Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 6a: Die Rolle Roms – Stadt des Martyriums von Petrus und Paulus

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich: Apg 28,16-31; 1 Petr 5,13; Joh 21,18f.

 

Heute geht es um Rom insofern, als die Stadt der Ort des Martyriums von Petrus und Paulus war. In der Bibel kommt beides nicht mehr vor; die Apostelgeschichte endet kurz nach der Ankunft des Apostels Paulus in Rom. Darüber, wo genau Petrus missionierte, nachdem er Jerusalem verließ, erfährt man in der Apostelgeschichte nicht viel, aber am Ende des 1. Petrusbriefs schreibt Petrus „Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon“ (1 Petr 5,13), was ein Deckname für Rom gewesen sein müsste. Aber natürlich schreibt Petrus auch nichts über sein eigenes Martyrium; nur am Ende des Johannesevangeliums wird es in einer Vorhersage Jesu angedeutet, allerdings nur das Martyrium selbst (das zur Zeit der Abfassung des letzten Evangeliums schon geschehen sein dürfte), ohne Ortsangabe (s. Joh 21,18f.). Daher jetzt zu den etwas späteren Quellen.

Der Kirchenhistoriker Eusebius berichtet um 300 n. Chr. über das Martyrium Petri; er zitiert dabei den Bericht eines Christen namens Gaius, der unter Zephyrinus, der von 198 bis 217 n. Chr. Papst war, in Rom lebte, sowie Dionysius, der um 170 n. Chr. Bischof von Korinth war:

„Da er [Nero] sich nun unter den schlimmsten Gottesfeinden besonders hervortun wollte, ließ er sich dazu verleiten, die Apostel hinzurichten. Wie berichtet wird, wurde Paulus eben in Rom unter Nero enthauptet und Petrus gekreuzigt. Dieser Bericht wird bestätigt durch die noch bis heute erhaltenen Namen Petrus und Paulus in den römischen Zömeterien [Friedhöfen, Katakomben] sowie durch einen kirchlich glaubwürdigen Mann, namens Gaius, der unter dem römischen Bischof Zephyrinus lebte und in einem schriftlich überlieferten Dialog mit Proklus, dem Haupte der phrygischen Sekte, über die Stätte, wo die heiligen Leiber der genannten Apostel ruhen, sagt: ‚Ich kann die Siegeszeichen der Apostel zeigen. Du magst auf den Vatikan gehen oder auf die Straße nach Ostia, du findest die Siegeszeichen der Apostel, welche diese Kirche gegründet haben.‘ Daß beide Apostel zu gleicher Zeit den Martertod erlitten haben, behauptet Dionysius, Bischof  von Korinth, in einem Schreiben an die Römer. Er sagt: ‚Durch eure große Sorgfalt habt ihr die von Petrus und Paulus in Rom und Korinth angelegte Pflanzung miteinander verbunden. Denn beide haben in unserer Stadt Korinth die Pflanzung begonnen und uns in gleicher Weise in Italien gelehrt und zu gleicher Zeit den Martertod erlitten.‘ Durch dieses Zeugnis möge meine Erzählung noch mehr beglaubigt werden.“ (Eusebius, Kirchengeschichte II,25)

Um 200 n. Chr. standen also schon länger Gräber, kleine Gedenkstätten, für die Apostel in Rom. („Siegeszeichen“ sagte man, da man das Martyrium als Sieg über den Teufel, als endgültiges Durchhalten, als Eintritt in den Himmel, sah.) Der Vatikan war ein Hügel, der zu dieser Zeit noch außerhalb der eigentlichen Stadt lag. Gaius‘ Bericht passt genau zu den archäologischen Funden; unter dem Petrusgrab im Petersdom wurde bei Ausgrabungen eine antike Ädikula, eine Art kleiner Schrein, aus dem 2. Jahrhundert, gefunden, und daneben eine mit christlichen Graffiti bedeckte Wand, in der in einer mit Marmor ausgekleideten Öffnung Gebeine eines alten Mannes aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. lagen. Um das Petrusgrab herum fanden sich weitere christliche Gräber. Das Petrusgrab fand also früh Verehrung und die römischen Christen bauten erste kleine Gedenkzeichen dort und begruben ihre Toten bei Petrus.


(Rekonstruktion des Bereichs um das Petrusgrab; die Ädikula steht an der roten Wand. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Nutzer Mogadir.)

Auch im Paulusgrab in St. Paul vor den Mauern hat man Knochen gefunden, die ins 1. oder 2. Jahrhundert datiert wurden.

Schon ein Stück vorher berichtet Eusebius, wie Petrus nach Rom gekommen sei und was dann passiert sei:

„So sehr erleuchtete das Licht der Religion die Herzen der Zuhörer des Petrus, daß sie sich nicht damit begnügen wollten, ihn ein einziges Mal nur gehört zu haben, sie wollten von der Lehre seiner göttlichen Predigt auch Aufzeichnungen besitzen. Daher wandten sie sich mit verschiedenen Bitten an Markus, den Verfasser des Evangeliums, den Begleiter des Petrus, er möchte ihnen schriftliche Erinnerungen an die mündlich vorgetragene Lehre hinterlassen. Und sie standen nicht eher von den Bitten ab, als bis sie den Mann gewonnen hatten. So wurden sie die Veranlassung zum sog. Markusevangelium. Nachdem Petrus durch eine Offenbarung des Geistes von dem Vorfalle Kenntnis erhalten hatte, soll er sich über den Eifer der Leute gefreut und die Schrift für die Lesung in den Kirchen bestätigt haben. Klemens hat diese Tatsache im sechsten Buche seiner Hypotyposen berichtet, und mit ihm stimmt Bischof Papias von Hierapolis überein. Petrus gedenkt des Markus in seinem ersten Briefe, den er in Rom selbst verfaßt haben soll was er selbst andeutet, indem er diese Stadt bildlich Babylon nennt, wenn er sagt: ‚Es grüßt Euch die miterlesene Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.'“ (Eusebius, Kirchengeschichte II,15)

Es gibt aber auch schon frühere Zeugnisse:

Bischof Ignatius von Antiochia erwähnt beide Apostel ca. 107 n. Chr. in einem Brief, den er an die römische Gemeinde vorausschickt, während er auf dem Weg zu seinem Prozess in Rom ist:

„Nicht wie Petrus und Paulus befehle ich euch. Jene waren Apostel, ich bin ein Verurteilter; jene waren frei, ich bin bis zur Stunde ein Sklave. Aber wenn ich gelitten habe, werde ich Freigelassener Jesu Christi sein und werde in ihm auferstehen, ein Freier. Jetzt lerne ich, in den Fesseln wunschlos zu sein.“ (Brief des Ignatius an die Römer 4,3)

Offensichtlich waren also die Apostel bei der römischen Gemeinde gewesen („Nicht wie Petrus und Paulus befehle ich euch“).

Der römische Bischof Clemens erwähnt Petrus und Paulus (und nur sie von den neueren Märtyrern!) in einem Brief  an die Korinther schon ca. im Jahr 95. Auch wenn er nicht direkt sagt, dass sie in Rom zu Märtyrern wurden, passt das gut dazu; sie waren offensichtlich wichtige Beispiele für die römische Gemeinde.

„Aber, um mit den alten Beispielen aufzuhören, wollen wir nun auf die Kämpfer der neuesten Zeit kommen; wir wollen die hervorstechendsten Beispiele unseres Zeitalters herausgreifen. Wegen Eifersucht und Neid haben die größten und gerechtesten Männer, Säulen waren sie, Verfolgung und Kampf bis zum Tode getragen. Stellen wir uns die guten Apostel vor Augen: einen Petrus, der wegen ungerechter Eifersucht nicht ein oder zwei, sondern vielerlei Mühseligkeiten erduldet hat und, nachdem er so sein Zeugnis (für Christus) abgelegt hatte, angelangt ist an dem ihn gebührenden Orte der Herrlichkeit. Wegen Eifersucht und Streit hat Paulus den Beweis seiner Ausdauer erbracht. Siebenmal gefesselt, vertrieben, gesteinigt, Herold (des Evangeliums) im Osten und Westen, holte er sich den herrlichen Ruhm seines Glaubens. Er hatte Gerechtigkeit der ganzen Welt gelehrt, war bis in den äußersten Westen vorgedrungen und hatte vor den Machthabern sein Zeugnis abgelegt, so wurde er weggenommen von dieser Welt und ging ein in den heiligen Ort, das größte Beispiel der Geduld.“ (1. Clemensbrief 5)

Dann gibt es noch ein paar Quellen. In der Petrusoffenbarung (einer Schrift wohl aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts, die sich als von Petrus verfasste Schrift ausgab und hauptsächlich von Himmel und Hölle handelt) sagt Jesus gegen Ende zu Petrus:

„Ich habe es, Petrus, zu dir geredet und dir kundgetan. Gehe hinaus also und wandere also in die Stadt des Westens in den Weinberg, den ich dir sagen werde“ (Petrusoffenbarung 14, in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2. Band. Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, 4. Aufl., Tübingen 1971, S. 480)

Mit der „Stadt des Westens“ wird wahrscheinlich Rom gemeint gewesen sein. Der Fälscher ging also davon aus, dass die Leute wussten, dass Petrus in Rom gewesen war und fügte das ein, damit seine Schrift glaubwürdig wirken würde.

Dann berichten die Petrusakten (vor 190 n. Chr.), eine teilweise wohl eher legendarische und auch etwas seltsame Erzählung, bei der man aber davon ausgehen kann, dass sie zumindest auf gewissen Tatsachen beruht, die in der kollektiven Erinnerung der Christen präsent waren (z. B. dass Petrus in Rom war und dort hingerichtet wurde), über das Martyrium Petri:

„Petrus aber weilte in Rom und freute sich mit den Brüdern in dem Herrn und dankte Tag und Nacht für die Menge, die täglich zu dem heiligen Namen durch die Gnade des Herrn hinzugeführt wurden. Es kamen aber auch die vier Konkubinen des Präfekten Agrippa zu Petrus, Agrippina, Nikaria, Euphemia und Doris. Als diese die Predigt von der Keuschheit hörten und alle Worte des Herrn, wurden sie in ihrer Seele getroffen; sie verabredeten untereinander, keusch zu bleiben (und sich) vom Lager des Agrippa (fernzuhalten), wurden aber von diesem bedrängt. Agrippa war nun in Verlegenheit und war ungehalten über sie – denn er liebte sie sehr; darum ließ er sie beobachten und schickte (Leute, um festzustellen), wohin sie gingen und erfährt, daß sie zu Petrus (gingen). Als sie nun (wieder zurück) kamen, sagte er zu ihnen: ‚Jener Christ hat euch gelehrt, nicht mit mir zusammenzukommen; wisset, ich werde auch euch vernichten und jenen lebendig verbrennen.‘ Diese nun nahmen es auf sich, alle Übel von Agrippa zu ertragen, (sie wollten aber) sich nur nicht mehr von heftiger Leidenschaft hinreißen lassen, gestärkt durch die Kraft Jesu.

Eine Frau aber, die von besonderer Schönheit war, die Gattin des Albinus, eines Freundes des Kaisers, Xantippe mit Namen, kam zusammen mit den anderen Matronen zu Petrus und versagte sich dem Albinus. Jener nun, voller Wut und von Liebe zu Xantippe entbrannt, wunderte sich, daß sie nicht mehr mit ihm zusammen auf demselben Lager schlafen wolle, und er wurde wild wie ein Tier und wollte des Petrus habhaft werden; denn er erkannte, daß er (Petrus) schuld sei an der Trennung (der Frau) vom Bett. Aber auch viele andere Frauen wurden von der Predigt über die Keuschheit ergriffen und trennten sich von ihren Männern, und (manche) Männer trennten ihr Lager von dem der eigenen Frauen, weil sie rein und unberührt Gott dienen wollten. Es entstand nun in Rom ein gewaltiger Aufruhr und Albinus berichtete seine Erlebnisse dem Agrippa, indem er zu ihm sprach: ‚Entweder schaffe du mir Recht von Petrus, der meine Frau von mir getrennt hat oder ich werde mir selber Recht schaffen.‘ Und Agrippa erklärte, er habe dasselbe von hm erlitten, da er die Konkubinen [von ihm] getrennt habe. Und Albinus sprach zu ihm: ‚Worauf wartest du noch, Agrippa? Wir wollen ihn fangen und als unnützen Menschen töten, damit wir unsere Frauen wiederbekommen und damit wir auch jenen Recht schaffen, die ihn nicht töten können, deren Frauen er auch abspenstig gemacht hat.

Während sie so überlegten, schickte Xantippe, die die Beratung ihres Mannes mit Agrippa in Erfahrung gebracht hatte, und ließ dem Petrus sagen, er solle Rom verlassen. Und die übrigen Brüder forderten ihn gemeinsam mit Marcellus auf, wegzugehen. Petrus aber sagte zu ihnen: ‚Sollen wir entlaufen, Brüder?‘ Sie aber sagten zu ihm: ‚Nein, sondern da du noch dem Herrn dienen kannst, (sollst du weggehen).‘ Er ließ sich aber von den Brüdern überreden und verließ allein (die Stadt) und sagte dabei: ‚Keiner von euch soll mit mir hinweggehen, sondern ich will allein weggehen, nachdem ich mein Aussehen verändert habe.‘ Als er aber zum Tore hinausging, sah er den Herrn nach Rom hineinkommen. Und er sah ihn und sprach: ‚Herr, wohin (gehst) du hier?‘ Und der Herr sagte zu ihm: ‚Ich gehe nach Rom hinein, um gekreuzigt zu werden.‘ Und Petrus sprach zu ihm: ‚Herr, wiederum wirst du gekreuzigt?‘ Er sagte zu ihm: ‚Ja, Petrus, wiederum werde ich gekreuzigt.‘ Da kam Petrus zu sich und sah den Herrn in den Himmel fahren; er kehrte nach Rom zurück, freute sich und pries den Herrn, weil er selbst gesagt hatte: ‚Ich werde gekreuzigt.‘ Das sollte an Petrus geschehen.

Er ging nun wieder zu den Brüdern hinauf und erzählte ihnen, was ihm erschienen war. Sie aber trauerten in ihrer Seele, weinten und sagten: ‚Wir beschwören dich Petrus; denke an uns, die Jüngeren!‘ Und Petrus sagte zu ihnen: ‚Wenn es der Wille des Herrn ist, so geschieht es, auch wenn wir nicht wollen. Euch aber vermag der Herr im Glauben an ihn zu stärken, und er wird (euch) auf ihn gründen und in ihm ausbreiten, (euch), die er selbst gepflanzt hat, damit auch ihr andere durch ihn pflanzt. Ich aber widerstehe nicht, solange mich der Herr am Leben lassen will; und wiederum, wenn er mich hinwegnehmen will, jauchze ich und freue mich.‘ Während Petrus so redete und die Brüder alle weinten, siehe, da ergriffen ihn vier Soldaten und führten ihn vor Agrippa. Und dieser befahl in seiner Krankheit, ihn wegen Gottlosigkeit zu kreuzigen. Es lief nun die ganze Menge der Brüder zusammen, Reiche und Arme, Waisen und Witwen, Niedrige und Mächtige; sie wollten Petrus sehen und ihn hinwegreißen. Das Volk aber schrie unbändig und einstimmig: ‚Was hat Petrus Unrechtes getan, Agrippa? Was hat er Böses getan? Sage es den Römern!‘ Und andere sagten: ‚(Es ist zu fürchten,) daß der Herr auch uns verderbe, wenn dieser stirbt.‘ Und als Petrus an den Ort (der Hinrichtung) gekommen war, beruhigte er die Menge und sagte: ‚Ihr Männer, die ihr für Christus Kriegsdienst leistet, ihr Männer, die ihr auf Christus hofft, gedenket der Zeichen und Wunder, die ihr durch mich (geschehen) gesehen habt; denket an Gottes Mitleid, wie viele Heilungen er euretwegen vollbracht hat. Erwartet ihn, der kommen wird und jedem nach seinen Taten vergilt. Und nun zürnet Agrippa nicht; denn er ist ein Diener der Kraft seines Vaters. Und dieses geschieht jedenfalls, da mir der Herr offenbart hat, was geschehen soll. Aber was zögere ich und gehe nicht an das Kreuz?‘

Als er aber hinzukam und bei dem Kreuze stand, begann er zu sprechen: ‚O Name des Kreuzes, verborgenes Geheimnis; o unaussprechliche Gnade, die mit dem Namen des Kreuzes ausgesprochen ist; o Natur des Menschen, die von Gott nicht getrennt werden kann; o unsagbare und unzertrennbare Liebe, die von unreinen Lippen nicht bekannt werden kann; ich erfasse dich jetzt am Ende, da ich mich von hier löse. Ich will dich bekannt machen, wie du bist. Ich will das meiner Seele einst verschlossene und verborgene Geheimnis des Kreuzes nicht verschweigen. Das Kreuz sei euch, die ihr auf Christus hofft, nicht das, was sichtbar erscheint; denn etwas anderes als das Sichtbare ist dieses (Leiden) gemäß dem Leiden Christi. Und jetzt vor allem, da ihr, die ihr zu hören vermögt, (es hören) könnt von mir, der ich in der letzten Stunde und am Ende meines Lebens stehe, höret: von allem sinnlich Wahrnehmbaren haltet eure Seelen fern, von allem sichtbar Erscheinenden, das doch nicht wirklich ist. Verschließet diese eure Augen, verschließet diese eure Ohren, (haltet euch fern) von den Dingen, die sichtbar erscheinen! Und ihr werdet das, was Christus betrifft und das ganze Geheimnis eures Heils erkennen. Und dies sei euch, die ihr es hört, gesag, als wäre es nicht gesagt. Die Stunde aber (ist da) für dich, Petrus, deinen Leib denen, die ihn nehmen wollen, hinzugeben. Nehmt ihr also hin, deren Beruf es ist. Ich fordere nun von euch, den Scharfrichtern, kreuzigt mich so, mit dem Kopf nach unten und nicht anders! Und warum, das werde ich den Hörenden sagen.‘

Als sie ihn nun in der Art, wie er es gefordert hatte, aufgehängt hatten, begann er wieder zu reden: ‚Ihr Männer, die ihr zum Hören berufen seid, vernehmt, was ich gerade jetzt, während ich (am Kreuz) hänge, euch verkündigen werde! Erkennet das Geheimnis der ganzen Schöpfung und den Anfang aller Dinge, wie er war. Denn der erste Mensch, dessen Art ich in (meiner) Gestalt trage, mit dem Kopf nach unten gestürzt, zeigte eine Entstehungsart, die ehemals nicht so war; denn sie war tot, da sie keine Bewegung hatte. Als er nun herabgezogen wurde, er, der auch seinen Ursprung auf die Erde warf, hat er das Ganze der Anordnung festgestellt, aufgehängt nach Art der Berufung, bei der er das Rechte als Linkes und das Linke als Rechtes gezeigt hat, und hat alle Zeichen der Natur geändert, (nämlich) das Nichtschöne als schön zu betrachten und das wirklich Schlechte als Gutes. Darüber sagt der Herr im Geheimnis: ‚Wenn ihr nicht das Rechte macht wie das Linke und das Linke wie das Rechte und das Obere wie das Untere und das Hintere wie das Vordere, so werdet ihr das Reich (Gottes) nicht erkennen.‘ Dieses Verständnis nun habe ich zu euch gebracht, und die Art, in der ihr mich hängen seht, ist die Abbildung jenes Menschen, der zuerst zur Entstehung kam. Ihr nun, meine Geliebten, die ihr es jetzt hört und die ihr hören werdet, müßt ablassen von dem ersten Irrtum und wieder zurückkehren. Denn es sollte sich geziemen, an das Kreuz Christi zu kommen, der da ist einzig und allein das ausgebreitete Wort, von dem der Geist sagt: ‚Denn was ist Christus anders als das Wort, der Schall Gottes?‘ damit Wort sei dieses aufrechtstehende Holz, an dem ich gekreuzigt bin; der Schall aber ist der Querbalken, (nämlich die) Natur des Menschen; der Nagel aber, der an dem geraden Holz den Querbalken in der Mitte festhält, ist die Bekehrung und Buße des Menschen.

Da du mir nun dieses kundgetan und offenbart hast, o Wort des Lebens, wie von mir jetzt das Holz genannt worden ist, so danke ich dir, nicht mit diesen Lippen, die angenagelt sind, auch nicht mit der Zunge, durch die Wahrheit und Lüge hervorgeht, auch nicht mit diesem Worte, das von der Kunst irdischer Natur hervorgebracht wird, sondern mit jener Stimme danke ich dir, o König, die durch Schweigen vernommen wird, die nicht im Offenbaren gehört wird, die nicht durch die Organe des Körpers hervorgeht, die nicht in fleischliche Ohren eingeht, die nicht vom vergänglichen Wesen gehört wird, die nicht in der Welt ist und auf der Erde ertönt, auch nicht in Büchern geschrieben wird, auch nicht dem einen gehört, dem anderen nicht, sondern mit dieser (Stimme), Jesus Christus, danke ich dir: Mit dem Schweigen der Stimme, der der Geist in mir, der dich liebt und mit dir spricht und dich sieht, begegnet. Du bist nur dem Geist erkennbar. Du bist mir Vater, du mir Mutter, du mir Bruder, du Freund, du Diener, du Haushalter. Du (bist) das All, und das All (ist) in dir; und du (bist) das Sein, und es gibt nichts anderes, was ist, außer dir allein. Zu ihm fliehet nun auch ihr, Brüder, und lernt, daß ihr euer Wesen in ihm habt, und ihr werdet dann das erlangen, von dem er zu euch sagt: ‚Was weder ein Auge gesehen hat, noch ein Ohr gehört hat, noch in ein Menschenherz gekommen ist.‘ Wir bitten nun um das, was du uns zu geben versprochen hast, unbefleckter Jesus; wir loben dich, wir danken dir und bekennen dich, indem wir – noch schwache Menschen – dich preisen. Denn du allein bist Gott und kein anderer, dem der Ruhm sei jetzt und in alle Ewigkeiten. Amen.‘

Als aber die herumstehende Menge mit lautem Schall das Amen rief, da übergab zugleich mit diesem Amen Petrus dem Herrn den Geist. Als aber Marcellus sah, daß der selige Petrus seinen Geist aufgegeben hatte, nahm er, ohne jemanden um Rat zu fragen, was auch nicht angegangen wäre, ihn mit eigenen Händen vom Kreuze herab und badete ihn in Milch und Wein. Und er zerrieb sieben Pfund Mastix und weitere fünfzig Pfund Myrrhe und Aloe und Gewürz und salbte seinen Leichnam und füllte einen sehr teuren steinernen Trog mit attischem Honig und setzte ihn in seinem eigenen Grabmal bei. Petrus aber trat zu Marcellus bei Nacht und sagte: ‚Marcellus, hast du den Herrn sagen hören: ‚Laßt die Toten von den eigenen Toten begraben werden‘?‘ Als aber Marcellus (das) bejaht hatte, sagte Petrus zu ihm: ‚Das nun, was du an den Toten gewandt hast, hast du verloren. Denn du hast, obgleich du lebendig bist, wie ein Toter für einen Toten gesorgt.‘ Marcellus aber, aus dem Schlaf erwacht, erzählte die Erscheinung des Petrus den Brüdern und war zusammen mit denen, die von Petrus im Glauben an Christus gestärkt worden waren, wodurch er auch selbst noch viel mehr Stärkung fand bis zur Wiederkunft des Paulus in Rom.

Als aber Nero später erfuhr, daß Petrus aus dem Leben geschieden war, tadelte er den Praefekten Agrippa, daß er getötet worden sei, ohne daß seine Meinung eingeholt worden wäre. Denn er hatte gewünscht, ihn mit kräftiger Strafe und härter zu züchtigen. Petrus hatte nämlich auch einige von seinen Dienern zu Jüngern und ihm abspenstig gemacht. Darum war er sehr zornig und redete einige Zeit nicht mit Agrippa. Er suchte nämlich alle Brüder, die von Petrus zu Jüngern gemacht worden waren zu vernichten. Und eines Nachts sieht er einen, der ihn schlägt und (zu ihm) sagt: ‚Nero, du kannst jetzt nicht die Diener Christi verfolgen oder verderben. Laß darum deine Hände von ihnen!‘ Und darum geriet Nero infolge eines solchen Gesichtes in große Furcht und ließ ab von den Jüngern in jener Zeit, in der auch Petrus aus dem Leben geschieden war. Und es waren im übrigen die Brüder einmütig beisammen, freuten sich und jauchzten in dem Herrn und priesen den Gott und Heiland unseres Herrn Jesu Christi mit dem Heiligen Geiste, dem die Ehre (sei) in alle Ewigkeiten. Amen.“ (Petrusakten 33(4)-41(12), in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2. Band. Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, 4. Aufl., Tübingen 1971, Seite 218-221)

Ein paar Dinge fallen hier auf:

Ein Zitat, das Petrus hier Jesus zuschreibt, erinnert an eine Stelle im gnostisch beeinflussten Thomasevangelium, einer Sammlung von angeblichen Jesusworten aus dem 2. Jahrhundert, die Jesus sagen lässt:

„Wenn ihr die zwei zu einem macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, – und zwar damit ihr das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen macht, auf daß das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich sein wird – wenn ihr Augen macht anstelle eines Auges und eine Hand anstelle einer Hand und einen Fuß anstelle eines Fußes, eine Gestalt anstelle einer Gestalt, dann werdet ihr eingehen in [das Königreich].“ (Thomasevangelium 22)

Man kann also auch bei den Petrusakten von einer gewissen gnostischen Beeinflussung ausgehen; dazu passen Petrus‘ teilweise sehr seltsame Rede und evtl. die Ablehnung nicht nur der Unzucht, sondern sogar der Ehe weiter vorne im Text.

