Das Video ist ja wirklich sehr witzig (also sehr sehr witzig!), aber…

…in der Filmversion von Disney ist Claude Frollo kein Kleriker! Was ich übrigens gar nicht schlecht gemacht finde, da meiner Erfahrung nach Laien immer wieder die größeren Fanatiker sein können als jeder Priester oder Bischof. Wieso bitteschön halten so viele Leute einen katholischen Fanatiker in einer schwarzen Robe so automatisch für einen Priester? Noch dazu, wenn er ausdrücklich als Richter bezeichnet wird? Leute, merkt euch das: Laien können das auch.

[Spoiler alert am Ende, was die Romanversion von „Der Glöckner von Notre Dame“ angeht!]

 

Hier übrigens zum Vergleich noch das Originalvideo aus dem Disneyfilm:

Einführung in die Scholastik: Wie Syllogismen funktionieren (oder auch nicht)

„She arrived at this astonishing conclusion by the following process of thought. It may be presented in the form of a syllogism.

All girls who are in love regard the beloved as a spotless, reproachless hero.

Maggie Deronais did not regard Laurie Baxter as a spotless, reproachless hero.

Ergo. Maggie Deronais was not in love with Laurie Baxter.“

(Robert Hugh Benson, The Necromancers, 1909; https://www.gutenberg.org/files/14275/14275-h/14275-h.htm)

 

Wir merken uns: Nur wenn Obersatz und Untersatz (= 1. und 2. Prämisse) vollkommen stimmen, kommt auch die richtige Konklusion heraus.

(Zur weiteren Info gerne hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Syllogismus)

 

Gott, der Gärtner, Zimmermann und Knecht

Ich liebe den Frühling (der Sommer ist mir meistens zu heiß und der Winter zu kalt); und besonders liebe ich es, jetzt im Garten oder am Straßenrand zu beobachten, wie an den Büschen und Bäumen ganz langsam hellgrüne Triebe hervorbrechen und größer und dunkler werden, und wie weiße und rosa Blüten sich allmählich formen und öffnen. Aus der Ferne kann ein Busch jetzt gerade noch ganz kahl aussehen; aber wenn man dann genauer hinsieht, erkennt man schon die kleinen grünen Knöpfe an den Zweigen. Der Frühling hat etwas Helles, Friedliches; etwas Sanftes und Zartes.

Gott hat alles das gemacht; verschlungene, gewöhnliche, grobe oder hübsche Dinge wie wilde Weinstöcke, Löwenzähne, Apfelbäume, Buschwindröschen, Klee, Disteln oder Gänseblümchen; die verschiedensten Arten von Schönheit. Manchmal ist mir aufgefallen, dass man die Schönheit mancher geschaffener Dinge erst sehen kann, wenn man sie ganz aus der Nähe betrachtet; bei schmalen Rasenflächen vor Larmschutzwänden an Autobahnen ist das zum Beispiel der Fall. Wenn man genauer hinschaut, sieht man eine Butterblume, drei rosa Blumen, die man nicht benennen kann, Grashalme, die sich im Wind bewegen, und ein paar Kieselsteine; alles schöne Dinge, die man erst nicht sieht, wenn man bloß „Rasen vor Mauer“ registriert. Sogar die Mauer kann manchmal etwas Schönes haben.

Gott hat eigentlich einen sehr schönen Garten gemacht, finde ich, und ich glaube, dass Er sich daran freut, ihn zu betrachten – und natürlich auch daran, dass wir ihn betrachten können. Gott hat schöne, zarte Dinge ohne besonderen Grund geschaffen – einfach, damit sie da sind, nicht damit sie zu etwas nutze sind; so, wie man einen Roman schreibt, einen Weihnachtsbaum aufstellt, oder ein Bild malt – und Er pflegt seine Schöpfung, wie ein Gärtner das tut. Sorgfältig und behutsam, um ihre Schönheit hervorzubringen. Der Schöpfer zeigt eine sanfte Hand jetzt im Frühling.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Brooklyn_Museum_-_Jesus_Appears_to_Mary_Magdalene_%28Apparition_de_J%C3%A9sus_%C3%A0_Madeleine%29_-_James_Tissot.jpg

(James Tissot, Apparition de Jésus à Madeleine, Bildquelle: Wikimedia Commons)

Ganz am Anfang der Bibel geht Gott im Garten Eden umher wie ein Gärtner, und viele, viele Jahrtausende später wurde der Gottmensch Jesus Christus mit einem Gärtner verwechselt, als Er nach seiner Auferstehung in dem Garten, in dem sein leeres Grab lag, Maria Magdalena erschien. Ich glaube nicht, dass das Zufall ist (und bekanntere Menschen als ich, die schon über diese Stelle geschrieben haben, tun das auch nicht). In seinem irdischen Leben selber hatte Er zwar nicht als Gärtner gearbeitet, aber auch als Handwerker, also als jemand, der etwas mit den eigenen Händen aufbaut; Gott ist ein Gärtner und ein Zimmermann. Und der Mensch, als Abbild Gottes, darf auch beides sein: Die Welt, die ihm anvertraut wurde, ist ein Garten, in dem man sich ein Haus (oder Städte) bauen, Gemüsebeete (oder Felder und Plantagen) anlegen, schöne Blumen (oder botanische Gärten und Parks) kultivieren und unberührte wilde Stellen (oder Nationalparks) lassen darf. Gott hat die Welt gedacht wie einen großen Garten.

Ich liebe eine Beschreibung Gottes, die G. K. Chesterton in seiner „Ballad of the White Horse“ (https://www.gutenberg.org/files/1719/1719-h/1719-h.htm) König Alfred dem Großen (849-899) in den Mund legt:

 

„And well may God with the serving-folk

Cast in His dreadful lot;

Is not He too a servant,

And is not He forgot?

 

“For was not God my gardener

And silent like a slave;

That opened oaks on the uplands

Or thicket in graveyard gave?

 

“And was not God my armourer,

All patient and unpaid,

That sealed my skull as a helmet,

And ribs for hauberk made?

 

„Did not a great grey servant

Of all my sires and me,

Build this pavilion of the pines,

And herd the fowls and fill the vines,

And labour and pass and leave no signs

Save mercy and mystery?

 

„For God is a great servant,

And rose before the day,

From some primordial slumber torn;

But all we living later born

Sleep on, and rise after the morn,

And the Lord has gone away.

 

„On things half sprung from sleeping,

All sleepy suns have shone,

They stretch stiff arms, the yawning trees,

The beasts blink upon hands and knees,

Man is awake and does and sees—

But Heaven has done and gone.

 

„For who shall guess the good riddle

Or speak of the Holiest,

Save in faint figures and failing words,

Who loves, yet laughs among the swords,

Labours, and is at rest?

 

„But some see God like Guthrum*,

Crowned, with a great beard curled,

But I see God like a good giant,

That, labouring, lifts the world.

 

„Wherefore was God in Golgotha,

Slain as a serf is slain;

And hate He had of prince and peer,

And love He had and made good cheer,

Of them that, like this woman here,

Go powerfully in pain.“

 

File:A Chronicle of England - Page 050 - Alfred in the Neatherd's Cottage.jpg

(Alfred in the Neatherd’s Cottage, Darstellung aus dem 19. Jahrhundert, Bildquelle: Wikimedia Commons)

 

Gott, der vergessene Knecht; Gott der Gärtner und Baumeister. Amen.

