenig? Hatte er das Gesetz vergessen? Ein Mann, der in den Krieg zog, hatte enthaltsam zu sein, um seine Kräfte für den Kampf gegen die Feinde Israels zu schonen.“ (S. 394)

Es findet sich zwar kein direktes derartiges Gesetz in der Bibel, aber diverse Hinweise darauf, dass in Israel damals Soldaten auf einem Kriegszug sich besonders heiligen sollten (Heiligkeit im Sinne von Aussonderung aus dem Alltäglichen, nicht im moralischen Sinn), und dass dazu die sexuelle Enthaltsamkeit gehörte. Unter anderem gäbe es diese Szene hier aus Davids früherer Geschichte: „Der Priester gab David Antwort und sagte: Gewöhnliches Brot habe ich nicht zur Hand, nur heiliges Brot ist da; aber dann müssen sich die jungen Männer von Frauen ferngehalten haben. David antwortete dem Priester: Wir haben uns schon gestern und vorgestern von Frauen ferngehalten. Als ich auszog, waren die Waffen der jungen Männer geheiligt; wenn dies auch ein gewöhnlicher Marsch ist, so wird er doch durch die Waffen geheiligt. Da gab ihm der Priester heiliges Brot, denn es gab dort nur die Schaubrote, die man von dem Angesicht des HERRN entfernt, um an dem Tag, an dem sie weggenommen werden, frisches Brot aufzulegen.“ (1 Sam 21,5-7)

Batseba ist von Reue ergriffen und mag Davids Plan, den sie jetzt begreift, ganz und gar nicht, sieht sich aber dennoch genötigt, mitzuspielen, um nicht für ihren Ehebruch die Todesstrafe zu erhalten. „Aber was war, wenn sie nicht auf Davids Plan einging? Dann würde sie sterben. Und das Kind, das sie in sich trug, auch.“ (S. 395) Sie geht daher (wie Joram, der das Festmahl gebracht hat, und noch einmal zurückkommt und ihr sagt, dass Uria am Palasttor ist, es ihr vorschlägt) zum Palasttor, wo sie merkt, dass die anderen Wächter inzwischen alle über sie Bescheid wissen, und Uria, der dann zu ihr herauskommt, auch.

„‚Sie erwarten von mir, dass ich dich auf der Stelle umbringe‘, sagte er rau.
 ‚Dann tu es doch.‘ Was hatte sie schon zu ihrer Verteidigung vorzubringen? Sie konnte die Schuld nicht allein David zuschieben. Schließlich hatte er sie nicht gerade zwingen müssen, zu ihm zu kommen. Jetzt sah sie, was dies den Mann kostete, der sie wirklich liebte. Sie ging auf die Knie und nahm einen Stein auf, der so groß war, dass er ihre Hand füllte. Sie hielt ihn ihm hin. ‚Du hast jedes Recht dazu.‘
Seine Kiefer mahlten. Tränen rannen seine Wangen hinunter in seinen Bart. Er nahm den Stein und schloss seine Hand darum. Sie sah, wie er mit sich kämpfte. Nach einem langen Augenblick schüttelte er den Kopf und ließ den Stein fallen. Er hob seine Hand und sie wartete auf den Schlag, aber er legte die Handfläche sehr sanft an ihre Wange. Dann wischte er mit dem Daumen ihre Tränen fort und sah ihr in die Augen, seine eigenen voll Schmerz und Vergebung. Sie legte ihre Hand über die seine und schloss die Augen.
 Er zog seine Hand weg und ging zurück – langsam, mit hängenden Schultern. […]
 Es war das letzte Mal, dass Batseba Uria sah.“ (S. 397f.)

David, der davon nichts mitbekommen hat, lässt Uria noch einen Tag bleiben, lädt ihn zum Essen ein und schickt ihn wieder zu seiner Frau, aber wieder schläft Uria im Tor. Also lässt David ihn kurzerhand einen Brief an den Kommandanten Joab mitnehmen, in dem er Joab anweist, Uria an die vorderste Front zu stellen, damit er fällt.

