Gottesliebe und Gottes Liebe

Eins der ewigen Probleme für manche Christen ist: Man kann sich Gottes Liebe für einen nicht direkt vorstellen. Man fragt sich, wie Gott über einen denkt; man will sich gegenüber Gott nicht zu viel herausnehmen; man hat Angst vor Gott; man hat das Gefühl, man würde es Ihm nie recht machen können. Deshalb mal ein paar Gedanken dazu, damit man es sich besser vorstellen kann:

  • Die meisten Menschen haben schon andere Menschen, die es ehrlich gut mit ihnen meinen, ihnen zumindest in gewissem Maß helfen, meistens vor allem die Familie. Und selbst wer von Menschen misshandelt oder verlassen ist, kann darauf zählen, dass die Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für alle Menschen zu beten oder ihnen Gutes zu tun, z. B. Nonnen, auch für sie beten und ihnen ggf. helfen würden. Und auch man selber kann sich in der Situation immer sagen: Auch ich will manchmal anderen Menschen Gutes und helfe ihnen, zumindest ein wenig. Nun könnte aber kein Mensch auch nur annähernd so wohlwollend und interessiert an anderen Menschen sein, wie Gott es ist; also muss Gott uns wirklich in extremem Maß Gutes wollen und sich für uns interessieren. „Oder ist wohl ein Mensch unter euch, der seinem Sohne, wenn er um Brot bäte, einen Stein darreichen wird? Oder wenn er um einen Fisch bäte, wird er ihm etwa eine Schlange darreichen? Wenn nun ihr, obgleich ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset; wie viel mehr wird euer Vater, der im Himmel ist, denen Gutes geben, die ihn bitten?“ (Mt 7,9-11)
  • Liebe bedeutet grundsätzlich Wohlwollen (und Interesse, Beziehung, Vereinigung); Gott will wirklich, dass es uns am Ende gut geht; wenn Er jetzt Schlechtes für uns zulässt, hat das einen Grund und Er wird es am Ende vielfach wieder gutmachen. Wenn wir erst einmal im Himmel sind, wird alles Schlechte vergangen sein, das Leben wird ein einziger ewiger Moment der reinsten Glückseligkeit sein, die wir uns jetzt gar nicht vorstellen können.
  • Wenn man jetzt in diesem Moment existiert, heißt das, dass Gott einen jetzt in diesem Moment aktiv im Dasein hält und an einen denkt; sonst würde man wieder zu nichts werden.
  • Gott sieht einen gerne an und freut sich an einem, zumindest an den guten Eigenschaften, die man hat, und die hat jeder. Wir sind eben Seine geliebten Kinder. Er freut sich darüber, wenn man anderen etwas Gutes tut oder an Ihn denkt; Er freut sich auch an den moralisch neutralen guten Eigenschaften, die man hat, z. B. dass er einem schöne Augen oder einen klaren Verstand gegeben hat. Vielleicht hat man wenig großartige Eigenschaften, ist von Natur aus unintelligent, unsportlich, wankelmütig und unsicher. Aber dann wird Gott sich gerade darüber freuen, wie man sich trotz dieser schlechten Ausgangssituation bemüht.
  • Gott ist uns auch nicht böse, wenn wir zwischendurch mal entspannen müssen; Er sieht es gern, wenn wir auch mal Spaß haben. Natürlich will Er keine gleichgültigen Kinder, die sich vor allem um sich selber kümmern; Er ist stolz, wenn wir etwas für andere opfern, wie Eltern stolz sind, wenn ihre Söhne in einem gerechten Krieg für den Schutz anderer kämpfen (was diesen Eltern aber natürlich trotzdem weh tut; so würde auch Gott unsere Leiden nicht zulassen, wenn es nicht nötig wäre); aber Er will wirklich dass es einem gut geht, und das gehört auch mal dazu. Man sieht auch das wieder an sich selber: Wenn man z. B. mal einem Freund, der nicht viel Geld hat, zum Geburtstag ein größeres Geldgeschenk macht, will man auch nicht, dass er sich verpflichtet fühlt, damit wieder was für andere zu tun, sondern man will einfach, dass er sich damit mal was gönnt. So will auch Gott, dass wir mal Spaß haben, und dass wir uns an schönen Dingen freuen; auch an solchen scheinbar kleinen Dingen wie dem Blühen von Buschwindröschen und grünen Buchen im Mai. Natürlich will Er auch, dass wir uns an solchen Dingen freuen, die langfristig gut tun und erst mal anstrengend wirken können, z. B. dem Gebet, und ist auch stolz, wenn wir Spaß aufgeben, aber Er ist uns deswegen nicht böse, und Er bietet uns auch immer wieder solche kleinen Geschenke.
  • Keiner hat es wirklich „verdient“, zu Gott zu kommen, aber Er selbst befiehlt es uns.
  • Zu Liebe gehört Zärtlichkeit und Milde. Gott will zärtlich und sanft und geduldig mit uns sein.
  • Gott hat für jeden Menschen eineneigenen Schutzengel, einen mächtigen Geist, abgestellt, der einen an Leib und Seele beschützt.
  • Gott sieht uns, wie wir sind; d. h. Er macht sich nichts vor, wenn Er bei uns Lustlosigkeit oder Selbstsucht oder verletzten Stolz sieht, aber Er sieht auch jeden guten Entschluss, jedes gute Motiv, jede Bemühung.

Aber dann denkt man sich wieder: Ok, Gott mag mich lieben, aber ich erwidere Seine Liebe nicht so besonders gut. Daher:

Man muss sehr gut unterscheiden zwischen Todsünden, lässlichen Sünden und Unvollkommenheiten. Eine Todsünde ist eine Sünde in wichtiger Sache mit vollem Wissen und Willen; damit zerstört man die Liebe in einem. Es ist nicht so, dass Todsünden kaum je in der Welt vorkommen würden, aber die meisten Christen werden auch keine fünf Todsünden pro Tag begehen. Eine lässliche Sünde ist eine Sünde in geringfügiger Sache (auch mit Wissen und Willen) oder eine Sünde in wichtiger Sache ohne vollen Wissen und Willen. Eine Unvollkommenheit ist überhaupt keine Sünde; sie bedeutet eher, sich bei zwei nicht sündhaften Dingen für das weniger Vorbildhafte zu entscheiden; dass man es hätte noch besser machen können, aber nicht gemacht hat, dabei aber auch keine Pflicht verletzt hat.

Gott zu lieben heißt zunächst mal: Sich für Ihn zu entscheiden, wenn es zu einem wichtigen Konflikt zwischen Ihm und etwas anderem kommt, und den Kontakt zu Ihm nicht abzubrechen.

Gott ist ein Vater. Wenn man dem Vater den Tod wünscht oder seine Geschwister ständig auf boshafte Weise mobbt oder sich monatelang nicht meldet, zerstört man das Verhältnis zum Vater (Todsünde). Wenn man im Umgang mit ihm ab und zu ungerechtfertigterweise ungeduldig oder leicht verärgert ist, belastet man das Verhältnis ein bisschen, aber es ist definitiv nicht zerstört (lässliche Sünde). Und wenn man ihm kurz vor Weihnachten ein gewöhnliches Geschenk kauft, obwohl man sich auch monatelang vorher Gedanken hätte machen können und ihm ein absolut passgenaues Geschenk hätte machen können, freut er sich auch über das normale Geschenk und trägt einem nichts nach, weil man es noch hätte besser machen können (Unvollkommenheit). Anderes Beispiel für eine Unvollkommenheit: Wenn der Vater einem aufträgt, die Küche aufzuräumen und man tut genau das, freut er sich darüber. Wenn man die Küche aufräumt und einem dabei auffällt, dass auch mal das Zeug in der Ramschschublade dringend sortiert werden müsste, und man auch das noch tut, dann freut er sich noch mehr. Aber er würde es einem niemals nachtragen, das nicht getan zu haben.

Auch dass die Heiligen so viel besser waren als wir, muss uns nicht beunruhigen. Nehmen wir an, ein sehr guter, liebender Vater hat zwei Kinder. Das eine ruft ihn einmal in der Woche an, besucht ihn, wenn er im Krankenhaus liegt, zieht ihn in wichtigen Sachen zurate, schenkt ihm zum Vatertag einen Restaurantgutschein, ist ab und zu aber auch unfreundlich zu ihm ist und redet sich bei Familientreffen, auf die es keine Lust hat, gelegentlich heraus, und hatte schon einmal ein schweres Zerwürfnis mit ihm, weil es alkoholsüchtig war; das ist jetzt aber vorbei und es hat ehrlich um Verzeihung gebeten und sich mit der Familie wieder ausgesöhnt. Das andere wohnt noch bei ihm und nimmt ihm immer wieder, auch ohne gebeten zu werden, kleine Arbeiten ab, bei denen es merkt, dass sie ihm schwerfallen, will ihm immer wieder eine besondere Freude machen und organisiert daher z. B. überraschend einen Besuch seiner alten Freunde, ist immer rücksichtsvoll und ehrlich, ist nie beleidigt oder mürrisch, wenn es dem Vater etwas helfen muss, und vertraut ihm sehr vieles an. Da hat der Vater sicher ein innigeres Verhältnis zu dem zweiten Kind, aber er würde definitiv nicht auf die Idee kommen, den Kontakt mit dem ersten Kind abzubrechen und es aus der Familie zu verstoßen. Und das erste Kind muss sich auch nicht schuldig fühlen. (Erst recht wäre es schlecht, wenn das erste Kind dann dem zweiten Kind wegen seiner Gutheit und Vorbildhaftigkeit böse wäre, weil es nicht wollte, dass ein anderer besser ist als es selbst; das wäre wirklich eine Sünde. Man soll seine schlechten Eigenschaften und vergangenen Taten nicht hinwegreden, sondern einfach die bewundern, die es besser machen, und ihnen ab und zu auch nacheifern, und zumindest das Minimum erfüllen.)

Es ist angemessen, immer mehr und mehr für Gott tun zu wollen, weil Er so unendlich gut ist, aber um sich nicht von Ihm zu trennen genügt ein gewisses Minimum (das nicht total minimal ist, aber definitiv zu schaffen).

Gott wird von einem letzlich immer eine gewisse Buße und Sühne für seine Sünden wollen – wie auch der Vater, wenn man fahrlässig sein Auto zu Schrott gefahren hat, von einem wollen wird, dass man es ersetzt, auch wenn man um Verzeihung gebeten und sie erhalten hat. Aber Er gibt sich oft schon mit wenig zufrieden, und auch während man noch dabei ist, die Buße zu erfüllen, ist das Verhältnis schon wieder hergestellt.

Und Gott lässt sich, wenn man um Verzeihung bittet, nicht erst ewig bitten. Hier ist wichtig zu wissen: Liebesreue (vollkommene Reue) sorgt dafür, dass die Sünden schon vergeben werden, bevor man sie dann wirklich in der Beichte bekennt. Zur Liebesreue gehört: die innere Zerknirschung bzw. Abwendung von der Sünde, weil man damit den liebenden guten und gerechten Gott verachtet hat (das muss nicht gefühlsmäßig sein, es kommt auf den Willen an; Gefühle kann man nicht immer lenken), und der ehrliche Vorsatz, zumindest Todsünden nicht mehr zu begehen und sich von den nächsten Gelegenheiten zu Todsünden fern zu halten, und die begangene Todsünde in der Zukunft noch zu beichten (man muss sich nicht vornehmen, sie bei nächster Gelegenheit zu beichten, auch wenn das natürlich gut ist). Wenn man es nicht schafft, sich auch von lässlichen Sünden loszusagen, kann man trotzdem Reue für seine Todsünden haben und das grundlegende Verhältnis mit Gott wiederherstellen. Die Liebesreue kann auch noch mit Furcht vor Gottes Strafe vermischt sein, oder mit dem Wissen, dass man wahrscheinlich dieselbe Sünde wieder begehen wird; sie muss einfach trotzdem ehrlich gemeint sein. Und in der Beichte genügt selbst die Furchtreue, die eher zum großen Teil aus der Furcht vor Gottes gerechter Strafe hervorgeht, für die Vergebung; sie ist schon mal ein Anfang. „Gott ist mehr bereit, einem reuigen Sünder zu verzeihen, als eine Mutter, ihr Kind aus dem Feuer zu retten.“ (Hl. Pfarrer von Ars)

Gott will wirklich jeden Menschen retten und gibt ihm eine Chance. Man kann sich auch ansehen, wie Jesus mit den Leuten um Ihn herum geredet hat. Manchmal musste Er die Apostel zurechtweisen, auch hart zurechtweisen, aber dann war es wieder gut. Er war weiterhin geduldig mit ihnen und hat sie langsam an ihre Aufgabe herangeführt. Auf die Sünder wie Zachäus ist Er selber zugegangen und hat ihnen nicht ewig etwas vorgehalten, nachdem sie dann grundsätzlich Reue gezeigt hatten.

Wenn man bei manchen Heiligen sehr strenge Warnungen liest, kann es sein, dass man hier sagen muss: Ok, sie wollten eben lieber zu viel warnen, zu streng sein, als zu wenig, um die Leute sicher in den Himmel zu bringen – aber das kann eben auch mutlos machen. (Ich behaupte auch nicht, da die perfekte Balance gefunden zu haben, ich halte nur einfach die Gefahr der Mutlosigkeit für manche heute in unseren Kreisen relativ groß.) Und manchmal hatten diese Heiligen auch wirklich schlechte Zustände vor Augen, z. B. als Prediger an einem Fürstenhof mit viel Korruption, Machtstreben und Unzucht.