Außerdem fällt auf, dass die beiden Episoden, die heute noch am bekanntesten sind, hier anders gedeutet werden als man es sonst oft hört. Die Worte Jesu an Petrus werden hier nicht als Zurechtweisung wegen seiner Flucht, sondern einfach als Voraussage seines Martyriums, bei dem Jesus in ihm leiden wird, präsentiert. (Vgl. das Wort Jesu an den Christenverfolger Saulus: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“, wo Jesus sich mit Seiner Kirche identifiziert.) Dann die Tatsache, dass Petrus kopfüber gekreuzigt wurde: Man hört gerne, er wollte kopfüber gekreuzigt werden, weil er sich nicht würdig fühlte, auf dieselbe Weise zu sterben wie sein Herr. Hier hat es einen anderen Grund.


(Filippino Lippi, Kreuzigung Petri. Gemeinfrei)

Schlecht und in sich schlecht

„Das ist ja nicht in sich schlecht“ tröstet man sich als Katholik manchmal. Eine schöne Gelegenheit zu solchen Selbsttröstungen bieten z. B. Entscheidungen von Papst Franziskus. Er macht zwar viel, was einem sauer aufstößt, aber soll man nicht lieber den Mund halten und gehorchen, weil, es ist ja normalerweise nicht in sich schlecht? Und dann muss man es wohl akzeptieren.

Aber „in sich schlecht“ ist eben gerade nicht die einzige Art von „schlecht“. Es gibt Dinge, die ihrem Wesen nach (in sich) schlecht sind, und Dinge, die es nur durch die Umstände sind. Einen unschuldigen Menschen direkt zu töten ist in sich schlecht, aber Todesstrafe, Krieg und Notwehr nicht. Trotzdem wäre es sehr schlecht, die Todesstrafe für Falschparken zu verhängen; einen Krieg anzufangen, weil einem die Nase des Präsidenten des Nachbarlandes nicht gefällt; oder in Notwehr gegen einen Freund, der einem in betrunkenem Zustand aus Ärger einen leichten Schlag gegen den Arm versetzt hat, zur Pistole zu greifen und ihn zu erschießen. Eine Lüge ist in sich schlecht, während es nicht in sich schlecht ist, die Wahrheit zu verheimlichen. Es wäre aber sehr schlecht, jemandem zu verheimlichen, dass er nur noch zwei Monate zu leben hat, oder dass man weiß, dass seine Frau ihn betrügt, weil er ein Recht hätte, das zu erfahren; das wäre auch eine größere Sünde als eine kleine Lüge darüber, wieso man fünf Minuten zu spät zu einer Verabredung gekommen ist.

„In sich schlecht“ und „durch die Umstände schlecht“ bezeichnet die Art, nicht die Größe der Sünde. Wenn etwas in sich schlecht ist, macht das die Entscheidung schlicht sehr einfach; bei Abtreibungen z. B. brauchen wir gar nicht erst zu diskutieren anfangen, ein unschuldiges Kind zu töten ist immer falsch. Aber auch bei schwierigeren Entscheidungen, wo man auf Angemessenheit, auf Verhältnismäßigkeit schauen muss, und die Tugend der Klugheit stärker zur Anwendung bringen muss, kann man nicht einfach willkürlich irgendwas tun. Ist dieser konkrete Krieg gerechtfertigt? Sollte man in diesem oder jenem Land einen Mindestlohn einführen, damit der nach der katholischen Soziallehre notwendige gerechte Familienlohn gesichert ist, und wenn ja, wie hoch? Wie hält man es mit der Einwanderungspolitik, wie mit dem Umweltschutz? Da gibt es überall vernünftige Kriterien, und rechtgläubige Katholiken, die einigermaßen vernünftig und sorgfältig nachdenken und genug wahre Informationen haben, sollten in ihren praktischen Schlussfolgerungen am Ende nicht zu extrem weit auseinanderliegen.

Natürlich kann einer mal zu wenige Informationen über die konkrete Lage haben, oder einzelne Dinge anders gewichten, oder irgendwo einen Irrtum in seinen Schlussfolgerungen haben. Man sollte bei Klugheitsfragen auch nicht panisch werden. Manchmal muss man sich im Zweifelsfall nach Faustregeln richten und das besser scheinende wählen, auch wenn man sich nicht hundertprozentig sicher ist, weil man sich für irgendetwas entscheiden muss.

Aber mir geht es hier darum, dass man auf Bedenken anderer Leute nicht einfach mit „Das ist nicht in sich schlecht, das kann grundsätzlich erlaubt sein, also halt die Klappe und kritisier es nicht“ reagieren kann.

Als Beispiel: Papst Franziskus hat jetzt das Kirchenrecht dahingehend geändert, dass auch Frauen das Amt des Akolythen und Lektors übertragen werden kann.

[Das heißt übrigens nicht, dass es vorher illegal war, dass Frauen in der Messe die Lesungen vortrugen, denn das geht auch ohne das offizielle Amt des Lektors. Hier ein bisschen Kirchenrechtsgeschichte: Die drei höheren Weihen (Diakon, Priester, Bischof) sind göttlichen Rechts und existieren seit den Zeiten der Apostel. Ein wenig später (schon im 3. Jahrhundert liest man solche Titel) wurden die vier niederen Weihen eingeführt, die nur kirchlichen Rechts sind: Das waren Ostiarier (Türhüter), Exorzist, Lektor, Akolyth (Ministrant). Die niederen Weihen wurden von Paul VI. vor ein paar Jahrzehnten abgeschafft, aber die Beauftragung zum Amt des Lektors und Akolythen (keine Weihe mehr) ist immer noch ein Teil des Werdegangs von Priesterseminaristen. Allerdings konnten die Aufgaben, die zu diesen Ämtern gehörten, auch da schon von normalen Laien übernommen werden – den gewöhnlichen Ministranten und den Leuten, die die Lesungen in der Messe vortragen. Was sich jetzt geändert hat, ist, dass auch Frauen dieses offizielle Amt bekommen können, statt nur als quasi „Notlösung“ vorzulesen.]

Es ist also (da so etwas kirchlichen, nicht göttlichen Rechts ist) nicht in sich schlecht, Frauen als Lektor oder Akolyth zu beauftragen, aber es ist aus den Umständen schlecht: Weil es selbstverständlich allgemein als allmähliches Nachgeben der Kirche auf dem Weg zum Frauenpriestertum gedeutet werden wird.

Ähnliches gilt für so vieles andere, was seit ca. sechs Jahrzehnten in der Kirche vor sich geht. Es war nicht in sich schlecht, z. B. bei der Liturgiereform etliche sehr schöne Gebete aus der Messe zu werfen oder zu verflachen, das Latein als heilige Liturgiesprache aufzugeben und die Orientierung des Priesters, der sich gemeinsam mit dem Volk zum Hochaltar Richtung Osten wandte, mit der Orientierung Richtung Volk zu vertauschen. Nicht in sich falsch; aber es sandte das Signal, dass irgendwas in der Kirche bisher ganz furchtbar falsch gemacht worden war, man jetzt alles anders machen sollte, und dass man im Grunde nicht mehr dasselbe glauben durfte, was man vor der Erleuchtung durch das 2. Vatikanum geglaubt hatte.

Und damit sandte es – genau wie Franziskus‘ Aktionen jetzt – die Botschaft, die Kirche wäre eben nicht so unveränderlich, wie sie sich gegeben habe, wäre nicht wirklich die Kirche Gottes, der Papst nicht wirklich der Stellvertreter Christi. Und wenn der jetzige Papst was ganz anderes lehrt als Papst Gregor der Große oder Papst Bonifaz VIII., wieso sollte man dann der Kirche überhaupt vertrauen? So werden sich auch Leute abwenden, die sich vielleicht für die Kirche interessiert hätten, gerade weil sie so unmodern ist und sich nicht angepasst hat, und die dann von Kirchenleuten wie dem Papst selbst davon überzeugt worden sind, dass sie es wohl doch nicht ist.

Natürlich kann jeder, der sich gut informiert, wissen, dass die eigentlichen Dogmen eben nie geändert wurden, und schwerwiegende Unklarheiten, Halbherzigkeiten und Missbräuche vonseiten der Hierarchie nichts dran ändern; dass die päpstliche Unfehlbarkeit, wie sie das 1. Vatikanische Konzil definiert hat, eben nur bedeutet, dass der Papst kein falsches Dogma verkünden, und nicht, dass er sonst nichts falsch machen kann. Aber genau darum geht es: Jeder, der sich aus eigenem Antrieb aus gut katholischen Quellen informiert. Wer nicht viel vom Katholizismus weiß, und nur am Rande in den Nachrichten oder der Zeitung was mitkriegt, oder vielleicht mal auf eine offizielle Bistumsseite oder in die durchschnittlich liberale Kirchenzeitung schaut, wenn er sich doch dafür interessiert, was wird der denken?

Auch Dinge, die nur durch die Umstände schlecht sind, darf man kritisieren – vor allem, wenn es wirklich sehr deutlich zu sehen ist, dass die Umstände es schlecht machen.

Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 5d: Gemeindeleben

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich (Auswahl): Apg 2,42-47; Agp 4,23-37; Apg 5; Apg 6,1-7; 2 Thess 3,6-18; 1 Kor 16; Röm 15-16; 1 Kor 1,10-16; 1 Kor 5-6; 1 Tim 5,1f.; 1 Tim 6.

In diesem Teil soll es darum gehen, welches Ideal die frühen Christen für das Gemeindeleben hatten, und auch darum, wie das dann in der Praxis aussah.

Justin der Märtyrer beschreibt um 150 n. Chr. in einer Verteidigungsschrift gegenüber den Heiden das Gemeindeleben, die Caritas und die Sonntagsmesse:

„Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn, wir können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem aber, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde, wenn wir mit dem Gebete zu Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht. Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem Vorsteher hinterlegt; dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein Fürsorger.“ (Justin, 1. Apologie 67)

Justin hat schon in den beiden Kapiteln zuvor eine Beschreibung der Eucharistie gegeben; in anderen frühchristlichen Schriften gibt es auch noch genauere Beschreibungen der Messe und des Glaubens an die Realpräsenz; aber darauf will ich in einem eigenen Teil eingehen und mich hier mehr auf Zusammenleben in der Gemeinde, Caritas usw. konzentrieren.

In der Didache, einer frühen Kirchenordnung (ca. 100 n. Chr.) stehen einige Anweisungen zum Gemeindeleben. Über neu in der Stadt angekommene Christen heißt es folgendes:

„Jeder aber, ‚der kommt im Namen des Herrn‘, soll aufgenommen werden; dann aber sollt ihr ihn prüfen und so kennen lernen; ihr sollet nämlich euren Verstand anwenden zur Entscheidung über rechts und links. Wenn der Ankömmling nur durchreist, helfet ihm, so viel ihr könnt; er soll aber bei euch nicht länger bleiben als zwei oder drei Tage, wenn’s nötig ist. Wenn er sich aber bei euch niederlassen will als Handwerker, dann soll er arbeiten und essen. Wenn er aber kein Handwerk versteht, dann sorget nach eurer Einsicht dafür, dass nicht ein fauler Christ unter euch lebt. Will er es aber nicht so halten, so ist er einer, der mit seinem Christentum Geschäfte macht; hütet euch vor solchen.“ (Didache 12)

Offenbar wollte man sichergehen, dass jemand nicht die karitative Hilfe der Gemeinde ausnutzte, obwohl er selbst hätte arbeiten können.

Allgemein wird das ideale Gemeindeleben so beschrieben:

„Mein Kind, Tag und Nacht sollst du dessen gedenken, der dir Gottes Wort verkündet, ehren sollst du ihn wie den Herrn; denn woher seine Herrlichkeit verkündet wird, da ist der Herr. Täglich sollst du das Antlitz der Heiligen [gemeint: Christen] suchen, damit du Ruhe findest durch ihre Worte. Du sollst keinen Zwiespalt verursachen, versöhnen sollst du Streitende. ‚Urteile gerecht‘, schau nicht auf die Person, wenn du Fehltritte zurechtweisest.“ (Didache 4,1-3)

Über Unstimmigkeiten und Verfehlungen in der Gemeinde heißt es:

„Weiset einander zurecht nicht im Zorn, sondern in Frieden, wie ihr’s im Evangelium habet; und mit jedem, der sich verfehlt hat gegen seinen Nächsten, soll keiner sprechen, und er soll von euch nichts hören, bis er sich bekehrt hat.“ (Didache 15,3)

Papst Clemens, der ca. 95 n. Chr. einen Brief an die Korinther schrieb, meint zu den größeren Spaltungen und Unstimmigkeiten, die es offenbar in der Korinther Gemeinde gab:

„Wir wollen, Geliebte, die Zurechtweisung annehmen, über die sich niemand ärgern darf. Die Ermahnungen, die wir einander gegenseitig geben, sind gut und überaus nützlich; denn sie verbinden uns mit dem Willen Gottes.“ (1. Clemensbrief 56,2)

„Schleunig wollen wir daher diesen Missstand beseitigen und niederfallen vor dem Herrn und unter Tränen ihn anflehen, dass er in Gnaden sieh versöhne mit uns und uns zurückbringe zu dem erhabenen heiligen Wandel gegenseitiger Bruderliebe. […] Mag einer gläubig sein, mag einer tüchtig sein, Weisheit zu reden, mag einer verstehen die Reden zu unterscheiden, mag einer heilig sein in (seinen) Werken, er muss eben um so demütiger sein, je mehr er sich erhaben dünkt, und er muss das suchen, was allen gemeinsam, nicht ihm allein nützlich ist.“ (1. Clemensbrief 48,1.5-6)

Außerdem ermahnt er, wie im vorigen Teil deutlich wurde, die Korinther mehrfach, ihrem Klerus zu gehorchen.

Der 2. Clemensbrief (der wahrscheinlich nicht von Clemens stammt, sondern ein paar Jahrzehnte später entstanden ist) mahnt, dass man sich gegenseitig bzgl. des Seelenheils helfen und auch im Alltag die Gebote Gottes beachten soll:

„Daher wollen wir aus ganzem Herzen Buße tun, damit keiner aus uns verloren gehe. Wenn wir nämlich Auftrag haben, auch das zu tun, nämlich von den Götzen abzulenken und (in der christlichen Lehre) zu unterrichten, um wieviel weniger darf eine Gott schon kennende Seele verloren gehen? Helfen wir also einander, auch die Schwachen an das Gute heranzubringen, damit wir alle gerettet werden, wir einander bekehren und ermuntern. Und nicht nur jetzt, da wir von den Presbytern Ermahnungen bekommen, wollen wir gläubig und aufmerksam erscheinen, sondern auch wenn wir von hier nach Hause kommen, wollen wir der Gebote des Herrn eingedenk sein und uns nicht von den weltlichen Begierden verleiten lassen, sondern, indem wir fleißiger (hierher) kommen, wollen wir versuchen, in den Geboten Gottes Fortschritte zu machen, damit wir alle eines Sinnes versammelt seien zum Leben.“ (2. Clemensbrief 17,1-3)

Aristides von Athen beschreibt in einer an Heiden gerichteten Verteidigungsschrift (irgendwann zwischen 138 und 161 verfasst) das Leben der Christen und die gegenseitige Unterstützung so:

„Die fremden Götter beten sie nicht an. Sie wandeln in aller Demut und Freundlichkeit. Lüge wird bei ihnen nicht gefunden. Sie lieben einander. Die Witwen mißachten sie nicht; die Waise befreien sie von dem, der sie mißhandelt. Wer hat, gibt neidlos dem, der nicht hat. Wenn sie einen Fremdling erblicken, führen sie ihn unter Dach und freuen sich über ihn, wie über einen wirklichen Bruder. Denn sie nennen sich nicht Brüder dem Leibe nach, sondern [Brüder] im Geiste und in Gott. Wenn aber einer von ihren Armen aus der Welt scheidet und ihn irgendeiner von ihnen sieht, so sorgt er nach Vermögen für sein Begräbnis. Und hören sie, daß einer von ihnen wegen des Namens ihres Christus gefangen oder bedrängt ist, so sorgen alle für seinen Bedarf und befreien ihn, wo möglich. Und ist unter ihnen irgendein Armer oder Dürftiger, und sie haben keinen überflüssigen Bedarf, so fasten sie zwei bis drei Tage, damit sie den Dürftigen ihren Bedarf an Nahrung decken.

Die Gebote ihres Christus halten sie [gar] gewissenhaft, indem sie rechtschaffen und ehrbar leben, so wie der Herr ihr Gott ihnen befohlen, Alle Morgen und zu allen Stunden preisen und loben sie Gott ob der ihnen gespendeten Wohltaten und danken ihm für Speise und Trank. Und wenn ein Gerechter von ihnen aus der Welt scheidet, so freuen sie sich und danken Gott und geben seiner Leiche das Geleite, gleich als zöge er (nur) von einem Ort zum andern. Und wenn einem von ihnen ein Kind geboren worden, so preisen sie Gott; und sollte es dann (schon) in seiner Kindheit sterben, so preisen sie Gott überaus, ist es doch ohne Sünde aus der Welt geschieden. Müssen sie hinwiederum sehen, wie einer von ihnen in seiner Gottlosigkeit und seinen Sünden stirbt, so weinen sie über diesen bitterlich und seufzen, soll er ja zur Strafe hingehen. Das, o Kaiser, ist das Gebot des Gesetzes der Christen und ihre Lebensführung.“ (Aristides von Athen, Apologie 15,7-12)

Es gab auch Leute, die Wunder wirken sollten; Irenäus von Lyon schreibt um 180 n. Chr. folgendes (wobei er die Kirche den gnostischen esoterischen Sekten gegenüberstellt):

„In seinem Namen wirken deshalb seine wahren Schüler, die von ihm die Gnade empfangen haben, Wunder an den übrigen Menschen, wie ein jeder von ihm die Gnade empfangen hat. Die einen treiben wahrhaft und bestimmt Geister aus, so daß oftmals die ihnen glauben, die von den bösen Geistern befreit sind, und in die Kirche eintreten. Die andern schauen in die Zukunft, haben Gesichte und weissagen. Wieder andere legen den Kranken die Hände auf und machen sie gesund. Ja sogar Tote sind auferstanden, wie wir bereits gesagt haben, und lebten unter uns noch etliche Jahre. Doch wer vermöchte alle die Gnaden aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Welt von Gott empfängt und zum Heile der Völker im Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus gekreuzigten, Tag für Tag ausspendet. Und keinen verführt sie oder nimmt ihm sein Geld ab. Denn was sie umsonst von Gott empfangen hat, teilt sie umsonst auch aus.“ (Irenäus, Gegen die Häresien II,32,4)

Ein interessantes Detail: Es gab früh schon Bischofsstühle. Eusebius von Cäsarea schreibt um 300 n. Chr., dass die Christen in Jerusalem einen Bischofsstuhl bei sich hatten, der dem hl. Jakobus gehört haben sollte. Ob der Bischofsstuhl nun wirklich so alt war oder nicht: Er muss um 300 n. Chr. schon alt genug gewesen sein, dass es als glaubwürdig durchgehen konnte, ihn Jakobus zuzuschreiben.

„Der Bischofsstuhl des Jakobus, der als erster vom Herrn und den Aposteln das Bischofsamt der Kirche von Jerusalem erhielt und der, wie die göttlichen Bücher lehren, Bruder Christi genannt wurde, ist noch heute erhalten und wird von den Brüdern dort ständig verehrt. Damit bekunden sie allen deutlich die Ehrfurcht, welche die Christen schon in alter Zeit und noch jetzt gegen die heiligen Männer wegen ihrer Frömmigkeit hegten und hegen. Soviel hierüber.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VII,19)

Aber hätte nicht Konstantin das Christentum verfälschen können?

Ich habe schon darüber geschrieben, wieso es abwegig ist, wenn Leute Paulus für einen Verfälscher der „Botschaft Jesu“ erklären wollen; aber es steht ja noch ein anderer als möglicher Verfälscher des reinen Urchristentums hoch im Kurs: Kommen wir also jetzt zu Kaiser Konstantin.

Konstantin_mit_Christogramm2
(Konstantin auf einer Silbermünze, mit Christusmonogramm XP am Helmbusch, geprägt ca. 313 n. Chr.)

Hier sieht die Behauptung etwa so aus: Konstantin änderte das Christentum, als er es legalisierte, damit es besser mit heidnischen Vorstellungen zusammenpasste (womit man mehr Anhänger gewann) und damit es sich als Religion für die Mächtigen eignete; diese Theorie findet sich nicht nur bei Nichtchristen, sondern auch bei den antikatholischen Evangelikalen, von denen sie ursprünglich kommt. Hier gibt es folgende Probleme:

1. Was genau soll Konstantin getan haben?

Dieser Punkt erklärt sich von selbst.

Meistens haben Leute nicht mal irgendwelche konkreten Vorstellungen davon. Manchmal haben sie die vage Idee, irgendetwas wäre beim Konzil von Nicäa geändert worden. Konstantin hatte dieses Konzil einberufen, aber die Ergebnisse hatten die Bischöfe beschlossen; Konstantin war auch kein großer Theologe und interessierte sich hauptsächlich dafür, dass irgendwelche Ergebnisse herauskamen. Und was waren diese Ergebnisse? Vor allem betraf es den Streit um den Arianismus (dazu unten), weshalb man ein anti-arianisches Glaubensbekenntnis beschloss; und sonst? Eine Zusammenfassung der Konzilsentscheidungen gibt es hier; da sind so spektakuläre Sachen dabei wie Regelungen dazu, wie viele Bischöfe einen neuen Bischof weihen sollen, dass Neubekehrte nicht zu schnell zum Priester geweiht werden sollen, oder wie lange Christen Buße tun sollen, die während einer Verfolgung vom Glauben abgefallen sind. Außerdem wurde Klerikern verboten, mit einer Frau zusammenzuleben, mit der sie nicht verwandt o. Ä. sind; was schon während der Zeit der letzten Christenverfolgung die Synode von Elvira (ca. 306 n. Chr.) festgelegt hatte. Zinswucher wurde auch verurteilt, der althergebrachte Vorrang der Metropolitanbischöfe bestätigt, es wurden Bedingungen festgelegt für Leute, die von verschiedenen Abspaltungen zur Kirche zurückkehren wollten (z. B. Novatianer). Usw.

Zur Bibel wurde, entgegen anderslautender Gerüchte, nichts beschlossen.

2. Wo sehen wir irgendetwas von irgendwelchen Änderungen in den Quellen?

Wir haben eine enorme Masse an Quellen zum vorkonstantinischen Christentum, die zeigen, dass es genau die Sorte Christentum war, die laut evangelikalen (und ab und zu atheistischen) Verschwörungstheoretikern der böse Kaiser Konstantin eingeführt haben soll. Nehmen wir zunächst mal die völlig unumstrittenen archäologischen Quellen her:

Das Spottkreuz vom Palatin, ein in eine Wand geritztes Kreuz, das einen Gekreuzigten mit Eselskopf zeigt und daneben die Worte „Alexamenos betet seinen Gott an“, beweist, dass die Christen in Rom im 2. Jahrhundert den Gekreuzigten als Gott anbeteten.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c2/Jesus_graffito.jpg

Ein Papyrus mit einem Mariengebet von ca. 250 n. Chr. (Rylands Papyrus Nr. 470) zeigt, dass die Marien- und Heiligenverehrung bereits bestand und Maria als „Gottesgebärerin“ bezeichnet wurde. Der Text darauf lautet in deutscher Übersetzung:

„Unter deinem Mitleid suchen wir Schutz, Gottesgebärerin. Unsere Bitten verschmähe nicht in Schwierigkeiten, sondern rette uns aus der Gefahr, einzig heilige, einzig gesegnete.“

Wir haben hier also eine frühe Version des berühmten Gebets „Sub tuum praesidium“.

In der Hauskirche in Dura Europos in Syrien (232/33 erbaut) gibt es Fresken in einem Taufraum (Baptisterium), die die Wunder Jesu zeigen; Wunderglaube und Sakramente findet man hier also. Hier etwa der Gang Jesu über das Wasser; Jesus (rechts unten) zieht den versinkenden Petrus heraus:

Die Aberkiosinschrift, eine leicht verschlüsselte Grabinschrift eines Bischofs vom Ende des 2. Jahrhunderts, erwähnt die Eucharistie, die hl. Jungfrau, und eine besondere Stellung der Kirche von Rom.