„David hielt ihm die kleine versiegelte Rolle hin. ‚Bring dies Joab.‘ Sein Herz machte zehn Schläge, bevor Uria vortrat, seine Hand ausstreckte und die Rolle entgegennahm. Seine Finger streiften flüchtig Davids, der schnell seine Hand zurückzog und dem Hetiter in die Augen schaute. Was er in ihnen sah, ließ sein Herz stolpern: Tiefe Traurigkeit. Und Resignation. Der Mann wusste, dass er sein eigenes Todesurteil in Empfang genommen hatte!
 Uria schob die kleine Rolle in seine Rüstung, genau über seinem Herzen. Dann drehte er sich um und verließ den Hof aufrecht wie ein Soldat, der erneut auszieht, um seine Treue zu seinem König zu beweisen.“ (S. 400f.)

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(Links: David reicht Uria den Brief; rechts: Uria zieht in den Kampf. Wandteppich, Gemeinfrei.)

Als nächstes erhält die entsetzte Batseba die Nachricht vom Tod ihres Mannes. Dann kommt ihre Mutter zu ihr und informiert sie, dass noch einige Männer mehr bei einem sehr riskanten Angriff auf die Mauern von Rabba gefallen sind. Ihre Mutter weiß auch, dass David seinem Heerführer Joab zuvor eine Nachricht geschickt hatte, dass der Bote, der nach dem misslungenen Angriff nach Jerusalem kam, David speziell berichtete, dass auch Uria gefallen sei, worauf David gar nicht traurig schien, hat gerüchteweise von Batsebas Besuch im Palast gehört, sich den Rest zusammengereimt, und ist voller Zorn: „Und was ist mit den dreißig Helden, die neben Uria für David gekämpft haben? […] Was werden sie jetzt von ihrem König denken? Ist er denn noch ihre Treue und ihr Blut wert? Was werden dein Vater und Großvater tun, wenn sie hören, dass David Uria ermordet hat, damit er dich haben kann? […] Du bist tot für mich – für mich und für uns alle!“ (S. 403f.) Für den Rest des Romans gibt es keine Versöhnung zwischen Batseba und ihrer Familie.

Batseba trauert und weint. Eine Woche später kommen Soldaten, um sie in den Palast zu holen, damit sie Davids Frau wird. „Der König würde die Witwe eines seiner gefallenen Helden zur Frau nehmen. […] Doch niemand ließ sich für dumm verkaufen. Außer vielleicht der König selbst.“ (S. 405) David ist froh, Batseba für sich zu haben, sie dagegen eher unglücklich. Sie wird in seinem Harem untergebracht, der Verachtung der meisten seiner anderen Frauen ausgesetzt.

Eine Ausnahme gibt es dabei: Abigail. Wie Abigail Davids Frau wurde, wird in 1 Samuel 25 erzählt; damals war David noch nicht König. Knapp gesagt brachte sie David und seine Männer kurz vor knapp noch davon ab, wegen einer groben Beleidigung durch ihren ersten Mann Nabal ihren Hof zu überfallen; nachdem Nabal, der erfuhr, was beinahe passiert wäre, vor Schreck einen Schlaganfall erlitt und starb, machte David Abigail ein Heiratsangebot, das sie annahm. Als Abigail und Batseba einander kennenlernen, bringt die Autorin wieder mal ihre Botschaft unter, indem sie Abigail ein unnötiges schlechtes Gewissen (naja, oder deuten wir es freundlicher, große Demut) andichtet:

„Abigail schüttelte den Kopf. ‚Wir sind alle Sünder.‘
Du hast nicht gesündigt. Du hast David vor einer großen Sünde bewahrt.‘ So ganz anders als sie selbst.
 ‚Ich habe meinen Mann vor Zeugen einen Narren genannt.‘
  ‚Aber du bist ihm treu geblieben.‘
‚Ich habe gewartet, bis Nabal wieder nüchtern war, damit ich ihm sagen konnte, was er angerichtet hatte. Ich wusste, dass er gierig war. Und arrogant. Und feige. Ich sprach und sah, wie der Schrecken über ihn kam. Ich sah, wie er starb und dankte Gott für meine Erlösung. Und als David nach mir schickte, um mich zu seiner Frau zu machen, packte ich sofort meine Siebensachen und ging zu ihm, weil ich so viel Gutes über ihn gehört hatte. Und als ich ihn sah, war es um mich geschehen.‘ Ihr Augen waren tränenfeucht. ‚Ich liebe ihn immer noch.‘
Es rührte Batseba tief, dass Abigail sich ihr so anvertraute. ‚Du hast nichts getan, was unrecht gewesen wäre. Alle haben deine Weisheit und Geistesgegenwart gerühmt. Du hast viele Menschen gerettet damals, Abigail‘, sagte Batseba. Aber sie war schuld an Urias Tod und dem vieler Männer.
‚Ach, lobe nicht mich. Gott sieht das Herz an, Batseba, und er wird uns alle einmal richten.“ (S. 414)

Dann wird Batsebas Sohn geboren, den sie sehr liebt, und wenig später kommt der Prophet Nathan in den Palast zu David und konfrontiert ihn mit seiner Sünde, die er jetzt erst wirklich anerkennt. Aus der Bibel:

„Darum schickte der HERR den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet. Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu. Aber warum hast du das Wort des HERRN verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. So spricht der HERR: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Natan antwortete David: Der HERR hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. Weil du aber durch diese Tat den HERRN verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.“ (2 Sam 12,1-14)

Wieder eine Szene, aus der ein guter Schriftsteller einiges machen könnte, aber bei Mrs. Rivers wirkt es wie schablonenartiges Nacherzählen, ohne dass sie sich wirklich Gedanken über Davids Seelenzustand gemacht hat. („Eine tiefe Reue durchschoss David.“ (S. 419) und ähnlich originelle Formulierungen.) Man hat überhaupt oft das Gefühl, dass Mrs. Rivers den biblischen David nur oberflächlich angeschaut hat; ihre Figur wirkt zusammengestoppelt und unrund. Auch wenn sehr gute Ansätze da sind.

Das Kind stirbt also, und Batseba trauert zutiefst – „Warum hat Gott meinen Sohn für meine Sünde leiden lassen? Warum?“ (S. 421). Tatsächlich ist das ja eine Frage, die bei dieser Geschichte öfter gestellt wird, und auf die man ganz einfach antworten kann, dass der Tod eines kleinen Kindes, das dann in ungestörtem Glück sein wird, tatsächlich eher eine Strafe für die Eltern und nicht für es selber ist. Mrs. Rivers legt hier auch David die Worte in den Mund: „Gott hat unseren Sohn nicht bestraft, Batseba. Er hat ihn den Händen böser Menschen entzogen.“ (S. 423)

Die folgenden Kapitel behandeln im Schnelldurchlauf die folgenden Jahrzehnte am Königshof von Israel. Batseba und David bereuen beide ihre Sünde sehr, aber Batseba bleibt Davids Frau, wobei sie noch von vielen verachtet wird; z. B. kommt in einem Gespräch Davids mit seinen Beratern das hier:

„‚Ist eine Frau je unschuldig, mein Herr und König? War es nicht schon in Eden die Frau, die den Mann in die Sünde zog?‘
 Er musterte seine Berater. Wie unbarmherzig sie waren. Wie schnell sie dabei waren, ihn freizusprechen, weil er auf dem Thron saß, und die ganze Schuld auf eine wehrlose Frau abzuwälzen!“ (S. 422)