Gott hat Seine Gründe für alles, für wirklich alles. Am Ende wird alles gut sein, alles. Gott ist die überströmende Liebe; Er will uns trösten und zärtlich umarmen und uns vollkommen glücklich machen. „Und Gott wird alle Tränen von ihren Augen trocknen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Klage, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist dahingegangen. Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,4f.)

Zum Verständnis des Mittelalters

Ich habe den Eindruck, viele Menschen verstehen einfach nicht, wie mittelalterliche Christen über ihr Christentum gedacht haben, wie die so engstirnig sein konnten, sich wegen theologischer Fragen die Köpfe einzuschlagen. Daher mal ein Vergleich:

Für die Europäer des Mittelalters und der frühen Neuzeit war das Christentum etwa das, was für Europäer der späten Neuzeit die Demokratie ist. D. h. eine völlig selbstverständliche Grundlage für das gesellschaftliche Leben – bzw. im Fall des Christentums eigentlich noch wesentlich mehr, nämlich auch eine Grundlage für das private Leben, und zwar über den Tod hinaus.

Die paar (zunächst) noch im eigenen Land verbliebenen Heiden sah man so, wie man heute die paar noch verbliebenen Monarchisten sieht: Eine winzige kuriose Minderheit von Spinnern, deren Argumente man nicht mal anhören muss, weil sie sowieso nur dumm sein können. Wie kann jemand nur gegen Demokratie sein? Offensichtlich muss er für Tyrannei, Unterdrückung, Rechtlosigkeit sein. Wie kann jemand nur gegen Christus sein? Offensichtlich muss er ein gottloser Frevler sein. [Hier hatten die damaligen Christen natürlich viel eher Recht als die heutigen Demokraten.*]

Die Heiden (Polytheisten, Muslime) im Ausland sah man so, wie man heute die Taliban oder die Saudis sieht: Fremdartig, bedrohlich, ab und zu vielleicht interessant-exotisch, auf jeden Fall aber völlig irre und auch ziemlich grausam; ihre Opfer/Untertanen können einem nur leid tun.

Die Ketzer im eigenen Land sah man so, wie man heute sog. Extremisten, z. B. Neonazis, sieht: Gefährlich und entweder dumm oder böse oder beides, Sektierer, die die Menschen verführen. Die Ketzer währenddessen leugneten, dass sie selber Ketzer wären; im Gegenteil, sie hätten das wahre Christentum entdeckt – ungefähr so, wie Linksextreme behaupten, der Sozialismus wäre die wahre Demokratie. Die sozialistischen Länder (vor allem vor 1990) kann man etwa mit den protestantischen Ländern in der frühen Neuzeit vergleichen: Eine neue Lehre hatte sich mancherorts durchgesetzt und behauptete weiterhin, die einzig wahre Verwirklichung von Demokratie bzw. Christentum zu sein, viel besser als dieser Kapitalismus-Faschismus bzw. dieser Antichrist-Papst.

In der Außenpolitik gegenüber nichteuropäischen Ländern sah man sich selbstverständlich als Vertreter der Christenheit (des demokratischen Westens), und das war auch bei eher skrupellosen, weltlich denkenden Politikern nicht unbedingt Heuchelei, sondern ein völlig selbstverständlicher Glaube. Natürlich sollten auch andere Länder früher oder später erkennen müssen, dass sie das Christentum (die Demokratie) zu ihrem eigenen Nutzen annehmen müssten; natürlich versucht man sie dahingehend zu beeinflussen, lehrt das auch den ausländischen Schülern und Studenten und sonstigen Einwanderern, die ins eigene Land kommen, und erwartet, dass sie sich dahingehend integrieren. Jeder vernünftige Mensch sieht das doch ein, sobald er es nur entsprechend präsentiert bekommt. Wie die heutigen Reaktionen auf unintegrierbare strenge Muslime variieren (Polen verhält sich anders als Schweden usw.), variierten auch die damaligen Reaktionen auf unintegrierbare strenge Muslime (Spanien wies sie irgendwann aus, die Kreuzfahrerstaaten konnten gar nicht anders, als die vergleichsweise große muslimische Bevölkerung zu tolerieren).

Man sah es nicht als persönliches Verdienst an, an Christus (an die Demokratie) zu glauben, das tun doch sowieso alle normalen Menschen; und man konnte sich mit den anderen Menschen, die diese Grundsätze teilen, trotzdem noch um alles mögliche streiten und sich gegenseitig spinnefeind sein. Und auch, wenn man sich selber so verhält, wie es dem Christentum eigentlich widerspricht, gibt man nicht bewusst das Christentum auf, sondern sucht noch nach Gründen, sein Handeln doch als christlich hinzustellen – so, wie heutige Politiker, die ihnen unangenehme Wahlergebnisse am liebsten rückgängig machen wollen, auch nicht gegen die Demokratie wettern, sondern behaupten, solche Wahlergebnisse wären „undemokratisch“ und durch illegitime Beeinflussung entstanden, und außerdem würden die Gewählten in Wirklichkeit die Demokratie abschaffen wollen.

Wenn man Opfer eines Verbrechens durch andere Christen oder gar Kleriker wurde, beeinflusste das die Meinung über das System Kirche etwa so, wie es bei heutigen Leuten die Sicht auf das System Demokratie beeinflusst, wenn sie Opfer eines Verbrechens durch andere Personen werden, die an die Demokratie glauben oder gar im Stadtrat oder Bundestag sitzen.

Die Behauptung „Der Staat sollte religiös neutral sein“ hätte für mittelalterliche Christen etwa so viel Sinn gemacht wie für heutige Durchschnittsmenschen die Behauptung „die Gesellschaft sollte politisch neutral sein und sich nicht von demokratischen Ideen wie Selbstregierung und Mehrheitsentscheidungen beeinflussen lassen“.

Und mal ehrlich: Die Wahrheit über Gott und die Welt ist doch tatsächlich wesentlich wichtiger als ein bloßes System dafür, die zeitlichen Herrscher eines Landes zu bestimmen.

*Das Problem bei den meisten heutigen Demokraten ist, dass sie Wahlen nicht als ein mögliches legitimes System zur Bestimmung der Herrscher sehen, sondern als das einzig legitime System, weil das Volk sich eigentlich selbst regieren sollte. Dabei übersieht man, dass das Volk sich nie wirklich selbst regiert; eine reine Demokratie kann es nicht geben, sondern bloß demokratische Elemente in einem Staat, wobei Volksabstimmungen mehr von Demokratie haben als Parlamentswahlen. Bei der Bestimmung der Herrscher sollte es nun darum gehen, bei welchem System am meisten einigermaßen gute und am wenigsten wirklich schlechte Herrscher herauskommen. Und hier kann man jetzt vergleichen, was zu welchen Ergebnissen führt: Der Zufall der Erbfolge; Parteiintrigen und anschließende Wahlen, bei denen man sich zwischen den zwei oder drei innerparteilichen Siegern entscheiden kann; Wahlen ohne Beteiligung von Parteien; Losentscheid; oder meinetwegen zeremonieller Wettkampf mit den Disziplinen Schach und Speerwerfen. Ich bin mir nicht sicher, ob Parteienwahl immer für die besten Ergebnisse sorgt. Aber das ist hier nicht so wichtig; hier geht es nicht um Monarchismus vs. Republikanismus; und der Parteienparlamentarismus ist ein legitimes System, wenn auch nicht das einzige legitime System.

Freut euch und jubelt!

Der Papst wird Russland (und die Ukraine) dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, wie es die Gottesmutter in Fatima 1917 von den Seherkindern Lucia, Jacinta und Francisco gewünscht hat, und wie es jetzt viele Katholiken wieder gewünscht haben; wahrscheinlich hat das inzwischen jeder mitbekommen. Das ist so ziemlich das Beste – und eins der wenigen guten Dinge überhaupt -, die seit 2013 aus Rom gekommen sind (und es zeigt auch, dass Gott noch die allerschlimmsten Kleriker wie diesen Papst zu seinen Werkzeugen machen kann). Ich freue mich schon wahnsinnig, und wahrscheinlich realisiere ich nicht mal wirklich, wie sehr ich mich freuen müsste; man realisiert so etwas kaum, wenn man mittendrin ist. Es musste zwar erst ein Krieg passieren – und davor eine Mehr-oder-weniger-Pandemie und ein paar halbe Diktaturen -, aber es wird passieren, Russland wird Maria geweiht werden.

Ja, schon Johannes Paul II. hat 1984 die Welt dem Herzen Mariens geweiht, und dabei im Stillen hinzugefügt: „insbesondere Russland“ (nur im Stillen aus diplomatischen Gründen). Und laut der Seherin Lucia hat der Himmel das anerkannt, und wenig später begann Gorbatschow mit „Glasnost und Perestroika“, der Ostblock brach zusammen, die Christenverfolgung dort hatte ein Ende, und viel Leid war vorbei. Das war extrem unerwartet, und lässt sich eigentlich nur durch ein Eingreifen des Himmels erklären.

Aber es ist doch noch einmal etwas anderes, ob man es noch einmal ganz ausdrücklich so macht, und jedes Bemühen, dem Wunsch Mariens besonders direkt zu folgen, und nicht aus diplomatischen Gründen zurückhaltend zu sein, wird der Himmel sicher gern sehen. Manche Leute sind jetzt schon wieder etwas pessimistisch, weil es auch wieder nicht genau so gemacht würde, wie Maria es wollte, aber ich denke, dass es vor dem Himmel sehr viel wert sein wird. Es ist groß angekündigt worden, sodass sämtliche Bischöfe die Gelegenheit haben, mitzumachen, und zwar unter ausdrücklicher Erwähnung Russlands; und die Hinzufügung der Ukraine bedeutet doch, eher mehr zu machen, als gefordert, nicht weniger?

Ich glaube, wir können von jetzt an ein bisschen optimistischer in die Zukunft sehen. Vielleicht ist es schon zu spät, um manches abzuwenden, vielleicht auch nicht; aber auf jeden Fall ist es eine gute Nachricht. Und hoffentlich wird es wenigstens der Ukraine bald den Frieden bringen.

Übrigens: Bischof Athanasius Schneider hat ein Novenengebet veröffentlicht, für das Anliegen, dass die Bischöfe alle mitmachen, und das Ganze auch wirkungsvoll ist – denn natürlich hängt die Wirkung auch von den Gebeten aller ab. Also ab heute jeden Tag bis zum nächsten Freitag beten:

PS: An dieser Stelle vielleicht noch eine Erklärung für nichtkatholische Mitleser, die sich fragen könnten, wieso Gott (durch seine Heiligen) Forderungen stellt, die man erst erfüllen muss, bevor er eingreift, und noch dazu Forderungen nach Gebeten an Ihn? Nun, ganz einfach: Gott will unsere Mitwirkung an allem, Er gibt uns Macht, wirklich etwas in dieser Welt zu bewirken, durch zwei Mittel, nämlich Taten und Gebet, und Er will, dass wir für die ganze Welt, besonders unsere Nächsten und unsere Feinde, beten, und sie Ihm anempfehlen. Und er fordert (in diesem Fall) nicht mal große Heldentaten, sondern wirklich bloß das Gebet und den Gehorsam bzgl. der Art dieses Gebets, und hat uns dafür viel versprochen. Allgemeines zum Bittgebet hier.

Über das Ausgeliefertsein

Manchmal geht es mir ja gesundheitlich nicht so gut; und wenn ich dann nicht rechtzeitig Schmerztabletten nehme, muss ich eine Viertelstunde oder halbe Stunde ziemliche Schmerzen aushalten. Und auch wenn dann die Tablette wirkt, fühle ich mich erst einmal noch unwohl und zittrig. Das ist kein Dauerzustand bei mir, glücklicherweise, aber wenn es so ist, ist es einfach schlimm, und das auch wegen diesem Gefühl des Ausgeliefertseins. Erst mal muss man durch die Schmerzen durch, Schreien hilft auch nicht. Man denkt sich, man muss doch etwas tun können, und man kann ja auch die Tabletten nehmen, und, wenn das akute Problem vorbei ist, einen neuen Termin beim Arzt ausmachen (und glücklicherweise wurde bei mir nach vielen Jahren endlich von den Ärzten entdeckt, was ich habe, nämlich eine Endometriose, bei der man immer mal wieder operieren muss). Aber bis zu einem gewissen Grad ist man einfach seinem Körper ausgeliefert, der einen angreift. Und dem Körper ist es ganz egal, ob man sich denkt „ich halte das nicht mehr aus“, man muss es einfach aushalten.

Ein ähnliches Gefühl habe ich öfter in Bezug auf die Politik, nur hier weniger akut und mit mehr Angst vor dem Unbekannten gekoppelt. Man weiß nicht, wie es mit diesem ganzen Coronawahnsinn weitergeht, und ob unsere Herrscher ihre neuen Sonderbefugnisse nicht auch noch für andere Dinge nutzen werden, wenn sie merken, dass sie damit durchkommen, z. B. ein social credit system nach dem Vorbild Chinas einführen werden, und die Politik wird auch tendenziell immer christenfeindlicher. Wenn man in die Geschichte schaut, gab es alle paar Jahrzehnte Katastrophen und großflächige Grausamkeiten; wer kann garantieren, dass wir im Lauf unserer restlichen Lebenszeit so etwas entkommen? Niemand; und mit allem, was man politisch machen kann – wählen, auf Demos gehen, Petitionen unterschreiben – wird man persönlich sehr wenig Einfluss haben.