 

* Guthrum war ein Fürst der Wikinger, der in England eingefallen war; in der Ballade geht es vor allem um die Schlacht von Ethandune, in der Alfred sein Königreich Wessex gegen ihn verteidigt, und auch noch um einige damit zusammenhängende Legenden, u. a. die oben abgebildete Geschichte, in der der König die Brote einer armen Frau verbrennen lässt, die ihm Obdach gewährt hat, als er noch vor der Schlacht gerade inkognito (um nicht von den Wikingern erkannt zu werden) unterwegs ist; wofür er von ihr, die ihn nicht erkannt hat, ausgeschimpft wird.

Der Schurke in den Filmen und Serien meiner Kindheit: Ein Steckbrief

Ziel:

I. d. R.: Die Weltherrschaft an sich reißen.

(Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings zulässig, etwa: Das Erringen der Herrschaft über ein bestimmtes Land; oder: von Unsterblichkeit; oder: eines ganz bestimmten sehr wertvollen Gegenstandes (magischer Stein, wertvollster Diamant der Welt, o. Ä.). Sonstige Alternative: Rache an der/den Hauptfigur(en) für ein empfundenes Unrecht / das Scheitern eines früheren bösen Plans.)

 

Geschlecht:

Häufig männlich, aber ab und zu auch weiblich.

 

Aussehen:

Männlich:

Typus 1 „Böser Zauberer“: bedrohlich-fremdländisch; schwarzer/roter Umhang, Zauberstab, Spitzbart o. Ä.; tritt häufiger in Zeichentrickfilmen auf. (Beispiel: Jafar aus „Aladdin“.) Typus 2 „Böser Geschäftsmann“: kalt-elitär-unauffällig; grauer oder schwarzer Anzug, schwarze, sehr blank geputzte Schuhe, gepflegte, kurze Frisur, glattrasiertes Gesicht, schmieriges Lächeln; tritt häufiger in Filmen mit realen Schauspielern auf. (Beispiel: Die Bösen in der Serie „Allein gegen die Zeit“. Kennt das noch jemand?)

Weiblich:

Dünn. In der Regel sehr dünn und groß. Außerdem zu stark geschminkt, in ihrer Kleiderwahl häufig zu aufgedonnert (Federboa o. Ä.). Die drei sich gelegentlich auch überschneidenden Typen „Böse Hexe“, „Böse Stiefmutter“ und „Böse Geschäftsfrau“ unterscheiden sich manchmal – nicht immer – dadurch, dass die letzteren beiden tatsächlich noch einigermaßen jung sein und einigermaßen gut aussehen können, wenn auch auf ihre kalte, böse Art, während Exemplare des ersten Typus so gut wie immer auf eine lächerlich erfolglose Weise versuchen, ihre Hässlichkeit und ihr hohes Alter zu verdecken. Wenn sie in einem höheren Alter sein sollte, dann kann das kein Typus des weiblichen Bösewichts ertragen. Die böse Stiefmutter und vor allem die böse Geschäftsfrau sind außerdem manchmal etwas weniger auffällig und exzentrisch, dafür etwas eleganter und unauffälliger gekleidet als die böse Hexe. (Beispiele für die böse Geschäftsfrau: Medusa aus „Bernhard und Bianca“, Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“; Beispiel für die böse Hexe: Rabia aus „Bibi Blocksberg“; Beispiele für die böse Stiefmutter: Die Stiefmütter aus sämtlichen Aschenputtel-Verfilmungen, selbstverständlich! Außerdem zum Beispiel die Freundin des Vaters in allen Adaptionen von „Das doppelte Lottchen“.)

 

Besonderes Merkmal:

Böses Grinsen/Lachen. Obligatorisch.

 

Charaktereigenschaften:

Selbstsüchtig, hinterhältig, grausam, rachsüchtig, etc. (Selbsterklärend.)

Außerdem: geschwätzig, süchtig nach Aufmerksamkeit, zögerlich, wenn es hart auf hart kommt. Wenn ein Feind gefangen genommen wurde, muss erst einmal der ganze böse Plan vor diesem ausgebreitet werden, während er (scheinbar) hilflos gefesselt vor einem sitzt. Der klassische Schurke heischt stets Bewunderung für seine Genialität. Am Ende zögert er außerdem mit dem tödlichen Schuss / Schwerthieb / whatever stets genau so lange, bis aus dem Nichts ein (evtl. totgeglaubter) Verbündeter seines gefangenen Feindes eintrifft und ihm von hinten eins über den Schädel ziehen kann, oder bis es dem gefangenen Feind überraschenderweise gelingt, sich zu befreien. So einen richtig entschlossen und schnell handelnden Schurken habe ich noch nie gesehen.

 

Herkunft und Familie:

I. d. R. mysteriös/unbekannt/nicht erwähnt.

 

Tritt auf mit:

1-2 treuen Helfern (bei einem komplizierten politischen Plan auch mehr), i. d. R. etwas weniger böse und oft deutlich weniger intelligent als der Schurke selbst. Helfer treten hauptsächlich in zwei Varianten auf. Typus 1: „Der Hin- und Hergerissene“. Hilft dem Schurken widerwillig, hat Zweifel, sagt sich am Ende zumindest von ihm los oder stellt sich sogar vollkommen auf die Seite der Guten. (Beispiele: Die Fledermaus aus „Anastasia“, Kronk aus „Ein Königreich für ein Lama“.) Typus 2: „Hirnloser Brutalo“. Schlägertypen mit Muskelmasse und ohne Verstand und Gewissen. (Beispiel: Horace und Jasper aus „101 Dalmatiner“.) Typus 2 tritt im Allgemeiner öfter auf als Typus 1.

Seltener ist eine Art Mischvariante, der Typus „Enttäuschter Verbündeter“. Nachdem dieser (oft klassisch dumme, brutale) Helfer vom Schurken fallengelassen wurde, als es dem gerade nützte, wendet er sich aus Rache gegen ihn, ohne damit aber zum Guten zu werden. (Beispiel: Die Hyänen aus „Der König der Löwen“.)

 

Kann oft nur noch aufgehalten werden durch:

Eine kleine Gruppe von Kindern/Teenagern/Tieren/Ausgestoßenen der Gesellschaft, die unerwarteterweise zusammengewürfelt wurden, obwohl sie sich vorher nicht kannten/mochten, und die Wind vom geheimen Plan des Schurken bekommen haben. Wenn es sich um Kinder oder Teenager in einem Nicht-Zeichentrickfilm handelt, gibt es unter ihnen i. d. R. einen sehr schlauen, aber nicht sonderlich beliebten oder gut aussehenden Nerd/Streber, und zum Kontrast einen cool-sportlich-beliebten Typen. Der Nerd/Streber wird eingeführt als hochbegabter Elfjähriger, hat aber nicht das Wissen eines hochbegabten Elfjährigen, sondern das eines hochbegabten vierzigjährigen Atomphysikers, und außerdem Wissen, das kein Mensch haben kann, weil die Dinge, auf die es sich bezieht, in sich unlogisch und einfach unmöglich sind, was jeder wissen sollte, der in der siebten Klasse in Physik nicht gepennt hat (Funktionsweise einer Zeitmaschine oder eines Perpetuum mobile, o. Ä.). Am Ende jedenfalls lernen alle, ihre Differenzen zu überwinden und zusammenzuarbeiten. Yay!