Das waren nur ein paar Beispiele; dazu kommt eine enorme Masse an Schriftquellen aus den ersten drei Jahrhunderten, die so ziemlich jeden, aber auch wirklich jeden, Punkt der katholischen Lehre belegen; Texte wie der Clemensbrief, die Didache, die Ignatiusbriefe, der Brief Polykarps von Smyrna, der Hirte des Hermas, der Barnabasbrief, diverse Märtyrerakten und Apostelakten, die Werke von Justin dem Märtyrer,  Irenäus von Lyon, Aristides, Athenagoras, Theophilus von Antiochia, Tertullian, Origenes, Hippolyt von Rom, Clemens von Alexandria, Cyprian von Karthago, Gregorius Thaumaturgus; freilich haben wir von manchen davon erst spätere Abschriften, aber das ist bei Cicero, Platon oder Cäsar erst recht der Fall, und die wissenschaftliche Textkritik kann Fälschungen und wahre Schriften zumindest halbwegs unterscheiden.

Was die Bibel angeht, die Konstantin manchen zufolge gefälscht haben soll, haben wir von ihr seit langem mehr als genug vorkonstantinische Manuskripte, die mit den nachkonstantinischen übereinstimmen. Hier etwa Papyrus 52, ein Schnipsel, der von ca. 125 n. Chr. stammt, und ein paar Zeilen aus dem Johannesevangelium enthält:

Etwas später, z. B. aus dem dritten Jahrhundert, hat man natürlich sehr viel vollständigere Abschriften.

3. Wieso sollten die Christen da mitspielen?

Gerade eben (die schlimmste Verfolgung bisher hatte unter Konstantins Vorgänger Diokletian stattgefunden) hatten sie sich für die Weigerung, auch nur einen Deut von ihrer Religion abzuweichen, foltern und töten lassen, und plötzlich gaben sie sie ohne Murren preis? Die Sache war ja die, dass ihre Verfolger vorher von ihnen gar nicht verlangt hätten, ihre Religion aufzugeben oder abzuändern; sie hätten nur kurz den Götterbildern opfern müssen und wären dann in Ruhe gelassen worden. Wenn Konstantin versucht hätte, ihre Religion völlig umzugestalten, wäre das ein sehr viel größerer Affront gewesen.

Wer solche Behauptungen aufstellt, hat meistens auch keine Ahnung von den tatsächlichen religiösen Konflikten im 4. Jahrhundert, in denen die Kaiser mitmischten: Stichwort Arianismus.

Im 4., 5., 6. Jahrhundert, als immer mehr Theologen die Detailfragen der christlichen Religion durchdachten, gab es sehr leidenschaftlich geführte Debatten in der Kirche darum, wie genau es sich mit der Dreifaltigkeit verhielt, wie Jesu Verhältnis zu Gottvater war, wie sich göttliche und menschliche Natur in Jesus verhielten, und dergleichen. Eine der Ketzereien, die am meisten Anhänger gewann und dem katholischen Glauben am meisten entgegengesetzt war, war die Anfang des 4. Jahrhunderts aufgekommene Theorie des Priesters Arius (daher Arianismus; mit Ariern im rassischen oder linguistischen Sinn hat das Wort nichts zu tun), dass Jesus „wesensähnlich“, aber nicht „wesensgleich“ mit Gott dem Vater sei; griechisch „homoi-ousios“ statt „homo-ousios“. Das klingt erst einmal nach einem sehr geringen Unterschied, ist aber ein sehr großer: Für Arius war Jesus ein Geschöpf. Ein überweltliches Geschöpf, größer als alle Engel, gottähnlich, vor allen anderen Geschöpfen von Gott erschaffen, und dann später Mensch geworden, aber eben doch ein Geschöpf, nicht ungeschaffen und aus sich selbst heraus bestehend, nicht Gott. Die katholische Seite dagegen bestand darauf, dass Jesus wirklich Gott war, eins mit Gott dem Vater, und dass es keine Zeit gegeben hatte, zu der Er nicht gewesen war, dass Gott selbst Mensch geworden war, um die Menschen zu erlösen, und das keinem Ihm untergeordneten Geschöpf überlassen hatte.

Und diese katholische Vorstellung von der Göttlichkeit Jesu war eben keine neue Erfindung des frühen 4. Jahrhunderts; das glaubte man auch schon im 1. und 2. Jahrhundert. (Wobei ein paar Theologen sich nicht recht im klaren waren, ob er nun einen Beginn in der Zeit hatte oder von Ewigkeit her war; das muss man zugunsten des Arianismus sagen.)

Auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325, dem ersten der großen gesamtkirchlichen Konzilien (lokale Bischofssynoden hatte es schon viele gegeben, aber jetzt, wo das Christentum legalisiert war, ließen sich größere Konzilien leichter organisieren) setzte sich die katholische Seite durch: Der Sohn ist wesensgleich, homo-ousios, mit dem Vater. Bei diesem Konzil war Kaiser Konstantin anwesend, später favorisierte er jedoch arianische Bischöfe und ließ sich vor seinem Tod von einem arianischen Bischof taufen. Insgesamt war er allerdings kein fanatisch auf einer Seite stehender Kaiser, und er lebte nach Nicäa sowieso nur noch ein Dutzend Jahre. Die Arianer, wie schon angedeutet, gaben nach Nicäa nicht auf, sondern versuchten immer noch, Kirchenleute und Kaiser auf ihre Seite zu ziehen, zwischenzeitlich mit großem Erfolg; der Bischof Athanasius von Alexandria, der den katholischen Glauben am meisten verteidigte, wurde mehrmals von arianischen Kaisern verbannt. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts gewann die katholische Seite wieder die Oberhand, aber die arianische Sekte hielt sich neben ihr noch lange; ganze Völker wie die Goten nahmen das Christentum zunächst in der arianischen Variante an. Und auch, als diese Angelegenheit mehr oder weniger geklärt war, gab es große Konflikte um andere Häresien: Monophysitismus (in Ägypten und Äthiopien sind heute noch die meisten Christen Monophysiten), Monotheletismus, Nestorianismus, Modalismus, Sabellianismus, usw. usf.

Was lernen wir aus alldem? Über diese Streitigkeiten wissen wir relativ genau Bescheid, und wir wissen auch, dass die Kaiser zwar immer wieder eine Seite favorisierten, aber höchstens mit solchen Mitteln wie der Verbannung von Klerikern und der Konfiszierung von Kirchengebäuden; Häretiker wurden nicht hingerichtet (den ersten Ausnahmefall, gegen den Papst und Bischöfe lautstark protestierten, gab es Jahrzehnte nach Konstantin) und die Erinnerung an ihre Häresien konnte sicherlich nicht ausgelöscht werden. Die Kaiser waren zwar oft Anhänger einer Richtung, aber nie Begründer; die eigentlichen Streitparteien waren Kleriker (und das Kirchenvolk nahm auch sehr rege Anteil). Nichts davon passt zu den Verschwörungstheorien um Konstantin.

Bild

(Meme auf Twitter gefunden.)

4.Wie soll Konstantin es getan haben?

Wer so redet, schreibt den römischen Kaisern für gewöhnlich eine Machtfülle zu, die sie schlicht nicht hatten. Die Durchsetzung der Gesetze war in Antike, Mittelalter und sogar noch der Frühen Neuzeit sehr viel lückenhafter und unberechenbarer als heute. Es gab oft gar keine regulären Polizeitruppen; Verbrechen wurden oft nur geahndet, wenn ein Ankläger jemanden vor Gericht brachte, und auch dann nicht immer. Oft gab es nicht einmal die Intention, alle Übeltäter zu fassen.

Ein Beispiel aus der Zeit der Christenverfolgungen: Der christliche Theologe Tertullian, der in der Großstadt Karthago in Nordafrika lebte und dort um 220 n. Chr. starb, schreibt während einer Christenverfolgung:

„Eure Grausamkeit ist unser Ruhm, Siehe, ob wir nicht, gerade weil wir dergleichen dulden, darauf allein losgehen, zu beweisen, daß wir diese Dinge nicht fürchten, sondern sie sogar von freien Stücken fordern. Als Arrius Antoninus in Asien eine heftige Verfolgung betrieb, stellten sich sämtliche Christen der Stadt vor seinem Tribunal auf und bildeten einen Trupp. Darauf ließ er einige abführen und sagte zu den übrigen: ‚Elende, wenn ihr sterben wollt, so habt ihr ja Abgründe und Stricke.‘ Falls es uns einfiele, das auch hier zu tun, was würdest du anfangen, wenn so viele tausend Menschen, so viele Männer und Frauen, Personen jedes Geschlechtes, jedes Alters, jedes Standes sich dir darbieten würden? Wie viele Scheiterhaufen, welche Menge von Schwertern würdest du nötig haben! Was würde Karthago selbst zu leiden haben, da es von dir dezimiert werden müßte, wenn ein jeder welche von seinen Verwandten, von seinen Hausgenossen darunter erblicken würde, wenn man da auch vielleicht sogar Männer von deinem Range, Matronen und gerade die angesehensten Personen, auch Verwandte oder Freunde deiner Freunde erblicken würde?! Schone also deiner, wenn du unser nicht schonen willst! Schone Karthagos, wenn du deiner nicht schonst! Schone der Provinz, in der ein jeder, nachdem man deine Absicht erkannt hat, tückischen Anklagen der Soldaten oder seiner Feinde verfallen ist!

Wir haben niemand zum Meister als Gott allein. Dieser steht vor dir und läßt sich nicht verbergen, und zwar ein Gott, dem du nichts anhaben kannst. Diejenigen aber, welche du für deine Meister hältst, sind nur Menschen, und sie werden einst auch sterben. Diese unsere Genossenschaft aber wird darum nicht zugrunde gehen. Du weißt, daß sie dann mehr gedeiht, wenn sie niedergemetzelt zu werden scheint. Denn jeder, der eine solche Dulderkraft gesehen hat, der wird, wie von einem Stachel getrieben, veranlaßt, zu untersuchen, um was es sich eigentlich handle, und wenn er die Wahrheit erkannt hat, so geht er sofort denselben Weg.“ (Tertullian, An Scapula 5)

Diese Behörden statuierten oft nur ein Exempel und beließen es dabei.

5. Auch nach der Konstantinischen Wende waren die Bischöfe nicht unbedingt brave Marionetten der Kaiser.

Als Beispiel kann man den hl. Bischof Ambrosius von Mailand nennen, der Kaiser Theodosius (der immerhin, was Konstantin noch nicht getan hatte, das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte) den Zugang zur Kirche verweigerte und ihn zwang, Buße zu tun, nachdem er beim Massaker von Thessaloniki im Jahr 390 mehrere tausend Menschen hatte niedermetzeln lassen.

Saint_Ambroise_interdisant_l'entrée_de_l'Eglise_à_l'empereur_Theodose-_Eglise_St_Ambroise_-_Tableau_de_Lenepveu
(Der hl. Ambrosius verbietet Kaiser Theodosius den Eintritt in die Kirche, Jules Eugene Lenepveu.)

Mir kommt es manchmal sogar so vor, als hätten die Christen vor Konstantin mehr Wert darauf gelegt, zu betonen, dass sie (abgesehen davon, dass sie nicht zu heidnischen Opfern bereit waren, auch wenn man sie folterte und auf den Scheiterhaufen brachte) sehr brave Bürger waren, und später erst mehr Kritik an den Kaisern gewagt.

6. Das Christentum war keine rein römische Angelegenheit.

Bekanntermaßen war eins der ersten christlichen Königreiche neben Rom Äthiopien – bzw. das damalige Reich Aksum, dessen König Ezana Mitte des 4. Jahrhunderts konvertierte. Außerdem lebten Christen in Armenien, Persien, Arabien, sogar in Indien (die sog. Thomaschristen). Bald zerfiel die Autorität des römischen Reiches im Westen, und auch in den neuen Barbarenkönigreichen breitete sich das Christentum aus, ebenso wie z. B. in Irland, wo die Römer nie hingekommen waren. Welche Kontrolle übte ein römischer Kaiser über Äthiopier, Inder und Iren aus? Gar keine, aber der Glaube dort unterschied sich nicht wesentlich von dem im Römischen Reich.

Mit anderen Worten: Die Konstantin-Theorie ist genauso Wunschdenken wie die Paulus-Theorie.

PS: Mir ist der Gedanke gekommen, dass wirklich mal jemand ein Lied über protestantische Populär-Kirchengeschichte mit dem Refrain „When in doubt, blame Constantine“ auf die Melodie von Tom Lehrers „When in doubt, send the marines“ [dies ist kein Tom-Lehrer-Endorsement] dichten müsste.

Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 5c: Kirchenämter

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

Bibelstellen zum Vergleich: Apg 1,15-26; Apg 6,1-6; Apg 11,30; Apg 14,23; Apg 15,2-23; 1 Tim 3,1-13; 1 Tim 4,14; 1 Tim 5,17-22; 2 Tim 1,6; Tit 1,5-9; 2 Joh 1; 3 Joh 1; 1 Petr 5,1-6; Jak 5,14.

Die Kirche hatte eine dreigegliederte Hierarchie aus Bischöfen (griechisch Episkopos, wörtl. Aufseher), Priestern (griechisch Presbyteros, wörtl. Ältester) und Diakonen (griechisch Diakonos, wörtl. Diener). Jede Stadt hatte einen Bischof, dessen Helfer die Priester waren; dazu kamen die Diakonen, die v. a. für das Karitative zuständig waren.

Manchmal wird auch der Klerus verallgemeinernd als „die Presbyter“ (Priester/Ältesten) bezeichnet; das liest man z. B. im Clemensbrief (aber auch noch wesentlich später z. B. um die Mitte des 3. Jahrhunderts bei Cyprian von Karthago, der im zweiten Teil dieser langen Reihe vorkommen wird).

Schon in der Bibel werden Diakone als Helfer der Apostel erwähnt (Apg 6; einer von ihnen war Stephanus) und Bischöfe, die die Apostel in den von ihnen gegründeten Gemeinden als ihre Nachfolger eingesetzt hatten (z. B. Timotheus, Titus; s. Paulus‘ Briefe an diese beiden). Priester kamen dann hinzu als Helfer des Bischofs, die ihm untergeordnet waren, aber mehr tun konnten als die Diakonen. In Apg 14,23 heißt es, dass die Apostel in allen Gemeinden „Älteste“ (Presbyterous) einsetzten. Auch Paulus benutzt das Wort „Älteste“ (Presbyterous), wenn er Titus schreibt (Tit 1,5-9), dass er in allen Gemeinden „Älteste“ einsetzen soll, und spricht dann über die Eigenschaften, die ein Bischof haben soll. Auch im 2. und 3. Johannesbrief bezeichnet sich der Absender jeweils im 1. Vers als „Ältester“ (Presbyteros), in Apg 11,30 werden Älteste als Gemeindevorsteher erwähnt, in Jerusalem gab es laut Apg 15,2-23 „die Apostel und die Ältesten“, an die sich Paulus und Barnabas wendeten und die im Apostelkonzil zusammentraten. Auch in Jak 5,14 im Kontext der Krankensalbung werden Älteste erwähnt, und an ein paar anderen Stellen im NT.

An Stellen wie Tit 1,5-9 oder 2 Joh 1 kann man sich denken, dass Presbyter ein verallgemeinernder Ausdruck für den Klerus ist; in Apg 15, wenn vom Apostelkonzil die Rede ist, sieht es eher so aus, als wird hier von den Priestern geredet, die Helfer der Apostel (die ja bischöfliche Vollmacht haben) sind.

Schon in der Didache, einer Kirchenordnung von ca. 100 n. Chr., heißt es:

„Wählet euch Bischöfe und Diakonen, würdig des Herrn, Männer voll Milde und frei von Geldgier, voll Wahrheitsliebe, erprobte; denn sie sind es, die für euch versehen den (heiligen) Dienst der Propheten und Lehrer. Achtet sie deshalb nicht gering; denn sie sind eure Geehrten mit den Propheten und Lehrern.“ (Didache 15,1f.)

Im Clemensbrief, den Papst Clemens um 95 n. Chr. an die Gemeinde von Korinth schickte, finden sich folgende Stellen:

„Denn ohne Ansehen der Person tatet ihr alles und nach den Gesetzen des Herrn war euer Wandel, da ihr untertänig waret euren Vorgesetzten und die geziemende Ehrfurcht euren Priestern erzeigtet“ (1. Clemensbrief 1,3)

„Deshalb ist weit weg geflohen die Gerechtigkeit und der Friede, indem jeder ablegte die Furcht Gottes und in seinem Glauben an ihn erblindete, nicht mehr wandelte auf dem gesetzlichen Pfad seiner Gebote noch ein Christus würdiges Leben führte, sondern indem jeder den Leidenschaften seines bösen Herzens nachging: so nahmen sie die ungerechte und gottlose Eifersucht in sich auf, durch welche auch „der Tod in die Welt gekommen ist“2.“ (1. Clemensbrief 3,4)

„Jeder von uns, Brüder, soll in seinem Stande Gott danken, indem er sich ein gutes Gewissen bewahrt und die für seine Verrichtung festgesetzte Regel nicht übertritt, in würdigem Wandel. […] Ihr sehet, Brüder, je größer die Erkenntnis ist, deren wir gewürdigt worden sind, um so größer ist auch die Gefahr, der wir ausgesetzt sind.“ (1. Clemensbrief 41,1.4)

Auch unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass Streit entstehen werde um die Bischofswürde. Aus diesem Grunde setzten sie auch, da sie eine genaue Kenntnis hiervon zum voraus erhalten hatten, die oben Genannten ein und gaben ihnen dazu Auftrag, dass, wenn sie entschlafen wären, andere erprobte Männer ihren Dienst übernähmen. Die also von jenen oder hernach von anderen ausgezeichneten Männern unter Zustimmung der ganzen Gemeinde eingesetzten (Bischöfe), die das Hirtenamt Christi in Demut untadelig, ruhig, uneigennützig verwaltet haben, die lange Zeit hindurch von allen ein gutes Zeugnis erhalten haben, diese von ihrem heiligen Amte abzusetzen, ist nach unserer Ansicht ein Unrecht. Denn es wird für uns keine kleine Sünde sein, wenn wir Männer, die tadellos und heiligmäßig ihre Opfer dargebracht haben, aus ihrem Bischofsamte vertreiben. Selig sind die Presbyter, die ihren Lebensweg bereits durchlaufen und eine vollkommene, an Früchten reiche Auflösung erreicht haben; denn sie müssen nicht fürchten, dass man sie verdrängt von dem für sie festbestimmten Platze. Wir müssen es nämlich erleben, dass ihr einige, die einen guten Wandel führten, vertrieben habt aus dem heiligen Dienste, dem sie durch tadellose Verwaltung alle Ehre gemacht hatten. Streitsüchtig seid ihr, Brüder, und eifersüchtig in den Dingen, die zum Heile nötig sind. Die heiligen Schriften, die wahren, die vom Heiligen Geist eingegebenen, habt ihr genau durchforscht. Ihr wisst, dass nichts Unrechtes und nichts Verkehrtes in denselben geschrieben steht. (Da) werdet ihr nicht finden, dass Gerechte abgesetzt worden sind von heiligen Männern.“ (1. Clemensbrief 44,1-45,3)

„Ihr nun, die ihr den Grund zum Aufruhr gelegt habt, unterwerfet euch den Presbytern, lasset euch die Züchtigung dienen zur Umkehr, beuget die Knie eures Herzens. Lernet Unterwürfigkeit, leget ab die großsprecherische und hochfahrende Kühnheit eurer Zunge; es ist nämlich besser für euch, wenn ihr in der Herde Christi klein, aber ehrenhaft befunden werdet, als wenn ihr in scheinbarer Größe ausgeschlossen seid von ihrer Hoffnung.“ (1. Clemensbrief 57,1-2)


(Clemens von Rom, Mosaik aus der Sophienkathedrale in Kiew. Gemeinfrei.)

Auch in den Ignatiusbriefen (die Ignatius, der Bischof von Antiochia, ca. 107 n. Chr. auf dem Weg zu seinem Gerichtsprozess und Martyrium in Rom schrieb) gibt es einige Stellen, an denen er über den Klerus schreibt:

„Ich habe also eure ganze Gemeinde im Namen Gottes empfangen in der Person des Onesimus, eines Mannes von unbeschreiblicher Liebe, eures Bischofs im Fleische, den ihr nach Christus – das wünsche ich – (am meisten) lieben und dem ihr alle ähnlich sein sollt; denn gepriesen sei der, dessen Huld euch für würdig hielt, einen solchen Bischof zu besitzen.“ (Brief des Ignatius an die Epheser 1,3)

(Das dürfte derjenige Onesimus sein, um den es in Paulus‘ Brief an Philemon geht: Philemons entlaufener Sklave, der dann Paulus getroffen hatte, Christ geworden war, den Paulus zusammen mit einem Brief zurückgeschickt hatte und der von Philemon freigelassen worden war.)

„Daher ziemt es sich für euch, dem Willen des Bischofs entsprechend zu wandeln, wie ihr es auch tut. Denn euer ehrwürdiges Presbyterium, seines Gottes wert, ist so mit dem Bischof verbunden, wie die Saiten mit der Zither. Deshalb erklingt Jesu Christi Lied in eurer Eintracht und einmütigen Liebe.“ (Brief des Ignatius an die Epheser 4,1)

„Keiner lasse sich irreführen: Wer nämlich nicht innerhalb der Opferstätte ist, der kommt um das Brot Gottes. Wenn nämlich das Gebet eines einzigen oder zweier (Menschen) eine solche Kraft hat, um wieviel mehr das Gebet des Bischofs und der ganzen Gemeinde? Wer also nicht zur Versammlung kommt, der ist schon von Hochmut besessen und hat sich selbst gerichtet. Denn es steht geschrieben: ‚Den Hochmütigen widersteht Gott‘. Hüten wir uns also davor, mit dem Bischof uns zu entzweien, damit wir im Gehorsam gegen Gott verharren.“ (Brief des Ignatius an die Epheser 5,2f.)

jeden nämlich, den der Herr des Hauses schickt zur Verwaltung seines Hauses, den müssen wir so aufnehmen wie den Sendenden selbst. Daher ist es klar, dass wir den Bischof so ansehen müssen wie den Herrn selbst.“ (Brief des Ignatius an die Epheser 6,1)

„Da ich nun gewürdigt wurde, euch zu sehen in eurem Gottes würdigen Bischof Damas, in den ehrwürdigen Presbytern Bassus und Apollonius and in meinem Mitknechte, dem Diakon Zotion, an dem ich mich erfreuen möchte, weil er untertan ist dem Bischof, als einer Gnade Gottes und dem Presbyterium als einem Gesetz Jesu Christi.“ (Brief des Ignatius an die Magnesier 2)

„Es ziemt euch aber, das jugendliche Alter des Bischofs nicht auszunützen, sondern entsprechend der Macht Gottes des Vaters jegliche Ehrfurcht ihm zu erzeigen, wie ich erfahren habe, dass auch die heiligen Presbyter seine offenbar in jugendlichem Alter erfolgte Erhebung nicht missbrauchen, sondern als in Gott verständige Männer in Übereinstimmung mit ihm wandeln, doch nicht mit ihm, sondern mit dem Vater Jesu Christi, dem Bischof aller. Zur Ehre dessen nun, der uns erwählt hat, ziemt es sich, ohne jede Heuchelei gehorsam zu sein; denn man täuscht nicht diesen sichtbaren Bischof, sondern man spottet über den unsichtbaren. Ein solches Handeln aber bezieht sich nicht auf das Fleisch, sondern auf Gott, der das Verborgene weiß.

So ziemt es sich denn also, nicht bloß Christ zu heißen, sondern auch zu sein; wie es ja auch Leute gibt, welche den Bischof zwar so nennen, aber alles ohne ihn tun. Diese scheinen mir aber kein gutes Gewissen zu haben, weil sie nicht zuverlässig dem Gebote gemäß ihre Versammlungen halten.“  (Brief des Ignatius an die Magnesier 3-4)

Befleißiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind, welcher von Ewigkeit beim Vater war und am Ende (der Zeiten) erschienen ist. […]

Wie nun der Herr, da er mit ihm eins ist, ohne den Vater nichts getan hat, weder durch sich selbst noch durch die Apostel, so sollt auch ihr ohne den Bischof und die Presbyter nichts tun; auch sollt ihr nicht versuchen, etwas auf eigene Faust als richtig erscheinen zu lassen, sondern bei eurer Versammlung sei ein Gebet, eine Bitte, ein Sinn, eine Hoffnung in Liebe, in untadeliger Freude, das ist Jesus Christus, im Vergleich zu dem es gar nichts Besseres gibt. Kommet alle zusammen wie in einen Tempel Gottes, wie zu einem Altare, zu dem einen Jesus Christus, welcher von einem Vater ausging und bei dem einen blieb und zu ihm zurückgekehrt ist.“ (Brief des Ignatius an die Magnesier 6,1. und 7)

Solange ihr nämlich eurem Bischof untertan seid wie Jesus Christus, scheint ihr mir nicht nach Menschenart zu leben, sondern nach Jesus Christus, der unseretwegen gestorben ist, damit ihr durch den Glauben an seinen Tod dem Tode entrinnet. Daher ist es notwendig – wie ihr es ja haltet – dass ihr ohne den Bischof nichts tuet, und dass ihr vielmehr auch dem Presbyterium euch füget wie den Aposteln Jesu Christi, unserer Hoffnung, in dem wandelnd wir erfunden werden sollen. Auch ist es nötig, dass die Diakonen, welche Geheimnisse Jesu Christi verwalten, auf jede Weise allen genehm seien. Denn sie sind nicht Diener für Speise und Trank, sondern Gehilfen der Kirche Gottes. Daher müssen sie sich vor Anschuldigungen hüten wie vor Feuer. 

Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden. (Brief des Ignatius an die Trallianer, 2,1-3,1)

„Ignatius, der auch Theophorus (genannt wird), an die Kirche Gottes des Vaters und des Herrn Jesu Christi, die in Philadelphia in Asien sich befindet, begnadigt und gefestigt in Eintracht mit Gott, die ohne Aufhören frohlockt im Leiden unseres Herrn und die in seiner Auferstehung vollendet ist in jeglicher Barmherzigkeit, die ich grüße im Blute Jesu Christi, die meine ewige und bleibende Freude ist, besonders wenn sie eins ist mit ihrem Bischof und seinen Presbytern und den nach Jesu Christi Willen eingesetzten Diakonen, die er nach seinem eigenen Willen in Festigkeit gestärkt hat durch seinen Heiligen Geist.“ (Brief des Ignatius an die Philadelphier, Anrede)

„Bemühet euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und (den) Diakonen, meinen Mitknechten, auf dass, was immer ihr tuet, ihr tuet gemäß dem Willen Gottes.“ (Brief des Ignatius an die Philadelphier 4)

„Ich schrie in ihrer Mitte, ich rief mit lauter Stimme, mit Gottes Stimme: Haltet euch an den Bischof, das Presbyterium und die Diakonen. Wenn aber einige vermuteten, ich hätte so gesprochen, weil ich vorher von der Spaltung einiger gehört hätte, so ist mir der, in dem ich die Fesseln trage, Zeuge, dass ich von menschlichem Fleische es nicht wusste. Aber der Geist hatte es mir kund getan, indem er also sprach: Ohne Bischof tuet nichts, euer Fleisch bewahret als einen Tempel Gottes, die Eintracht liebet, die Spaltungen fliehet, werdet Nachahmer Jesu Christi, wie auch er selbst seines Vaters (Nachahmer ist).

Ich habe nun das Meinige getan als ein Mensch, der zur Einheit veranlagt ist. Wo aber Spaltung herrscht und Erbitterung, da wohnt Gott nicht. Allen Reuigen jedoch vergibt der Herr, wenn sie sich bekehren zur Einheit mit Gott und zur Vereinigung mit dem Bischof. Ich vertraue der Gnade Jesu Christi, der jede Fessel von euch nehmen wird. Ich ermahne euch, nichts aus Streitsucht zu tun, sondern gemäß der Lehre Christi. Da ich einige sagen hörte: wenn ich etwas nicht in den Urkunden, in dem Evangelium finde, glaube ich nicht; und als ich ihnen erwiderte, dass es geschrieben steht, gaben sie mir zur Antwort: dies steht ja in Frage. Mir aber ist Urkunde Jesus Christus; mir sind die unversehrten Urkunden sein Kreuz, sein Tod, seine Auferstehung und der durch ihn begründete Glaube; in diesen will ich durch euer Gebet gerechtfertigt werden.“ (Brief des Ignatius an die Philadelphier 7-8)

Ignatius schreibt an einen Bischof gerichtet:

„Bei der Gnade, mit der du angetan bist, ermahne ich dich, deinen Lauf zu beschleunigen und alle zu ermuntern, dass sie gerettet werden. Verteidige deinen Posten in jeglicher Sorgfalt, fleischlicher wie geistiger; sorge für die Einheit, das Beste von allem. Alle ertrage, wie auch dich der Herr; ertrage alle in Liebe, wie du ja auch tust. Dem Gebete widme dich ohne Unterlass; bitte um größere Einsicht, als du hast. Wache, ausgerüstet mit einem schlaflosen Geiste. Mit jedem einzelnen rede nach Gottes Art; trage die Krankheiten aller als vollkommener Held. Wo größere Mühe, ist reicher Lohn.

Wenn du nur die guten Schüler lieb hast, bringt es dir keinen Dank; bringe vielmehr die Bösartigen in Sanftmut zur Unterordnung. Nicht jede Wunde wird mit dem gleichen Pflaster geheilt. Fieberanfälle stille durch feuchte Umschläge. Werde klug wie die Schlange in allen Dingen und für immer einfältig wie die Taube. Deshalb bist du fleischlich und geistig, dass du, was dir unter die Augen kommt, freundlich behandelst; bitte, dass das Unsichtbare dir offenbar werde, auf dass dir nichts fehle und du Überfluss habest an jeglicher Gnadengabe. Die Zeit verlangt nach dir, damit du zu Gott gelangest, wie der Steuermann nach dem Winde, wie der vom Sturm Bedrängte nach dem Hafen. Sei nüchtern wie ein Gottesheld; der Preis ist Unvergänglichkeit und ewiges Leben, wovon auch du überzeugt bist. In allem bin ich für dich zum Opfer bereit und meine Ketten, die du lieb gewonnen hast.

Die scheinbar Glauben verdienen und die Abweichendes lehren, sollen dich nicht einschüchtern. Stehe fest wie ein Ambos unter den Schlägen (des Hammers). Einem starken Ringkämpfer ist es eigen, dass er Streiche erhält und doch den Sieg erringt. Wir müssen in erster Linie um Gottes willen alles ertragen, damit auch er uns ertrage. Werde noch viel eifriger, als du bist. Lerne die Zeiten kennen. Den erwarte, der über der Zeit ist, den Zeitlosen, den Unsichtbaren, der unseretwegen sichtbar geworden, den Unbetastbaren, den Leidenlosen, der unseretwegen gelitten hat, der auf alle Arten unseretwegen geduldet hat.

Witwen dürfen nicht vernachlässigt werden, nach dem Herrn sollst du ihr Schutzherr sein. Nichts soll ohne deinen Willen geschehen, und du sollst nichts tun ohne Gott, wie du es ja auch nicht tust; sei standhaft! Die Versammlungen sollen häufiger stattfinden; suche alle beim Namen.“ (Brief des Ignatius an Polykarp 1,2-4,2)

Der hl. Polykarp von Smyrna, an den der obige Brief von Ignatius gerichtet war, schreibt in einem Brief an die Gemeinde von Philippi über die Aufgaben der Presbyter:

„Auch die Presbyter (sollen) wohlwollend (sein), barmherzig gegen alle, (sollen) die Verirrten zurückführen, alle Kranken besuchen, voll Sorge sein für die Witwen, die Waisen und die Armen; stets (sollen) sie bedacht (sein) auf das Gute vor Gott und den Menschen, sich frei halten von jedem Zorn, von Parteilichkeit, von ungerechtem Urteil, (sollen) ferne sein von jeglicher Geldgier, Reden wider andere nicht sogleich glauben, nicht strenge im Urteil im Bewusstsein, dass wir alle der Sünde unsere Schuld bezahlen. Wenn wir nun den Herrn bitten, er möge uns vergeben, dann müssen auch wir vergeben; denn wir stehen unter den Augen des Herrn und Gottes, und wir alle müssen hintreten vor den Richterstuhl Christi, und jeder muss über sich Rechenschaft geben. So wollen wir ihm dienen mit Furcht und jeglicher Vorsicht, wie er selbst es befohlen und die Apostel, die bei uns das Evangelium gepredigt, und die Propheten, welche die Ankunft unseres Herrn vorherverkündet haben; (wir wollen) Eiferer (sein) für das Gute, uns hüten vor dem Ärgernis und vor den falschen Brüdern und vor denen, die heuchlerisch den Namen des Herrn tragen und so unbedachtsame Menschen verführen.“ (Brief Polykarps an die Philipper 6)

Und über die Diakone schreibt er:

„Desgleichen (müssen) die Diakonen untadelig (wandeln) angesichts seiner Gerechtigkeit als Diener Gottes und Christi, nicht der Menschen nicht als Verleumder, nicht doppelzüngig, nicht geldgierig, enthaltsam in allen Dingen, wohlwollend, besorgt, wandelnd nach der Wahrheit des Herrn, der aller Diener war. Wenn wir ihm wohlgefällig sind in dieser Welt, werden wir auch die zukünftige erlangen, wie er uns versprochen hat, von den Toten uns zu erwecken und ebenso (versprochen hat), dass, wenn wir seiner würdig wandeln, wir auch mit ihm herrschen werden, falls wir den Glauben haben. Desgleichen (sollen) auch die Jünglinge untadelig (sein) in allem, vor allem der Keuschheit sich befleißen und sich selbst zügeln und zurückhalten vor allem Bösen; denn es ist gut, sich loszureißen von den Begierden der Welt, weil jede Begierde ankämpft wider den Geist und weil weder Hurer noch Weichlinge noch Knabenschänder das Reich Gottes erben werden, noch die, welche Unordentliches tun. Deshalb muss man sich von all dem enthalten, im Gehorsam gegen die Presbyter und die Diakonen wie gegen Gott und Christus; die Jungfrauen sollen in untadeligem und keuschem Gewissen wandeln.“ (Brief Polykarps an die Philipper 5,2-3)

Polykarp schreibt über einen Priester, der seine Stellung missbraucht hatte:

„Ungemein betrübt bin ich wegen Valens, der einst bei euch zum Presbyter bestellt wurde, weil er die ihm übertragene Stellung so mißkannt hat. Deshalb mahne ich euch, dass ihr euch enthaltet von der Habsucht, dass ihr keusch und wahrhaftig seid. Haltet euch frei von allem Bösen. Wer aber in diesen Stücken sich selbst nicht meistern kann, wie soll er es einem andern vorschreiben? Wer sich nicht frei hält von der Habsucht, der wird vom Götzendienst befleckt und wird gleichsam unter die Heiden gerechnet werden, die das Gericht des Herrn nicht kennen. Oder wissen wir nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden, wie Paulus lehrt? Ich habe aber nichts Derartiges bemerkt oder gehört bei euch, unter denen der selige Paulus gewirkt, die ihr am Anfang seines Briefes stehet. Rühmt er sich doch eurer in allen Kirchen, soweit sie damals Gott erkannt hatten; wir hatten ihn (damals) noch nicht erkannt. Gar sehr also, Brüder, bin ich um seinetwillen betrübt und um seine Frau; möge ihnen Gott wahre Reue schenken. Seid aber auch ihr vernünftig in diesem Punkte und betrachtet solche nicht als Feinde, sondern rufet sie als leidende und irrende Glieder zurück, damit ihr den Leib von euch allen gesund machet. Wenn ihr so handelt, werdet ihr euch selbst zur Erbauung dienen.“ (Brief Polykarps an die Philipper 11)

Im Hirten des Hermas, einer Privatoffenbarung eines römischen Laien, spätestens um die Mitte des 2. Jh.s entstanden, heißt es an den Klerus gerichtet:

„Jetzt aber rede ich zu den Vorstehern der Kirche und den Inhabern der ersten Plätze; werdet den Giftmischern nicht ähnlich! Diese tragen nun zwar ihr Gift in Büchsen, ihr aber habt euer Gift und euer tötendes Mittel im Herzen. Ihr seid verhärtet und wollet euer Herz weder reinigen noch eine einmütige Gesinnung miteinander haben in einem reinen Herzen, auf dass ihr Erbarmen erlangen könntet von dem großen Könige. Sehet also zu, Kinder, dass diese Zwistigkeiten euch nicht um das Leben bringen! Wie wollt ihr die Erwählten des Herrn erziehen, wenn ihr selbst keine Zucht habet? Es erziehe also einer von euch den anderen; und haltet Friede unter euch selbst, damit auch ich frohen Herzens vor den Vater treten und eurem Herrn Rechenschaft geben könne über euch alle!“ (Hirte des Hermas I,3,9,7-10)

Bischof Irenäus von Lyon schreibt um 180 n. Chr. über das Priestertum folgendes (das stammt aus einem Werk gegen die esoterischen gnostischen Sekten):

Deswegen muß man auch den Priestern der Kirche gehorchen, die, wie wir gezeigt haben, Nachfolger der Apostel sind. Sie haben mit der Nachfolge des Episkopats das sichere Charisma der Wahrheit nach dem Wohlgefallen des Vaters empfangen. Die anderen aber, die der apostolischen Nachfolge fernstehen und irgendwo zusammenkommen, muß man als Häretiker oder Irrlehrer betrachten, die sich von der Kirche aus Stolz oder Eitelkeit trennen, oder als Heuchler, die sich um Geld oder eitlen Ruhmes wegen mühen. Sie alle sind von der Wahrheit abgefallen, und jene Häretiker, die fremdes Feuer, d. h. fremde Lehren, zum Altare Gottes bringen, werden vom himmlischen Feuer verzehrt werden wie Nadab und Abiud. Die sich aber gegen die Wahrheit erheben und andere gegen die Kirche Gottes aufhetzen, die werden von dem Abgrund der Erde verschlungen und in der Hölle bleiben wie die mit Kore, Dathan und Abiron. Die aber die Einheit der Kirche spalten und trennen, werden von Gott dieselbe Strafe empfangen wie Jeroboam.

Die aber von vielen für Priester gehalten werden, obwohl sie ihren Lüsten dienen, Gott in ihren Herzen nicht fürchten, den übrigen Schmach antun, und aufgeblasen durch den ihnen anvertrauten Vorrang, im Verborgenen Böses tun und sprechen: ‚Niemand sieht uns‘, die werden von dem Worte gerichtet werden, das nicht nach dem Ansehen urteilt, noch auf das Gesicht schaut, sondern auf das Herz. Sie werden die Worte des Propheten Daniel vernehmen: ‚Samen Davids und nicht Judas, der Schein hat dich betrogen, und die Begierde hat dein Herz verkehrt; du bist alt geworden in schlechten Tagen, Jetzt kommen heran deine Sünden, die du früher tatest, als du richtetest ungerechte Gerichte, indem du die Unschuldigen verurteiltest und die Schuldigen losließest, obwohl der Herr spricht: Den Unschuldigen und Gerechten sollst du nicht töten.‘ Von solchen hat auch der Herr gesagt: ‚Wenn aber der schlechte Knecht in seinem Herzen spricht: Es zögert mein Herr, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, so wird der Herr jenes Knechtes kommen an dem Tage, da er nicht weiß, und zu der Stunde, da er nicht hofft, und er wird ihn verteilen und ihm seinen Teil mit den Ungläubigen geben.'“ (Irenäus, Gegen die Häresien IV,26,2-3)

In den christlichen Sibyllinen werden bei der Schilderung des Weltgerichts unter den Sündern Priester und Diakone erwähnt, die ihr Amt missbrauchten:

„Auch alle, welche mit schlauem und schamlosem Mienenspiele
Einst als Presbyter und ehrwürd’ge Diakonen schauten
Auf die Person und den Reichtum der Partner und ungerecht richtend (?)
Anderen Unrecht taten, von falschen Zeugen beeinflußt …
Schlimmer als Perdel und reißende Wölfe …“ (Christliche Sibyllinen II,263-268, in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 2. Band. Apostolisches, Apokalypsen und Verwandtes, 4. Aufl., Tübingen 1971, S. 507.)

Dann gäbe es noch das Thema Diakonissen; aus späteren Zeiten in der Antike ist das Diakonissenamt bezeugt – Diakonissen hatten allerdings nicht dieselben Aufgaben und vor allem nicht dieselbe Weihe wie männliche Diakone. Sie waren eher etwas wie Pastoralreferentinnen, wenn überhaupt; sie halfen z. B. bei der Frauenseelsorge.

Es ist möglich, dass es dieses Amt auch früher schon gab. Der römische Statthalter Plinius, der in Bithynien in Kleinasien (heutige Türkei) lebte, schrieb zwischen 111 und 113 n. Chr. einen Brief über ein Gerichtsverfahren gegen Christen an Kaiser Trajan. In diesem Brief taucht nebenbei folgende Zeile auf:

„Für um so notwendiger hielt ich es, aus zwei Mägden, die Dienerinnen genannt werden, unter der Folter herauszubekommen, was wahr sei. Ich fand nichts anderes als einen wüsten, maßlosen Aberglauben.“ (Pliniusbrief)

Es ist möglich, dass diese „Dienerinnen“ (lateinisch „ministrae“) Diakonissen einer christlichen Gemeinde waren.

Zum Schluss eine Art kleiner Exkurs: In der Epistula Apostolorum, einem Werk, das sich als Brief der Apostel ausgibt, spricht Jesus nach Seiner Auferstehung zu den Aposteln darüber, dass sie „Väter“ genannt werden werden. (Man beachte: Auch in der Bibel sehen sich Apostel wie Paulus und Johannes als „Väter“ der von ihnen bekehrten Christen, die sie ihre „Kinder“ nennen, vgl. 1 Kor 4,14-17; 1 Joh 2,1; auch der Titel „Lehrer“ kommt im Neuen Testament öfter vor, s. z. B. 1 Tim 2,7 oder Jak 3,1.)

Äthiopische Version:

„Und er sprach zu uns: ‚Geht und predigt und werdet gute Diener und Knechte!‘ Und wir sprachen zu ihm: ‚O Herr, du bist unser Vater.‘ Und er sprach zu uns: ‚Sind alle Väter und alle Diener, alle Lehrer?‘ Und wir sprachen zu ihm: ‚O Herr, hast du nicht gesagt: Nicht nennt (jemanden) auf Erden Vater und Meister, denn einer ist euer Vater und Lehrer: der in den Himmeln? Jetzt sagst du uns, daß wir wie du vielen Kindern Väter werden sollen und auch Lehrer und Diener.‘ Und er antwortete und sprach zu uns: ‚Ihr habt recht gesagt. Wahrlich, ich sage euch: alle, die auf euch gehört und an mich geglaubt haben, werden erhalten das Licht des Siegels, das in meiner Hand ist, und durch mich werdet ihr werden Väter und Lehrer.‘

Und wir sprachen zu ihm: ‚O Herr, wie ist es möglich, daß dies drei an Einem werde?‘ Und er antwortete und sprach zu uns: ‚Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Väter werdet ihr genannt werden, weil ihr liebreich und barmherzig ihnen offenbart habt, was im Himmelreich (ist ……, weil) sie durch meine Hand empfangen werden die Taufe des Lebens und die Vergebung der Sünde. Und Lehrer: weil ihr ihnen mein Wort überliefert ohne Schmerz und sie zurechtgewiesen habt und sie sich bekehrt haben in dem, worin ihr sie getadelt habt. Und vor ihrem Reichtum habt ihr euch nicht gescheut und habt nicht das Angesicht (= die Person) berücksichtigt, sondern ihr habt das Gebot des Vaters bewahrt und es getan. Und ihr habt Lohn bei meinem himmlischen Vater; und jenen wird Sündenvergebung und ewiges Leben und Anteil am Reich zuteil werden.'“

Koptische Version:

„Er [aber] antwortete und sprach zu uns: ‚Gehet und prediget, so werdet ihr werden Arbeiter … und Diener. Wir aber sprachen zu ihm: ‚Du bist es, der predigen wird durch uns.‘ Da antwortete er uns, indem er sagte: ‚Nicht seid Väter alle noch seid Meister alle!‘ Wir sprachen zu ihm: ‚O Herr, du bist es, der zu uns gesagt hat: Nicht nennet euch (jemanden) Vater auf Erden, einer nämlich ist euer Vater, der in den Himmeln, und euer Meister – warum sagst du uns jetzt: Ihr werdet sein Väter vieler Kinder und Diener und Meister?‘ Er antwortete aber und sprach zu uns: ‚Wie ihr es gesagt habt. Wahrlich nämlich, ich sage euch: Wer auf euch hören und glauben wird an mich, der [wird empfangen von] euch das Licht des Siegels durch [mich] und die Taufe durch mich; ihr werdet [werden] Väter und Diener und auch Meister.‘

Wir aber sprachen zu ihm: ‚O Herr, wie nun (ist es möglich), daß ein jeder von uns diese drei wird?‘ Er aber sprach zu uns: ‚Wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet einmal Väter genannt werden, weil ihr mit geziemendem Herzen und in Liebe ihnen offenbart habt die Dinge des Reiches der Himmel. Und ihr werdet Diener genannt werden, weil sie die Taufe des Lebens und die Vergebung ihrer Sünden von meiner Hand durch euch empfangen werden. Und ihr werdet Meister genannt werden, weil ihr ihnen das Wort ohne Neid gegeben und sie zurechtgewiesen habt, und als ihr sie zurechtgewiesen habt, haben sie sich bekehrt. Ihr habt euch nicht gescheut vor ihrem Reichtum [und vor] ihrem Angesicht, sondern ihr habt gehalten [die Gebote] meines Vaters und sie vollbracht. Und [ein] großer Lohn wird euch zuteil werden bei meinem Vater, dem in den Himmeln, und jenen wird die Vergebung der Sünden zuteil werden und ewiges Leben und sie werden teilhaben an dem Reich der Himmel.'“

(Epistula Apostolorum 41(52)-42(53), in: Edgar Hennecke u. Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung. 1. Band. Evangelien, 4. Auflage, Tübingen 1968, S. 149f. Englische Übersetzung hier.)

Aber hätte nicht Paulus das Christentum verfälschen können?

Wenn es darum geht, was man über Jesus wissen kann, ist ein Eindruck weit verbreitet: Dass man eigentlich kaum was wissen könnte. Jesus – eine schattenhafte Gestalt, die hinter Mythen und Propaganda verschwindet. Manche wollen ihn zu einem Weltuntergangsprediger, zu einem Moralphilosophen oder gar zu einem jüdisch-nationalistischen Zeloten (lol) machen.

Das ist eigentlich eine seltsame Sichtweise; denn über Jesus haben wir bessere Informationen als über die allermeisten antiken Personen. Wir haben vier frühe Biographien über Ihn (die Evangelien, deren Genre dem der antiken Vita entspricht, die von Herkunft, Taten, Tod und Nachleben großer Männer berichtete) und zahlreiche Briefe von mehreren Seiner Anhänger; dazu kommen Erwähnungen bei Leuten, die nicht Seine Anhänger waren, wie dem römischen Historiker Tacitus und dem jüdischen Historiker Flavius Josephus. Aus deren Berichten kann man freilich nicht viel mehr erfahren als dass Jesus in Judäa unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, dass Er die Gruppe der Christen begründete, dass Er ein großer Mann gewesen sein soll, der Wunder vollbracht haben sollte, und den die Christen für den Messias hielten.

Viele meinen dann, es wäre sinnlos, sich die Zeugnisse der Christen für genauere Informationen anzusehen; das wäre ja eh nicht glaubwürdig, weil es eben parteiisch sei. Das ist allein schon aus Historikersicht Unsinn; so etwas wie eine nicht parteiische Quelle gibt es nicht, das trifft auch auf Tacitus etc. zu.

Aber vor allem muss man sich ja fragen: Wieso wurden Matthäus, Lukas, Markus, Johannes, Paulus, Jakobus usw. zu Anhängern Jesu? Was brachte sie zu ihren Überzeugungen?

Da ist ein Mann, der eine neue Bewegung begründet, von Leuten, die sich für ihre Überzeugungen sogar umbringen lassen und die ihn extrem verehren; also kann Er offensichtlich nur ein unbedeutender Wanderprediger gewesen sein, über den sich nix Genaues nicht sagen lässt und in den nur alles hineinprojiziert wurde.

Bei den Leuten, die sich tatsächlich daran machen, zu belegen, wieso die biblischen Berichte über Jesus und/oder der Glaube der Kirche verfälscht sein sollen, gibt es ja so einige Theorien, und als Verfälscher besonders hoch im Kurs stehen eine sehr frühe und eine eher späte Gestalt im antiken Christentum: Der Apostel Paulus (gest. um 64) und Kaiser Konstantin (gest. 337). In beiden Fällen ist die Annahme nicht nur falsch, sondern völlig abwegig.

Heute zunächst mal nur zu Paulus.

Grabplatte mit Petrus und Paulus aus der Hippolyt-Katakombe in Rom, 4. Jh. Gemeinfrei.

Wie allgemein bekannt ist, war Paulus von Tarsus, auch unter dem Namen Saulus bekannt, ein strenggläubiger Jude, der Christen verfolgte, und sich dann nach einer Vision, in der Jesus ihn fragte „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“, bekehrte und taufen ließ. Er unternahm dann einige Missionsreisen im ganzen Mittelmeerraum, gründete zahlreiche Gemeinde, und wurde schließlich in Rom geköpft.

Die Behauptung ist nun z. B.: Die Vorstellung, dass Jesus für die Sünden der Menschen gestorben und dass Er nicht nur ein Mensch, sondern als Gottes Sohn eins mit Gott sei, stammt nicht von Jesus oder denen, die ihn kannten, sondern wurde erst von Paulus erdacht. Immer wieder werden auch von Christen, die an die Erlösung durch den Kreuzestod und an die Göttlichkeit Jesu glauben, andere unbeliebte Lehren als paulinische Erfindung gedeutet. Hier finden sich mehrere offensichtliche Probleme:

1. Wieso sollte Paulus sich das ausdenken? Wo ist sein Motiv? Woher kam so eine Idee?

Die Juden waren strenge Monotheisten. Kein Jude wäre einfach so auf die Idee gekommen, einen Prediger, auch einen offensichtlich heiligen Propheten, einfach so auf eine Stufe mit Gott zu stellen; dafür musste dieser Mensch schon ein sehr außergewöhnlicher gewesen sein und Anlass dazu gegeben haben. Paulus selbst hatte die Christen für diese mutmaßliche Blasphemie noch verfolgt.