Und dann sind da die letzten Dinge, der Tod und die direkte, endgültige Konfrontation mit Gott, die auch für so ein Gefühl des Ausgeliefertseins sorgen. Irgendwann wird man sterben, früher oder später, und dann Gott auf eine Weise gegenüberstehen, die man sich jetzt nicht recht vorstellen kann. Und man kann sich ja letztlich doch nicht hundertprozentig sicher sein, wie man zu Gott steht, und ob man sich etwas vormacht. Vielleicht kommt man direkt in den Himmel (die Kirche bietet uns ja glücklicherweise auch die einfache Möglichkeit, einen vollkommenen Ablass in der Todesstunde zu erwerben), vielleicht aber auch nicht, und die Fegefeuerzeit wird man einfach aushalten müssen, man selber kann dann nichts daran ändern. Vielleicht werden andere für einen beten, aber man selber wird vollkommen hilflos sein, bis alles gesühnt und gereinigt ist, und das Fegefeuer soll ja nach einigen Meinungen und Visionen unserer Heiligen nicht so schön sein. Und vielleicht kommt man auch weder direkt noch über diesen Umweg in den Himmel, sondern in die Hölle. Und da muss man nicht nur hilflos abwarten, sondern es wird niemals ein Entrinnen geben. Ob in einem tieferen oder weniger tiefen Höllenkreis: Dieser Zustand wird ewig dauern. „Ihr, die ihr hier eintretet: Lasst alle Hoffnung fahren.“

Natürlich ist man für all das selber verantwortlich, aber auch hier ist man in einem gewissen Sinne ausgeliefert: Gottes Wesen und Ansprüche sind einfach so, wie sie sind, und man kann mit Ihm nicht verhandeln, Ihn nicht täuschen, oder von Ihm eine andere Alternative verlangen (z. B. dass man aufhören möchte, überhaupt zu existieren, oder in einem neutralen, weder angenehmen noch unangenehmen, Zustand weiterleben möchte). Man muss Gottes Bedingungen erfüllen, und Punkt.

Aber letztlich muss das so gut sein. Denn Gott ist gut, und Gott liebt uns mehr, als wir uns selber lieben können; und am Ende wird nur Er am besten wissen, was gerecht ist, und uns mit Gerechtigkeit und Güte behandeln. Und auch, wenn man Angst davor hat, das zu bekommen, was man verdient (wer hätte die nicht, wenn er ernsthaft drüber nachdenkt?): Gott wird immer gnädiger mit einem sein und einem mehr geben, als man verdient, wenn man nur Reue hat. Ganz praktisch: Wer sich als Katholik halbwegs bemüht, wird normalerweise vertrauen dürfen, dass Gott ihn zumindest vor der Hölle bewahrt. (Hier noch mal was zum Thema Zahl der Erlösten/Verdammten.) Und wer in die Hölle kommt, wird sie wirklich verdienen, weil er sich wirklich in seiner Gehässigkeit verschlossen und gegen Gott gestellt hat, und wird auch genau die Sorte Hölle verdienen, die er bekommt.

Und auch alles andere hat Gott in der Hand, auch Politik und Krankheiten, und Er hat Seine Gründe, wieso Er hier manche natürlichen Übel und böse Taten durch Menschen zulässt. Manchmal fällt es einem auf, wie Gott die Dinge lenkt. (Z. B. hat ein nicht idealer Umstand in meinem Leben inzwischen dazu geführt, dass ich zu meiner jetzigen FSSPX-Gemeinde gefunden habe, und einer Freundin helfen konnte.) Aber oft fällt es einem nicht auf, und da muss man praktisch auf das vertrauen, wovon man theoretisch längst weiß, dass es vertrauenswürdig und wahr ist. Ich habe jetzt angefangen, bei meinem Abendgebet auch jedes Mal ausdrücklich zu Gott zu sagen: Ich vertraue auf dich. Es muss besser so sein, dass Gott entscheidet, und wir unser Schicksal weder komplett bestimmen noch in die Zukunft schauen können; am Ende würden wir nur alles ruinieren. Natürlich sind wir ausgeliefert; aber wir sind der Liebe in Person ausgeliefert.

Und vielleicht hilft es ja dabei, das zu verinnerlichen, wenn man es sich selber in einem Blogartikel predigt.

PS: Und wenn ich es mir mal so überlege, wahrscheinlich hat sich niemand je so ausgeliefert gefühlt wie Jesus am Ölberg, gerade auch, weil Er wusste, dass Er die Entscheidung zu Seinem Leiden selbst traf und nicht anders treffen wollte, aber sämtliche Leiden in all ihrer Grausamkeit genau vorherwusste.

Datei:Josef Untersberger - Christus am Ölberg.jpg
Josef Untersberger, Christus am Ölberg

Ein paar Probleme am Feminismus

Es gibt ja auch unter Christen die Tendenz, nett zu seinen Mitmenschen sein zu wollen, und deswegen zu nett zu den Ideologien zu sein, denen diese Mitmenschen unglücklicherweise verfallen sind. Besonders auffällig ist das beim Feminismus. Ich habe schon einen sehr konservativen Kaplan, der immer Soutane trug, die erste Feministinnengeneration loben hören, ohne dass er Anlass gehabt hätte, sie überhaupt zu erwähnen. Irgendwie ist der Feminismus doch so etabliert, dass man irgendetwas Gutes an ihm sehen will. (Ich nehme mich da gar nicht aus, mir ging es früher auch öfter so.) Es gibt auch Christinnen (wirkliche Christinnen, nicht Liberale, die nur aus Gewohnheit noch einer Konfession angehören), die sich als christliche Feministinnen sehen und sich z. B. in der Pro-Life-Bewegung auf ein paar frühe Feministinnen berufen, die Abtreibungen noch abgelehnt haben – wobei man es bei manchen in den letzten Jahren beobachten konnte, dass sie immer feministischer und immer weniger christlich geworden sind.

Ich finde das alles jedenfalls gar nicht so unproblematisch, denn auch in den ersten Stadien des Feminismus waren viele falsche Ideen schon angelegt. Daher mal ein paar Probleme aufgezählt, die praktisch seit seiner Gründerzeit immer wieder auftauchen. (Ach ja, das noch an alle Feministinnen: Ihr könnt mich nicht als Pick-me-girl beleidigen, weil ich nämlich weder in einer Beziehung noch für eine Beziehung offen bin, ällabätsch.)

1) Der Feminismus hat nie wirklich die Frauen vertreten. Die Mehrheit der Frauen hat die jeweils aktuelle Generation von Feministinnen immer als komisch und übertreibend gesehen, oder sich einfach nicht für sie interessiert. Man sieht das gut daran, dass z. B. immer noch die Mehrheit der Frauen bei der Hochzeit den Namen des Mannes annimmt und Gendersprache ablehnt. Sicher: Die vorige Generation der Feministinnen hat immer so weit die Deutungshoheit gewonnen, dass man sagt „ja, damals war der Feminismus ja noch gut, aber jetzt…“ (Ungefähr so, wie man das auch bei der SPD macht.) Dabei haben auch im jeweiligen „Damals“ die meisten Frauen nicht viel vom Feminismus gehalten. Auch zur Zeit der Suffragetten, die hauptsächlich das Wahlrecht wollten, waren die meisten Frauen erst mal dagegen – nicht, weil sie sich selbst für total blöd hielten, sondern z. B. aus solchen Gründen, wie dass Politik etwas Unweibliches sei, oder Frauen sich ihre Überparteilichkeit bewahren sollten. (Der Punkt war eben auch, dass sie das Wahlrecht und andere politische Rechte nicht als grundlegende Menschenrechte sahen, ohne die man erniedrigt war, sondern als bürgerliche Rechte, die je nach Nützlichkeit vergeben wurden oder nicht.) Das heißt nicht, dass man nichts gut finden kann, wofür sich Feministinnen irgendwann mal eingesetzt haben – ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, und keine Ideologie könnte länger bestehen und Leute anziehen, wenn sie völlig böse wäre. Es heißt nur, dass man auch ein bisschen skeptisch gegenüber den ersten Generationen von Feministinnen sein sollte. Auch die Suffragetten hatten oft unschöne Ideen (z. B. „freie Liebe“) oder haben politische Gewalt eingesetzt (zumindest in England). Und was ihre zentrale Idee angeht: Man kann schon der Meinung sein, dass auch die weibliche Perspektive in der Politik was nützen könnte, aber auch die typische Parteipolitikerin scheint keine Vertreterin der meisten Frauen zu sein.

Aber wie auch immer: die meisten Frauen haben sich eben immer eher auf ihr Privatleben konzentriert und die Feministinnen ignoriert oder sie genervt toleriert und die Feministinnen haben dadurch die Deutungshoheit gewonnen, und das ist ein Problem.

2) Der Feminismus muss zwangsläufig Kinder als Problem sehen; denn Kinder sind es, die Frauen ungleich machen. Kern des Feminismus ist es ja, dass Frauen gleich sein sollen wie Männer; was als typisch weiblich gilt, wird tendenziell als Schande empfunden, und wegen wirklicher Nachteile, die Frauen nun mal haben, ist man verbittert. Ein solcher Nachteil sind die ganzen Probleme mit Schwangerschaft, Stillen und Geburt. Männer sind nur am angenehmen Teil der Fortpflanzung beteiligt, und können sich dann auch viel leichter aus der Verantwortung stehlen, und hier stampft der Feminismus mit dem Fuß auf und sagt „will auch“. Dabei müssen zwangsläufig Kinder unter die Räder geraten. Manche Feministinnen schrecken hier zurück, aber die wirklich überzeugten lassen dann eben die Kinder unter die Räder geraten.

Es ist einfach so: Kinder erfordern Zeit und Anstrengung, und einen Teil dieser Anstrengung erfordern sie notwendigerweise von ihrer Mutter. Und weil Feministinnen es nicht dulden wollen, dass sie einen Nachteil haben, den Männer nicht haben, müssen Frauen das Recht auf Abtreibung haben. Und wenn Kinder doch geboren werden, müssen sie auch irgendwohin; also heißt es eben Kinderkrippe so bald wie möglich und dann Ganztagskindergarten und Ganztagsschule.

(Interessanterweise kommen ja von Feministinnen, die Pro-Lifer angreifen, manchmal solche Argumente wie „wenn es für Frauen keinen Ausweg aus einer Schwangerschaft geben soll, dann für Männer auch nicht“ – als ob sie keine Ahnung haben, dass die meisten Pro-Lifer ja Christen sind, die wollen, dass der Mann die Frau erst mal heiratet und dann auch sein Leben lang für sie und die Kinder da ist, oder, wenn eine Ehe für die beiden wirklich keine gute Idee wäre, sich trotzdem auch um seine unehelichen Kinder kümmert.)

Die Alternative wäre einfach, es so zu machen wie früher, und Mütter gerade für ihre Mutterrolle zu ehren, auch von Kindern Respekt für ihre Mutter zu erwarten, und ihnen andere Anstrengungen (z. B. Berufstätigkeit) eher zu ersparen, aber das wollen Feministinnen natürlich gerade nicht.

3) Der Feminismus hat eigentlich auch keinen Platz für Männer. Sie stören immer irgendwo. Und während kleine Ungleichheiten zulasten von Frauen (z. B. dass typische Frauenberufe tendentiell schlechter bezahlt sind) als Beweis der patriarchalen Unterdrückung genommen werden, werden Ungleichheiten zulasten von Männern ausgeblendet (z. B. dass mehr Männer obdachlos, Selbstmordopfer oder Opfer von Arbeitsunfällen sind). Feministinnen behaupten z. B. öfter, wenn das und das ein Männerproblem statt ein Frauenproblem wäre, hätte „die Gesellschaft“ (wer auch immer das ist) schon lange alles mögliche dagegen unternommen, wobei nicht erklärt wird, wieso die Gesellschaft dann gegen tatsächliche Männerprobleme nicht immer so viel unternimmt. Und auch als Frau, die nichts mit dem Feminismus zu tun hat (wie ich), ist man meistens doch genug von ihm beeinflusst, dass man, wenn es um solche Probleme gehen soll, immer auch betonen muss, dass es natürlich auch Frauenprobleme gibt usw. usf.

Man merkt es z. B. auch in vom Feminismus beeinflussten Filmen, dass es ständig eine starke Frau geben muss, die einen eingebildeten oder unfähigen Mann übertrumpft. Nicht, dass man das nicht mal haben kann; aber das Gegenteil (die unfähige Frau) wäre genauso legitim. Und ein paar gute männliche Figuren zum Ausgleich wären auch nicht schlecht. Auch wenn Feministinnen (manchmal) erklären, dass der Feminismus eine bessere Welt für Männer und Frauen schaffen soll, hat man am Ende doch das Gefühl, es ist eher eine gewisse Verbitterung gegenüber Männern da.