Eltern und Polizei fallen als potentielle Hinternisse für den Schurken im übrigen aus, da sie entweder nicht an seine finsteren Pläne glauben, wenn man ihnen davon erzählt, gerade nicht zu erreichen sind, oder (im Fall der Polizei) bereits von den Helfern des Schurken unterwandert wurden.

Die Augen unserer lieben Frau

Ich liebe Disneys Musical-Zeichentrickfilme. In letzter Zeit habe ich immer wieder einige davon (auch solche, die ich als Kind nicht gesehen habe) im englischen Original auf Youtube angeschaut; und das lohnt sich oft allein schon, um die Musik zu genießen. „The Lion King“, „The Lion King 2“, „Anastasia“, „The Rescuers“, „101 Dalmatians“, „Beauty and the Beast“, „Prince of Egypt“, „Tangled“, „Frozen“ – die enthalten alle sehr schöne Lieder; und zudem ist es auch ganz interessant, zu beobachten, welche Assoziationen und Anspielungen, mit denen in diesen Filmen gearbeitet wird, einem auffallen, wenn man sie als Erwachsene (na ja, so-mehr-oder-weniger-Erwachsene) sieht. Man vergleiche zum Beispiel mal hier die vor dem mordlustigen bösen Löwen Scar aufmarschierenden Hyänen an einer Stelle dieses Liedes aus „Der König der Löwen“ (etwa ab 1:40)

mit, sagen wir mal, Fotos oder Videos vom Nürnberger Reichsparteitag o. Ä. Hier zum Beispiel… sogar das großflächige Karomuster auf dem Boden, das im Film durch Lichtstrahlen und Schatten erzeugt wird, ist da:

(Quelle: https://museen.nuernberg.de/fembohaus/kalender-details/vor-80-jahren-die-entmachtung-der-sa-570/)

Davon abgesehen sind es meistens natürlich einfach schöne Geschichten, und sie sind auch deshalb gut, habe ich festgestellt, weil Disneys Darstellung des Bösen und des Guten zwar oft etwas klischeehaft und gelegentlich auch etwas einseitig, aber eigentlich meistens sehr treffend (und in einzelnen Fällen sogar überraschend treffend) ist.

Als ich zum Beispiel einen anderen Disneyfilm, „Der Glöckner von Notre Dame“, den ich mich erinnerte, als Kind sehr gemocht zu haben, letztens wieder angeschaut habe (diesmal als „The hunchback of Notre Dame“), ist mir erst aufgefallen, wie katholisch korrekt dieser Film sogar eigentlich ist, theologisch wie musikalisch. (Vollständig findet er sich übrigens hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PLVLwLXWb_ZpNXsd279Gc1_zcIa-REwCP4 ; ein Kanal, auf dem sich zahlreiche dieser Filme finden, ist hier: https://www.youtube.com/channel/UCdFiEwNLNTLmizvmisBJrHA/playlists)

Man siehe sich allein den Anfang an: In den ersten paar Minuten schon kommen an mehreren Stellen deutlich verständliche Schnipsel des Dies irae und des Kyrie Eleison vor (auch an späteren Stellen des Films tauchen vor allem diese beiden liturgischen Gesänge immer wieder auf); und dann noch der weitere Liedtext; zum Beispiel hier bei ca. 3:04:

 

 

Archdeacon:

See there the innocent blood you have spilt

On the steps of Notre Dame!

 

Judge Claude Frollo:

– I am guiltless – she ran, I pursued. –

 

Archdeacon:

Now you would add this child’s blood to your guilt

On the steps of Notre Dame.

 

Frollo:

– My conscience is clear! –

 

Archdeacon:

You can lie to yourself and your minions,

You can claim that you haven’t a qualm.

But you never can run from

Nor hide what you’ve done from

The eyes –

The very eyes of Notre Dame!

 

Vom Erzdiakon, der mit der Leiche von Quasimodos Mutter im Schoß mit ausgestrecktem Arm hoch zur Kathedrale weist, wird übergeblendet auf die Reihen von Heiligenstatuen an deren Fassade, alle mit gruseligen, weißen, richtenden, wissenden, weit aufgerissenen Augen, die auf Frollo hinunterschauen. Bärtige, strenge Apostel, Bischöfe und Könige, dann ein in weißes Mondlicht getauchter, sehr ernst dreinblickender hellgrauer kleiner Engel mit gesenktem Schwert in der Hand und geschlossenen Augen, daneben ein grinsender, im Schatten liegender dunkelgrauer Dämon, der eine Waage hält; und zuletzt die Gottesmutter, in wallendem Gewand, mit einer Krone auf dem Kopf, einem Zepter im einen Arm und dem Jesuskind auf dem anderen, flankiert von zwei Engeln – und man würde es nicht glauben, wie gruselig man eine Madonnenstatue aussehen lassen kann, wenn ein Mörder in einem Disneyfilm zu ihr hinaufstarrt. Ja, vor den Augen unserer lieben Frau („Notre Dame“) kann er sich nicht verstecken.

Und dann geht es in einem der nächsten Lieder noch ganz wunderbar weiter, wenn auch diesmal auf andere Art:

 

 

Hier singt Esmeralda, als sie Kirchenasyl in Notre Dame gesucht hat; und auch sie wendet sich an die heilige Jungfrau mit ihrem Kind. Sie beginnt ihr Lied vor einer anderen Statue im Inneren der Kathedrale, einer nicht so gruseligen, aber immer noch königlichen, erhabenen, weihrauchumhüllten:

 

I don’t know if you can hear me, or if you’re even there.

I don’t know if you would listen to a gypsy’s prayer.

Yes, I know I’m just an outcast, I shouldn’t speak to you;

Still I see your face and wonder –were you once an outcast, too?

 

God help the outcasts, hungry from birth.

Show them the mercy they don’t find on earth.

God help my people, we look to you still.

God help the outcasts, or nobody will.

 

[…]

 

Sehr schönes Lied.

Auch die Darstellung des Bösen an späterer Stelle des Films ist völlig theologisch korrekt. Hier singt wiederum Richter Frollo, auch er im Gebet zu unserer lieben Frau:

 

 

Beata Maria, you know I am a righteous man,

Of my virtue I am justly proud.

Beata Maria, you know I’m so much purer

Than the common vulgar, wicked, licentious crowd.

 

Then tell me, Maria – why I see her dancing there,

Why her smoldering eyes still scourge my soul?

I fear her, I see her, the sulfur in her raven hair

Is blazing in me out of all control.

 

Like fire, hellfire, this fire in my skin,

This burning desire is turning me to sin.

It’s not my fault – I’m not to blame!

It is the gypsy girl, the witch, who set this flame!

 

It’s not my fault, if in God’s plan

He made the devil so much stronger than a man…

Protect me, Maria! Don’t let the siren cast her spell,

Don’t let her fire sear my flesh and burn!

 

Destroy Esmeralda – and let her taste the fires of hell! –

Or else let her be mine, and mine alone…

Hellfire – dark fire – now, gypsy, it’s your turn!

Choose me or your pire, be mine or you will burn!