2. Am wichtigsten: Wieso sollten die anderen Christen sich das gefallen lassen?

Paulus kam verspätet zum Christentum. Er war kein Jünger Jesu gewesen. Er schreibt selbst, dass er die Kirche verfolgt hatte, und war laut Lukas‘ Apostelgeschichte ein bekannter und ein eifriger Christenverfolger. Welche Gruppe lässt sich von einem frisch bekehrten Feind ihren ganzen Glauben umstülpen?

Als Paulus zum Christentum kam, war die Kreuzigung Jesu schon einige Jahre her, und Jesu Jünger – nicht nur die Zwölf, sondern hunderte und bald tausende – hatten Ihn weiterhin verehrt, nachdem das Grab leer gewesen und der Auferstandene ihnen erschienen war.

(Und wenn Jesus mächtig genug ist, um von den Toten aufzuerstehen, sollte Er auch mächtig genug sein, um Seine Kirche in der Wahrheit zu bewahren, aber das nur anbei.)

3. Wie wurden die anderen Gemeinden auf Linie gebracht?

Paulus reiste nicht überall hin; er kam nie nach Alexandria oder Karthago, beispielsweise. In Rom bestand eine Gemeinde, ehe er es überhaupt betrat.

4. Was ist mit den nicht-paulinischen Texten im NT?

Das Neue Testament besteht aus 27 Schriften, von denen höchstens 14 vom Apostel Paulus stammen. (Ob der Hebräerbrief von ihm stammt oder nicht, war immer schon umstritten, und einige Exegeten wollen mehrere der anderen Briefe nicht als echt paulinisch gelten lassen, aber diese Frage ist hier unerheblich.) Damit hätten wir also mindestens (!) 13 Schriften, die nicht von Paulus stammen, darunter alle Evangelien und die Apostelgeschichte. Nun kann man sagen, dass, wenn es korrekt ist, das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte einem Begleiter des Paulus, nämlich Lukas, zuzuschreiben, man diese beiden noch einklammern sollte; aber auch dann hätten wir noch das Markusevangelium (und Markus gilt als Begleiter des Apostels Petrus), das Matthäusevangelium, das Johannesevangelium, die drei Johannesbriefe und die Offenbarung des Johannes, die beiden Petrusbriefe, den Jakobusbrief und den Judasbrief. Ich will mich hier gar nicht auf Streitigkeiten um die genaue Zuschreibung einlassen, und darüber, ob die Überlieferung bzgl. der Autoren verlässlich ist; klar ist jedenfalls, dass das alles keine paulinischen Schriften sind, und nicht aus dem Umfeld des Paulus stammen. Sie unterscheiden sich in der Schreibweise und im Fokus von seinen Briefen. Und gerade sie enthalten deutlich mehr über „den historischen Jesus“ als die Paulusbriefe. Die ersten Evangelien – Markus, Matthäus – wurden ohne Bezug zu Paulus geschrieben, und aller Wahrscheinlichkeit nach etwa zur selben Zeit wie seine Briefe, sind also nicht erst irgendwann später unter deren Einfluss entstanden.

(Lukas beendete seine Apostelgeschichte höchstwahrscheinlich Anfang der 60er, da er sie abrupt abbricht, als Paulus als Gefangener in Rom ist, und dessen Martyrium, immerhin ein sehr wichtiges Ereignis für die antike Christenheit, nicht mehr erwähnt; sein Evangelium schrieb er zuvor, also vielleicht um 60. Nach den klassischen Theorien war Matthäus das erste Evangelium, nach den neueren Theorien Markus; in jedem Fall war es nicht Lukas, der in seinem Vorwort auch die Schriften anderer über Jesu Leben erwähnt. Markus und Matthäus müssten also in die 50er oder vorher datieren.)

Ausgangspunkt einer These von der paulinischen Verfälschung müsste sein, dass man deutliche Unterschiede zwischen dem, was man von Jesus wissen oder vermuten kann, und dem, was man von Paulus wissen oder vermuten kann, feststellt. Vergleichen wir daher mal die Quellen, die wir von Paulus haben, d. h. die ihm zugeschriebenen Briefe, mit denen, in denen Aussagen Jesu wiedergegeben werden, d. h. den Evangelien (keine vollständige Auflistung!).

Hier eine kleine Tabelle.

ThemaJesusPaulus
Erlösung durch den Kreuzestod, AuferstehungJesus kündigt in den synoptischen Evangelien dreifach Sein Leiden, Seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung an (Mt 16,21-26; Mt 17,22f.; Mt 20,17-19; Lk 9,22f.; Lk 9,43-45; Lk 18,31-34; Mk 8,31-34; Mk 9,30-32; Mk 10,32-34).

An anderen Stellen macht Er auch den Zweck dieses Leidens deutlich (z. B. Mt 20,28: „Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“; Joh 3,14-17: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“)

Sein Leiden ist beabsichtigt: „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“ (Joh 10,17f.)

Er sagt, dass durch Sein Leiden die Schrift erfüllt wird, z. B. in Mt 26,53-56 und Lk 24,25-27.45-47.

Die Evangelisten widmen der Kreuzigung und Auferstehung alle mehrere Kapitel.
Paulus spricht sehr oft vom Kreuz, der Erlösung, der Auferstehung – z. B. in 1 Kor 1,18-2,16, 1 Kor 15, Röm 4,24f., Röm 5-6, 2 Kor 5,14-21, Gal 1,1-5, Eph 2, 1 Thess 1,10. Da gibt es so wunderschöne Stellen wie etwa Kol 2,13-15: „Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat. Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat Gott über sie triumphiert.“ Oder 1 Thess 9f.: „Denn Gott hat uns nicht für das Gericht seines Zorns bestimmt, sondern dafür, dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, die Rettung erlangen. Er ist für uns gestorben, damit wir vereint mit ihm leben, ob wir nun wachen oder schlafen.“
Jesus als Sohn Gottes, selbst Gott, eins mit Gott dem Vater und dem Heiligen GeistJesus sagt:

Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ (Joh 8,58) Man beachte hier: Nicht „war ich“, sondern „bin ich“. Das ewige zeitlose Sein ist nicht nur das Wesen Gottes, sondern „Ich bin“ ist auch die Bedeutung des Gottesnamens Jahwe.

„Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30)

„Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand erkennt, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand erkennt, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ (Lk 10,22)

„Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ (Mt 28,18)

Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“(Johannes 16,28)

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. […] Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ (Joh 14,6-7.9-11)

Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! […] Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. […] Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!“ (Johannes 17,5.10-11)

Er antwortet laut Matthäus auf die Frage des Hohenpriesters, ob er der Christus, der Sohn Gottes ist: „Du hast es gesagt“ (Mt 26,64) Bei Markus sagt er „Ich bin es“ (Mk 14,62), bei Lukas „Ihr sagt es – ich bin es“ (Lk 22,70).

Er beansprucht z. B. in Mk 2,2-12 und Mt 9,6 die Vollmacht, Sünden zu vergeben (bzw. dann später diese Macht an andere als Seine Stellvertreter, die Apostel, weiterzugeben (Joh 20,22f.)), also etwas, das Gott allein zukommt.

Für sich selbst beansprucht Er Sündenlosigkeit: „Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?“ (Joh 8,46)

Man nehme außerdem die Reaktionen der Menschen auf Ihn: „Und es geschah, als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“ (Mt 7,28f.)

Thomas sagt nach Seiner Auferstehung zu Ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Bei der Verklärung Jesu (Mt 17,5; Mk 9,2-8; Lk 9,35) und bei Seiner Taufe (Mt 3,17; Mk 1,11; Lk 3,22) nennt Gott selbst Ihn Seinen geliebten/auserwählten Sohn.

Selbst ein Römer bezeugt das: „Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ (Mk 15,39)

Ebenso Johannes der Täufer: „Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.“ (Joh 1,34)

Der Johannesprolog (Joh 1,1-18) macht den Glauben an die Göttlichkeit Jesu sehr deutlich: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. […] Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,1.18)

Er ließ es bei vielen Gelegenheiten zu, dass man Ihn „Herr“ nannte, s. z. B. Mt 8,2f.
Paulus schreibt u. a. folgendes über Jesus:

„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,6-11)

„Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.“ (Kol 1,12-20)

„Dadurch sollen sie getröstet werden, verbunden in der Liebe, um die tiefe und reiche Einsicht zu erlangen und das Geheimnis Gottes zu erkennen, das Christus ist. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.“ (Kol 2,2f.)

„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Durch ihn seid auch ihr davon erfüllt; denn er ist das Haupt aller Mächte und Gewalten.“ (Kol 2,9f.)

„Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit“ (1 Tim 2,5f.)
Gottes- und NächstenliebeJesus macht deutlich, dass alle Gebote aus dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe resultieren und die Liebe das Höchste ist in Mt 22,34-40; Mk 12,28-34; Joh 13,34f.; Joh 15,12-17 (vgl. auch die Goldene Regel in Mt 7,12).Paulus macht deutlich, dass alle Gebote aus dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe resultieren und die Liebe das Höchste ist in Röm 13,8-10, 1 Kor 13, Kol 3,14, 1 Thess 4,9f.
Ehescheidung und EhelosigkeitJesus verurteilt die Ehescheidung mit Wiederheirat und rät zur Ehelosigkeit für die, die es fassen können, in Mt 19. (Vgl. zu Jesus und der Ehescheidung auch noch Mk 10,1-12; Lk 16,18; Mt 5,31f.)Paulus verurteilt die Ehescheidung und rät zur Ehelosigkeit für die, die es fassen können, in 1 Kor 7.
Staat, SteuernJesus fordert zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten und insbesondere zum Zahlen der Steuern auf in Mt 22,15-22; Mk 12,13-17; Lk 20,20-26.Paulus fordert zum Gehorsam gegenüber den staatlichen Autoritäten und insbesondere zum Zahlen der Steuern auf in Röm 13,1-7.
SexualmoralJesus vertritt eine strenge Sexualmoral; auch schmutzige Gedanken beurteilt er als Sünde. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Mt 5,27f.)

Er lehnt nicht nur Ehebruch ab, sondern auch „Unzucht“ ganz allgemein; in einer Aufzählung der Sünden nennt Er beides getrennt: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen.“ (Mt 15,19) Vgl. auch die Parallelstelle in Mk 7,21f.: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.“
Paulus sieht die Unzucht (außerehelichen Sex) als Sünde gegen den eigenen Körper, der ein Tempel Gottes sein soll. „Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen? Auf keinen Fall! Oder wisst ihr nicht: Wer sich an eine Dirne bindet, ist ein Leib mit ihr? Denn es heißt: Die zwei werden ein Fleisch sein. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Meidet die Unzucht! Jede Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,13-20)

Er zählt „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung“ zu den Werken des Fleisches (Gal 5,19). Er sieht sie als schwere Sünden, die vom Himmel ausschließen: „Von Unzucht aber und Unreinheit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schicken sich nicht für euch, sondern vielmehr Dankbarkeit. Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“ (Eph 5,3-5)

Er schreibt: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung – dass ihr die Unzucht meidet, dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren, nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen“ (1 Thess 4,3-5)
Wiederkunft ChristiJesus spricht vom Weltgericht und Seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten z. B. in Mt 24-25 (und in mehreren Gleichnissen in den vorangehenden Kapiteln); Mk 13; Lk 21; Lk 17,22-36; Mt 13,40-43; Lk 12,35-48.Paulus spricht von der Wiederkunft Christi z. B. in 1 Thess 4,13-5,9; 2 Thess 1,6-10; 2 Thess 2,1-12; 1 Tim 6,14-16; 2 Tim 4,1.
HölleJesus warnt vor der Hölle, dem Ort, an dem „Heulen und Zähneknirschen“ herrscht, z. B. in Mt 8,12; Mt 13,41-42.49-50; Mt 22,13; Mt 24,51; Mt 25,30; Mt 5,29f.; Mk 9,42-48; Lk 13,22-30; Lk 14,24. Er beschreibt die Hölle auch im Gleichnis von Lazarus und dem Reichen in Lk 16,19-31.Paulus warnt vor der Hölle z. B. in 2 Thess 1,5-10; Gal 5,21; Gal 6,8; Eph 5,5f.
KircheJesus gibt schon vor Seiner Kreuzigung und Auferstehung Seinen Jüngern Anweisungen für den Aufbau Seiner Kirche.

Zu Petrus sagt Er: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Mt 16,18f.)

Zu allen 12 Aposteln sagt Er: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ (Mt 18,15-18)

Zu den 72 Jüngern sagt Er: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.“ (Lk 10,16)

Nach Seiner Auferstehung gibt Er den 12 die Vollmacht zur Sündenvergebung an Seiner Stelle: „Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh 20,21-23)
Paulus nennt die Kirche „Säule und Fundament der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Er spricht über die Einsetzung, Aufgaben und Eignung von Bischöfen und Diakonen z. B. in 1 Tim 3,1-13; 1 Tim 4,14; 1 Tim 5,17-22; 2 Tim 1,6; Tit 1,5-9.
Rechtfertigungslehre; Gnade, Glaube, WerkeJesus spricht von der Wichtigkeit des Glaubens z. B. in Joh 3,17f.: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.“ oder Mk 16,15f: „Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.“, oder auch in Mt 8,10 und Mt 9,22. In Joh 6,47 sagt Er: „Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.“ Außerdem sagt Er: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11,25f.)

Er preist oft den Glauben derer, denen Er hilft (z. B. in Mk 5,34; Lk 7,9; Lk 17,19) und sagt zu Seinen Jüngern „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken.“ (Mt 17,20)

Er betont außerdem aber sehr oft, dass jeder nach seinen Werken gerichtet wird; z. B. in Mt 7,21-23: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen!“

Oder auch Mt 16,27: „Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.“

In Mt 19,17 sagt Er: „Wenn du aber in das Leben eintreten willst, halte die Gebote!“

In Mt 25 wird das Heil als davon abhängig dargestellt, ob man etwas für „einen meiner geringsten Brüder getan“ (Mt 25,40) hat oder nicht.

Vgl. auch Lk 10,25-28: „Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben!“

In Joh 5,29 sagt Jesus: „Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, werden zum Gericht auferstehen.“
Paulus spricht von der Notwendigkeit von Gottes Gnade und dem Glauben z. B. in Röm 3-6, Röm 10,8-13, Gal 2-3, Eph 2,8, Phil 3,9, Tit 3,5; 2 Tim 1,9f. („Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Taten, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde; jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart.“)

Über den allgemeinen Heilswillen Gottes sagt er: „er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4) und „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.“ (Tit 2,11).

(Über die Kraft des Glaubens meint er: „Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.“ (Phil 4,13))

Über die Notwendigkeit, den Glauben zu bewahren, sagt er: „Jetzt aber hat er euch durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich hintreten zu lassen. Doch müsst ihr im Glauben bleiben, fest und in ihm verwurzelt, und ihr dürft euch nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, abbringen lassen.“ (Kol 1,22f.)

Von den Werken und der Möglichkeit, das Heil durch schwere Sünden zu verlieren, spricht er z. B. in 1 Kor 10,12 („Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt.“), 2 Kor 5,10 („Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.“), Gal 6,8f. („Denn wer auf sein eigenes Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist.“), 2 Tim 2,11f. („Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“)

Er stellt den Weg des Christen mehrfach als Kampf oder Wettkampf dar, der gewonnen werden will, vgl. Eph 6,10-18, 1 Tim 6,12, 2 Tim 4,7f. oder auch Phil 3,11-14: „So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

Das Zusammenwirken von Gottes Gnade und den eigenen Bemühungen fasst er so zusammen: „Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil! Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,12f.)

Über die verlorenen Seelen sagt er: „denn sie haben sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen, durch die sie gerettet werden sollten“ (2 Thess 2,10)
Mosaisches Gesetz: Speisegebote, Sabbat etc.Jesus erklärt sich zum Herrn über den Sabbat (Mt 12,8; Mk 2,28; Lk 6,5) und heilt am Sabbat (s. z. B. Mt 12,9-14; Mk 3,1-6; Lk 6,6-11; Lk 13,10-17; Lk 14,1-6; Joh 9). Er sagt über die Speisegebote: „Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ (Mt 15,11) An der Parallelstelle in Mk heißt es: „Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage! Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses rätselhaften Wortes. Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Versteht ihr nicht, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein.“ (Mk 7,14-19)Paulus erklärt, dass das Mosaische Gesetz nicht mehr gilt, z. B. in Gal 4 oder ausführlich im Römerbrief.
EucharistieDie Einsetzung der Eucharistie wird berichtet in Mt 26,26-29; Mk 14,22-25 und Lk 22,14-20. Außerdem spricht Jesus über die Eucharistie in Joh 6. Ein Ausschnitt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6,51-58)Paulus schreibt über die Eucharistie in 1 Kor 10,16f. („Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“) und 1 Kor 11,23-29 („Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.“)
TaufeJesus trägt seinen Jüngern auf, zu taufen: Mt 28,19f.; Mk 16,16.

Schon vorher taufen Seine Jünger: „Darauf kam Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte.“ (Joh 3,22) „Jesus erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, er gewinne und taufe mehr Jünger als Johannes – allerdings taufte nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger – ; daraufhin verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.“ (Joh 4,1-3)
Paulus schreibt über die Taufe folgendes:

„Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.“ (Kol 2,12f.)

„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.“ (Röm 6,3-5)

„Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.“ (1 Kor 12,13)

Er erwähnt sie auch in Tit 3,5 (hier nennt er sie das „Bad der Wiedergeburt“).
Auferstehung der TotenJesus erklärt in Mt 22,23-33, Mk 12,18-27 und Lk 20,27-40 den Sadduzäern, dass es eine Auferstehung der Toten geben und wie sie aussehen wird.Paulus macht in 1 Kor 15 deutlich, dass es eine Auferstehung der Toten geben wird; auch in Phil 3,20f. und 1 Thess 4,13-18 erwähnt er sie.
MartyriumJesus kündigt seinen Jüngern das Martyrium an, z. B. in Mt 10 (Mt 10,17-18.21-22.28-33: „Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis. […] Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern und der Vater das Kind und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet. […] Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“)

Vgl. auch Mk 8,34-38; Mk 13,9-13; Lk 12,1-12; Lk 21,12-19; Joh 15,18-25.

Außerdem Joh 16,2f.: „Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.“
Paulus wurde zum Märtyrer. Er erwähnt auch in seinen Briefen die gegenwärtige Gefahr und die bereits von ihm erduldeten Leiden. „Wie geschrieben steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.“ (Röm 8,36) „Sie sind Diener Christi – jetzt rede ich ganz unvernünftig – , ich noch mehr: Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von Juden die vierzig Hiebe weniger einen; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit.“ (2 Kor 11,23-27) Vgl. auch 2 Kor 4,7-18 und 2 Kor 6,4-10.

Er schrieb einige seiner Briefe aus dem Gefängnis, s. z. B. Phil 1,13-14 „Denn im ganzen Prätorium und bei allen Übrigen ist offenbar geworden, dass ich meine Fesseln um Christi willen trage, und die meisten der Brüder sind durch meine Gefangenschaft zuversichtlich geworden im Glauben an den Herrn und wagen umso kühner, das Wort furchtlos zu sagen.“

Auch seine Gemeinden hatten es nicht immer leicht: „Denn, Brüder und Schwestern, ihr seid dem Beispiel der Gemeinden Gottes in Judäa gefolgt, die in Christus Jesus sind. Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden.“ (1 Thess 2,14) Vgl. auch 2 Thess 1,4.
Nicht-christliche JudenJesus trauert darum, dass viele Juden Ihn nicht anerkennen z. B. in Lk 13,34f.; Lk 19,41f. und Mt 23,37f.Paulus trauert darum, dass viele Juden Jesus nicht anerkennen in Röm 9-11.
FeindesliebeJesus fordert zur Feindesliebe auf in Mt 5,38-48 und Lk 6,27-35.Paulus fordert zur Feindesliebe auf in Röm 12,14-21 und 1 Thess 5,15.
Gebet, weltliche Sorgen, innerer FriedeJesus betont die Wichtigkeit des vertrauensvollen Gebets z. B. in Mt 7,7-11; Mk 11,24; Lk 11,5-13; Lk 18,1-8; Joh 15,7; und sagt Seinen Anhängern, dass sie sich keine Sorgen um Weltliches zu machen brauchen, z. B. in Mt 6,19-34 und Lk 12,22-34. (Vgl. auch Lk 10,41f.: Die Geschichte von Maria und Marta.) Er verheißt ihnen Seinen Frieden: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Joh 14,27)Paulus betont die Wichtigkeit des vertrauensvollen Gebets und sagt den Christen, dass sie sich keine Sorgen um Weltliches zu machen brauchen, z. B. in Phil 4,6 und 1 Thess 5,17. Die Christen werden inneren Frieden finden: „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.“ (Phil 4,7) „Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.“ (Kol 3,15)
Weltlich kluge Menschen und das EvangeliumJesus sagt „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.“ (Mt 11,25) Vgl. auch Lk 10,21.Paulus schreibt: „Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“ (1 Kor 1,26-29)
Falsche Propheten bzw. FalschlehrerJesus warnt vor falschen Propheten und Irrlehrern z. B. in Mt 24,24f.; Mk 13,6.22.Paulus warnt vor falschen Propheten und Irrlehrern z. B. in Gal 1,6-9; Kol 2,8-23; 1 Tim 1,3-7; 1 Tim 4,1-5; 1 Tim 6,3-10; Tit 1,10-16; Tit 3,9-11.
ReichtumJesus ermuntert den reichen Jüngling, der mehr tun will als nur die allgemeinen Gebote zu erfüllen, seinen Reichtum an die Armen zu verteilen und sagt, dass es Reiche schwer haben werden, in den Himmel zu kommen (Mt 19,16-26; Mk 10,17-28; Lk 18,18-27).

Er sagt „Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.“ (Lk 12,15) und erzählt ein Gleichnis über einen reichen Mann, der nur an seinen irdischen Besitz denkt, aber plötzlich sterben muss (Lk 12,16-21).

Er mahnt Seine Jünger: „Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst!“ (Lk 12,33)

Er sagt außerdem „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. […] Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.“ (Lk 6,20.24).

Über den richtigen Umgang mit Geld sagt Er: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Lk 16,10-13)

Vgl. auch das Gleichnis von Lazarus und dem Reichen in Lk 16,19-31.

Dann wäre da die Geschichte mit dem korrupten Zöllner Zachäus, bei dem Er einkehrt und der sich dann bekehrt, und zwar nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet, aber viele Almosen gibt und Unrecht wiedergutmacht: „Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19,8-10)
Paulus ermahnt Reiche dazu, freigiebig zu sein und ihren Reichtum zu teilen und sich nicht darauf zu verlassen, sondern auf Gott (1 Tim 6,17-19: „Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen! Sie sollen wohltätig sein, reich werden an guten Werken, freigebig sein und, was sie haben, mit anderen teilen. So sammeln sie sich einen Schatz als sichere Grundlage für die Zukunft, um das wahre Leben zu erlangen.“).

Er stellt die Habgier an mehreren Stellen als schwere Sünde dar und vergleicht sie auch mit Götzendienst, s. z. B. Eph 5,3.5: „Von Unzucht aber und Unreinheit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. […] Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“
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Rekonstruktion des Gesichts Jesu nach dem Turiner Grabtuch. Gemeinfrei.

Manche sehen einen Unterschied bei der Rechtfertigungslehre. Wenn man z. B. die Aussagen „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen!“ (Mt 7,21-23; man beachte: „ihr Gesetzlosen“) und „denn wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden. […] Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ (Röm 10,9.13) einander gegenüberstellt, wirken sie erst einmal widersprüchlich.

Aber oben in der Tabelle wurde schon deutlich, dass Jesus und Paulus eben beide den Glauben und die Werke betonen. Sie sagen auch beide, dass die Erlösung etwas ist, das von Gott kommt, ohne die Sühne durch den Kreuzestod Jesu wäre nichts gegangen. Zuerst kommt die Gnade Gottes, die in den Menschen wirkt und sie ruft; dann sollen sie darauf antworten. Erstens, wenn sie von Jesus erfahren – also wirklich merken, wer und wie Er ist, nicht nur Seinen Namen irgendwann mal gehört haben -, mit dem Glauben an Ihn; wer Ihn dann bewusst ablehnt, lehnt Gott ab. Aber es gehören auch Werke dazu, der Mensch muss sich auch praktisch bewähren. Ohne Werke ist der Glaube tot.

Die zitierten Stellen meinen einfach folgendes: Wer glaubt, der wird gerettet werden, aber es muss ein wirklicher Glaube sein, aus dem auch Werke folgen; ein Pseudoglaube, ein toter Glaube, nützt nichts.