Bei ihnen merkt man eine gewisse Schizophrenie gegenüber dem anderen Geschlecht. Einerseits erklären sie, dass Männer sich mehr Weiblichkeit zutrauen, Schwäche zeigen und über ihre Gefühle reden sollen, andererseits behandeln sie Männer, die Schwäche zeigen, verächtlich und unterstellen ihnen z. B. ein kleines Geschlechtsorgan und sonstige Minderwertigkeitskomplexe. Wenn jemand eine dicke Frau beleidigt, ist das Fatshaming und sie wunderschön; wenn jemand einen dicken Mann beleidigt, ist das verdient und er ein Loser, der wahrscheinlich bei Mama im Keller wohnt (statt dass man einfach gerecht wäre und Übergewicht weder als gut und schön noch als Rechtfertigung für Beleidigungen und Mobbing sehen würde).

Auch die Männer, die sich selber als Feministen sehen und z. B. laut erklären, wie sehr sie selbstbewusste Frauen unterstützen, wirken auf mich irgendwie immer wie Außenseiter unter Feministinnen. Und ich habe nicht mal das Gefühl, dass die Feministinnen solche Männer selber besonders toll finden – eher den Eindruck, dass sie sie auch ein bisschen verachten, und im Geheimen doch männlichere Männer attraktiver finden, die sich nicht so anbiedern. Diese männlichen Feministen wirken auch manchmal ein bisschen creepy; als ob sie sich bei Frauen einschleimen, um leichter mit unschönen Verhaltensweisen durchzukommen, und z. B. auf pro-Abtreibung machen, weil sie keine Lust auf Unterhaltszahlungen im Fall der Fälle haben.

Dabei macht es der Feminismus für die große Masse der Männer schwieriger, eine ganz normale gesunde Männlichkeit zu finden. Die netten Männer neigen dann zu zu viel Nachgiebigkeit gegenüber den Feministinnen, und diejenigen, die das Gelaber von Frauen einen Scheißdreck schert, sind dann im Vergleich die, die auf einmal attraktiver und männlicher wirken, auch wenn ihr Charakter vielleicht nicht der beste ist. Es ist kein Wunder, dass in Zeiten des Feminismus „Shades of Grey“ ein Verkaufsschlager geworden ist, während unsere Urgroßmütter es mehr als abscheulich gefunden hätten, sich auf diese Weise erniedrigen zu lassen, und so ein Buch in den Kohleofen geworfen hätten. So etwas wie Väterlichkeit, Führungsstärke, Mut wird quasi als obsolet behandelt, und dann sehnt man sich am Ende nach einer extrem pervertierten Form davon.

Der Feminismus ist eine egalitäre Idee – d. h. Gerechtigkeit wird mit Gleichheit gleichgesetzt, jede Ungleichheit (auch auf derselben Ebene) wird zur Ungerechtigkeit, und Hierarchie kann man sowieso vergessen. Aber wenn keine offiziellen Hierarchien mehr zugelassen werden, entstehen nur pervertierte Hierarchien, wobei sich Soziopathen inoffiziell das Sagen aneignen, ohne Pflichten zu übernehmen.

Der Feminismus lässt es nicht mal mehr zu, dass Männer sich beschützerisch gegenüber Frauen verhalten, und dann verwechseln junge Mädchen, die sich doch nach einem beschützerischen Mann sehnen, manchmal auch das Besitzdenken aus gewissen unfeministischen „Migrationshintergrund“-Kulturen mit Schutz und Liebe.

4) Der Feminismus kann nie zugeben, dass Frauen ihre typischen Fehler haben. Da gibt es nun mal welche. Frauen lästern öfter, praktizieren mehr Zickereien hintenrum und können manipulativ sein. Frauen sind auch angepasster und konformistischer – gut, das bedeutet auch mehr Verträglichkeit. Vielleicht kommt es einfach daher, dass Frauen immer schwächer waren und sich wohl oft notgedrungen anpassen mussten. Wenn Männer eher gerade aus Trotz dagegen sind, knicken Frauen leichter ein. Aber jedenfalls gibt es nun mal typische Frauenfehler, und auch Frauen, die einfach sehr schlechte Menschen sind, egal, ob ihre Fehler typisch für ihr Geschlecht sind oder nicht. Der Feminismus stellt oft genug noch Tyranninnen als emanzipierte Powerfrauen dar, oder zumindest als tragische Figuren, denen man ihre Verbrechen auf keinen Fall so übel nehmen darf wie männlichen Tyrannen. Wahrscheinlich würden Feministinnen Herodias, die Frau des Herodes, die für die Enthauptung Johannes des Täufers sorgte, als mutige Frau sehen, die sich gegen die Stigmatisierung ihrer Patchworkfamilie wehrt.

Dieses Nichtzugebenkönnen sieht man jedenfalls auch bei Christen, gerade in der Pro-Life-Bewegung. Da betont man z. B. sehr die Fälle, in denen Frauen vom Kindsvater zur Abtreibung gedrängt werden und irgendwie hilflos und in die Enge getrieben sind. Man will schließlich jeden mit christlicher Nächstenliebe behandeln und nicht zu schnell verurteilen. Diese Fälle gibt es natürlich oft genug, das sollte man definitiv nicht unterschlagen, aber es gibt z. B. auch Fälle, in denen eine Frau gegen den Willen ihres Partners abtreibt, oder abtreibt, obwohl er ihr sagt, sie hätte seine Unterstützung, wenn sie es behalten will; und das sollte man auch nicht ganz ausblenden. Nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer in solchen Situationen können irgendwie hilflos oder hin- und hergerissen sein. In der Beratungsarbeit bekommt man bei Pro-Life-Organisationen wahrscheinlich eher die Fälle mit, in denen die Frau eigentlich nicht wirklich abtreiben will; vielleicht liegt es daran. Aber Frauen sind generell Wesen mit eigenem Verstand, die für ihre eigenen Verbrechen verantwortlich sind, und es meistens auch besser wissen könnten. Und auch Frauen können narzisstische Psychopathinnen sein. Es gibt auch (sicher nicht oft, aber in einzelnen Fällen) Frauen, die abtreiben, weil sie sich an ihrem Exfreund rächen wollen, oder Abtreibung quasi als nachträgliches Verhütungsmittel sehen.

Männliche Ansprüche oder Erwartungen an Frauen sind für Feministinnen absolut tabu – sogar dann, wenn es um absolut grundlegende normale Erwartungen geht, z. B. dass ein Mann sich von seiner Freundin trennen würde, wenn sie ihn betrügen, ihm ein Kuckuckskind unterjubeln oder sich einen Onlyfans-Account zulegen würde, auf dem sie Nacktfotos und -videos von sich verbreitet. Da heißt es dann eher „schau mal, was in eurer Beziehung gefehlt hat, sodass sie es bei jemand anderem gesucht hat“ oder „bist du so unsicher, dass du es nicht erträgst, dass deine Freundin selbstbestimmt und selbstbewusst mit ihrer Sexualität umgeht“. Ganz heikel wird es, wenn z. B. christliche Männer eine Frau vorziehen würden, die vor der Ehe Jungfrau ist (oder wenn nicht, dann zumindest verwitwet oder so was). Aus christlicher Sicht ist das natürlich kein Muss für eine Beziehung, aber doch was Gutes, und zwar bei Männern wie bei Frauen, und es ist bei Männern wie bei Frauen normal, dass man es schön findet, wenn der jeweils andere noch nichts mit anderen hatte. (Und wie bei allen guten Eigenschaften wäre es auch legitim, wenn einer es als Kriterium für eine Beziehung nehmen würde – wie es auch legitim wäre, wenn eine Frau sagen würde „ich will keinen übergewichtigen Mann“ oder „ich will nur einen Mann, der einen stabilen Job hat und mit dem ich bald eine Familie gründen könnte“. Das schließt nicht aus, dass sie es sich doch anders überlegen würde, wenn sie sich total in einen arbeitslosen Akademiker verlieben würde, aber auch wenn sie es sich nicht anders überlegen würde, wäre das legitim. Leute dürfen ihre Präferenzen haben, und das ist auch keine Herabsetzung von Leuten, die diesen Präferenzen nicht entsprechen.)

5) Der Feminismus tut ständig so, als wären Tugenden wie Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Zurückhaltung, Höflichkeit, Anstand, Mütterlichkeit nur Unterdrückungsmechanismen des bösen Patriarchats. Dabei sind sie schlicht und einfach gut. Es ist nichts besonders Lobenswertes daran, laut, nervig oder fordernd zu sein. Ok, manchmal muss man es sein, das schon. Aber nicht ständig. Und öfter muss man auch fest und prinzipientreu sein, ohne deswegen unverschämt und nervig zu werden. Und wenn eine Vierzehnjährige bescheiden und zurückhaltend ist, ist das etwas Gutes und nichts, das sie sich abtrainieren soll. Man kann übrigens gleichzeitig bescheiden und zurückhaltend sein und sich deswegen nicht von jedem beeinflussen oder einschüchtern lassen; das lässt sich auch üben.

Es ist auch krass, wie Feministinnen jedes Idealbild einer Mutter oder Großmutter angreifen, weil damit andere Mütter herabgewürdigt werden würden – als ob man mit dem Vorbild eines Nationalspielers die normalen Jungs im FSV daheim herabwürdigen würde.

6) Feministinnen reden oft von Wahlfreiheit, aber machen die nicht so feministisch wirkende Wahl manchmal unmöglich (und manchmal bloß verächtlich). Z. B. sind Feministinnen sehr schnell dabei, Hausfrauen als ehrgeizlose, langweilige, unselbstständige Wesen herabzustufen. In den USA wurde es wegen dieses feministischen Einsatzes früh üblich, dass beide Elternteile arbeiten gingen und Kinder sehr früh in Krippen gegeben wurden, und das Resultat war: Die Reallöhne sind so weit gesunken, dass viele Amerikaner sich die Alleinverdienerfamilie nicht mehr leisten können; Arbeitgeber konnten sich eben auf die Doppelverdienerfamilie einstellen und mussten den Vätern keinen gerechten Familienlohn mehr zahlen. In Deutschland ist diese Entwicklung auch im Gang, nur etwas verzögert. Vergleichsweise wenige 30jährige mit kleinen Kindern werden es jetzt noch wagen, nicht wenigstens Teilzeit arbeiten zu gehen, sobald das Kind im Kindergarten ist, einfach, weil man so komisch angeschaut wird.

Darauf könnten Feministinnen jetzt sagen: Dafür waren in Zeiten des Patriarchats andere Wahlen außer Hausfrau & Mutter unmöglich. Worauf ich sagen würde: Nicht so ganz. Auch in früheren Zeiten gab es Nonnen, berufstätige alte Jungfern, intellektuelle Frauen und Künstlerinnen. Gut, einiges war schwieriger; es gab lange zwar Schulen und berufliche Schulen, aber keine Universitäten für Frauen. Und natürlich: Bei verheirateten Frauen mit Kindern (zumindest solchen, die keine Dienstboten und Kindermädchen hatten) wurde es erwartet, dass sie sich um Haushalt und Kinder kümmerten und alles andere nachrangig war. Aber das war auch angemessen; Kinder brauchen jemanden, der sich um sie kümmert, und damals war der Haushalt auch sehr viel Arbeit. Dafür wurde es auch von den Männern erwartet, auf dem Feld oder in der Werkstatt zu arbeiten und das Geld für die Familie heimzubringen; das war auch nicht immer eine tolle Selbstverwirklichung. (Genauso wie heute eigentlich.) Und seien wir mal ehrlich, das Hausfrauendasein hat seine guten und schlechten Seiten. Man muss ständig Wäsche waschen und putzen, aber kann auch ein bisschen kreativ werden beim Kochen, Backen, Dekorieren und der Gartenarbeit. Und Kinder sind nun mal sehr süß.

Außerdem, sind Frauen in den typischen Frauenberufen wie Erzieherin, Krankenschwester und Altenpflegerin denn emanzipierter als Frauen, die mit ihren eigenen Kindern spielen, ihre eigenen kranken Kinder betreuen, und ihre eigenen Eltern pflegen? Interessanterweise sind laut Umfragen die Frauen allgemein auch in den letzten Jahrzehnten nicht glücklicher geworden; so viel scheint die feministischere Lebensweise nicht gebracht zu haben.

Der Feminismus über- und unterfordert Frauen auch gleichzeitig. Einerseits hieß es v. a. früher immer, Frauen könnten gleichzeitig tolle Mütter und Karrierefrauen sein. Andererseits, weil auch Feministinnen nun mal merken mussten, dass der Tag nur 24 Stunden hat, und entweder das eine oder das andere zu kurz kommt, gilt es jetzt praktisch schon als böse, irgendwelche Erwartungen an Mütter zu haben.

7) Der Feminismus hat im Bereich der Sexualität viele Hemmungen und Tabus abgebaut, die Frauen und Männer beide vor Verletzungen geschützt haben. Sexuelle Liberalisierung funktioniert einfach nicht. Z. B. waren es (auch) Feministinnen, die für die damals so genannte freie Liebe eintraten, für erleichterte Scheidung und dergleichen. Damit haben sie es aber auch für Männer leichter gemacht, z. B. ihre Frau zu verlassen, sobald sie 42 ist und Dehnungsstreifen und Krampfadern hat, und eine Jüngere sich bietet. Männer – zumindest attraktive Männer – haben auf sexuellem Gebiet natürliche „Vorteile“ (nicht wirklich Vorteile, denn die leichtere Möglichkeit, das Falsche zu tun, ist kein wirklicher Vorteil); es bringt nichts, hier mit ihnen konkurrieren zu wollen. Während Frauen, wenn sie jung sind und wirklich promiskuitiv sein wollen, sehr leicht Partner finden können, hat diese Attraktivität ein früheres Verfallsdatum; ein Mann kann dagegen auch mit 45 noch attraktiv aussehen und eine jüngere Frau finden, die es vielleicht auch ganz nett findet, dass er schon eine höhere Position und ein bisschen Geld hat.