 

[…]

 

Das Lied beginnt damit, dass Richter Frollo sich in seinem Gebet zur seligen Jungfrau („beata Maria“ heißt einfach „selige Maria“) ganz ruhig selbst zu seiner Tugend gratuliert, geht damit weiter, dass er seine (empfundene) Schuld auf andere schiebt (die Frau, der Teufel und deren Schöpfer selbst bieten sich dazu immer an – wir erinnern uns, Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen; Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen), und endet damit, dass er in rasender Wut Mordpläne schmiedet.

Die Quelle alles Bösen ist eben immer noch der Hochmut. Frollo kommt nicht mit den ganz normalen Versuchungen der ganz normalen Leute klar, weil er entschlossen ist, über diesen ganz normalen Leuten zu stehen; er kann seine Gedanken an ein tanzendes Zigeunermädchen, das er zufällig beim Karneval, den er schon nicht ausstehen kann (das übrigens schon ein sehr schlechtes Zeichen für einen Katholiken), gesehen hat, nicht einfach ruhig beiseitelassen und sich mit etwas Sinnvollem beschäftigen – sagen wir mal, Augustinus‘ „De trinitate“ zu lesen, Salbei in seinem Garten zu pflanzen, mit dem Kommandanten seiner Soldaten Schach zu spielen, oder auch wirkliche Verbrecher in Paris zu verfolgen -, weil er beschlossen hat, dass sie zwangsläufig nur auf teuflischer Hexerei dieses Zigeunermädchens beruhen können; etwas anderes kann nicht sein, denn dann wäre er ja ein normaler Mensch. (Nebenbei sollte ihm vielleicht einmal jemand den sehr großen Unterschied zwischen Versuchung und Sünde erläutern. Im mittelalterlichen Paris müsste es dafür ja eigentlich genug gute Theologen gegeben haben. Die hatten schließlich eine weithin berühmte Universität, an der sogar Thomas von Aquin gelehrt hatte, wenn ich mich recht entsinne.)

 

Drei Lieder an Maria; an Notre Dame, Unsere Liebe Frau, der die im Mittelpunkt der Handlung stehende Kathedrale geweiht ist. Drei Lieder, drei Menschen, drei unterschiedliche Gebete; um Gerechtigkeit, um Barmherzigkeit, und um Sünde geht es hier. Die Augen unserer lieben Frau sehen Verbrechen, sehen das Blut Unschuldiger zum Himmel empor schreien; und sie sehen das Leid der Ausgestoßenen, von denen sie selbst eine war – erst unehelich schwanger, dann auf der Flucht, um ihren neugeborenen Sohn vor einem mörderischen Tyrannen zu retten, dreißig Jahre später dann auf der Hinrichtungsstätte bei ihrem Sohn – ; und sie sehen auch die Gebete von Menschen in Versuchungen, Ängsten und Zweifeln, sehen gequälte, verzerrte, in sich gekrümmte, sich selbst belügende Gewissen wie Richter Claude Frollos, und haben auch Mitleid mit ihnen; auch dann, wenn solche Menschen von Anfang an nicht wirklich ernsthaft beten, sondern sich mehr selbst gratulieren, und am Ende nur noch ihr Verlangen nach Rache und ihren Hass hinausschreien.

Frollo ist irgendwie ein trauriger Bösewicht… kein 100-prozentiger Schurke, der „absolut böse“ ist (um einmal Herrn Höcke zu zitieren), sondern ein typischer Fanatiker, der sich in seinem Hass und auch seiner Angst verrannt hat und nicht mehr daraus hinaus kann, einerseits eine Art von Konsequentialist, dem in seiner Jagd auf die Zigeuner im Allgemeinen und Esmeralda im Besonderen schließlich alle Mittel recht sind, aber gleichzeitig auch inkonsequent und innerlich zerrissen (noch als er Esmeralda später auf dem Scheiterhaufen hat (ja, sie wird dann natürlich gerettet, keine Angst), bietet er ihr grinsend an, sie zu verschonen: „Choose me – or the fire.“). Frollo ist ein einsamer, trauriger, gehetzter Bösewicht; jemand, dem man wünschen würde, dass er am Ende Frieden finden würde.

Er ist nicht ausschließlich durch Hass und Stolz getrieben, glaube ich, sondern tatsächlich auch durch, ganz platt gesagt, eine tiefe Angst vor der Hölle, und vielleicht auch durch einen, wenn auch ziemlich pervertiertem, Wunsch, gut zu sein. Vielleicht hat es bei ihm damit angefangen… und dann wurde aus dem ursprünglich ehrlichen Wunsch, gut zu sein, der Wunsch, besser zu sein als andere, und er vernachlässigte einige Seiten des Guten und verzerrte andere, und so wurde er zu dem Menschen, als der er im Film auftaucht. Und als er sich dann eben erst einmal in seiner Härte und seinem Hass verrannt hatte, wurde es für ihn (wegen seiner tiefsitzenden Furcht vor den Konsequenzen der Sünde) immer schwieriger, die unterdrückte Stimme seines wahren Gewissens noch an sich heran zu lassen, sprich, zuzugeben, dass er sich ganz und gar auf dem falschen Weg befand, dass er viele Sünden begangen hatte durch seine Brutalität; diese Vorstellung war schrecklich für ihn. Ich spekuliere hier natürlich nur über sein Seelenleben… aber ich kann mir das gut vorstellen. Claude Frollo verkörpert vielleicht eine Art von mir seelenverwandtem Bösen. Es gibt ja verschiedene Arten des Bösen, und der eine kann die eine besser nachvollziehen, der andere eine andere.

Ich merke gerade, dass ich viel über den Bösewicht der Geschichte geschrieben habe und nahezu nichts über die eigentliche Hauptfigur, Quasimodo – der übrigens im zweiten der drei Lieder, die ich hier ausgesucht habe, lauscht, wie Esmeralda, die ihm zuvor geholfen hat, singt; und der ja selbst zu den Ausgestoßenen gehört, die von der Welt mit Gleichgültigkeit, Verachtung, Spott oder Furcht betrachtet werden. Hm, zu ihm vielleicht ein andermal mehr…

Ich glaube jedenfalls, ich habe alles in allem wirklich noch nie einen so katholisch korrekten Disney-Film gesehen. (Wobei „Frozen“ schon auch genial ist.)

 

[Anbei: Es ist auch ganz nett, dass die Filmindustrie hier ihren nicht allzu seltenen Antiklerikalismus vergessen hat; der Erzdiakon, auch wenn er keine allzu große Rolle spielt, gehört zu den Guten, und der Böse, der stolze brutale Fanatiker, ist ein Laie.]

 

PS: Wenn sich jemand fragt, was nun die eigentliche Aussage dieses Beitrags ist:

A) Disneyfilme sind gut, insbesondere „Der Glöckner von Notre Dame“.

B) Unsere liebe Frau ist uns eine Mutter und Königin, die uns helfen will, besonders, wenn wir uns hilflos fühlen, weil wir einsam sind, von anderen verachtet werden, uns verrannt haben, oder Schuld auf uns geladen haben. Sie will uns, ganz egal ob wir selber an unserem Unglück schuld sind oder nicht oder nur zum Teil, in unserem Unglück helfen und uns zu ihrem göttlichen Sohn führen, der uns aufrichten und trösten wird.

C) Ich spekuliere gerne über die Psyche von Figuren in Disneyfilmen.