Es gibt sicher Einzelfragen, über die Jesus spricht und Paulus nicht; oder über die Paulus spricht und Jesus nicht (z. B. die Götzenopferfleischfrage, die irgendwann in den christlichen Gemeinden aufkam; vgl. Röm 14). Das sind aber eher konkrete, praktische Randfragen. Wenn Paulus über Spendensammlungen oder seine Reisepläne spricht: Was ist daran aufsehenerregend? In den Evangelien kommt manches vor, über das Paulus nicht ausführlich spricht, einfach weil die Evangelien auch Ereignisse berichten, nicht nur Jesu Lehre weitergeben: Da wären die vielen Stellen, an denen Heilungen, Totenerweckungen und Dämonenaustreibungen berichtet werden, die Taufe und Verklärung Jesu, die Tempelreinigung, die Hinrichtung von Johannes dem Täufer, die Segnung der Kinder usw. usf. Paulus wiederholt das alles in seinen Briefen nicht; dazu hat er auch keinen Anlass.

Manche Leute konstruieren andere Unterschiede, die nicht da sind. Z. B. ging Jesus während Seines irdischen Lebens nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,6), aber nach Seiner Auferstehung sandte Er Seine Jünger ausdrücklich zu allen Völkern, also den Heiden (s. z. B. Mt 28,19: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“, oder Mk 16,15: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“; vgl. auch Lk 24,47), um deren Missionierung sich Paulus so verdient machte. Das jesuanische Christentum war keine rein auf Juden begrenzte Religion und schloss sehr wohl auch die Heiden ein, genau wie das paulinische.

Ist Paulus irgendwie „politisch nützlicher“? Oben wurde demonstriert, dass Jesus und Paulus beide gleich gehorsam bzw. ungehorsam gegenüber dem Staat waren: Man gehorcht an sich und zahlt seine Steuern, erkennt die Autorität des Staates als legitim an, aber wenn der Staat etwas verlangt, das Sünde ist, ist man bereit, sich für seine Überzeugungen umbringen zu lassen.

Was ist mit dem Thema Sklaverei? Paulus erwähnt es an mehreren Stellen: Er zählt Sklavenhändler zu den Gottlosen (1 Tim 1,10), fand nichts daran, Sklavenbesitzer in die Kirche aufzunehmen, lehrte, dass Sklaven ihren Herren gehorchen und Herren ihre Sklaven gerecht behandeln sollen, da es vor Gott kein Ansehen der Person gebe (vgl. Eph 6,5-9), die Freilassung von Sklaven behandelt er als gutes Werk (Phlm), aber verlangt sie nicht kategorisch von jedem, der Christ werden will. Das entspricht ziemlich genau der Position, die die Kirche in ihrer Geschichte eingenommen hat: Die (gewaltsame) Versklavung von Menschen wird scharf verurteilt; der Sklavenhandel sehr stark kritisiert und man will ihn einschränken oder ganz abschaffen; die Sklaverei als bereits bestehender Zustand wird nicht als ideal gesehen und Sklaven werden als Menschen mit gewissen Grundrechten gesehen, die freilich in ihrer Arbeit nicht frei sind, aber eben z. B. nicht straflos getötet oder vergewaltigt werden dürfen und das Recht haben, eine Familie zu gründen; Sklavenbesitzer werden an sich nicht aus der Kirche ausgeschlossen, aber die Freilassung von Sklaven als gutes Werk gesehen; gewaltsame Sklavenaufstände begrüßt man definitiv nicht, aber sonstige Maßnahmen zur Abschaffung oder Linderung der Sklaverei absolut, wobei gerade einige frühe Theologen in der Antike die Sklaverei eher noch als eine nicht zu ändernde Folge des Sündenfalls sahen; im Hoch- und Spätmittelalter und der Neuzeit stellte sich die Kirche in der Praxis stärker dagegen als noch in Antike und Frühmittelalter. Und diese ganze Position (von dem abgesehen, dass manche sich anfangs keine generelle Abschaffung der Sklaverei vorstellen konnten) hat nun mal ihre guten Gründe. (Mehr zu Bibel und Kirche und der Sklaverei hier; außerdem ein (wahrscheinlich oberflächlicher und unvollständiger; es ist Wikipedia) Überblick über Maßnahmen gegen die Sklaverei im Lauf der Geschichte, die v. a. ab dem Mittelalter getroffen wurden, hier.)

Aber wir waren bei Paulus und Jesus: Und hier gibt es keinen Widerspruch, denn Jesus sagt schlicht gar nichts zum Thema Sklaverei. Er benutzt sie vielleicht mal bei einem Vergleich in seinen Gleichnissen, aber das ist keine Aussage über die Sklaverei. In seinen überlieferten Aussagen findet man weder eine Billigung noch eine Verurteilung. Er war kein Sklavenbesitzer wie Propheten aus anderen Religionen (z. B. Mohammed), und er rief zu keiner Sklavenrevolte auf.

Was ist mit dem Umgang mit Frauen? Paulus schreibt, dass Ehefrauen sich ihren Männern unterordnen sollen, s. Eph 5,21-33: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Furcht Christi! Ihr Frauen euren Männern wie dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau wie auch Christus das Haupt der Kirche ist. Er selbst ist der Retter des Leibes. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem den Männern unterordnen. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort! So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen, ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Indessen sollt auch ihr, jeder Einzelne, seine Frau lieben wie sich selbst, die Frau aber ehre ihren Mann.“ Vgl. dazu auch Kol 3,18f., Tit 2,3-5. In 1 Kor 11 sagt Paulus, dass der Mann das Haupt der Frau ist und in 1 Kor 14,33-35, dass die Frauen in der Versammlung, d. h. beim Gottesdienst, schweigen sollen. In 1 Tim 2,11-14 schreibt er: „Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.“ (Zur Frage, wie diese Stellen zu verstehen sind, hier.)

Jesus hatte Frauen unter seinen Anhängern, die Er auch schätzte, von denen einige unter Seinem Kreuz standen oder später zu Seinem Grab gingen. Er wählte allerdings keine Frau in den Zwölferkreis. Über Gehorsam in der Ehe sagt er schlicht und einfach nichts. Das einzige, was über Jesu Verhalten zu Familienstrukturen generell gesagt wird, ist, dass Er als Kind Seinen Eltern gehorsam war (Lk 2,51).

Mit anderen Worten: Am ehesten kann man einen Widerspruch in der Rechtfertigungslehre deklarieren, aber auch dazu muss man einige Stellen ignorieren; Jesus und Paulus lassen sich auch hier gut vereinen. Eine gewisse Plausibilität hätte es auch noch, zu sagen „Aber Jesus hätte feministischer als Paulus sein können, was die Beteiligung der Frauen in den Gemeinden und ihre Stellung in der Ehe angeht“, aber das ist eben Spekulation; Jesus widerspricht Paulus‘ Sicht nirgends. Ansonsten kommt man nicht umhin, eine sehr deutliche Übereinstimmung zuzugeben.

Mit anderen Worten: Die ganze Theorie ist Wunschdenken.

Schwierige Bibelstellen: Updates

Ich habe an der Reihe über schwierige Bibelstellen innerhalb der letzten Monate (z. T. auch schon vor längerer Zeit) einige Updates vorgenommen (und dazu in den ersten Teilen (etwa bis Teil 15) die Zitate aus der alten Einheitsübersetzung, die ich zuerst verwendet hatte, durch Zitate aus der neuen Einheitsübersetzung ersetzt, und ab und zu ein paar neue Bilder hinzugefügt, wo ich schon mal dabei war); mit dieser Reihe habe ich ja schon vor längerer Zeit angefangen, und mir ist eben aufgefallen, dass manche Dinge doch etwas verkehrt oder verkehrt ausgedrückt oder unvollständig waren.

Gutenberg-Bibel. Bildquelle hier.

Daher hier eine grobe Zusammenfassung der einzelnen Änderungen:

Teil 1: Die Problemstellung

Hier nur ein paar Kürzungen bei persönlichem Vorgeplänkel.

Teil 2: Das katholische Schriftverständnis

Hier muss ich zugeben, dass in der ersten Fassung ein grober Fehler drin war, wenn es bei der Erklärung der Irrtumslosigkeit der Bibel hieß, dass die Bibel in Fragen des Glaubens und der Moral irrtumslos ist. Ein korrigierter Absatz:

„Die Bibel ist als Ganzes irrtumslos; die Lehre, dass sie nur in Fragen des Glaubens und der Moral irrtumslos wäre, und nicht auch in historischen Fragen u. Ä., wurde von mehreren Päpsten deutlich abgelehnt. Aber: die historischen Bücher sind nicht zwangsläufig irrtumslos in Bezug auf jedes kleine Detail, zum Beispiel, aus wie vielen Soldaten die assyrische Armee bestand oder in welchem Monat Esra nach Jerusalem kam. Der Grund dafür ist ganz einfach, dass solche Detailgenauigkeit nicht automatisch der Aussageabsicht dieser Schriftsteller entsprochen haben muss. In der antiken Geschichtsschreibung war Wahrhaftigkeit zwar im Groben erwartet, aber kleine Ausschmückungen bei den Details absolut üblich (insbesondere z. B. bei Reden der Protagonisten).“

Im Endeffekt ist das bei der Schlussfolgerung über die historischen Bücher kein Unterschied, aber die Grundlage sollte trotzdem klar sein.

Wahrscheinlich habe ich aber auch vom Ton des ganzen Artikels her die Irrtumslosigkeit der Bibel zu sehr heruntergespielt; u. a. habe ich diesen Absatz jetzt noch eingefügt.

„Die Bibel ist göttlich inspiriert und vom Heiligen Geist vor Irrtum bewahrt, d. h. alles, was in ihr steht, ist unfehlbar; die Frage ist nur, wie man verschiedene schwer verständliche Stellen miteinander in Einklang bringt. Sog. „missliebige“ oder „schwierige“ Stellen gehören alle dazu und für alle kann man irgendeine Erklärung finden und sollte sie nicht einfach ignorieren. Und manchmal kann es einem tatsächlich passieren, dass sich Schwierigkeiten von selbst auflösen, wenn man von ein paar säkularen Vorurteilen weggekommen ist.“

So ging es mir nämlich: Einige Stellen, die mir vor ein paar Jahren noch Kopfzerbrechen bereitet haben, finde ich jetzt überhaupt nicht mehr schlimm.

Nachträge zu Teil 2

Keine großen Änderungen.

Exkurs: Etwas Grundsätzliches über Gottes Gutheit

Keine Änderungen.

Teil 3: Über Historizität, Genres und „wörtlich gemeint“

Kleinere Änderungen v. a. gegen Ende, wenn es um die Geschichtlichkeit der frühen Geschichtsbücher (5 Bücher Mose usw.) geht, aber keine Änderungen an den grundsätzlichen Aussagen.

(Anbei: Ich möchte noch mal einen eigenen Artikel über die Autorschaft und Geschichtlichkeit dieser Bücher schreiben, weil mir in den letzten Jahren die Argumente gegen die „traditionelle“ Sicht immer schwächer und die dafür immer stärker erschienen sind, und ich ein bisschen mehr zu diesem Thema gelesen habe.)

Teil 4: Schöpfung, Urknall, Evolution, Sündenfall usw. – zur Bedeutung von Genesis 1-11

Ein paar Kürzungen bei diesem überlangen Artikel (er ist leider immer noch überlang).

Außerdem habe ich auch zur Sintflut und zum Turmbau zu Babel näher ausgearbeitet, wovon ich inzwischen überzeugt bin: Dass sie – wie es beim Sündenfall sowieso so sein muss – nur Sinn machen, wenn man sie als (teilweise bildliche/zusammenfassende) Darstellungen realer historischer Ereignisse versteht, und nicht nur als allgemeine Aussagen über den Zustand der sündigen Menschheit. Auch bei Adam und Eva habe ich klarer ausgedrückt, dass es eigentlich nicht geht, sie sich nicht als zwei Personen, sondern als Gruppe von Urmenschen vorzustellen.

Exkurs zu Teil 4: Was sagt der Katechismus zu Sündenfall und Erbsünde?

Keine Änderungen. (Offensichtlicherweise.)

Teil 5: Was in der Bibel steht – was die Bibel lehrt

Ein paar kleinere Kürzungen und Änderungen bei der Bewertung einzelner Stellen, keine Änderung an der zentralen Aussage.

Teil 6: Das Fortschreiten der Offenbarung – Wie wir das Alte Testament lesen sollen

Ich muss sagen, dass ich in der ersten Fassung dieses Artikels die eine Seite (die sonst selten betont wird), nämlich dass die Offenbarungsgeschichte heute ziemlich fortgeschritten ist, wir in mancher Hinsicht mehr von Gott wissen können als die alttestamentlichen Israeliten, und Gott uns nicht ferner ist als damals, überbetont, oder nein, eher die andere Seite vernachlässigt oder ein paar Unterscheidungen nicht gemacht. Denn: Natürlich wissen wir in einiger Hinsicht mehr als z. B. die Israeliten, die beim Exodus dabei waren. Wir wissen von der Dreifaltigkeit, das wussten sie noch nicht; wir haben den Neuen Bund, sie hatten erst den Alten, vorläufigen. Andererseits hatten aber natürlich trotzdem die Propheten, und erst recht Moses selbst, einen direkten Kontakt zu Gott, den keiner von uns hat. Das Volk, das von ihnen und Gott erst noch vorbereitet wurde, ist wieder etwas anderes. Aber Mose hat selbst Gott geschaut, in seinem irdischen Leben, was bei uns erst nach dem Tod der Fall sein kann.

Im Verlauf des Alten Testaments kamen neue Offenbarungen hinzu, und dann auch wieder mit dem Neuen Testament; Gott zeigte noch nicht alles gleich und bereitete das Volk erst vor. Aber es waren eben direkte Offenbarungen von Gott, ein direkter Kontakt mit Ihm.

Außerdem habe ich ein paar Absätze über Beispiele für das Fortschreiten der Offenbarung umgeschrieben (Kurzfassung: 1. Es stimmt, dass im AT erst mal nur der Monotheismus gelehrt wird und erst im NT der Monotheismus mit Dreifaltigkeitslehre kommt, aber die Ansicht vieler moderner Theologen, dass Israel zuerst von der Monolatrie zum Monotheismus, d. h. von der Verehrung nur eines Gottes zum Glauben, dass es überhaupt nur diesen einen Gott gibt, gekommen wäre, macht letztlich keinen Sinn; 2. die Idee vom Scheol, einer Art Unterwelt, in der die Toten sind, war nichts Falsches, das aufgegeben werden musste, der Scheol ist einfach der Limbus Patrum, der Zustand der Gottferne ohne zusätzliche Strafen, in dem die Seelen der Gerechten sich bis zur Erlösungstat Christi befanden; dass es einen Ausweg aus diesem Zustand gibt, dass die Toten zu Gott gelangen können, war dann eine neue Offenbarung.):

„Während das Alte Testament geschrieben wurde, und vom Alten zum Neuen Testament, kamen wirkliche neue Offenbarungen hinzu, und das konnte auch ein bisschen dauern. Das heißt nicht, dass die vorigen Offenbarungen falsch waren – aber sie waren oft noch unvollständig.

Gott hat sich den Menschen nach und nach offenbart. Das offensichtlichste Beispiel sind Monotheismus und Dreifaltigkeitslehre. Zu den ersten Dingen, die den Patriarchen und dem Volk Israel unter Mose und dann den Propheten immer wieder eingehämmert wurden, gehörte: Gott ist einer. (Unter heutigen Theologen findet sich sehr oft die Meinung, dass den Israeliten zuerst die Monolatrie offenbart wurde, d. h. dass sie nur einen Gott, den, der mit ihnen einen Bund geschlossen hatte, verehren sollten, während sie weiterhin glaubten, dass die Götter der anderen Völker an sich existierten; und dann erst der Monotheismus. Allerdings ist diese Meinung letztlich nicht überzeugend. Alle Texte im AT, die ausführlicher von ihnen reden, behandeln die anderen Götter als Pseudogötter, als Nichtse, als Götter, die nur in der Fantasie ihrer Verehrer bestehen (oder bestenfalls Dämonen sind, die sich den Menschen gegenüber als Götter ausgegeben haben – so jedenfalls wurde der Psalmvers „Alle Götter der Heiden sind Dämonen“ von den Kirchenvätern gedeutet).) Und auch solche kurzen Verse wie „Denn ein großer Gott ist der HERR, ein großer König über allen Göttern“ (Ps 95,3) lassen nicht auf Monolatrie statt Monotheismus schließen. Natürlich ist Gott über allen Göttern; die sind ja nur leblose Götzenbilder, hinter denen kein richtiger Gott steht, oder bestenfalls „vergöttlichte“ menschliche Könige, oder böse Dämonen ohne viel Macht.)

Wie auch immer: Im AT wurde der Monotheismus immer wieder betont: Es gibt nur einen einzigen allmächtigen guten Gott, der die Welt aus dem Nichts erschaffen hat, keine Vielzahl von mehr oder weniger mächtigen, mehr oder weniger guten Göttern, die sich in der Welt herumtreiben und sich gegenseitig Konkurrenz machen. Davon, dass Gott in einem drei ist, dass Er in Seinem einen Wesen eine Gemeinschaft von drei Personen vereint, gibt es nur ein paar dunkle Andeutungen. Im AT wird nirgends gesagt, Gott sei nicht dreifaltig; aber die Dreifaltigkeit wird auch nicht gelehrt, und wenn man die Israeliten damals gefragt hätte, hätten sie aller Wahrscheinlichkeit nach damit nichts anfangen können.

Als Jesus dann auf die Erde kam, fiel Er auch nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern ließ Seine Jünger langsam erkennen, was Er war; dass Er nicht nur ein Mensch war. Es muss wirklich verwirrend gewesen sein, mit jemandem umherzuziehen, der so vollkommen gut, weise und anders war als alle Menschen; der unbeschränkte Macht über Krankheiten, Dämonen, Tod und Naturgewalten zeigte; der Vollmachten wie die des Sündenvergebens für sich in Anspruch nahm. Die Botschaft, dass Er eins mit dem Vater ist, konnte er den Jüngern erst langsam vermitteln; und der erste, der Ihn wirklich „Mein Herr und mein Gott!“ nannte, war nicht Er selbst, sondern der Apostel Thomas nach Seiner Auferstehung.

Außerdem hatte Jesus quasi nebenbei geschickt noch den Heiligen Geist in Seiner Lehre eingeführt, und die ersten Christen beteten dann Gottvater, Jesus und den Heiligen Geist weiterhin an und behielten gleichzeitig den Monotheismus bei und begannen nach und nach zu definieren, wie die drei sich zueinander verhielten, und was es bedeutete, dass Gott vollkommen einer war und doch einen Sohn hatte. Das funktionierte aus einem Grund: Weil das auserwählte Volk über tausend Jahre lang auf Monotheismus gedrillt worden war. Wenn Gott, sagen wir, 1500 v. Chr. gleich mit der Tür ins Haus gefallen wäre und sich als dreifaltig offenbart hätte, wären die Israeliten wahrscheinlich zu Tritheisten geworden und hätten eine kleine Götterfamilie aus Vater, Sohn und Heiligem Geist angebetet statt den einen, dreifaltigen Gott.

Sicher hätten die Autoren des AT, wenn man sie gefragt hätte, verneint, dass Gott aus drei Personen bestehe; aber das hat man sie nicht gefragt und das haben sie nicht in ihre Texte geschrieben.

Es gibt in der Bibel auch andere Erkenntnisse, die erst nach und nach kamen. Zum Beispiel:

  • Dass man die Liebe, die man zu anderen Menschen haben soll, speziell auch den Feinden schuldet.
  • Dass Leid nicht notwendigerweise immer eine Strafe Gottes ist, sondern dass auch Unschuldige leiden können.
  • Dass es eine Auferstehung der Toten geben wird, dass sie nicht für ewig in einer dunklen Unterwelt sein werden. (Gerade in frühen AT-Texten ist oft vom „Scheol“, der Unterwelt, dem Ort, an dem die Väter sind, die Rede. Das ist keine falsche Idee, die aufgegeben werden musste; in der Bibel steht nichts Falsches, und die Christen, die das heutzutage behaupten, haben leider nur keine Ahnung von der katholischen Lehre vom limbus patrum: Alle Toten, auch die Gerechten, konnten vor dem Tod Christi am Kreuz nicht zu Gott gelangen und mussten in einem Zustand zwar ohne Leiden und möglicherweise mit natürlicher Glückseligkeit, aber ohne die übernatürliche Glückseligkeit, die die Anschauung Gottes gewährt, ausharren, bis Christus, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, sie befreite und in den Himmel (Anschauung Gottes) führte. In späteren Texten des AT (z. B. den Makkabäerbüchern) erscheint die Hoffnung auf eine zukünftige Auferstehung der Toten (auch auf die leibliche Auferstehung, die noch immer aussteht; am Ende der Zeiten wird Gott auch die Körper wieder auferwecken und mit den Seelen vereinen, damit alle wieder als ganze Menschen aus Körper und Seele in der neuen Welt, die Er schaffen wird, leben können). Aber ganz deutlich wird diese Hoffnung erst im NT. Noch zur Zeit Jesu glaubten die Sadduzäer nicht an eine zukünftigeAuferstehung der Toten: „Am selben Tag kamen zu Jesus einige von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung. Sie fragten ihn: Meister, Mose hat gesagt: Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder dessen Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Bei uns lebten einmal sieben Brüder. Der erste heiratete und starb, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder, ebenso der zweite und der dritte und so weiter bis zum siebten. Als letzte von allen starb die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn nach der Auferstehung heiratet man nicht, noch wird man geheiratet, sondern die Menschen sind wie Engel im Himmel. Habt ihr im Übrigen nicht gelesen, was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist nicht der Gott von Toten, sondern von Lebenden. Als das Volk das hörte, geriet es außer sich vor Staunen über seine Lehre.“ (Matthäus 22,23-33))

Auch bei den anderen beiden Beispielen handelt es sich um Erkenntnisse, die nicht erst im NT als etwas völlig Neues auftauchen. Im Buch der Sprichwörter heißt es „Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken“ (Sprichwörter 25,21), und das ganze Buch Ijob handelt von einem „leidenden Gerechten“. Dennoch waren diese Themen zur Zeit Jesu noch irgendwie umstritten. Jesus sagt jetzt zum Thema Feindesliebe: „ Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?“ (Matthäus 5,43-47)* Und zum Thema Leid heißt es im Johannesevangelium: „Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ (Johannes 9,1-3; Jesus heilt dann den Blinden)

Ich hatte in dem Artikel auch eine Katechese von der Karl-Leisner-Jugend verlinkt, in der das AT als eine mit Rauschen überlagerte Botschaft dargestellt wird, weil der Kontakt noch nicht richtig eingestellt gewesen sei; ihm würde die richtige Botschaft Gottes zugrundeliegen. Dem würde ich jetzt nicht mehr so ganz zustimmen. Dazu habe ich noch geschrieben:

„Das trifft den Sachverhalt doch nicht ganz und ist außerdem unnötig verkompliziert, denn: Die Bibel ist mit allen ihren Teilen Gottes Wort. Das ist Lehre der Kirche. Man kann nicht sinnvollerweise entscheiden, dass von Passage X Satz 1 und 3 so gemeint, aber Satz 2 ein Störsignal ist. Statt zu proklamieren, dass die ersten AT-Autoren Gott irgendwie nicht ganz teilweise missverstanden hätten, macht es mehr Sinn, ganz einfach zu sagen:

Gott hat sich ihnen so gezeigt, wie sie Ihn fassen konnten, hat ihnen zuerst mal das von sich gezeigt, was sie fassen konnten, und mit anderen Offenbarungen noch gewartet. Jede Aussage der Bibel muss angenommen werden; auch wenn sie manchmal noch Ergänzung braucht.

Oft wird, wenn man schwierige Stellen mit anderen Stellen im AT oder im NT vergleicht, klar, wie man sie verstehen soll und wie nicht. Weitere Beispiele und verschiedene Möglichkeiten zu ihrer Auslegung in den folgenden Teilen.

Regel Nummer 13: In frühen Stadien der Offenbarung sind Gottes Botschaften manchmal noch unvollständig.“

Teil 7: Ein Beispiel – die rachsüchtigen und selbstgerechten Psalmen

In der ersten Fassung dieses Artikels hatte ich nur C. S. Lewis‘ Essay über die Fluchpsalmen stehen. Ich habe ihn stehen lassen, weil er mance Dinge gut auf den Punkt bringt, aber eine Einleitung hinzugefügt, bzgl. der Dinge, die ich jetzt nicht mehr so sagen würde:

„Zunächst: Lewis behandelt das Alte Testament teilweise wie etwas, das nicht so ganz Heilige Schrift ist, jedenfalls nicht wie das Neue; und dabei redet er teilweise von den alttestamentlichen Israeliten wie von Wilden, die man nicht ganz für voll nehmen kann (trotz der im Allgemeinen antikolonialistischen und antirassistischen Einstellung, die er hatte). Er redet von den Psalmen an manchen Stellen wie von etwas, das einem etwas über diese Beter beibringen soll, das man sich aber nicht selbst als eigenes Gebet zu eigen machen kann. Dabei müssen wir im Stundengebet genau das; und das können wir auch.