Überhaupt macht die feministische Liberalisierung in diesem Bereich keinen rechten Sinn. Denn einerseits wird gesagt, Frauen sollen selbstbestimmt sein, Kontrolle haben, usw., andererseits geht es ja normalerweise um Sex mit männlichen Partnern, wobei man zwangsläufig Kontrolle an den Mann abgibt, der irgendwie auch der patriarchale Feind ist.

8) Es gibt ja auch die Radikalfeministinnen, die z. B. Männer so sehr ablehnen, dass sie lieber für generelles Lesbentum sind. Hier kann jeder sehen, dass das nun mal einfach nicht der menschlichen Natur entspricht, und die allermeisten Frauen nicht mitmachen werden. Es gibt auch Radikalfeministinnen, die weniger weit gehen, und z. B. Sex zwischen Männern und Frauen gestatten, aber Vaterschaft für eine böswillige und unnötige Erfindung halten. Die These ist in etwa: In der Steinzeit wussten die meisten Männer doch gar nicht, welche Kinder ihre waren (es wurde wohl einfach wild durcheinandergevögelt); die Frauen waren selbstständig und die Kinder haben ihnen allein gehört; die Männer haben bloß als Onkel ihre Schwestern unterstützt. (Diese Feministinnen sehen immerhin Mutterschaft etwas positiver, aber wollen eben das Matriarchat.) Man könnte jetzt genauer ausführen, wieso diese Anthropologie der reinste Schwachsinn ist, aber der normale Mensch wird sich das schon denken können, wenn er sieht, wie sog. „offene Beziehungen“ in der Praxis aussehen. Sex bindet Leute aneinander, allein schon hormonell, und es geht nie ohne Eifersucht und Verletzungen ab, wenn man versucht, dieses exklusive Band auseinanderzureißen. Allgemeine freie „Liebe“ hat nie funktioniert und wird nie funktionieren.

Und hier wieder: Die meisten Frauen würden dabei einfach nicht mitmachen wollen. Weil sie nun mal doch Männer anziehend finden und irgendwie Romantik wollen statt bloß anonymen Sex. So wie sie auch zumindest ein, zwei Kinder süß finden, und irgendwie weiblich sein wollen statt geschlechtslos.

Der Punkt ist ja letztlich auch der: Gott hat Männer und Frauen gemacht, und wenn Er schon zwei Geschlechter gemacht hat, ist es logisch, dass es da auch von Ihm gewollte Unterschiede geben wird. Als Christin kann man eigentlich schwer Feministin sein.

Notwendige Prahlerei und Heldenmut

In den letzten Tagen wurde auf Twitter ja sehr viel über Afghanistan geredet, und u. a. darüber, wieso die hochgerüstete und zahlenmäßig überlegene afghanische Armee so schnell vor den Taliban kapituliert hat, Soldaten sogar übergelaufen sind, und wieso Bilder vom Flughafen in Kabul vor allem Männer zeigen, die versuchen, zu Flugzeugen zu gelangen, fast keine Frauen und Kinder. Auf Äußerungen wie „ich würde nicht kampflos aufgeben“ oder „ich würde nicht meine Familie auf der Flucht zurücklassen“ kamen dann schnell Beleidigungen im Stil von „Du wärst sicher ein Feigling, laber doch nicht“.

Ich möchte eine These aufstellen, ganz unabhängig davon, was Leute in dem Chaos in Kabul getan oder nicht getan haben: Es ist nicht einfach überhebliche Prahlerei, wenn Leute sagen „Im Krieg würde ich nie allein fliehen und meine Familie zurücklassen“ oder auch „ich würde nie meine Kinder zurücklassen, um schneller vor einem Feuer zu fliehen“ oder auch „auch wenn mich ein antichristlicher Diktator oder ein islamischer Terrorist dazu zwingen wollen würde, würde ich niemals Christus verleugnen“.

Der Grund dafür: Es ist gut, sich drauf einzustellen, was einem selber theoretisch mal passieren könnte, und dass man dann mutig sein müsste, dass Gott einem auch die Kraft dazu geben würde. Viele Menschen werden irgendwann in schlimme Situationen kommen, welcher Art auch immer. Und es ist ja nicht so, dass alle Menschen in solchen Situationen nicht mehr sie selbst sind, Menschen können auch über sich hinauswachsen. Ich habe das Gefühl, wenn Leute über Heldengeschichten die Nase rümpfen, dann machen sie solche Geschichten in der Realität unmöglich, weil jemand gar nicht mehr an den Gedanken gewöhnt ist, dass er selbst so etwas tun könnte, oder dass man so etwas sogar von irgendjemandem verlangen kann. Da sollen alle auf ein moralisch möglichst tiefes Niveau heruntergezogen werden, damit sich keiner mehr schlecht fühlt, wobei man sich mit dem Gedanken „wenigstens sind wir nicht überheblich und bilden uns was auf unsere Tugend ein“ tröstet.

Deswegen würde ich z. B. auch gegenüber den Argumenten von Abtreibungsbefürwortern inzwischen deutlicher sagen „wenn ich vergewaltigt und davon schwanger werden würde, würde ich mein Kind niemals abtreiben, sondern es lieb haben, Babykleidung kaufen und einen Namen aussuchen, vielleicht Cäcilia oder Konstantin, wobei Clemens auch sehr schön wäre“. Ich bin kein besonders mutiger Mensch und heule schon bei Kleinigkeiten, aber in so einer Situation könnte ich mir tatsächlich nichts anderes mehr vorstellen – sogar so ein Kind zur Adoption freigeben kommt mir unschön vor und das möchte ich einfach nicht. Genauso würde ich sagen „Wenn mir ein Islamist drohen würde, mich zu erschießen, wenn ich nicht das islamische Glaubensbekenntnis aufsage, würde ich es nicht aufsagen“. Gut, das ist eine relativ einfache Situation, weil kurzer schneller Märtyrertod – vor Dingen wie Folter und Gefängnis hätte ich viel mehr Angst, wirklich sehr viel mehr. Aber auch da: Ich finde es wichtig, sich im Vorhinein – wer weiß, ob wir irgendwann noch mal Kriege oder Ähnliches erleben werden – klar zu machen, was man tun müsste. Das gilt natürlich auch für harmlosere Situationen, die man vorhersieht.

Natürlich: Wenn man selber anderen Vorhaltungen macht, muss man auch Vorhaltungen von anderen ertragen. Ich finde sehr wohl, dass Deutsche über Afghanen sagen dürfen: „Wieso hat die ausgebildete Armee nicht mal versucht, zu kämpfen? Und wieso lassen so viele Männer, die zum Flughafen fliehen, offensichtlich ihre Familien zurück?“ Aber genauso hat jeder Ausländer das Recht, zu sagen: „Wieso haben die deutschen Männer, sogar die Polizisten, den Frauen bei der Kölner Silvesternacht, die massenhaft bedrängt, gedemütigt und teilweise vergewaltigt wurden, nicht geholfen?“ Denn beides ist schlimm und feige, auch trotz der Situation.

Man muss natürlich hier zwei Dinge unterscheiden: In manchen Situationen sind heroische Taten wirklich notwendig, verpflichtend. Man darf nicht, wenn man gefoltert wird, Christus verleugnen, oder seine Freunde verraten, oder zustimmen, selbst irgendwelche Gräueltaten an anderen zu begehen. Das ist eine furchtbare Situation, aber dasjenige zu tun, wäre trotzdem sehr falsch, auch wenn die Zurechnungsfähigkeit gemindert wäre, und viele Leute im Lauf der Geschichte haben es geschafft, hier das Richtige zu tun. In anderen Situationen ist Heldenhaftigkeit mehr als das Geforderte, z. B. wenn es darum geht, als unbeteiligter Nicht-Polizist bei einer Messerstecherei dazwischenzugehen, um jemanden vor dem Tod zu retten, oder z. B. jemandem unter großer Gefahr vor einem gefährlichen Tier zu retten, oder eine Laufbahn beim KSK anzustreben. Man kann das nicht von jemandem verlangen und ihm sagen, er lädt Schuld auf sich, wenn er das nicht tut. Aber es ist eben trotzdem heldenhaft, gerade auch weil es mehr ist, als man verlangen kann, und solche Leute gehören gehörig gepriesen.

Und ich würde sagen, sogar wenn es um eine moralisch gebotene Heldentat geht, kann jemand, der diese Heldentat nicht geschafft hat, der feige und schwach war und eingeknickt ist, sich wieder aufrappeln, und die Leute bewundern, die es geschafft haben, sich an ihrem Beispiel aufrichten und sie ggf. um ihre Hilfe dabei bitten, stärker zu werden. So können wir uns gegenüber den Heiligen im Himmel verhalten, unter denen ja sehr viele Märtyrer sind; sowohl, wenn es um ein richtiges eigenes Martyrium geht, als auch, wenn man ein kleines Pseudo-Martyrium, z. B. Verleumdung oder Ausgrenzung wegen des Glaubens, aushalten muss (was sich evtl. gar nicht so klein anfühlen kann).

Ja, es ist sympathischer, wenn man nur bei Sachen, bei denen man sich einigermaßen sicher ist, dass man sie schaffen würde, sagt „ich würde das niemals tun“, und bei zweifelhafteren Sachen eher sagt „das wäre das Richtige, und ich hoffe, dass ich mit Gottes Hilfe die Kraft hätte, das zu tun“. Prahlerei kann eine Sünde sein – eine lässliche freilich. Aber es ist mir ehrlich gesagt sympathischer, wenn kleine Jungen herumprahlen, was sie als Ritter der Tafelrunde, Kreuzfahrer oder Entdecker getan hätten, als wenn sie sich weder was zutrauen noch anständige Helden als Vorbilder haben.

Charles-Philippe Larivière - detail of Battle of Ascalon, November 18, 1177.jpg

Noch ein kurzes PS zu Afghanistan, auch wenn das eigentlich nicht zum Thema gehört: Es ist erstaunlich, wie viele Leute hier wieder auf das linke Scheindilemma „Flüchtlinge in Afghanistan sterben lassen oder nach Deutschland holen“ hereinfallen – als wäre es keine Möglichkeit, die Nachbarländer Afghanistans dabei zu unterstützen, dass sie Flüchtlinge aufnehmen, sowohl finanziell als auch mit Hilfskräften, die auch vor Ort zusehen können, dass die Hilfe ankommt. Viele Afghanen gehören zu Volksgruppen, die auch in Pakistan, Usbekistan oder Tadschikistan leben, und könnten sich viel leichter in solchen Ländern zurechtfinden und ein neues Leben anfangen als in Europa.

Hatten die Tradis doch Recht: Ein paar Entschuldigungen

Wer schon länger bei mir mitliest, wird vielleicht an manchen Sachen gemerkt haben, dass sich ein paar meiner Einstellungen mit der Zeit geändert haben. Als ich diesen Blog begonnen habe, habe ich mich als konservative Katholikin bezeichnet; jetzt, ein paar Jahre später, sehe ich mich ziemlich klar auf der Tradi-Seite, und Konservativsein eher als Kompromiss auf halbem Weg. (Ein paar politische Einstellungen haben sich bei mir auch geändert, aber dazu vielleicht ein andermal.)

Jedenfalls, ich wollte mich an dieser Stelle mal entschuldigen, weil ich in den vergangenen Jahren hier ein paar Mal überheblich oder abschätzig war gegenüber Meinungen, die mir übertrieben oder zu unnormal vorkamen. Und wenn ich schon dabei bin, kann ich ja auch dazu kommen, was genau ich über manche Sachen jetzt denke. Es ist mir eben manchmal so gegangen, dass ich natürlich nichts von der Kirche Verurteiltes glauben wollte, aber erst mal skeptisch gegenüber manchen früher weit verbreiteten katholischen Einstellungen war, und dabei dann selber wieder übertrieben habe, und manche kirchlichen Äußerungen auch nicht so gut kannte.

(Ich meine eher hier nicht Zeug, das ich vor ein paar Monaten geschrieben habe, sondern wollte mal im Rückblick einen gesammelten Artikel über einige meiner Einstellungen von vor ein paar Jahren schreiben.)

Und dann habe ich mit der Zeit eben gemerkt, dass die Radtrads doch manchmal Recht haben, und dass es nicht immer eine gesunde Reaktion ist, wenn man zu sehr drauf schaut, sich von Leuten „abzugrenzen“, die grundsätzlich auf derselben Seite, aber vielleicht irgendwie radikal oder irgendwie komisch sind, und gleichzeitig drauf schaut, Leute, die einen nicht mögen und auf einer ganz anderen Seite sind, möglichst nicht vor den Kopf zu stoßen. Ich will nicht sagen, dass ich das immer so gemacht habe (und auch nicht, dass man jetzt die Gegner ständig vor den Kopf stoßen soll oder gar keine innerkatholischen Streitereien mehr ehrlich austragen darf, die sind schon auch wichtig), aber ich glaube, ich hatte schon eine gewisse Tendenz in diese parteiliche Richtung.