„Schweigen“, die dritte

Eine interessante Diskussion bei New Catholic Generation über den Film „Silence“, über den bzw. über die Romanvorlage zu dem ich mich hier auch schon geäußert habe (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2016/11/29/schweigen-die-makkabaeischen-maertyrer-und-die-perfidie-des-vaters-der-luege/ , https://nolitetimereweb.wordpress.com/2016/12/29/schweigen-die-zweite/ ). Ich bin hier Joes Meinung. Eindeutig.

Wenn der Herr wiederkommt – eine neue Kurzgeschichte

„Wenn der Herr wiederkommt“, hieß es auf dem Hof gelegentlich. Aber jeder, der dort lebte, schien diesen Halbsatz in einem anderen Sinn zu gebrauchen.

So beginnt meine neue Kurzgeschichte, die eigentlich in den Advent gehören würde, mit der ich aber erst jetzt vor kurzem fertig geworden bin. Sie findet sich hier: https://nolitetimereweb.wordpress.com/meine-kurzgeschichten/

Ich bin noch nicht so gut im Schreiben von Kurzgeschichten, aber ich habe das Gefühl, wenigstens ein bisschen was lerne ich allmählich. (Zum Beispiel, dass zu viele Adjektive einen Text versauen.) Übung macht bekanntlich den Meister.

Ein Buchtipp für alle, die ein gutes Buch über Märtyrer lesen möchten (Leseproben inklusive!)

Da ich ja im letzten Post zum zweiten Mal an einer Darstellung des Martyriums in einem historischen Roman herumkritisiert habe, aber auch nicht die ganze Zeit nur kritisieren will, hier jetzt mal ein empfehlenswerter historischer Roman über eine Zeit der Märtyrer: „Come Rack! Come Rope!“ von Robert Hugh Benson.

Es gibt eine ziemlich große Menge an Schriftstellern, die zu ihrer Lebzeit sehr bekannt waren, heute aber nahezu vergessen sind; manche davon verdienter-, andere aber unverdientermaßen. Zu der ersten Sorte könnte man z. B. eine Mrs. Radcliffe zählen, zu deren Schauerromanen Jane Austen in „Northanger Abbey“ eine brillante Satire geliefert hat; zur zweiten dagegen Autoren wie Benson. (Anbei: Ich glaube und hoffe, dass Schriftstellern wie Iny Lorentz, Rosamunde Pilcher, Dan Brown, George R. R. Martin und E. L. James in nicht allzu ferner Zukunft das gleiche Schicksal beschieden sein wird wie den genannten Autoren.) Benson jedenfalls war meiner Ansicht nach ein sehr, sehr talentierter Schriftsteller, und auch relativ produktiv, vor allem, wenn man seine eher kurze Lebenszeit bedenkt (1871-1914; er schrieb alle seine Bücher zwischen 1903 und 1914).

Er war der jüngste Sohn des anglikanischen Erzbischofs von Canterbury Edward White Benson (1829-1896) und wurde selbst zuerst anglikanischer Geistlicher, neigte aber schon bald mehr dem Anglo-Katholizismus zu und lebte von 1898 bis 1903 in einer Art von anglikanischer Ordensgemeinschaft. Schon ab 1896 begann er Zweifel an der Autorität der Kirche von England zu hegen; ich habe hier (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2016/09/01/die-allumfassende-kirche-teil-1-geht-zu-allen-volkern/) schon einmal eine kurze Stelle aus seinen „Confessions of a convert“ zitiert, in denen er die Gründe für seine Konversion darlegte – 1903 trat er in die katholische Kirche ein, und 1904 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Das war in einer Zeit, in der England noch antikatholischer war als heute, und da war die Konversion eines Mannes aus einer solchen Familie ein so großer Skandal wie die des berühmten John Henry Newman ein paar Jahrzehnte früher. (Das heißt, sie war ein wirklich großer Skandal.) Hier findet sich übrigens noch eine kurze Biographie über Monsignore Benson, für alle, die interessiert sein sollten: http://www.catholicauthors.com/benson.html Neben seiner Arbeit als Priester veröffentlichte er in den folgenden Jahren zahlreiche Romane, Kinderbücher, Predigten und theologische Werke. Sein bekanntestes Buch ist „Lord of the world“ (von dem es auch eine deutsche Übersetzung mit dem Titel „Der Herr der Welt“ gibt); was kein Wunder ist, Dystopien interessieren die Leute irgendwie immer. Das Buch ist auch wirklich gut, aber er selber hielt wohl seinen historischen Roman „The History of Richard Raynal, Solitary“, der im Mittelalter spielt, für sein gelungenstes Werk. Den habe ich noch nicht gelesen, aber von dem, was ich bis jetzt von ihm gelesen habe, mochte ich tatsächlich „Come Rack! Come Rope!“ am liebsten. (Auch davon gab es mal eine deutsche Übersetzung, aber die ist von 1926, und ich bezweifle, dass man sie noch irgendwo her bekommt. Sie trägt den Titel „Trotz Folter und Strick“.) Man findet den Roman im englischen Original online hier: https://www.gutenberg.org/ebooks/15992 (es gibt einige von Bensons Werken bei Project Gutenberg); es müsste aber auch gedruckte Versionen im Internet zu kaufen geben.

Wem Monty Pythons Spanische Inquisition (https://www.youtube.com/watch?v=Tym0MObFpTI) geläufig ist, der wird sich ja erinnern, dass „rack“ auf Englisch nicht nur so etwas wie „Gestell“, „Kistchen“ oder „Rahmen“ bedeuten kann, sondern auch „Streckbank“ (was bei den Inquisitoren ja zu einer gewissen Verwirrung geführt hat). Monsignore Bensons Roman nun spielt zwischen 1579 und 1588 in England und das übergreifende Thema ist, kurz gesagt, die damalige Verfolgung der Katholiken, insbesondere der Priester. Wir reden hier von einer Zeit, in der man zwar privat noch irgendwie Katholik sein konnte, aber Strafe dafür zu zahlen hatte, wenn man nicht den anglikanischen Gottesdienst besuchte, und in der Priester und solche, die Priestern halfen, nicht selten „hanged, drawn and quartered“ (eine eher unangenehme Hinrichtungsmethode, https://en.wikipedia.org/wiki/Hanged,_drawn_and_quartered) oder, im Fall von St. Margaret Clitherow, auch mal zu Tode gequetscht wurden. Im Vorwort schreibt der Autor über den historischen Hintergrund und den Titel:

„Very nearly the whole of this book is sober historical fact; and by far the greater number of the personages named in it once lived and acted in the manner in which I have presented them. My hero and my heroine are fictitious; so also are the parents of my heroine, the father of my hero, one lawyer, one woman, two servants, a farmer and his wife, the landlord of an inn, and a few other entirely negligible characters. But the family of the FitzHerberts passed precisely through the fortunes which I have described; they had their confessors and their one traitor (as I have said). Mr. Anthony Babington plotted, and fell, in the manner that is related; Mary languished in Chartley under Sir Amyas Paulet; was assisted by Mr. Bourgoign; was betrayed by her secretary and Mr. Gifford, and died at Fotheringay; Mr. Garlick and Mr. Ludlam and Mr. Simpson received their vocations, passed through their adventures; were captured at Padley, and died in Derby. Father Campion (from whose speech after torture the title of the book is taken) suffered on the rack and was executed at Tyburn. Mr. Topcliffe tormented the Catholics that fell into his hands; plotted with Mr. Thomas FitzHerbert, and bargained for Padley (which he subsequently lost again) on the terms here drawn out. My Lord Shrewsbury rode about Derbyshire, directed the search for recusants and presided at their deaths; priests of all kinds came and went in disguise; Mr. Owen went about constructing hiding-holes; Mr. Bassett lived defiantly at Langleys, and dabbled a little (I am afraid) in occultism; Mr. Fenton was often to be found in Hathersage—all these things took place as nearly as I have had the power of relating them. “