Hier sind, denke ich, drei Dinge wichtig:

1) Die Psalmen sind Gebete: weniger Aussprüche Gottes, sondern eher an Gott gerichtete Aussprüche, freilich aufgeschrieben von von Gott inspirierten Verfassern, denen Gott die Einsicht gab, welche Gebete er annimmt, welche Gebete ihm gefallen. Und beim Beten lässt Gott uns, wie uns die Psalmen offenbaren, sogar schlechte Gefühle, die wir nicht ganz willentlich bejahen dürfen, vor ihn bringen; Gefühle der fast völligen Verzweiflung und einen Wunsch nach übermäßiger Vergeltung beispielsweise.

2) Lewis ist hier trotz allem ein wenig beeinflusst von der gleichzeitig pessimistischen und übermäßig idealistischen protestantischen Ansicht, dass alle Menschen eigentlich von Grund auf nicht nur schlecht, sondern alle gleich schlecht seien, und man sich nie wirklich mal ganz und gar im Recht fühlen dürfe, und deshalb auch nie nach Vergeltung gegen andere verlangen dürfe, auch nicht nach maßvoller, gerechter, wenn einem Schlimmes angetan worden ist; Vergeltung wäre immer böse. Dabei darf man das. Der Wunsch, dass die, die einen gequält, tyrannisiert, gefoltert, verhöhnt, im Stich gelassen, verraten, vergewaltigt (oder was auch immer) haben, ihre gerechte Strafe bekommen ist ein gerechter, den auch Gott bejaht. Es gibt wirklich Menschen, die aus freiem Willen anderen Böses antun, weil es ihnen Spaß macht, weil andere sie nicht kümmern, und die das nicht bereuen, und die am Ende ihre Strafe verdienen.

3) Wir sollen uns, wie gesagt, die Psalmen im Gebet zu eigen machen, und das gilt auch für die Stellen, an denen die Feinde verflucht werden, selbst wenn wir selber gerade gar keine menschlichen Feinde haben, und sogar für die, an denen die Feinde nach dem wörtlichen Sinn unmäßig verflucht werden. Denn: Gott hat noch einen tieferen Sinn in die Psalmen gelegt als den, der den Psalmisten vielleicht bewusst war (wobei man nicht ausschließen kann, dass den Psalmisten dieser tiefere Sinn auch bewusst war). Was wir hier vor allem hassen und verfluchen sollen, wenn wir uns diese Gebete zu eigen machen, sind die Sünde und die Dämonen, die uns zur Sünde bringen und in die Hölle herabziehen und quälen wollen. Die Sünde ist der eigentliche Feind, viel mehr als irgendein menschlicher Sünder. Ich habe beispielsweise einmal gehört, dass ein Kirchenvater Psalm 137,9, den Vers, in dem es darum geht, dass Babylons Kinder am Felsen zerschmettert werden sollen (die neue Version der Einheitsübersetzung hat: „Selig, wer ergreift und zerschlägt am Felsen deine Nachkommen!“) so interpretiert hat, dass die Kinder Babylons die sündigen Gedanken sind, die am Fels des Glaubens zerschlagen werden müssen, bevor sie groß werden und zu Taten werden können. (In diesem Psalm geht es generell um die Babylonische Gefangenschaft, und auch wir befinden uns ja alle seit dem Sündenfall in einer Art Babylonischen Gefangenschaft, gefangen im Reich der Sünde und des Todes, fern vom Gelobten Land, und erbitten von Gott die Zerstörung dieses „Babylonischen“ Reiches mit allem, was zu ihm gehört.)

Teil 8: „Ich aber will das Herz des Pharao verhärten“

Grundsätzlich geht es in diesem Teil ja um die Unterscheidung des direkt verursachenden und des nur zulassenden Willens Gottes; darum, dass im AT trotzdem solche Formulierungen gewählt werden, die es klingen lassen, als wäre Gott direkt für Böses verantwortlich, um deutlich zu machen, dass letztlich nichts ohne Gottes Willen geschehen kann, dass kein anderer Gott oder Mensch Seine Pläne durchkreuzen kann; und darum, dass zuerst gesagt wird, dass der Pharao selbst sein Herz verhärtet, und dann erst, dass Gott es verhärtet (d. h. die weitere Verhärtung zulässt.). Außer ein paar kleineren Änderungen habe ich folgende Abschnitte hinzugefügt:

„Der Kirchenvater Origenes interpretiert diese Stellen übrigens so, dass nicht Gott beabsichtigtermaßen Herzen ‚verhärtet‘, sondern dass diese Verhärtung davon kommt, wie unterschiedlich gute und schlechte Menschen auf Gottes (Wunder)Taten reagieren; die einen werden dadurch offener für Gott, die anderen verhärten sich nur umso mehr, je mehr Gott sich ihnen eigentlich offenkundig zeigt:

‚Vielleicht können wir durch ein Beispiel, das der Apostel im Briefe an die Hebräer gebraucht, klar machen, wie Gott mittelst einerlei Wirkung des Einen sich erbarmt, den Andern verstockt: nicht weil er die Verstockung vorherbestimmt hat, sondern im Sinne einer gütigen Vorherbestimmung, vermöge welcher, bei einigen die Verstockung erfolgt, weil Bosheit die Grundlage des Bösen in ihnen ist, heißt es von ihm, er verstocke den, der verstockt wird. ‚Das Land, sagt er (Hebr. 6, 7. 8.), das den auf dasselbe fallenden Regen trinkt, und denen, die es bauen, nützliche Pflanzen erzeugt, empfängt Regen von Gott; das aber Dornen und Disteln trägt, ist werthlos, und dem Fluch nahe, seine Frucht kommt ins Feuer.‘ Nun ist aber die Wirksamkeit im Regen nur Eine; bei einer und derselben Wirksamkeit des Regens also trägt das angebaute Land Früchte, das ungebaute und wüste aber Dornen. Nun mag es eine harte Rede scheinen, wenn der, welcher regnen läßt, spricht: ‚Ich habe die Früchte und die Dornen auf der Erde geschaffen.‘ Hart ist sie, aber wahr. Denn wäre kein Regen gekommen, so wären weder Früchte, noch Disteln gewachsen; weil aber dieser zur Zeit und in gehörigem Maaße kam, so wuchs beides. Nun wird das Land, das, nachdem es oft den fallenden Regen getrunken, Dornen und Disteln trägt, werthlos und dem Fluch nahe; es, kam ja doch die Wohlthat des Regens auch auf das schlechtere Land; aber die Grundlage war vernachlässigt und ungebaut, deßwegen trug es Dornen und Disteln. So sind nun auch die von Gott gewirkten Wunder, wie der Regen, die verschiedenen Willensrichtungen dagegen, sind das angebaute oder vernachläßigte Land, das als Land an sich von gleicher Beschaffenheit ist.

Es ist gerade, wie wenn die Sonne, Falls sie reden könnte, spräche: schmelze und verhärte. Da doch Schmelzen und Verhärten einander entgegengesetzt ist. Allein in Beziehung auf den Gegenstand würde sie recht haben; indem von derselben Wärme das Wachs schmilzt, der Leimen verhärtet. So hat Eine Wirksamkeit Gottes durch Moses Verhärtung bewirkt bei Pharao, wegen seiner Bosheit; Gehorsam bei den übrigen Aegyptern, die mit den Hebräern zugleich auszogen.‚ (Origenes, Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft III,1,10f.)

Außerdem überlässt Gott manchmal Menschen auch für längere Zeit der Sünde, damit sie sich dann wirksam und langfristig bekehren, wenn sie merken, wie schlecht ihr Zustand wirklich ist:

‚So wird also der, den Gott dahin gehen läßt, dem göttlichen Gericht überlassen: und gegen einige Sünder übt Gott Langmuth, nicht ohne Absicht, vielmehr soll das der Unsterblichkeit und ewigen Fortdauer ihrer Seele heilsam seyn, daß sie nicht schnell für ihre Rettung gewonnen, sondern langsam und durch die Erfahrung vieles Ungemachs dahin geführt werden. Wie manchmal die Aerzte zwar auch schneller heilen könnten, aber wenn sie merken, daß ein verborgenes Gift in dem Körper stecke, gerade daß Gegentheil von der Heilung thun, um diese selbst desto sicherer zu bewirken, in der Ueberzeugung, daß es besser sey, wenn einer längere Zeit mit Schwellen und Schmerzen behaftet ist, um eine desto dauerhaftere Gesundheit zu erhalten, als wenn er zwar schneller zu genesen scheint, nachher aber wieder rückfällig wird, und die schnellere Genesung, bloß für den Augenblick war. […]

Denn unergründlich, möcht’ ich sagen, sind die Seelen, und unergründlich ihre Neigungen, unzählig ihre Bewegungen. Vorsätze, Absichten und Triebe. Und der einzige und beste Führer derselben, der die Zeiten und die angemessensten Mittel der Wege und Stege kennt, ist der Allvater Gott. Er wußte auch, warum er den Pharao durch so vieles und selbst durch die Ersäufung durchführen mußte, mit welcher jedoch Pharao’s Führungen nicht endeten.‘ (Origenes, Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft III,1,13f.)“

Teil 9: Gericht, Verdammnis, und: Was war so schlimm an „Götzendienst“?

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wie dieser Teil in seiner ersten Fassung aussah. In diesem Artikel geht es grundsätzlich darum, dass göttliche Strafen einfach „den Fluch der bösen Tat“, die natürlichen Folgen einer falschen Handlung bedeuten können; dass aber auch anderweitig verhängte Strafen in der Bibel gerecht sind, weil die entsprechenden Taten wirklich böse waren (dazu kommen Beispiele dazu, dass etwa der Götzendienst z. B. Kinderopfer, Totenbeschwörung, Tempelprostitution etc. einschließen konnte; dass Gott auch öfter solche Dinge wie die Ausbeutung der Armen bestraft; und dass eben auch Dinge wie Ehebruch wirklich schlecht sind); und dass, wenn es um Strafen geht, die neben den Schuldigen auch Unschuldige trafen (z. B. die Zerstörung von Sodom und Gomorrha oder die Sintflut, wobei auch kleine Kinder umkamen), Gott eben einfach wusste, wieso Er dieses Leid in Bezug auf diese Unschuldigen aus anderen Gründen zuließ, Er ordnet ja Sein Schicksal so, dass jeden das Richtige trifft, und Leid ist nicht zwangsläufig eine Strafe, sondern hat auch andere Zwecke; zudem können z. B. diese Kinder jetzt eben im Himmel sein.

Hinzugefügt habe ich außerdem diese Absätze:

„Das muss nicht einmal nur für die völlig Unschuldigen gelten. Auch die Schuldigen aus Sodom, oder die Schuldigen unter den bei der Sintflut Getöteten müssen jetzt nicht in der Hölle sein. Dafür haben wir auch einige biblische Hinweise:

  • In Ezechiel 16 spricht Gott an Jerusalem gerichtet: ‚So wahr ich lebe – Spruch GOTTES des Herrn: Deine Schwester Sodom, sie und ihre Töchter haben es nicht so getrieben, wie du und deine Töchter es trieben. Siehe, dies war die Schuld deiner Schwester Sodom: In Hochmut, Überfluss an Brot und in sorgloser Ruhe lebte sie mit ihren Töchtern, ohne die Hand des Elenden und Armen zu stärken. Sie wurden hochmütig und begingen Gräuel vor meinen Augen. So habe ich sie verstoßen, als ich sie sah. Samaria hat nicht die Hälfte deiner Sünden begangen. Du hast mehr Gräueltaten verübt als sie und du lässt deine Schwestern gerecht erscheinen durch all deine Gräueltaten, die du begangen hast. […] Aber ich werde ihr Schicksal wenden, das Schicksal Sodoms und ihrer Töchter, das Schicksal Samarias und ihrer Töchter und das Schicksal deiner Gefangenen in ihrer Mitte, damit du deine Schande tragen kannst und dich schämen musst über all das, was du getan und wodurch du sie getröstet hast. Deine Schwester Sodom und ihre Töchter werden in ihren früheren Zustand zurückkehren, Samaria und ihre Töchter werden in ihren früheren Zustand zurückkehren. Du aber und deine Töchter, auch ihr werdet in euren früheren Zustand zurückkehren. […] Ich aber, ich werde meines Bundes mit dir aus den Tagen deiner Jugend gedenken, und ich werde einen ewigen Bund für dich aufrichten. Du wirst deiner Wege gedenken und dich schämen, wenn du deine Schwestern aufnimmst, deine älteren mitsamt deinen jüngeren. Und ich gebe sie dir zu Töchtern, aber nicht deines Bundes wegen. Ich selbst richte meinen Bund mit dir auf, damit du erkennst, dass ich der HERR bin. So sollst du gedenken, sollst dich schämen und wirst vor Scham den Mund nicht mehr öffnen können, weil ich dir Versöhnung gewähre für alles, was du getan hast – Spruch GOTTES, des Herrn.‘ (Ezechiel 16,48-51.53-55.60-63)
  • Jesus selbst sagt: ‚Und du, Kafarnaum, wirst du etwa bis zum Himmel erhoben werden? Bis zur Unterwelt wirst du hinabsteigen. Wenn in Sodom die Machttaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als dir.‚ (Matthäus 11,23f.) Das kann man jetzt so interpretieren, dass die Sodomiter in weniger tiefe Höllenkreise kommen als die hier gemeinten Leute aus Kafarnaum; aber auch so, dass mehr von den Sodomitern es noch ins Fegefeuer und schließlich den Himmel schaffen.
  • Petrus schreibt über die bei der Sintflut Getöteten: ‚Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde. In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt. Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete, während die Arche gebaut wurde‚ (1 Petrus 3,18-20) Mit den ‚Geistern, die im Gefängnis waren‘ sind wohl die Seelen im limbus patrum (nicht der „richtigen“ Hölle, denn dahin ging Christus nicht) gemeint, die jetzt im Himmel sind.

Der Kirchenvater Origenes schreibt über solche und weitere Stellen (an die gnostischen Sekten gerichtet, die meinten, dass der Gott des Alten Testaments, der Schöpfer der Welt, ein anderer, schlechterer Gott wäre als der Gott des Neuen Testaments):

‚Auch lesen sie nicht, was von den Aussichten derer geschrieben steht, die in der Fluth umkamen, wovon Petrus in seinem ersten Brief spricht (3, 18. 19. 20. 21.) Wegen Sodom und Gomorrha aber sollen sie uns sagen, ob sie glauben, daß die Weissagungen vom Weltschöpfer kamen, von dem also, der Schwefel auf jene Städte regnen ließ. Wie spricht von diesen nun Ezechiel? Sodom, sagt er, soll wiederhergestellt werden, wie es war. Hat sie nun der, der sie zerstörte, nicht um des Guten willen zerstört? Ferner spricht er zu Chaldäa: Du hast Feuerkohlen, setze dich darauf; sie werden deine Hülfe seyn (Jes. 46, 14.). Auch über die in der Wüste Gefallenen mögen sie den 78. Psalm, mit der Ueberschrift Assaph, vernehmen: Wenn er sie erwürgete, suchten sie ihn. Nicht sagt er, wenn Einige erwürgt würden, suchten andere ihn: sondern der Untergang der Erwürgten selbst war von der Art, daß sie noch im Tode Gott suchten.‘ (Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft II,5,3)

Gott straft, um die Bestraften zur Einsicht zu bringen, ihnen klarzumachen, was sie Böses tun, und sie so zu sich zurückzuführen, wenn es möglich ist.“

Dazu kommen ein paar anderweitige kleine Veränderungen, z. B. dass ich bzgl. der Hölle die Erklärung hinzugefügt habe, dass auch die Hölle nicht für alle gleich ist, sondern unterschiedlich schlimm gemessen an ihrer Schuld, dass es sozusagen verschiedene „Höllenkreise“ gibt.

Teil 10: Bestrafung für die Sünden der Eltern? Über die Erbsünde und Ähnliches

Hier sind ein paar kleinere Änderungen drin; ich glaube, der Absatz dazu, dass Gott den Tod nicht ursprünglich gewollt hat, aber mit einer gefallenen Menschheit jetzt auch mit dem Tod arbeitet, war in der vorigen Fassung noch nicht drin. Außerdem habe ich noch ein Zitat vom hl. Thomas eingefügt, das eine Auslegungsmöglichkeit bietet, die ein paar Stellen plötzlich in einem komplett anderen Licht erscheinen lässt:

„Was aber der Herr spricht: ‚Ich werde die Sünden der Eltern heimsuchen an den Kindern bis in das dritte und vierte Geschlecht‘; scheint mehr der Barmherzigkeit anzugehören wie der Strenge; da der Herr demgemäß nicht gleich straft, sondern wartet, damit wenigstens die Nachkommen sich bessern, wogegen, wenn die Bosheit dieser letzteren wächst, es gleichsam notwendig ist, die Rache walten zu lassen.“ (Summa Theologiae II/II,108,4)

Teil 11: Über das auserwählte Volk; und: „Bereut“ Gott?

Soweit ich mich erinnere, sind hier nur kleinere Änderungen drin.

Teil 12: Das Gesetz des Mose

Erstens habe ich hier einen Absatz geändert, der die harten Strafen für Vergehen gegen die Eltern, schwerere sexuelle Vergehen und Götzendienst unzureichend erklärt hatte. Der neue Absatz lautet:

„Und, wie im Alten Testament sehr deutlich wird, wurden Ehebruch, Inzest, Verfluchung der Eltern, Totenbeschwörung oder die Verehrung anderer Götter eben als schwerwiegende, tatsächlich todeswürdige Verbrechen betrachtet. Man kann das utilitaristisch betrachten: Der Abfall von Gott galt als schwerwiegend, weil er einen Treuebruch mit demjenigen bedeutete, der die Existenz des ganzen Volkes garantierte; die Familie oder Sippe war extrem wichtig und daher galt auch Verhalten, das sie schädigte, wie Ehebruch, Inzest oder Verfluchung der Eltern, als schwerwiegend. Aber diese Betrachtung trifft doch die damalige Betrachtungsweise nicht ganz. Der Bund mit Gott ist einfach heilig; Gott ist aus sich heilig und verdient Anbetung und Treue; die Familie ist heilig und verdient Ehrfurcht und Treue. Es ist falsch, deinen Eltern z. B. den Tod zu wünschen oder sie zu schlagen; es ist sogar extrem böse. Es ist falsch, deinen Ehemann mit einem anderen zu hintergehen; sehr, sehr falsch.“

Die größte Änderung kommt am Ende des Artikels. Ich zitiere wieder:

„Es gibt die Lesart, dass diese Gesetze, ganz genau so, wie sie sind, von Gott gegeben wurden und damals aus diversen Gründen (um die Israeliten erst einmal auf den richtigen Weg zu bringen; um deutlich zu machen, wie schlimm diese Vergehen sind; um die gesellschaftliche Ordnung der damaligen Zeit zu erhalten, o. Ä.) nötig waren, es heute aber nicht mehr sind, auch wenn die genannten Vergehen an sich immer noch ebenso schlecht sind wie damals. Wie Vergehen bestraft werden, kann sich ändern; hier kann auch Gott mal dies, mal jenes befehlen, wie er auch im Alten Bund am Sabbat verehrt werden wollte, und im Neuen Bund am Sonntag (dem Tag der Auferstehung).

Diese Lesart ist gut christlich, und inzwischen folge ich ihr.

In der vorigen Fassung dieses Artikels habe ich vor allem eine andere Lesart präsentiert; ich stelle sie noch mal dar, und sage dann, was ich inzwischen gegen sie einwenden würde. Sie lautet:

‚Als Jesus mit einer konkreten Frage zum Gesetz des Mose konfrontiert wird, sagt er: ‚Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.‘ ‚Er‘ ist hier Mose, nicht Gott – es handelt sich bei den Vorschriften, um die es geht, um das Gesetz des Mose; woraus man schließen könnte, dass es ein Gesetz ist, das dieser sich sicher nicht einfach aus den Fingern gesogen, sondern mindestens in einem echten Hinhören auf Gottes Willen verfasst hat, aber das ihm vielleicht auch nicht wortwörtlich vom Himmel herab diktiert wurde, sondern das eben er selbst verfasst hat. Die Bibel zeigt ja auch, wie das Verständnis um Gottes Wesen im Lauf der Zeit zunimmt; sie zeigt nicht nur das Ergebnis, das gesammelte Wissen, das am Ende steht, sondern auch den Prozess, der zu diesem Wissen geführt hat. Sie erzählt eine Geschichte, und hier erzählt sie, welche Gesetze Mose den Israeliten gegeben hat. […]

Die Menschen, die diese Gesetze erlassen und Exodus, Levitikus, oder Deuteronomium verfasst haben, hatten bereits einige sehr wichtige Erkenntnisse über Gott und das Gute gewonnen: Das moralische Gesetz ist etwas Absolutes. Gerechtigkeit ist wichtig. Ehebruch oder Okkultismus oder Mord sind wirklich schwerwiegende Sünden, die Wiedergutmachung verlangen, konkreten Menschen schaden, und der Gesellschaft im Ganzen ebenso. ‚Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen‘ – das ist an sich keine falsche Aussage. Das Böse muss weggeschafft werden, ganz radikal, ohne Kompromisse. Aber dass das nicht immer am besten durch das Wegschaffen des Menschen, der das Böse tut, geschieht, das hatten die Autoren dieser Texte eben noch nicht erkannt. Die Unterscheidung zwischen Sünder und Sünde, die Erkenntnis, dass das Böse manchmal eher in der Seele des Einzelnen weggeschafft werden muss als in der Gesellschaft, fehlte noch. Die Gnade kommt zu kurz. Nicht, dass sie im Alten Testament gar nicht vorkäme; im Gegenteil, in anderen Texten kommt sie wieder und wieder und wieder zum Ausdruck. Aber hier fehlt sie ein wenig. Und genau deswegen lässt Jesus die Ehebrecherin eben nicht steinigen, sondern sagt zu ihr, ‚Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.‘ (Johannes 8,11).

‚Gott ist die Liebe‘, sagt der hl. Johannes (1 Johannes 4,8), und die Liebe, die sich in Jesus Christus offenbart hat, bringt die Gerechtigkeit und die Gnade zusammen.‘

Diese Lesart ist halb richtig. Das Gesetz des Mose war noch unvollständig; aber ich denke nicht mehr, dass der Grund dafür ist, dass Mose Gott nicht ganz verstanden hat oder etwas in der Art. In der Bibel – auch im AT – ist ebenso wie im NT jeder Satz und jedes Wort wahr und von Gott so und nicht anders inspiriert, das ist einfach katholische Lehre. Und in der Bibel heißt es klar, dass Gott Mose diese Worte sagte, ihm diese Rechtsvorschriften vorgab. Aber die einfache Erklärung ist, dass Gott Mose nur das offenbarte, was er und die Israeliten bisher fassen konnten: Er zeigte ihnen einen Teil der Wahrheit, den sie zu diesem Zeitpunkt nötig hatten und hob den Rest für später auf. Er zeigte ihnen Rechtsvorschriften, die ihnen jetzt helfen würden, und hob Wahrheiten, die sie einmal mildern würden, für später auf.

Es gibt ja keinen Widerspruch zwischen Mose und Jesus; Jesus erfüllt und ergänzt Mose.“

Außerdem habe ich besser erklärt, dass die Todesstrafe an sich nicht nur als kollektive Notwehr, sondern auch einfach als Strafe gerechtfertigt sein kann.

Teil 13: Die Landnahme

Mit der Landnahme hatte ich früher größere Probleme; ich muss sagen, dass sie mir jetzt viel weniger Kopfzerbrechen bereitet. Auch hier die wichtigsten korrigierten Absätze:

„Eine modernere Lesart, die die Stellen eher wegerklären will, bringt diese Erklärung: Die (geplante / versuchte) Ausrottung der Kanaaniter habe nicht Gottes Willen entsprochen, und diese Stellen müsse man so interpretieren, dass die Führer der Israeliten, wie Mose, begriffen hatten, dass die Taten der Kanaaniter tatsächliche „Gräuel“ waren, die man am besten ausrotten sollte, und daraus schlossen, dass es Gottes Wille sein musste, die Kanaaniter auszurotten; dabei wird auf die Unterscheidung zwischen Gottes direktem und Seinem indirekten Willen zurückgegriffen, also dem, was Er bewirkt, und dem, was Er bloß zulässt (s. dazu Teil 8).

In einer der oben zitierten Stellen wird auch von anderen Völkern erzählt, und davon, wer dort früher einmal von wem vertrieben wurde: ‚Auch dieses gilt als Land der Rafaïter. Einst saßen die Rafaïter darin. Die Ammoniter nennen sie die Samsummiter, ein Volk, das groß, zahlreich und hochgewachsen war wie die Anakiter. Der HERR vernichtete die Rafaïter, als die Ammoniter eindrangen. Diese übernahmen ihren Besitz und setzten sich an ihre Stelle. Das war das Gleiche, was der Herr für die Nachkommen Esaus getan hat, die in Seïr sitzen. Als sie vordrangen, vernichtete er die Horiter. Die Nachkommen Esaus übernahmen ihren Besitz und setzten sich an ihre Stelle. So blieb es bis heute.‘ (Deuteronomium 2,20-22)

Hier wird also Gott auch die Verantwortung dafür zugeschrieben, welche anderen Völker, die nicht von Ihm erwählt sind, einander besiegten – kurz gesagt, wenn jemand Erfolg im Krieg hat, oder überhaupt, wenn irgendetwas auf der Welt geschieht, schlussfolgert man, dass das dem Willen Gottes entsprechen muss. Der Herr spricht durch das Schicksal, und das muss man irgendwie interpretieren. Wenn wir siegen, hat der Herr uns den Sieg verliehen, also muss er auch wollen, dass wir diese Völker bekämpfen und besiegen. So hätten die Israeliten eventuell ihre Erfolge interpretiert. Umgekehrt, wenn wir verlieren, straft der Herr uns für unsere eigenen Sünden. Dieses Verständnis von Glück und Leid als Lohn oder Strafe durch Gott sieht man auch in späteren Büchern des AT sehr oft, z. B. bei den Propheten. Ein nuancierteres Verständnis des Schicksals und des göttlichen Willens braucht noch ein bisschen; z. B. haben noch Jesu Jünger Schwierigkeiten damit, zu sehen, dass die Blindheit eines Mannes nicht automatisch eine Strafe für seine Sünden oder die seiner Eltern ist (Johannes 9,1-3).