Sie gewöhnt sich allerdings daran und an das Leben als eine unter vielen und sucht (nachdem sie sich einige Zeit lang kaum zu Ihm zu beten getraut hat) ihren Trost bei Gott; auch mit dem Propheten Nathan befreundet sie sich. Den Rest des Buches verbringt Mrs. Rivers vor allem damit, sie etwas moralisierend als vorbildliche Ehefrau, Mutter und Büßerin in Szene zu setzen, wobei sie immer wieder indirekte Zitate aus dem Buch der Sprüche unterbringt (zugegebenermaßen nicht ganz unnaheliegend, da dieses Buch von Batsebas Sohn Salomo stammen soll und darin schon am Anfang solche Sachen stehen wie „Höre, mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Unterweisung deiner Mutter verwirf nicht!“ (Spr 1,8)). Das sieht dann etwa so aus:

„Und wenn David bei ihr war, tat sie, was sie konnte, um ihm Freude, Liebe und Trost zu schenken. Sie wusste: Eine zänkische Frau war schlimmer als ein undichtes Dach in einem Wolkenbruch. Vor allem aber hörte sie ihm zu. […]
Doch das eine wusste sie: Gott hatte ihr Leben komplett umgewandelt. Jetzt wusste sie felsenfest, wie groß seine Güte und Gnade war, und sie war ihm unendlich dankbar dafür! […]
Mit nun vier Söhnen hatte sie keine Zeit für hohle Schmeicheleien oder dafür, sich über die Ränke der übrigen Frauen im Palast oder der anderen Kinder Davids den Kopf zu zerbrechen. Ihre Pflicht war klar: Ihre Söhne zu Männern Gottes zu erziehen. […]
Sie nahm jede Gelegenheit wahr, mit ihren Kindern über Buße und Verantwortung zu reden, über die Folgen der Sünde und über Gottes Größe. Sie erzählte ihnen auch von seiner großen Güte und Gnade.
(S. 431-434.)

Batseba ist allerdings nicht ganz abgehoben von der Politik; sie fürchtet schon, was nach Davids Tod aus ihr werden wird, und zu ihrer Erleichterung verspricht David ihr schließlich, Salomo zu seinem Nachfolger zu ernennen und setzt das dann nach einigem Zögern auf ihre Bitte hin auch um.

Gerbrand van den Eeckhout - David Promises Bathsheba that Solomon will be his Successor.jpg

(David verspricht Batseba, dass Salomo sein Nachfolger sein wird, Gerbrand van den Eeckhout. Gemeinfrei.)

Aber zuerst kommen noch diverse recht brutale Familienkonflikte und Palastintrigen, u. a. der fehlgeschlagene Aufstand von Davids Sohn Absalom (der übrigens zeitweise Jerusalem einnimmt und die Nebenfrauen seines Vaters vergewaltigt, wie es zu Nathans Prophezeiung passt), bei dem Ahitofel, der nun Hass auf seine Enkelin und Davig hegt, tatkräftig hilft (am Ende wird Absalom getötet, und David, der das nicht wollte, trauert sehr; Ahitofel begeht Selbstmord). Mrs. Rivers bringt unter, was in der Bibel steht, aber nur das – sie bringt es unter, um zu zeigen, dass sich Nathans Prophezeiung bzgl. des Unheils, das sich aus Davids Haus gegen ihn erheben wird, erfüllt, und dass seine diversen Söhne von seinem schlechten Vorbild gelernt haben; sie erfüllt es nicht besonders mit Leben. Manches wird nur knapp zusammenfassend berichtet (z. B. indem einer von Batsebas Söhnen ihr berichtet, was er zuletzt von dem-und-dem gehört hat), statt direkt erzählt zu werden. Das alles hätte aber wirklich einen sehr guten und auch ziemlich langen Roman abgeben können. Schließlich stirbt David und Salomo wird König; den Anfang seiner Regierungsgzeit erlebt Batseba noch.