 

Was ich an diesem Buch so mag, sind (abgesehen von der Tatsache, dass ich historische Romane, vor allem solche, deren Autoren sich die Mühe gemacht haben, historische Fakten zu recherchieren, generell gerne mag), ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die folgenden Dinge:

  • Die lebendige und realistische Charakterzeichnung: Zuerst einmal ist es keineswegs so, dass die Katholiken alle „die Guten“ und die Protestanten alle „die Bösen“ wären; dann ist es vor allem auch so, dass die guten, die schlechten und die irgendwo dazwischen stehenden Charaktere alle ihre jeweiligen speziellen Eigenarten haben und als gerundete, real wirkende Personen herüberkommen.
  • Der Schreibstil: Monsignore Benson neigt in „Lord of the world“ und anderswo gelegentlich zu Weitschweifigkeit (ein Fehler, den ich selber sehr gut kenne), fand ich, aber hier weniger; und er schreibt trotzdem im Großen und Ganzen einfach nur wunderbar; er besitzt die Fähigkeit, die einen guten Autor ausmacht, das was er schildert, lebendig zu machen, Stimmungen und Hintergründe einzufangen; und es liegen immer wieder ein gewisser Humor und eine feine Ironie in seinen Schilderungen, die das Buch so angenehm zu lesen machen.
  • Ich mag auch dieses ein bisschen altmodische Englisch, an das man sich teilweise erst gewöhnen muss. (Z. B. ist mir beim ersten Lesen erst nach ein bisschen Nachdenken aufgegangen, dass „her Grace“ einfach die Königin bezeichnet („ihre Gnaden“).)
  • Einerseits gibt es sehr spannende Stellen und die Handlung ist wirklich fesselnd (der Autor selbst erwähnt im Vorwort einen Ansatzpunkt möglicher Kritik seiner Zeitgenossen: „If the book is too sensational, it is no more sensational than life itself was to Derbyshire folk between 1579 and 1588“), andererseits ist es aber eben keine Geschichte, die bloß aus aufeinanderfolgenden Szenen von Hausdurchsuchungen und Verhaftungen, spektakulären Schwertkämpfen, Fluchten auf galoppierenden Pferden durch die dunkle Nacht, Folterungen, Morden und dergleichen bestehen würde. Die spektakulären Schwertkämpfe (und anderes von dem erwähnten Zeug) kommen sogar überhaupt nicht vor. Es gibt auch längere Gespräche und ruhige Szenen, in denen äußerlich nicht viel passiert, und es wird auch Zeit für die Schilderung von Orten, Gedanken und Gefühlen aufgewandt. Trotzdem kann man das Buch einfach nicht aus der Hand legen; man will unbedingt wissen, wie es weitergeht (und Monsignore Bensons schöne Sprache genießen).
  • Es ist alles in allem einfach eine schöne Geschichte. Der Autor schildert teilweise grauslige (ja, in meinem Dialekt ist das ein Wort, das man verwenden darf, auch wenn mein Rechtschreibprogramm das anders sehen mag) Begebenheiten – wie der Titel andeutet, auch Folter, Gefangenschaft und Hinrichtungen –, wenn auch nicht immer auf besonders explizite Weise, aber es ist trotzdem keine düstere, sondern eine hoffnungsvolle, helle Geschichte, in der nie das Böse ganz das letzte Wort behält. Und sie hat ein gutes Ende.

 

Worum es also genau geht:

Die beiden Hauptpersonen sind Robin Audrey und Marjorie Manners, im ersten Teil des Buches beide siebzehn Jahre alt, Robin der Sohn eines niederen Adligen und Marjorie die Tochter eines Anwalts aus dem ländlichen Nordengland; sie sind beide katholisch und, als das Buch beginnt, ein Liebespaar und seit kurzem verlobt. Das erste Kapitel setzt ein, als Robin zu Marjorie reitet, um mit ihr ein Problem zu besprechen, das vor ihm aufgetaucht ist:

 

„Robin Audrey was no more religious than a boy of seventeen should be. Yet he had had as few doubts about the matter as if he had been a monk. His mother had taught him well, up to the time of her death ten years ago; and he had learned from her, as well as from his father when that professor spoke of it at all, that there were two kinds of religion in the world, the true and the false—that is to say, the Catholic religion and the other one. Certainly there were shades of differences in the other one; the Turk did not believe precisely as the ancient Roman, nor yet as the modern Protestant—yet these distinctions were subtle and negligible; they were all swallowed up in an unity of falsehood. Next he had learned that the Catholic religion was at present blown upon by many persons in high position; that pains and penalties lay upon all who adhered to it. Sir Thomas FitzHerbert, for instance, lay now in the Fleet in London on that very account. His own father, too, three or four times in the year, was under necessity of paying over heavy sums for the privilege of not attending Protestant worship; and, indeed, had been forced last year to sell a piece of land over on Lees Moor for this very purpose. Priests came and went at their peril… […] There was still the memory of the descent of the Commissioners a year or two after his birth; he had been brought up on the stories of riding and counter-riding, and the hiding away of altar-plate and beads and vestments. But all this was in his bones and blood; it was as natural that professors of the false religion should seek to injure and distress professors of the true, as that the foxes should attack the poultry-yard. One took one’s precautions, one hoped for the best; and one was quite sure that one day the happy ancient times his mother had told him of would come back, and Christ’s cause be vindicated.

 And now the foundations of the earth were moved and heaven reeled above him; for his father, after a month or two of brooding, had announced, on St. Stephen’s Day, that he could tolerate it no longer; that God’s demands were unreasonable; that, after all, the Protestant religion was the religion of her Grace, that men must learn to move with the times, and that he had paid his last fine. At Easter, he observed, he would take the bread and wine in Matstead Church, and Robin would take them too.“

 

Der Konflikt mit Robins Vater, der beschlossen hat, zur anglikanischen Kirche überzugehen, ist der zentrale Konflikt, der die ganze weitere Handlung in Gang setzt. Als Robin das Ganze mit Marjorie bespricht, ist es für sie ohne weiteres klar, dass er seinem Vater hier nicht gehorchen kann; für sie ist die Frage höchstens, wie er sich nun verhalten soll.