Ich glaube, manchmal habe ich mir auch ein bisschen was drauf eingebildet, bei der und der Sache nicht stereotyp erzkonservativ zu sein. Wahrscheinlich habe ich mir auch schon vor meiner katholischen Zeit manchmal was drauf eingebildet, anders als andere zu sein, z. B. intellektueller zu sein als andere Mädchen, oder mich nicht zu schminken. Ich meine damit nicht, dass man sich immer an andere anpassen muss, sondern nur, dass Anderssein etwas Neutrales ist. Ich schminke mich auch jetzt noch nicht. Man muss definitiv nicht alles annehmen, nur weil es manche auf der eigenen Seite denken, aber man muss es deswegen auch nicht ablehnen.

Und auch die Radikalen oder die Griesgrämigen können mal Recht mit einem harten Urteil haben. Ich bin selber von meiner Gemütslage her öfter so drauf (außerhalb des Internets mehr als im Internet), dass ich keine unnötigen Streitereien will und die nötige Mäßigung in allem haben will. Aber manchmal – nicht immer – stimmen eben auch die harten, scheinbar unverhältnismäßigen Aussagen, weil die scheinbar normalen Aussagen die Verhältnismäßigkeit verloren haben. Deswegen muss man nicht griesgrämig werden. Man kann fröhlich sein und sich um das kümmern, was man gerade zu tun hat, und Gott alles Restliche in die Hände legen. Aber manchmal sind Dinge einfach sehr schlecht und ableugnen hilft nichts.

(Für eventuelle an Skrupulosität leidende Leser: Ich meine damit nicht, dass ich meine Aussagen in meinen Artikeln über Moraltheologie radikalisieren müsste; um dieses Thema geht es hier nicht, denn dabei habe ich schon einigermaßen recherchiert.)

Ein paar Beispiele für das, was ich meine:

Vor zehn Jahren (noch zu Papst Benedikts Zeiten), als ich angefangen habe, den Glauben ernst zu nehmen, habe ich mir noch gedacht: Wow, wir haben ja wirklich Glück mit den Päpsten und der Kirche jetzt, das war sicher total schwierig für die Leute im Mittelalter und so. Wir haben jetzt Benedikt und den Youcat und die Jugend2000 und Nightfever, und Glaubenswissen ist für uns zugänglich und der Glaube wird nicht so politisch missbraucht. Mittlerweile sehe ich es ziemlich genau umgekehrt – heute wird es einem schwer gemacht, zu wissen, was man jetzt eigentlich glauben soll und was verlässlich ist, es gibt die komischsten Cliquen in der Kirche und die Bischöfe kuschen vor dem Staat, und das soll man alles nur im Vergleich dazu gut finden, dass es angeblich im imaginären Mittelalter viel schlimmer gewesen wäre. (Ich kann mich auch nicht mehr so für Benedikt begeistern wie früher, auch wenn ich ihn immer noch persönlich sehr sympathisch finde. Manches, was er z. B. noch als Konzilsberater oder Kardinal getan hat, kann man nicht uneingeschränkt gut finden.) Mit der Zeit ist mir wirklich auch klar geworden, wie extrem der Glaube hierzulande in den letzten paar Jahrzehnten zerfallen ist, auch in meiner eigenen Familie, während meine Vorfahren von Generation zu Generation katholisch waren (und ja, Glaubenswissen hatten), wahrscheinlich seit dem 8. Jahrhundert. In den letzten 60 Jahren ist ein solcher Abbruch passiert, dass man ihn mit sehr wenigem in der Kirchengeschichte vergleichen kann, nicht einmal wirklich mit der Arianismus-Krise im 4. Jahrhundert. Da kann man ruhig sagen, dass es schlimm ist, und dass dieser Zustand die Dämonen freut. Man muss nicht ständig nur daran denken, vor allem nicht an all das, was man nicht ändern kann, aber es ist einfach trotzdem sehr, sehr traurig.

Ich habe jetzt kein Problem mehr damit, zu sagen, dass sich die Dämonen sicher übers 2. Vatikanum gefreut haben: Eine der größten Gelegenheiten jemals, bei denen die Hüter der Kirche ihr Amt verraten haben. Wenn man von einzelnen Schwierigkeiten bei den Texten absieht (viele waren ganz normal, sogar schön, aber einige waren tatsächlich schlecht in dem, was sie vermittelt haben): ein Konzil besteht ja nicht nur aus Texten, sondern hat auch eine Wirkung und eine Umsetzung durch die daran beteiligten Bischöfe. Und das Schlimmste daran war nicht eine bestimmte Lehre oder Neuerung, sondern der vom Konzil verbreitete Eindruck, alles müsse jetzt irgendwie neu und auf den Prüfstand gestellt werden und bis jetzt wäre man gar nicht wirklich christlich gewesen. Ich hatte Glück, da trotzdem noch zur Kirche zu finden.

[Anmerkung: Das soll kein Zweifel an der Gültigkeit des Konzils sein. Aber als Pastoralkonzil war es nicht unfehlbar.]

Dann noch ein paar weniger wichtige Beispiele, bei denen ich gemerkt habe, dass die Tradi-Sichtweise doch ganz stimmig ist:

Da wäre z. B. das Thema „Modesty“ (schamhafte Kleidung): Spielt in Deutschland keine so große Rolle in Diskussionen, in den USA schon eher. Da ist man schnell dabei, sich über die Radikalen lustig zu machen, für die wohl alles unanständig wäre, und zu sagen, dass Männer doch wohl Frauen respektieren können, auch wenn die sich nicht in eine Burka hüllen würden. (Mit „man“ meine ich hier katholische Mädels, die auch ein bisschen feministisch sein wollen, wenn auch nicht so sehr wie die richtigen Feministinnen, also praktisch das, was ich auch vor nicht so langer Zeit war. Ich hab hier ja auch mal einen Artikel geschrieben, in dem ich mich über komisch wirkende Schamhaftigkeitsvorstellungen geärgert habe – der ist inzwischen nicht mehr öffentlich, weil ich nicht mehr so ganz dahinter stehen würde.) Aber auch hier bekämpft man manchmal Strohmänner. Es ist nun mal eine Tatsache, dass viele Frauenklamotten von den Designern so gemacht werden, dass sie sexuell anziehend sein sollen (auch wenn irgendein Mädchen sie nur kauft, weil ihr gerade die Farbe gefällt oder was weiß ich); es ist keine Erfindung von katholischen Tradis, dass Männer öfter auf visuelle Reize anspringen, mehr als Frauen. Natürlich gilt trotzdem: Wenn einem ungewollt unanständige Gedanken kommen, ist das noch keine Sünde und man kann und muss diese Gedanken auch ignorieren oder wegschieben. Es stimmt auch, dass solche Gedanken auch zwischendurch kommen werden, wenn alle sich normal anziehen. Aber es ist auch einfach eine leicht einsichtige Tatsache, dass man das nicht zusätzlich hervorrufen und es Leuten zusätzlich unnötig schwer machen muss. Außerdem sorgt es auch einfach für normalere Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die oft ja gar nichts Romantisches voneinander wollen, wenn man nichts trägt, bei dem andere sich ständig bemühen müssen, sich nicht ablenken zu lassen. Dazu kommt, dass man ja nicht anderen Leuten alles herzeigen muss, auch wenn die sich nicht für einen interessieren würden.

Auch das „Sollen sich Mädchen von Kopf bis Fuß verhüllen?“-Argument ist Blödsinn. Männerklamotten sind auch nicht tief ausgeschnitten oder reichen kaum über den Hintern, trotzdem gehen Männer nicht im Sommer an Hitze zugrunde. (Das ist ja auch ein Grund, warum bei dem Thema öfter über Frauenkleidung als über Männerkleidung geredet wird: Männerklamotten werden nicht so designt wie Frauenklamotten.) In einem etwas lockeren T-Shirt mit hohem Ausschnitt und einem knielangen Rock oder einer knielangen Hose ist es einem nicht wirklich heißer als in einem engen T-Shirt mit tiefem Ausschnitt und einem Minirock oder Hotpants. Die Hotpants können sogar unbequemer und unpraktischer sein, weil dann z. B. die schwitzenden Oberschenkel am Stuhl kleben. Die Regeln, die die Durchschnittstradis aufstellen, sind auch nicht total übertrieben: Rock bis zu den Knien (er rutscht ja auch leichter mal hoch, wenn man sich z. B. hinsetzt oder rennt), der Brustansatz sollte nicht zu sehen sein, auch wenn man sich vorbeugt, die Sachen sollten nicht zu eng sein und z. B. nicht an der Brust oder dem Hinterteil total spannen (auch Leggins sind keine Hosen, die man ohne etwas drüber tragen sollte), schulter-, rücken- und bauchfrei ist grenzwertig. Das ist vernünftig und wirklich machbar. Wenn manche finden, dass Mädchen besser nur Röcke statt Hosen tragen sollten, halte ich das tatsächlich für übertrieben; Crossdressing ist zwar falsch, aber Hosen sind heute genauso Frauenkleidung, und Männer- und Frauenhosen unterscheiden sich auch noch genug. Aber wenn man es für besser befindet, dass Frauen ihre Femininität betonen, wieso nicht? Mir schadet es ja nicht, wenn andere Frauen es vorziehen, nur Röcke zu tragen, solange sie mich mit meinen Hosen in Ruhe lassen. Man kann es übertreiben, natürlich gibt es ab und zu jemanden, der es unschamhaft findet, wenn nackte Oberarme gezeigt werden, aber das ist nicht der Durchschnittstradi, und solche Übertreibungen sind auch keine unvergebbare Sünde.

Das Thema „Modesty“ ist eben auch eins, bei dem das allgemeine Verhältnis zum Feminismus hineinspielt. Ich hatte ja zeitweise vor ein paar Jahren auch die Einstellung, dass man Feministinnen doch dieses oder jenes zugutehalten müsse, dass sie doch sicher bei einigem Recht hätten, man sich auf sie zubewegen müsse etc. Jetzt finde ich das viel weniger. Zum Beispiel lässt sich manchmal feststellen, dass sie einfach unehrlich mit sich selber sind, wenn es um ihre Beschreibung der patriarchalen Vergangenheit geht. Ja, doch, auch „früher“ fand man häusliche Gewalt schlecht und nein, Frauen galten nicht als Besitztümer ihrer Männer. Außerdem muss man auch nicht so tun, als gäbe es keine typischen Frauenfehler, die auch nicht besser sind als typische Männerfehler, als wären Frauen generell irgendwie moralisch überlegen. Das wird häufig getan, um feministisch Gesonnenen entgegenzukommen: Man führt die Fehler von Frauen irgendwie auf Fehler von Männern zurück, um nicht so zu wirken, als würde man Frauen „dämonisieren“ – gerade so, als hätten Frauen keinen eigenen freien Willen. Und man darf auch mal zugeben, wenn Männer etwas besser können.

Ein Beispiel: Bei der Frage nach dem Frauenpriestertum wird von konservativ-katholischer Seite oft betont, dass es hier nicht darum geht, zu sagen, dass Frauen nicht predigen könnten o. Ä., sondern dass es eben darum geht, dass der Mann Jesus Christus bei der Spendung der Sakramente durch einen Mann repräsentiert wird. Nun ist es natürlich klar, dass v. a. deswegen nur Männer Priester sein können (ausnahmslos), weil sie Christus repräsentieren, eben auch in seiner Rolle als Bräutigam der Kirche / der einzelnen Seele, und dass wir ein „männliches“ Gottesbild haben (der Vater im Himmel, der die von sich irgendwie getrennte Welt schafft), während weibliche Gottesbilder oft zu pantheistischen Vorstellungen führen können (die Mutter Erde, die aus sich das Leben gebiert). (Jetzt ganz grob halbwegs erklärt.) Aber das rein männliche Priestertum hat tatsächlich auch noch mehr praktische Vorteile.

Es ist m. E. wirklich so, dass Männer im Durchschnitt besser dazu geeignet sind, zu lehren und zu leiten. Das betrifft den Durchschnitt und nicht den Einzelfall; aber Frauen sind einfach oft konformistischer gegenüber herrschenden Ideen, nachgiebiger, wollen den Frieden erhalten, oder tragen Konflikte nicht offen aus, sondern durch verdeckte Zickereien, oder behandeln intellektuelle Konflikte als persönliche, oder neigen zu Emotionalisierung. Vielleicht kann sich das auch mal in positiver Weise auswirken, wenn man z. B. nicht mit Absicht dagegen ist oder besser sieht, was Leuten bei einer bestimmten Sache emotional wichtig ist, aber bei Aufgaben der Lehre und Leitung ist es oft nicht hilfreich; denn hier muss man drauf aufpassen, keine falschen Kompromisse einzugehen und muss sich auch eher mal unbeliebt machen, und darf sich nicht zu sehr von persönlichen Sympathien leiten lassen. Das ist eine Tendenz, kein immer feststehendes Gesetz, aber es ist eine feststellbare Tendenz, und deswegen ist es m. E. auch in der Politik an sich besser, wenn eher Männer es machen, aber es hat auch schon gute Fürstinnen gegeben (und sogar einzelne gute Parteipolitikerinnen). (Ich merke das übrigens an mir selber, dass ich irl manchmal zu nachgiebig-beeinflussbar bin, auch wenn ich zu emotionalisierte Sachen gar nicht mag.) Vielleicht liegt es auch an der Sorte Frauen, die sich zu diesem Beruf hingezogen fühle, aber ich habe einfach den Eindruck, die meisten predigenden Gemeindereferentinnen behandeln die Leute wie Kindergartenkinder und können nur mit symbolischen Kerzen und pseudotiefen Sprüchen arbeiten, statt z. B. die Dreifaltigkeit zu erkläre; das ist diese Emotionalisierung, die ich meine.