Das Buch endet dann mit ihrem Tod; der letzte Wunsch, den sie sich denkt, ist:

„Ich weiß, dass sie sich an meine Sünden erinnern werden, Herr, aber wenn sie mein Leben betrachten, dann lass sie auch sehen, was du getan hast. Lass sie die Hoffnung sehen, die aus der Verzweiflung kam. […] Und lass sie…
 Sie seufzte tief.
 …Mut daraus schöpfen.“ (S. 471)

Einige Einfälle der Autorin in diesem Band sind gar nicht schlecht; an der Message ist auch relativ wenig auszusetzen. Liebloses knappes Heruntererzählen und öfter falsch eingesetztes Pathos lassen den Roman allerdings ziemlich mittelmäßig werden.

Beim nächsten Mal dann also zu etwas viel Interessanterem: Was eine evangelikale Autorin aus der Allerseligsten macht.

 

* Nicht, dass ich hier Empfehlungen für George R. R. Martin aussprechen wollte – dessen Bücher haben ihre eigenen Probleme.

Christliche Kultur am Sonntag: „Die Letzte am Schafott“

Bei christlichen Sachbüchern findet man bekanntlich relativ leicht gute Sachen; bei Romanen, Filmen oder Kinderbüchern sieht es allerdings manchmal schwieriger aus, auch wenn einige vermutlich gern mehr davon besäßen. Dabei gibt es eigentlich auch hier viel Gutes, wenn man näher hinschaut, und weil nicht allen alles bekannt ist, dachte ich, ich stelle meinen Lesern hier mal jede Woche kurz ein Werk vor – hauptsächlich katholische Sachen, aber wenn es von guter Qualität ist, auch mal was aus anderen Konfessionen; nicht nur Hochkultur, sondern auch eher Populärkultur (aber halbwegs gut gemacht soll es sein); und sowohl solches mit explizit religiösen Inhalten (im Einzelfall auch mal, wenn es von persönlich nicht sehr frommen Menschen kommt), als auch Werke von überzeugten Christen ohne explizite Botschaft. Viele werden bestimmte Klassiker schon kennen, aber andere vielleicht noch nicht.

Und weil ich ja auch nicht alles kennen kann: Wer ein katholisches Lieblingsbuch, einen Film o. Ä. hat, von dem er schon immer mal mehr Leuten erzählen wollte, darf mir gern über die „Contact“-Seite schreiben und vielleicht ergibt sich ein Gastbeitrag.

 

Heute: Gertrud von Le Fort: „Die Letzte am Schafott“

Diese kurze Novelle, 1931 erschienen, beruht auf der Geschichte der sel. Karmelitinnen von Compiègne, die 1794 auf dem Höhepunkt der Französischen Revolution hingerichtet wurden, weil sie ihr Ordensleben nicht aufgeben wollten; die Hauptfigur, Blanche de la Force, ist allerdings fiktiv. Die Novelle hat die Form eines Briefes eines französischen Adligen, der einer befreundeten Emigrantin, die ins Ausland geflohen ist, von den Karmelitinnen und speziell von Blanche schreibt.

Blanche ist nicht die Art Person, die man als Heldin eines Buches erwarten würde; sie leidet an extremen Ängsten, auch noch, nachdem sie gegen Anfang der Französischen Revolution als Novizin in den Karmel eintritt. Die zweite Hauptfigur, die bewundernswerte Novizenmeisterin Schwester Marie de l’Incarnation, die sich, als die Revolution fortschreitet und den Orden das Leben allmählich schwerer gemacht wird, sehr danach sehnt, das Martyrium erleben und Gott ihr Leben als stellvertretendes Opfer anbieten zu können, bietet einen deutlichen Gegensatz zu ihr. Ich kann nicht viel mehr schreiben, ohne zu spoilern; also lest es selbst. (Hier gäbe es noch ein paar mehr Infos über die Novelle und die Autorin, allerdings inklusive Spoiler.)

Die Sprache ist wunderbar, die Figuren werden durch wenige Sätze lebendig, die historische Einbettung ist sehr gelungen, nicht nur, was die äußeren Umstände, sondern auch die Art der Figuren, zu denken und zu sprechen, angeht; und der Inhalt geht wirklich unter die Haut.

(Die Märtyrinnen von Compiègne, Illustration von 1906. Gemeinfrei.)