Laut dieser Lesart sah, was damals abgelaufen ist, etwa so aus: Die Israeliten wussten, dass Gott sie auserwählt hatte, und dass Er ihnen das Gelobte Land versprochen hatte. Aus ersterem schlossen sie, dass er logischerweise in ihren Kriegen an ihrer Seite stehen würde, und aus letzterem, dass sie dieses Land mit militärischer Gewalt erobern sollten. Wenn Gott ihnen dabei Erfolg verleihen würde, musste Er mit ihren Unternehmungen einverstanden sein, und Er verlieh ihnen den Sieg wohl, um ihre Feinde zu strafen. Sie wussten, dass einiges in deren Gesellschaften vor dem Herrn ein ‚Gräuel‘ war, und daraus schlossen sie, dass das ausgelöscht werden musste – und zwar, womit sonst, mit Gewalt, mit radikaler Gewalt. Und hier durfte man keine Kompromisse machen, weil man vielleicht doch irgendwie das Gefühl hatte, dass ja an den Göttern der Kanaaniter doch etwas dran sein könnte, oder dass ihre Wahrsagemethoden doch ganz nützlich sein könnten.

(Interessanterweise war übrigens gerade König Saul, der in der oben zitierten Stelle vom Propheten Samuel so energisch zurechtgewiesen wird, weil er das Vieh der Amalekiter geplündert und ihren König als Trophäe mitgenommen hatte, anstatt das mit dem Bann voll und ganz durchzuziehen, auch anderweitig für solche ‚Halbherzigkeiten‘ anfällig: Nachdem er selbst die Totenbeschwörer und Wahrsager aus dem Land vertreiben hatte lassen, ging er in 1 Samuel 28 zu einer Totenbeschwörerin nach En-Dor, um den inzwischen verstorbenen Samuel heraufzubeschwören und so über eine bevorstehende Schlacht Auskunft zu erhalten.) Die Frage war für die Israeliten damals nicht: Lassen wir Zivilisten am Leben? Sondern: Akzeptieren wir diese andere Religion und Kultur? Leben wir mit dieser Kultur in dem Land, in dem wir leben wollen? Einer Kultur, die Götter verehrt, die Kinderopfer verlangen?

Ich folge dieser Interpretation inzwischen nicht mehr; und ich weiß nicht, ob sie mit der Lehre von der Irrtumslosigkeit der Bibel vereinbar ist. Angesichts der ganzen Darstellung der Exodus-, Wüstenwanderungs- und Landnahmegeschichte liegt sie nicht gerade nahe; dort scheint Gott mit Mose recht direkt und deutlich zu kommunizieren, so dass für ihn kein Zweifel mehr möglich ist, dass er es mit Gott zu tun hat, und auch das Volk sieht genug Wunder; und bei allem, was Mose (auf welche Weise auch immer) von Gott erfährt und weiterverkündet, geht es doch um eine Offenbarung Gottes; die Anweisungen zur Landnahme sind recht zentral und werden öfter wiederholt.

Sind diese Anweisungen also wirklich so gemeint, was sagen sie dann über Gott? Nun hier muss man einfach folgendes sagen:

Gott hat den Menschen das Leben gegeben und hat das uneingeschränkte Recht, das Leben eines jeden Menschen zu beenden (siehe dazu auch Teil 9 und 10 dieser Reihe.); irgendwann beendet Er es sowieso, und zwar dann, wenn es für diesen Menschen gut ist. Menschen dürfen das normalerweise nicht; sie dürfen nicht einfach so Gott spielen, sondern haben nur im Fall von Notwehr (und ggf. Todesstrafe und einem gerechten Krieg) das Recht, andere Menschen zu töten. Sie dürfen also normalerweise nur in ernsten Notfällen schuldige Menschen töten, keine unschuldigen Menschen.

Es gibt allerdings keinen prinzipiellen Grund, aus dem Gott Seine Vollmacht, in anderen Fällen Leben zu beenden, theoretisch nicht auch an Menschen delegieren könnte, wenn er wollte.

Das klingt, wenn man es zum ersten Mal hört, grausam und erschreckend, auch wenn man die Logik des Gedankengangs nicht bestreitet. Aber man muss sich fragen, ob es an sich so erschreckend ist, oder deswegen, weil man seine Maßstäbe unterbewusst aus einer Kultur hat, für die es nichts Schrecklicheres gibt als den Tod und die nicht wirklich an etwas nach dem Tod glaubt.

Man muss es sich immer vor Augen halten: Die Kanaaniter können schließlich jetzt – seit über dreitausend Jahren – im Himmel sein, Gott schauen, der die Quelle allen Glücks ist. Wenn man z. B. an kleine Kinder denkt, die bei der Eroberung Kanaans getötet wurden, ist es eine Tatsache, dass sie jetzt in vollkommenem Glück leben. Alles, was man im Leben an Leid erlebt, ist begrenzt, auch die schlimmste Angst, die schlimmsten Schmerzen, der schlimmste Todeskampf, sind irgendwann vorbei; die Ewigkeit ist ewig, und Gott kann alles wiedergutmachen, was man an Leid erlebt hat. Mir selber wäre es lieber, in einem Krieg getötet zu werden, wenn ich dann in vollkommenem Glück wäre.

Man könnte nun einwenden: Aber befiehlt Gott denn tatsächlich manchmal einem Menschen, einen anderen unschuldigen Menschen zu töten? (Unter den Kanaanitern waren freilich genug schuldige Menschen; aber die ein oder anderen Unschuldigen muss es auch gegeben haben.) Gibt Er Sein ‚Vorrecht‘, unschuldiges menschliches Leben zu beenden, so leicht aus der Hand? Die Landnahme ist ein vereinzelter Fall in der biblischen Geschichte; sonst sieht man Gott das nicht tun.

[…]

Man kann sicherlich sagen, dass so etwas im Lauf der Heilsgeschichte ein Ausnahmefall war; aber man kann es nicht von vornherein ausschließen.

Dazu kommen die Wundererzählungen. Laut der Bibel hat Gott auch ein paar Wunder gewirkt, um Israel seine Siege zu ermöglichen. Hätte er das getan, wenn diese Siege nicht wirklich Sein direkter – im Unterschied zu seinem indirekten, bloß zulassenden – Wille gewesen wären?

[…]

Gott arbeitete im Kontext der damaligen Zeit mit seinem Volk – und wir sollten von der heute so weit verbreiteten Ansicht wegkommen, dass der Tod das Schlimmste ist, was einem passieren kann.

Man kann noch tiefer bohren und sich fragen, inwiefern eine solche Anweisung Gottes, die Kanaaniter vollständig auszurotten, gerade im damaligen Kontext Sinn gemacht haben könnte. Dazu kann man sich gerade die Folgen ansehen, die daraus resultierten, dass die Israeliten dieser Anweisung nicht vollständig nachkamen.

Das Endergebnis war nämlich, dass viele Israeliten sich mit den Kanaanitern vermischten, ihre Götter neben Gott verehrten (vielleicht aus dem Gefühl heraus, dass es sie möglicherweise auch geben könnte und man sie dann besänftigen müsste), und ihre Bräuche übernahmen. Da haben wir dann Herrscher wie Ahas von Juda, über den es heißt: ‚Er ließ sogar seinen Sohn durch das Feuer gehen [d. h. für einen der kanaanitischen Götter als Menschenopfer verbrennen] und ahmte so die Gräuel der Völker nach, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte.‘ (2 Könige 16,3), oder wie Ahab von Israel und dessen Frau Isebel, die ‚die Propheten des HERRN ausrottete‘ (1 Könige 18,4) und auch den Propheten Elija verfolgte.

Gott wusste vermutlich auch: Wenn Er den Israeliten keinen solchen Befehl geben würde, würde es trotzdem auf Kriege mit den Kanaanitern hinauslaufen, weil sie Israel auch nicht so einfach Land überlassen würden; vielleicht nicht auf so viele Tote, vielleicht auf irgendwelche Friedensabkommen am Ende – aber damit auch auf die besagte Vermischung mit den schrecklichen kanaanitischen Kulturen; und trotzdem auf Krieg und einige Tote. Man kann auch infragestellen, ob es z. B. für die kanaanitischen Frauen und Kinder denn wirklich angenehmer gewesen wäre, von den Israeliten (wie es damals in Kriegen üblich war und wie sie es vermutlich getan hätten) versklavt zu werden als einfach umgebracht, wie es dem Befehl beim ‚Bann‘ entsprach. Zudem verhinderte Gott durch den einfachen Befehl des ‚Banns‘ auch andere Sünden durch die Israeliten – z. B. Kämpfe um die Verteilung der Beute (die ja nach diesem Befehl zerstört werden musste); und da Er es befohlen hatte, sündigten sie nicht, wenn sie die Kanaaniter töteten. Insofern kann man den Befehl des „Banns“ auch als kluge Strategie Gottes sehen, um die Seelen aller Beteiligten zu schützen.

Diese Interpretation wird übrigens auch nahegelegt durch folgende Stelle in einem späteren Buch des Alten Testaments:

‚Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr. Du hast auch die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehasst, weil sie abscheuliche Verbrechen verübten,/ Zauberkünste und unheilige Riten; sie waren erbarmungslose Kindermörder/ und verzehrten beim Kultmahl Menschenfleisch und Menschenblut; sie waren Teilnehmer an geheimen Kulten und sie waren Eltern, die mit eigener Hand hilflose Wesen töteten – sie alle wolltest du vernichten durch die Hände unserer Väter; denn das Land, das dir vor allen anderen teuer ist, sollte eine seiner würdige Bevölkerung von Gotteskindern erhalten. Doch selbst jene hast du geschont, weil sie Menschen waren; du sandtest deinem Heer Wespen voraus, um sie nach und nach zu vernichten. Obgleich du die Macht hattest, in einer Schlacht die Gottlosen den Gerechten in die Hand zu geben oder sie durch entsetzliche Tiere oder ein Wort mit einem Schlag auszurotten, vollzogst du doch erst nach und nach die Strafe und gabst Raum zur Umkehr. Dabei wusstest du genau, dass ihr Ursprung böse und ihre Schlechtigkeit angeboren war und dass sich ihr Denken in Ewigkeit nicht ändern werde; sie waren schon von Anfang an eine verfluchte Nachkommenschaft. Keine Furcht vor irgendjemand hat dich dazu bestimmt, sie für ihre Sünden ohne Strafe zu lassen. Denn wer darf sagen: Was hast du getan?/ Wer vermag sich deinem Urteilsspruch zu widersetzen? Wer könnte dich anklagen wegen des Untergangs von Völkern, die du selbst geschaffen hast? Wer wollte vor dich treten als Anwalt ungerechter Menschen? Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. Kein König und kein Herrscher kann dich zur Rede stellen wegen der Menschen, die du gestraft hast. Gerecht, wie du bist, verwaltest du das All gerecht und hältst es für unvereinbar mit deiner Macht, den zu verurteilen, der keine Strafe verdient. Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich alles schonen. Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die anmaßende Auflehnung.‘ (Weisheit 12,2-17)

(Vgl. dazu auch Teil 10 über göttliche Gerichtstaten im Allgemeinen und diesen Exkurs zum Ringen mit und Hinterfragen von Gott.)“

Teil 14: Die Opferung Isaaks

In diesem Teil habe ich stärker herausgearbeitet, dass m. E. eigentlich die Interpretation, dass Abraham darauf vertraute, dass Gott das Menschenopfer doch noch verhindern oder Isaak sogar von den Toten auferwecken würde, da Er ihm versprochen hatte, er würde durch Isaak Nachkommen haben und Gott Seine Versprechen nicht zurücknimmt, die naheliegendste ist und sich praktisch zwingend aus dem Hebräerbrief ergibt: „Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.“ (Hebräer 11,17-19)

Dazu kommen ein paar kleinere Änderungen.

Exkurs: Über das Ringen mit Gott (und der Bibel) – Weisheit 12 vs. Genesis 32

Es ist schon länger her, dass ich diesen Teil geupdatet habe; soweit ich mich erinnere, waren es hier mehrere kleinere Änderungen.

Teil 15: Sklaverei (und Kindererziehung und ungerechte Regierungen) in der Bibel

In der neuen Fassung dieses Artikels habe ich einige alttestamentliche Stellen aus Sirach und Sprüche genauer erklärt. Außerdem habe ich eine neutestamentliche Stelle, die ich vorher übersehen hatte, in die Sammlung der die Sklaverei betreffenden Stellen aufgenommen, nämlich 1 Tim 1,10, wo Paulus „Menschenhändler“ unter „Gesetzlose und Ungehorsame, […] Gottlose und Sünder, […] Menschen ohne Glauben und Ehrfurcht“ zählt. Und ich habe vor allem am Ende einige Absätze eingefügt um genauer zu erklären, wieso man im Lauf der Kirchengeschichte vonseiten der Kirche zwar so einige starke Verurteilungen von Versklavung und Sklavenhandel findet und Maßnahmen gegen die Sklaverei kirchlicherseits begrüßt wurden (wie bei Paulus, s. 1 Tim 1,10), man aber Sklavenbesitzer in die Kirche aufnahm, ohne von ihnen kategorisch die Freilassung ihrer Sklaven zu verlangen (auch wie bei Paulus).

Außerdem ist mir bei der Ersetzung der alten Bibelzitate mit denen aus der neuen Einheitsübersetzung aufgefallen, dass die neue Version endlich einen sehr groben Übersetzungsfehler korrigiert hatte, wo es in 1 Kor 7 heißt, wenn Sklaven frei werden könnten, sollten sie lieber Gebrauch davon machen, und in der alten Übersetzung diese Stelle sehr frei interpretiert so übersetzt wurde, dass sie lieber Sklaven bleiben sollten, statt einfach die wörtliche Übersetzung zu nehmen. (Auf den Übersetzungsfehler war ich allerdings auch in der alten Version des Artikels schon eingegangen.)

Teil 16: Was in den Apostelbriefen (und in der Genesis) über (Ehe)Frauen und die Rolle der Frau in der Kirche gesagt wird

An diesem Teil habe ich mehrfach (zuletzt erst heute) einiges geändert. Ich habe festgestellt, dass ich mit einigen Stellen selber jetzt weniger Probleme habe als vorher – erstens, weil ich weniger Probleme mit Konzepten wie „Unterordnung“ an sich habe, und zweitens, weil ich weniger Probleme damit habe, auch mal über typische Fehler von Frauen statt nur typische Fehler von Männern zu reden.

Ich habe einiges gekürzt und ein paar Dinge hinzugefügt und genauer formuliert; z. B. auch, dass man das Drumherumgerede oder peinlich berührte Schweigen mancher Kirchenleute nicht so interpretieren kann, dass die ältere Lehre zur Ehe (Mann als Familienoberhaupt etc.) nicht mehr gelten würde.

Zu dem speziellen Thema Eva & Sündenfall habe ich, glaube ich, am meisten geändert und in der neuesten Version (ziemlich am Ende des Artikels) folgendes stehen:

„Da wäre ja auch noch die Stelle aus dem 1. Timotheusbrief: ‚Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot.

Einfach ignorieren kann man das nicht; das ist Heilige Schrift. Und der Sündenfall lief nun mal so ab, dass zuerst Eva verführt wurde. Und Paulus sagt hier offensichtlich, dass Frauen demnach generell leichter zu verführen wären und sich deshalb eher unterordnen müssten.

Und wenn man „verführen“ im Sinn von täuschen versteht, stimmt das nun mal einfach. Frauen neigen mehr zur Verträglichkeit und dazu, Konflikte zu vermeiden, während Männer sich weniger leicht beeindrucken lassen und öfter gerade bewusst dagegen sind. Beide Eigenschaften können sich positiv oder negativ auswirken; mit beiden Eigenschaften kann man zu unterschiedlichen Sünden verführt werden und sich unterschiedlichen Sünden entgegenstellen, aber auf Führungspositionen wirken sich die weiblichen Eigenschaften tendentiell schlechter aus. Weil man, auch wenn man ursprünglich weiß, dass jemand nicht vertrauenswürdig ist, dem vielleicht doch mal zuhören will, „auch die andere Seite sehen“ will, und sich nicht so leicht damit tut, etwas als Unsinn oder Lüge zu verlachen und lieber doch sagt „irgendeinen Punkt hat der ja“. Es hat schon seinen Grund, wieso eher Frauen zu Esoterik und „Alternativmedizin“ neigen als Männer. (Dazu passt auch die oben erwähnte Petrusstelle: Frauen können auch in diesem Sinne „schwächer“ sein als Männer.)

Beim Sündenfall war es wohl so, dass Eva, die sich dazu bringen ließ, der Schlange zuzuhören, wirklich überredet wurde; Adam machte dann wohl wider besseres Wissen mit, weil seine Frau es wollte. Über ihn heißt es nur: „sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß“ (Genesis 3,6) – sein Problem scheint eher zu sein, dass er einfach Eva nachgibt, als dass er sich von den falschen Versprechungen der Schlange einlullen hat lassen. Ich denke, es ist so, dass Frauen im Allgemeinen, wenn sie etwas Falsches tun, sich eher vorher einreden müssen, dass es notwendig oder gut ist, und dabei auch sehr kreativ werden können und leichter falsche Erklärungen annehmen. Beides falsch, aber auf unterschiedliche Weise.

Interessanterweise wird übrigens – bei Paulus an anderer Stelle und bei Theologen wie Thomas von Aquin – immer Adam als der eigentlich Verantwortliche für den Sündenfall genannt, wenn es darum geht, wer der Menschheit nun die Erbsünde vererbt hat: Eva hat mit der Sache angefangen, aber letztlich trug die eigentliche Verantwortung ihr Mann. Das spricht freilich einfach für die Überzeugung besagter Theologen, dass Adam – der erste Mann – einfach das Oberhaupt des Menschengeschlechts war, und Eva eben nicht.

Und das zeigt eben, was beim Sündenfall auch noch falsch lief: Eine Verkehrung der Geschlechterrollen. Adam wird passiv, versucht nicht, seine Frau vor der Schlange zu warnen oder zu schützen oder ihr etwas entgegenzusetzen, und damit handelt er falsch, gibt seine Rolle als Oberhaupt ab.

Schon Aristoteles (der freilich auch frauenfeindliche Äußerungen getätigt hat, die man nicht übernehmen muss) hat Männern den öffentlichen und Frauen den privaten Raum zugeordnet. Das passt auch: Verträglichkeit und der Wunsch nach Harmonie tun der Familie gut, wo man miteinander auskommen muss, und Prinzipienfestigkeit und Dagegensein sind eher in der Öffentlichkeit mal nötig, wo man mit Fremden oder fremden Gruppen zu tun hat, die einen nicht unbedingt so respektieren, wie es Familienmitglieder immerhin meistens noch tun.

Das heißt nicht, dass es keine Frauen gäbe, die für Führungsrollen geeignet wären; es handelt sich hier um Tendenzen. Außerdem gibt es auch so etwas wie delegierte Führungsrollen. In der Kirche geht die grundsätzliche Macht vom rein männlichen Klerus aus und muss das auch, aber der kann auch Aufgaben an Laien delegieren, auch an Frauen – z. B. das Lehren als Religionslehrerin oder Theologieprofessorin. Die brauchen freilich weiterhin den Klerus als Orientierungspunkt. Was das öffentliche Beten, prophetische Reden etc. angeht, so sollte es auch eher die Ausnahme als die Regel sein, wie aus der Zusammenschau der Paulusstellen klar wird – und vor allem sollte es im Einklang mit dem Klerus erfolgen, nicht gegen ihn. Auch in der Familie hat nicht nur der Vater die Führungsrolle, sondern die Mutter hat auch eine eigenständige Autorität gegenüber den Kindern, freilich dem Vater untergeordnet, wie z. B. eine Gemeinde in vielen Dingen eigenständig, aber auch in gewissem Maß der Landesregierung untergeordnet ist. Was ist mit der Politik? Nun, ich denke, hier sollte es tatsächlich auch so sein, dass tendentiell die meisten Ämter von Männern eingenommen werden. (Dafür kann man nicht nur christliche Prinzipien anführen, sondern auch die einfache Tatsache, dass es keine anständigen politischen Debatten mehr im Bundestag gibt, und z. B. die bisherigen Verteidigungsministerinnen eher suboptimal waren. (Entschuldigung.)) Aber hier kann es sicher auch Frauen geben, die eben doch für die Politik geeignet ist; ich denke an Frauen wie Ellen Ammann. In Kirche und Familie, wo es darum geht, dass Männer Christus nachstellen sollen, können Frauen nie einfach die Aufgaben von Männern übernehmen (sondern höchstens eine Art Ersatz sein, wenn z. B. eine Frau nach dem Tod ihres Mannes als Familienoberhaupt fungieren muss, oder Frauen Gebet und Caritas in Gemeinden organisieren, in die kaum je ein Priester kommen kann), aber in der Politik sind Staatsoberhäupter und Abgeordnete nicht „in persona Christi“; daher kann es hier einige Ausnahmen geben.

Einige Christen von der protestantischen Christian-Patriarchy-Bewegung legen die Timotheus-Stelle tatsächlich so aus, dass Frauen generell keine Männer irgendetwas (Theologisches) lehren dürfen; also dürfen Frauen ihrer Meinung nach z. B. auch keine Vorträge vor einem gemischten Publikum in der Gemeinde halten. Sonntagsschullehrerinnen gehen gerade noch, denn die lehren nur Kinder, aber sobald die Jungs über achtzehn sind, ist definitiv Schluss. Jüngere Frauen dürfen natürlich von älteren Frauen etwas gelehrt werden, weil, Titus 2,3-5, aber Männer lehren, das geht nicht. (Man lese zum Beispiel diesen interessanten Artikel einer Bloggerin dieser Bewegung, in dem sie vehement erklärt, dass sie mit ihrem Blog keine Männer lehre. Solche Ansichten sind in freikirchlich-evangelikalen Kreisen einflussreicher, als man manchmal erwarten würde; vgl. auch hier auf einer deutschen Seite.) Das entspricht nicht der katholischen Lehre.

Also: Ja, es ist okay, wenn irgendein Mann von einer Frau mal etwas lernt, ja, auch Frauen können gut dazu geeignet sein, zu lehren, Vorträge zu halten, Führungspositionen einzunehmen, etc., aber wenn zu viele Frauen auf höheren Positionen sind und die allgemeine Meinung prägen können, ist das nicht gut.

Ein Geschlecht ist nicht an sich sündhafter als das andere oder so etwas – beide haben den gleichen freien Willen und die gleichen Gebote bekommen. Wir haben nicht weniger weibliche als männliche Heilige. Aber die Geschlechter sind auf unterschiedliche Weise sündhaft, und es ist leider eine Tatsache, dass Frauen leichter zu täuschen sind.

Da muss man nicht geschockt oder beleidigt reagieren. Es ist doch so: Über typische Männerfehler zu reden ist völlig normal. Wieso sollte man also nicht auch über typische Frauenfehler reden dürfen?“

Teil 17: 1 Korinther 7 – von den ehelichen Pflichten und dem Vorrang der Jungfräulichkeit

Hier eher kleinere Änderungen und Ergänzungen.

Teil 18: Der Töpfer und der Ton – was sagt Paulus über Prädestination?

Dieser Artikel wurde ziemlich stark geändert, worauf ich auch schon mal eigens hingewiesen hatte. Einfach den ganzen Artikel lesen – vor allem geht es darum, dass Röm 9-11 eben nicht von der endgültigen Erlösung oder Verdammnis handelt, sondern das endgültige Schicksal aller Beteiligten offen lässt und Hoffnung für sie ausdrückt, dass sie trotz ihrer jetzigen Verwerfung wieder zu Gott kommen.

Teil 19: Irritierende Aussagen und Taten Jesu – einige gesammelte Stellen

Eher kleinere Änderungen bzw. Ergänzungen.

Nachträge zu Teil 19 – weitere irritierende Aussagen Jesu

Auch hier nur kleinere Änderungen.

Teil 20: Die Forderungen der Bergpredigt

Hier auch eher kleinere Änderungen; v. a. habe ich die Zitate aus Härings Moraltheologiebuch mit detaillierteren von Jone ergänzt.

Teil 21: Wunder und Dämonenaustreibungen

Auch eher kleinere Änderungen.