Wegen alldem bin ich auch Christen nicht mehr böse, die – sagen wir – solche radikalen Ansichten haben wie z. B., dass das Frauenwahlrecht besser nicht eingeführt worden wäre. Ich selbst bin mir bei dem Thema nicht ganz sicher, aber jedenfalls hätte ich gerne weniger Frauen als Politikerinnen. Es bringt so etwas Tantenhaftes, Pseudoharmonisches in die Politik hinein. Es gibt weniger Politiker, die sich mal trauen, anzuecken. Und die Gegnerinnen (ja, -innen) des Frauenwahlrechts vor hundert Jahren hatten zumindest ernstzunehmende Argumente, die man allein aus historischer Neugier mal gehört haben sollte, und an die überhaupt keiner mehr denkt. Ich werde jetzt nicht zur Kämpferin für die Abschaffung des Frauenwahlrechts (der Käse ist sowieso gegessen), aber ich sehe die Sichtweise, dass man es damals hätte bleiben lassen können, nicht mehr als etwas, auf das man mit Entsetzen und Empörung reagieren muss.

Oder ein anderes Beispiel: Beim Thema Todesstrafe ist es beliebt, zu sagen: Wir sind für den Schutz von allem menschlichen Leben, wir stellen uns nicht auf dieselbe Stufe mit dem Mörder, den wir bestrafen wollen, etc. Die Todesstrafe gilt als etwas Barbarisches, das höchstens noch im wilden wilden Westen überlebt hat. Man will nicht in einen Topf mit den blutrünstigen Christen im Europa von vor 200 Jahren oder den blutrünstigen Christen im heutigen Texas geworfen werden. Damit bekommt man freilich ein Problem mit annähernd 2000 Jahren Kirchengeschichte; denn die Todesstrafe wurde praktisch einmütig als grundsätzlich gerechtfertigte Strafe für schwere Verbrechen gesehen, und diese Sicht von Päpsten mehrfach bekräftigt (und das wissen Nichtkatholiken auch so ungefähr, auch wenn sie sonst einen sehr falschen Blick auf Kirchengeschichte haben, und vieles, was sie mit der Kirche assoziieren, wie z. B. Folter zur Befragung, gerade nicht unumstritten für gut befunden wurde). Natürlich kann man jetzt im Sinn eines Johannes Pauls II. sagen, ja, ja, im Notfall kann eine Gesellschaft auf die Todesstrafe zurückgreifen müssen, aber das ist doch jetzt nicht mehr nötig, wir haben Hochsicherheitsgefängnisse. Nur hatte man auch früher zumindest in vielen, wenn auch nicht in allen, Kulturen schon sehr sichere Kerker; Riegel und Wärter sind keine Erfindung aus dem Jahr 1960. Und manche Länder in der Dritten Welt, in denen es sehr korrupt zugeht und man mit Bestechung einiges erreicht, haben auch heute keine sicheren Gefängnisse.

Die Todesstrafe kann jedenfalls gerecht sein, denn: Eine Strafe ist dazu da, die durch die Tat gestörte Gerechtigkeit wiederherzustellen. Dem Täter, der seinen Willen auf Kosten anderer ausgelebt hat, soll jetzt etwas Vergleichbares gegen seinen Willen zu geschehen. Dass bei der Strafe vor allem auf diesen Aspekt der Sühne geschaut wird, ist auch wichtig, um dem Täter gegenüber gerecht zu sein; denn wenn Abschreckung der Hauptzweck wäre, könnte man auch jemanden bestrafen, der unschuldig ist, aber für schuldig gehalten wird, und wenn Besserung der Hauptzweck wäre, könnte man einen Kleinkriminellen jahrzehntelang im Gefängnis festhalten, bis man ihm seine letzten schlechten Neigungen ausgetrieben hat, statt ihn einfach nur so lange dazubehalten, bis er seine Taschendiebstähle abgebüßt hat. Nein, Voraussetzung für eine Strafe ist, dass sie als Sühne verdient ist. Und es ist gerecht, dass sie in gewisser Weise der Tat entspricht: Es ist gerecht, dass ein Dieb eine Geldstrafe zahlen muss, also auch einen Eingriff in sein Eigentum erleidet, oder dass ein Entführer ins Gefängnis kommt, also seine Freiheit einbüßt. Und für einen Mörder ist es gerecht, wenn auch er sein Leben hergeben muss. Christliche Vergebung steht dem nicht entgegen; denn Vergebung bedeutet vor allem ein Ende der Feindschaft, eine Reparatur einer Beziehung, nicht der Verzicht auf jede Strafe oder Wiedergutmachung. Man kann jemandem vergeben, und trotzdem wollen, dass er seine Strafe auf sich nimmt, und er kann sie auch auf sich nehmen wollen. Wer einem etwas kaputt gemacht hat, dem wird man verzeihen können, aber er selber wird es (hoffentlich) als gerecht empfinden, wenn er trotzdem noch Schadensersatz zahlen muss. Manchmal legt die christliche Nächstenliebe es nahe, mehr zu tun, und auf eine geschuldete Wiedergutmachung zu verzichten, und es nicht so genau zu nehmen. Aber bei schwersten Verbrechen sollte man es ein bisschen genauer nehmen, als man es heute manchmal tut.

Und die Todesstrafe ist m. E. nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis sinnvoll, da sie Täter viel eher zur Reue führt als 40 Jahre im Gefängnis mit lauter anderen verhärteten Kriminellen, und wahrscheinlich einen spürbaren Abschreckungseffekt hat (Soziologen sind sich nicht ganz einig, ob sie abschreckt oder ob sie keinen Unterschied macht; einen schlechten Effekt hat m. W. niemand gefunden, und manche Studien einen sehr positiven; leider gibt es aber einfach zu wenig Daten), und auch eine Möglichkeit bietet, Tätern beizukommen, die noch im Gefängnis Verbrechen an anderen Gefangenen oder an Wärtern begehen. Aus all diesen Gründen ist es eben nicht barbarisch, sondern vernünftig, zu sagen, dass die Todesstrafe auch angewandt werden kann, wenn man die Bevölkerung auch schützen könnte, indem man den Täter wegsperrt. Übrigens wenden auch heute noch so generell angesehene, als zivilisiert geltende Länder wie Singapur oder Japan sie an.

In Gen 9,6, als Gott den Bund mit Noah eingeht, wird die Todesstrafe für Mörder damit begründet, dass sie die Würde ihrer Opfer aufrechterhält: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll vergossen werden; denn nach Gottes Bilde ist der Mensch geschaffen.“ Das heißt nicht, dass für jeden Fall von Mord oder Totschlag die Todesstrafe nötig ist (der Bund mit Noah ist auch nicht mehr in allen Teilen in Geltung), aber sie ist sehr wohl eine gerechte Strafe, und irrelevant ist diese Begründung für Christen sicher nicht. Ich finde einfach, es ist unwahrscheinlich, dass es so wenigen Christen früherer Zeiten eingefallen wäre, dass etwas total unchristlich ist, wenn es wirklich total unchristlich ist.

Oder dann wäre da das Thema Monarchismus. Ich habe früher auch eher gedacht, dass man, auch wenn die jetzigen Demokratien sich in ihrem Anfangsstadium gegen christliche Monarchien richteten, doch deswegen nicht für Monarchien sein muss. Muss man auch nicht deswegen; aber für die Monarchie sprechen schon einige Argumente. Nicht für die absolute Monarchie, aber die war auch eher ein historischer Ausnahmefall, es gab auch in Monarchien andere Institutionen und grundlegende Gesetze, die die Macht des Monarchen begrenzten. Aber Monarchien haben eben schon Vorteile. Zunächst mal ist es ja so, dass in jedem Staat irgendjemand regiert; eine reine Volksherrschaft gibt es nirgends, und es geht im Grunde genommen nur darum, das System, Herrscher zu bestimmen, zu finden, bei dem am häufigsten gute und am wenigsten häufig katastrophale Herrscher herauskommen. Im Parteienparlamentarismus oder Präsidialsystem nun bewerben sich tendentiell eher machtgierige Leute, die sich durch undurchsichtige Parteistrukturen hochgearbeitet haben, und man hat in manchen Fällen nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. In der Erbmonarchie ist es dem Zufall der Geburt überlassen, wer der Herrscher wird, d. h. der Herrscher wird eher ein durchschnittlicher Mensch sein, der dann auch damit aufwächst, dass er zukünftig Verantwortung haben wird. Erbmonarchen können auch langfristiger denken statt nur daran, wie sie die Wähler zum Zeitpunkt der nächsten Wahl gewinnen. Und um die schlimmsten Beispiele zu nehmen: Die Erbmonarchie hat uns Iwan den Schrecklichen gebracht, aber Wahlen und Parlamente Adolf Hitler. Das heißt jetzt nicht, dass republikanische Systeme illegitim wären; sie sind eine legitime Form der staatlichen Organisation, und manche Länder sind eben jetzt Republiken. Aber andere Systeme können eben auch legitim sein.

Auch sonst: Die Vergangenheit war oft besser als dargestellt. Oft wird das Schlechte aus der Vergangenheit völlig verzerrt dargestellt und nicht mit dem heutigen Schlechten, sondern mit dem heutigen Guten verglichen, während das frühere Gute und das heutige Schlechte unterschlagen werden. Man muss die Nachteile einer Zeit mit den Nachteilen einer anderen vergleichen, nicht mit ihren Vorteilen. Und manchmal muss man sich wirklich genauer mit einer Zeit beschäftigen, um zu verstehen, wieso die Christen damals dieses taten und jenes nicht, und erst mal seine Vorurteile zurückstellen. Es gab früher Dinge, die schlecht waren, und die von den Leuten damals nicht ernst genommen wurden; jede Zeit hat ihre blinden Flecke. Aber oft war es besser als man denkt.

Oder dann nehmen wir das Thema Evolution. Ich war früher sehr leicht genervt von (häufig evangelikalen) Kreationisten, die (Makro-)Evolution grundsätzlich ablehnen, ob jetzt Langzeit- oder Kurzzeitkreationisten (aber mehr von Kurzzeitkreationisten). Ich bin jetzt nicht selbst Kreationistin geworden, sondern halte es immer noch überzeugend, dass es Evolution gibt und gab, und sehe nicht viele Argumente für das Gegenteil, aber kann eher respektieren, wenn Leute das anders sehen. Gerade in den letzten Jahren ist mir einfach mehr aufgefallen, wie viele Scheuklappen Journalismus und Wissenschaftsbetrieb beide aufhaben können, und wenn da einer noch skeptischer ist als ich, und zu anderen Schlussfolgerungen kommt, will ich ihm das nicht verübeln (solange der nicht gerade sagt, wer nicht Kreationist ist, wäre kein Christ o. Ä.). Da habe ich auch keine Lust mehr, mich damit stressen zu lassen. Solche theologischen Meinungsverschiedenheiten kann man tolerieren.

So weit mal dazu.

Wo finde ich gute Infos über den Katholizismus?

Da diese Frage immer mal wieder aufkommt, dachte ich, ich stelle hier mal eine Sammlung zusammen, von Webseiten, Büchern, Apps, Youtubekanälen, Verlagen usw., die ich kenne und die mir geholfen haben. Einiges ist vielleicht anspruchsvoll oder uninteressant für Anfänger, aber ich wollte eine möglichst vollständige Zusammenstellung schaffen, in der jeder etwas finden kann; ich habe viele Texte aufgenommen, für die keine Urheberrechte mehr bestehen und die man einfach im Internet lesen/herunterladen kann. Ggf. kommen Updates hinzu. Weitere Tipps in den Kommentaren sind sehr willkommen!

(Petrusstatue auf dem Petersplatz. Gemeinfrei.)

Zur Einführung in den Glauben gibt es natürlich erst einmal Katechismen, die den ganzen Glauben übersichtlich darstellen; bekannt ist der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), kürzer das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche. Der KKK hat aber leider ein paar Ungenauigkeiten; er ist eben nur eine Zusammenfassung der Lehre und nicht die Lehre selbst, und die Autoren haben einige persönliche theologische Meinungen hineingebracht, die nicht von der Kirche gelehrt werden (noch mehr hat das Papst Franziskus mit ein paar kurzfristigen Änderungen getan). Dennoch ist er oft nützlich und gut. Nicht zu empfehlen ist der Deutsche Erwachsenenkatechismus, der einige schlimmere Verdrehungen enthält.