 

Meantime Robin thought too. He was as wax in the hands of this girl, and knew it, and loved that it should be so. Yet he could not help his dismay while he waited for her seal to come down on him and stamp him to her model. For he foresaw more clearly than ever now the hundred inconveniences that must follow, now that it was evident that to Marjorie’s mind (and therefore to God Almighty’s) there must be no tampering with the old religion. He had known that it must be so; yet he had thought, on the way here, of a dozen families he knew who, in his own memory, had changed from allegiance to the Pope of Rome to that of her Grace, without seeming one penny the worse. There were the Martins, down there in Derby; the Squire and his lady of Ashenden Hall; the Conways of Matlock; and the rest—these had all changed; and though he did not respect them for it, yet the truth was that they were not yet stricken by thunderbolts or eaten by the plague. He had wondered whether there were not a way to do as they had done, yet without the disgrace of it…. However, this was plainly not to be so with him. He must put up with the inconveniences as well as he could, and he just waited to hear from Marjorie how this must be done. […]

 These two, as will have been seen, were as simple as children, and as serious. Children are not gay and light-hearted, except now and then (just as men and women are not serious except now and then). They are grave and considering: all that they lack is experience. These two, then, were real children; they were grave and serious because a great thing had disclosed itself to them in which two or three large principles were present, and no more. There was that love of one another, whose consummation seemed imperilled, for how could these two ever wed if Robin were to quarrel with his father? There was the Religion which was in their bones and blood—the Religion for which already they had suffered and their fathers before them. There was the honour and loyalty which this new and more personal suffering demanded now louder than ever; and in Marjorie at least, as will be seen more plainly later, there was a strong love of Jesus Christ and His Mother, whom she knew, from her hidden crucifix and her beads, and her Jesus Psalter—which she used every day—as well as in her own soul—to be wandering together once more among the hills of Derbyshire, sheltering, at peril of Their lives, in stables and barns and little secret chambers, because there was no room for Them in Their own places. It was this last consideration, as Robin had begun to guess, that stood strongest in the girl; it was this, too, as again he had begun to guess, that made her all that she was to him, that gave her that strange serious air of innocency and sweetness, and drew from him a love that was nine-tenths reverence and adoration. […] They did not speak much of her Grace, nor of her Grace’s religion, nor of her counsellors and affairs of state: these things were but toys and vanities compared with matters of love and faith; neither did they speak much of the Commissioners that had been to Derbyshire once and would come again, or of the alarms and the dangers and the priest hunters, since those things did not at present touch them very closely. It was rather of Robin’s father, and whether and when the maid should tell her parents, and how this new trouble would conflict with their love. They spoke, that is to say, of their own business and of God’s; and of nothing else. The frosty sunshine crept down the painted wainscot and lay at last at their feet, reddening to rosiness…“

 

(Nebenbei: Einer der Sätze aus dem Buch, die ich am liebsten mag, ist der folgende, der am Beginn des Treffens der beiden steht: „Then he took the girl who awaited him there in both his arms, and kissed her twice—first her hands and then her lips, for respect should come first and ardour second.“)

 

Na ja, ich will hier jetzt nicht alle Einzelheiten des weiteren Fortgangs verraten, das würde hier auch ein bisschen zu lang dauern. Kurz gesagt, die Handlung nimmt eine unerwartete Wendung, und der erste Teil endet damit, dass – wer keinen Spoiler will, bitte hier zu lesen aufhören und einfach gleich das Buch selbst bei Project Gutenberg weiter lesen – Robin beschließt, nach Rheims zu gehen, um Priester zu werden, und dann, wie üblich, heimlich nach England zurückzukehren, um den Katholiken dort zu dienen. Marjorie ist tatsächlich die, der zuerst der Gedanke kommt (der ihr zuerst Angst macht), dass Gott Robin zum Priestertum berufen könnte; und sie unterstützt ihn in seinem Entschluss. Der zweite Teil setzt dann zwei Jahre später ein, als Marjorie von einer befreundeten, ebenfalls katholischen Familie, Anthony Babington und seiner Schwester Alice, zu einer Reise nach London eingeladen wird, wo sie auch einige Priester treffen soll. In diesen zwei Jahren ist sie ein fester Teil des Netzwerks von Personen geworden, die Priester bei sich verstecken; ihr Vater ist inzwischen tot und ihre Mutter bettlägerig, also ist sie mehr oder weniger für das Familienanwesen verantwortlich. Den Teil des Buches, der in London spielt, mag ich auch seeehr gern, da tritt nämlich St. Edmund Campion auf; einer der großen englischen Märtyrer. Hier noch eine schöne Szene, als Marjorie und ihre Begleiter sich mit Pater Campion in einem Gasthaus treffen:

 

„They talked for a few minutes in this manner. Father Campion spoke of the high duty that lay on all country ladies to make themselves acquainted with the sights of the town; and spoke of three or four of these. Her Grace, of course, must be seen; that was the greatest sight of all. They must make an opportunity for that; and there would surely be no difficulty, since her Grace liked nothing better than to be looked at. And they must go up the river by water, if the weather allowed, from the Tower to Westminster; not from Westminster to the Tower, since that was the way that traitors came, and no good Catholic could, even in appearance, be a traitor. And, if they pleased, he would himself be their guide for a part of their adventures. He was to lie hid, he told them; and he knew no better way to do that than to flaunt as boldly as possible in the open ways.

 „If I lay in my room,“ said he, „with a bolt drawn, I would soon have some busy fellow knocking on the door to know what I did there. But if I could but dine with her Grace, or take an hour with Mr. Topcliffe, I should be secure for ever.“

 Marjorie glanced shyly towards Alice, as if to ask a question. (She was listening, it seemed to her, with every nerve in her tired body.) The priest saw the glance.

 „Mr. Topcliffe, madam? Well; let us say he is a dear friend of the Lieutenant of the Tower, and has, I think, lodgings there just now. And he is even a friend of Catholics, too—to such, at least, as desire a heavenly crown.“

 „He is an informer and a tormentor!“ broke in Anthony harshly.

 „Well, sir; let us say that he is very loyal to the letter of the law; and that he presides over our Protestant bed of Procrustes.“

 „The—“ began Marjorie, emboldened by the kindness of the priest’s voice.

 „The bed of Procrustes, madam, was a bed to which all who lay upon it had to be conformed. Those that were too long were made short; and those that were too short were made long. It is a pleasant classical name for the rack.““

 

(Man achte auf den an dieser Stelle nur angedeuteten Gegensatz zwischen Pater Campion und Anthony Babington – letzterer spielt ebenfalls noch eine nicht zu unterschätzende Rolle für die weitere Handlung, und wer Schillers „Maria Stuart“ aus dem Deutschunterricht noch einigermaßen im Kopf hat, dem wird sein Name vielleicht schon etwas sagen – denn ja, wir reden hier auch von einer Zeit, in der es so etwas wie katholische Terroristen gab (Anthony Babington, Guy Fawkes, Jacques Clément, Francois Ravaillac usw.; https://de.wikipedia.org/wiki/Anthony_Babington).)

Bei dieser Reise nach London trifft Marjorie auch Robin wieder, der zwar noch kein Priester ist, aber mit einigen Priestern und anderen Seminaristen auf eine Art vorbereitende Reise nach England gekommen ist:

 

„Robin bowed to her very carefully, and stood upright again.

 She had seen in an instant how changed he was, in that swift instant in which her eyes had singled him out from the little crowd of men that had come into the room with Anthony at their head. It was a change which she could scarcely have put into words, unless she had said that it was the conception of the Levite within his soul. He was dressed soberly and richly, with a sword at his side, in great riding-boots splashed to the knees with mud, with his cloak thrown back; and he carried his great brimmed hat in his hand. All this was as it might have been in Derby, though, perhaps, his dress was a shade more dignified than that in which she had ever seen him. But the change was in his face and bearing; he bore himself like a man, and a restrained man; and there was besides that subtle air which her woman’s eyes could see, but which even her woman’s wit could not properly describe.

 […]

 „You look very well,“ she said, with an admirable composure.

 His eyes twinkled.

 „I am as weary as a man can be,“ he said. „We have ridden since before dawn…. And you, and your good works?“

 Marjorie explained, describing to him something of the system by which priests were safeguarded now in the north—the districts into which the county was divided, and the apportioning of the responsibilities among the faithful houses. It was her business, she said, to receive messages and to pass them on; she had entertained perhaps a dozen priests since the summer; perhaps she would entertain him, too, one day, she said.

 The ordeal was far lighter than she had feared it would be. There was a strong undercurrent of excitement in her heart, flushing her cheeks and sparkling in her eyes; yet never for one moment was she even tempted to forget that he was now vowed to God. It seemed to her as if she talked with him in the spirit of that place where there is neither marrying nor giving in marriage. Those two years of quiet in the north, occupied, even more than she recognised, in the rearranging of her relations with the memory of this young man, had done their work. She still kindled at his presence; but it was at the presence of one who had undertaken an adventure that destroyed altogether her old relations with him… She was enkindled even more by the sense of her own security; and, as she looked at him, by the sense of his security too. Robin was gone; here, instead, was young Mr. Audrey, seminary student, who even in a court of law could swear before God that he was not a priest, nor had been „ordained beyond the seas.“

 So they sat and exchanged news. She told him of the rumours of his father that had come to her from time to time; he would be a magistrate yet, it was said, so hot was his loyalty. Even her Grace, it was reported, had vowed she wished she had a thousand such country gentlemen on whose faithfulness she could depend. And Robin gave her news of the seminary, of the hours of rising and sleeping, of the sports there; of the confessors for the faith who came and went; of Dr. Allen. He told her, too, of Mr. Garlick and Mr. Ludlam; he often had talked with them of Derbyshire, he said. It was very peaceful and very stirring, too, to sit here in the lighted parlour, and hear and give the news; while the company, gathered round Anthony and Father Campion, talked in low voices, and Mistress Babington, placid, watched them and listened. He showed her, too, Mr. Maine’s beads which she had given him so long ago, hung in a little packet round his neck.“

 

Tja, ich will jetzt nicht mehr viel verraten; der dritte und vierte Teil des Buches jedenfalls spielen ein paar Jahre später, als Robin dann tatsächlich als Priester nach England zurückgekehrt ist; er und Marjorie begegnen sich auch dann wieder, Babingtons Verschwörung kommt noch vor und auch Mary Stuart hat noch eine Rolle zu spielen, und ein paar andere Personen; dann auch Robins Vater, der inzwischen tatsächlich ein Magistrat der Queen geworden ist und unter anderem zuständig für die Suche nach katholischen Priestern…

Wie gesagt: Das Buch geht gut aus. Ich verrate nicht, wie, aber es geht gut aus.

„Schweigen“, die zweite

Ich habe hier ja schon einmal meine Kritik an Shusaku Endos Roman „Schweigen“, der von Martin Scorsese verfilmt worden ist, deutlich und sehr ausführlich zum Ausdruck gebracht (https://nolitetimereweb.wordpress.com/2016/11/29/schweigen-die-makkabaeischen-maertyrer-und-die-perfidie-des-vaters-der-luege/). Deshalb habe ich mich auch gefreut, eine Filmkritik von Bischof Robert Barron gefunden zu haben, der so ziemlich derselben Meinung ist wie ich: http://www.wordonfire.org/resources/article/scorseses-silence-and-the-seaside-martyrs/5360/ Das, was er in seinem Artikel noch betrachtet, ist wirklich lesenswert. Und nachdem ich gelesen habe, wie der Film das Buch inszeniert (ziemlich werkgetreu übrigens), wiederhole ich mein ursprüngliches Verdikt: Es lohnt sich nicht, ihn zu sehen, wenn er in Deutschland herauskommt.

[Update: Hier noch ein paar Informationen über den tatsächlichen historischen Hintergrund des Films: http://die-missionen.blogspot.de/2017/01/silence-martin-scorsese-und-der.html ]

Das Märchen von den drei Brüdern

Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich ein sehr, sehr großer Harry-Potter-Fan bin?

Jedenfalls wollte ich eine so gelungene musikalische Interpretation des Märchens von den drei Brüdern wie diese hier nicht unerwähnt lassen, wenn ich schon mal so etwas finde und einen eigenen Blog besitze:

 

 

Die Versuchung, den Tod besiegen zu wollen, ist in den Harry-Potter-Büchern eine, der sogar Albus Dumbledore vor langer Zeit einmal erlegen ist – mit nicht so guten Folgen für ihn. Und auch in J. K. Rowlings Zaubererwelt funktionieren die verschiedenen Versuche dazu im Endeffekt nie. Oder, um es mit Dumbledores eigenen späteren Worten in seinen Anmerkungen zu den Märchen von Beedle dem Barden auszudrücken: „Wie der berühmte Zaubereiphilosoph Bertrand de Pensées-Profondes in seinem gefeierten Werk Eine Studie über die Möglichkeit einer Umkehr der konkreten und metaphysischen Auswirkungen des natürlichen Todes, mit besonderer Berücksichtigung der Reintegration von Wesen und Materie schreibt: ‚Lasst es bleiben. Es wird nie klappen.'“.*

Ich musste beim Anschauen des Videos auf einmal auch an die Szene in Band 7 denken, als Harry und Hermine am Heiligabend auf dem Friedhof von Godric’s Hollow vor dem Grab von Harrys Eltern stehen:

 

„Der Grabstein stand nur zwei Reihen hinter dem von Kendra und Ariana. Er war aus weißem Marmor, genau wie Dumbledores Grabmal, und so war er leicht zu lesen, denn er schien in der Dunkelheit zu leuchten. Harry musste sich nicht hinknien und nicht einmal ganz nahe herantreten, um die Worte zu erkennen, die darin eingemeißelt waren:

James Potter

geboren am 27. März 1960, gestorben am 31. Oktober 1981

Lily Potter

geboren am 30. Januar 1960, gestorben am 31. Oktober 1981

Der letzte Feind, der zerstört werden wird, ist der Tod.

Harry las die Inschrift langsam, als ob er nur eine einzige Gelegenheit hätte, ihren Sinn zu begreifen, und er las die letzten Worte laut.

Der letzte Feind, der zerstört werden wird, ist der Tod…‚ Ein schrecklicher Gedanke kam ihm, in einem Anflug von Panik. ‚Ist das nicht eine Vorstellung von den Todessern? Was hat das hier zu suchen?‘

‚Es bedeutet nicht, dass der Tod so besiegt wird, wie die Todesser es meinen, Harry‘, sagte Hermine mit sanfter Stimme. ‚Es bedeutet… du weißt schon… über den Tod hinaus leben. Leben nach dem Tod.'“**

 

„Der letzte Feind, der zerstört werden wird, ist der Tod“ (im engl. Original: „The last enemy that shall be destroyed is death“) – das ist ein Zitat aus der Bibel. 1 Korinther 15,26.

 

* J. K. Rowling: Die Märchen von Beedle dem Barden, S. 78. (Sehr empfehlenswertes Buch, wenn ich hier mal ein bisschen Werbung machen darf.)

** J. K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, S. 336f.