Ein m. E. besserer – und auch wesentlich kürzerer und präziser – Katechismus ist der Basler Katechismus von 1947; eine Infoseite über den Glauben hat ihn als PDF; als Buch kann man ihn beim Sarto-Verlag bestellen. (Der Basler Katechismus wurde als Katechismus für Schüler im Religionsunterricht verfasst. Ich dachte mir zuerst, dass er vielleicht etwas vereinfachend wäre, als es in einer der ersten Fragen darum ging, dass man ohne den Glauben nicht selig werden kann, bis ich gemerkt habe, dass weiter unten sehr differenziert klargestellt wird, unter welchen Bedingungen Andersgläubige selig werden können. Da er für Schüler geschrieben wurde, sagt er beim Thema 6. & 9. Gebot nicht viel zu den Einzelsünden und beendet die Fragen dazu mit der Empfehlung, bei Unsicherheiten die Eltern oder den Beichtvater zu fragen. Außerdem enthält er logischerweise keine kirchlichen Stellungnahmen zu Themen, die damals technisch/medizinisch noch nicht möglich waren, wie Anti-Baby-Pille oder Leihmutterschaft. Sonst ist er allerdings sehr gut, sehr klar, und die Formulierungen sind wohlüberlegt und enthalten nichts Fragwürdiges.)

Screenshot (432)

(Ein Beispiel. Die heutige Welt lässt sich ja durch solche „einfachen Antworten“ ziemlich aufregen – auch wenn sie einfach wahr sind.)

Wenn man lieber mal was anhört, als was zu lesen, und auch mehr Hintergrundwissen sucht, gäbe es hier einen schön ausführlichen Glaubenskurs, der sich am Basler Katechismus orientiert.

Ein absolut großartiges Buch, mit dem man sich schnell und leicht verständlich über die Grundlagen des Glaubens informieren kann, das aber auch ein bisschen in die Tiefe geht, was z. B. das innere Leben der Dreifaltigkeit angeht, ist „Theologie für Anfänger“ von Frank Sheed (auch billig gebraucht zu haben). Es gibt natürlich auch andere gute Bücher zur Einführung in den Glauben, z. B. Ronald Knox‘ Klassiker „The belief of Catholics“ (online oder als Buch) von 1927, das leider bis heute nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde. Ich habe auf meinem Blog ein paar Auszüge einer privat von einem Freund erstellten Übersetzung veröffentlicht.

Es gibt einige Infoseiten, auf denen man zu so gut wie allen Themen genauere Erklärungen findet:

  • Glaubenswahrheit.org, eine Seite von Prof. Dr. Georg May, der dort Texte aus den letzten Jahrzehnten zu allen relevanten Themen eingestellt hat.
  • Das „Portal zur katholischen Geisteswelt“, betrieben von einem Priester der Petrusbruderschaft (FSSP), Pater Engelbert Recktenwald FSSP, mit Beiträgen von vielen katholischen Intellektuellen, Infos über alle möglichen Themen, die den Katholizismus angehen, und alle möglichen Persönlichkeiten aus der Kirchengeschichte. Da findet man auch ein paar vollständige ältere Werke (z. B. hier eine detaillierte Auseinandersetzung mit den reformatorischen Glaubensbekenntnissen von Johann Adam Möhler aus dem 19. Jahrhundert).
  • Die englischsprachige Seite „Catholic Answers“; teilweise ein bisschen von typisch US-amerikanischen Ansichten beeinflusst; enthält aber Antworten zu vielen Einzelfragen.
  • Die Seite katholisches.de* hat noch mehr gute Infoangebote als den oben verlinkten Basler Katechismus und Glaubenskurs dazu (z. B. ältere Bücher als PDFs etc.; auch wenn manche der Texte für mein Empfinden zu sehr zu „Intelligent Design“ neigen); sie ist nicht zu verwechseln mit katholisch.de, einer Seite, deren Redakteure sich leider nicht mit dem katholischen Glauben identifizieren, wie er von der Kirche gelehrt wird, und hauptsächlich darüber schreiben, dass sie endlich Frauenweihe, Zölibatsabschaffung usw. usf. wollen.
  • Hier gibt es eine Sammlung von Texten von Fr. John Hardon (1914-2000).
  • Zwei gute Blogs mit vielfältigen Artikeln und einer guten Übersicht wären Katholisch ohne Furcht und Tadel und Shameless Popery; beide besonders nützlich für die Auseinandersetzung mit dem Protestantismus.

Dann gäbe es auch noch Kathpedia, die katholische Version von Wikipedia, und die über hundert Jahre alte Catholic Encyclopedia.

(Aus Notre Dame de Paris. Gemeinfrei.)

Im Onlineshop der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) findet man sehr gute Dinge; die kleineren Heftchen kann man oft kostenlos bzw. gegen Spende bestellen. Z. B. gibt es Gebetbücher, einen Beichtspiegel für Erwachsene, einen Beichtspiegel für Kinder, Volksmessbücher, einen „Kleinen Katechismus“, Bücher über Spiritualität, Sakramente, Kinderbücher usw. Ähnliche kleine Gratisschriften findet man hier.

Einige Infos über gute Bücher usw. gibt es hier.

Der Sarto-Verlag** hat viele gute Bücher, auch einige Neuauflagen älterer Werke. (Und übrigens nicht nur Sachbücher, sondern auch Romane und Kinderbücher, aber das ist hier ja nicht das Thema.)

Es gibt ein paar gute katholische Apps; am liebsten ist mir die „Laudate“-App, die die Grundgebete, Tageslesungen, die Bibel insgesamt, das Stundengebet nach dem alten Ritus usw. enthält. Es gibt auch eine „Stundenbuch“-App, die bloß das Stundengebet nach dem neuen Ritus enthält.

Das lateinische Stundengebet und die Texte der Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus (alte Messe) mit englischer Übersetzung findet man online hier (als Bücher und mit deutscher Übersetzung im Shop der FSSP).

Eine Reihe guter Predigten von Pfarrer Hans Milch (1924-1987) findet man hier.

Zur Unterscheidung zwischen unfehlbaren Dogmen und Meinungen, die Katholiken haben können oder nicht (z. B. bezüglich Privatoffenbarungen) ist „What Catholics are free to believe or not“ von Fr. H. G. Hughes (erstmals veröffentlicht im Jahr 1906) ganz nützlich.

Autel du Sacré-Cœur, Basilique Notre Dame de Bonne Nouvelle, R

(Herz-Jesu-Altar in der Basilika Notre Dame de Bonne Nouvelle, Rennes; Foto von Édouard Hue (Ausschnitt). Bildquelle hier.)

Lehramtliche Texte, also offiziell von der Kirche herausgegebene, in unterschiedlichem Grad verbindliche Texte, findet man z. B. auf der Seite des Heiligen Stuhls; dort gehen die Texte allerdings nur bis etwa ins 18. Jahrhundert zurück und viele ältere Texte sind bis jetzt nur in italienischer Übersetzung eingestellt worden; ältere päpstliche Schreiben bis zurück ins Mittelalter findet man dafür in englischer Übersetzung hier. Für Lehramtstexte (nicht nur von Päpsten, auch von Konzilien und Regionalsynoden) aus der ganzen Kirchengeschichte ist der „Denzinger“ hilfreich, das „Enchiridion symbolorum definitionum et declarartionum de rebus fidei et morum / Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen“, eine ursprünglich von Heinrich Denzinger, in der um neue Dokumente erweiterten Fassung dann von Peter Hünermann, herausgegebene Sammlung von Glaubensbekenntnissen, Konzilsentscheidungen und päpstlichen Lehrschreiben im lateinischen/griechischen Original und in deutscher Übersetzung, vom 1. bis zum 21 Jahrhundert; die enthält natürlich nicht alle jemals erschienenen Texte vollständig, aber schon eine größere Auswahl in Auszügen.

Dann gäbe es noch das Kirchenrecht (das im Gegensatz zur Kirchenlehre teilweise veränderlich ist, aber trotzdem befolgt werden muss). Auf der Seite des Heiligen Stuhls findet man den Codex des Kanonischen Rechtes (CIC = Codex Iuris Canonici), das Gesetzbuch der lateinischen Kirche; den CCEO, das Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen, gibt es dort auch, allerdings nur auf Latein. Gesetzbücher sind aber bekanntlich als Anfänger nicht immer leicht zu verstehen und man kann auch Zusammenhänge übersehen, daher hier noch zwei (englische) Seiten, die genauere Infos über kirchenrechtliche Einzelfragen haben: Canon Law Made Easy und In the Light of the Law.

Außerdem wären da katholische Zeitungen und Nachrichtenseiten wie die Tagespost, die Catholic News Agency (Deutsch), kath.net, die Fernsehsender EWTN und K-TV und der Radiosender Radio Horeb.

Einige empfehlenswerte katholische/christliche Autoren, die zu verschiedenen Themen geschrieben haben wären z. B.:

  • G. K. Chesterton („Der unsterbliche Mensch“, „Orthodoxie“)
  • Ronald Knox („The belief of Catholics“)
  • Frank Sheed („Theologie für Anfänger“)
  • Robert Hugh Benson („The Friendship of Christ“, „Confessions of a convert“, „Lourdes“, „Paradoxes of Catholicism“)
  • Hilaire Belloc („The Great Heresies“, „Characters of the Reformation“)
  • C. S. Lewis [Anglikaner] („Pardon, ich bin Christ“, „Über den Schmerz“, „Dienstanweisungen an einen Unterteufel“, „Die große Scheidung“)
  • Robert Spaemann
  • Dietrich von Hildebrand („Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes“, „Der verwüstete Weinberg“)
  • Bischof Fulton Sheen („Life of Christ“)
  • Robert Kardinal Sarah („Gott oder nichts“, „Die Kraft der Stille“)
  • Der hl. John Henry Kardinal Newman („Über die Entwicklung der Glaubenslehre“).

Praktisches:

Infos zum Eintritt oder Wiedereintritt in die Kirche gibt es hier. (Generell ist es am besten, einfach mit einem Priester zu reden.)

Wenn man eine Gemeinde sucht, die die Messe im alten Ritus feiert, wird man bei dieser Karte oder bei dieser Karte fündig. Gemeinschaften, die die alte Messe anbieten, wären z. B. die Piusbruderschaft (FSSPX)*, die Petrusbruderschaft (FSSP), das Institut St. Philipp Neri (Berlin), das Institut Christus König und Hoherpriester; ansonsten gibt es natürlich auch normale diözesane Gemeinden, die es tun.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ab/Marianne_Stokes_Madonna_and_Child.jpg

(Marianne Stokes, Madonna mit Kind. Gemeinfrei.)

Wenn man zu Einzelthemen tiefer einsteigen will, gäbe es z. B. folgendes:

1) Existenz und Eigenschaften Gottes, grundlegender Aufbau der Wirklichkeit

Edward Feser, Philosophiedozent an einem amerikanischen College, und einer der wenigen Thomisten, die es heute noch gibt, hat dazu einige sehr gute Bücher geschrieben, z. B. Fünf Gottesbeweise. Aristoteles, Plotin, Augustinus, Thomas von Aquin, Leibniz“ und „Der letzte Aberglaube. Eine philosophische Kritik des Neuen Atheismus“. (Einige andere wurden noch nicht auf Deutsch übersetzt, sind aber auch sehr zu empfehlen, z. B: Aristotle’s Revenge: The Metaphysical Foundations of Physical and Biological Science“, Scholastic Metaphysics: A Contemporary Introduction“ oder „Aquinas: A Beginner’s Guide“.)

Feser betreibt auch einen Blog.

Hilfreich (sofern man gesprochenes Englisch gut versteht und nichts gegen Fachbegriffe hat) ist auch der Youtube-Kanal von „Classical Theist“.

Eine englische Seite, die einen durch den Gottesbeweis vom „notwendigen Sein“ führt, ist hier.

Ich habe über Gottesbeweise hier geschrieben und hier gibt es einen Ausschnitt von Ronald Knox darüber.

2) Historischer Jesus und Seine Auferstehung, Anfangszeiten der katholischen Kirche

„Strange Notions“, eine Seite, die sich dem Dialog mit Atheisten verschrieben hat, hat ein paar gute Beiträge zu dem Thema, wie Jesu Auferstehung bewiesen ist.

Wenn man antike nichtchristliche Texte über Jesus sucht, wird man hier bei der Uni Siegen fündig.

Wenn man wissen will, was die Urkirche zu diversen Themen geglaubt hat, verweise ich auf meine eigene (im Aufbau befindliche) Sammlung außerbiblischer, größtenteils christlicher Texte ab dem späten 1. Jahrhundert. Auch die Artikel zu „What the early Church believed“ von Catholic Answers sind hilfreich, oder das Buch „The Mass of the early Christians“ von Mike Aquilina. „Altar und Kirche. Prinzipien christlicher Liturgie“ von Stefan Heid (ein ausführliches Buch mit schönen knappen Zusammenfassungen am Ende der Kapitel) ist auch sehr hilfreich und räumt mit dem Irrglauben von den kultlosen Hauskirchen der Urkirche auf.

Ansonsten verweise ich zu diesem Thema aber vor allem auf die oben verlinkten allgemeinen Quellen (z. B. Glaubenswahrheit.org, das Portal zur katholischen Geisteswelt, Shameless Popery).

3) Sämtliche Lehren der Kirche

Der Klassiker hier, in dem haarklein aufgeführt wird, was die Kirche lehrt, und ob eine Lehre unfehlbares Dogma oder nur eine von den meisten Theologen im Lauf der Kirchengeschichte vertretene Meinung ist, ist Ludwig Otts „Grundriss der katholischen Dogmatik“.

4) Spiritualität, Gebet

Einige Grundgebete (z. B. Ehre sei dem Vater, Gegrüßet seist du Maria, Angelus, Seele Christi, Memorare, Akt des Glaubens, Akt der Hoffnung, Akt der Liebe, Akt der Reue) finden sich hier am Ende des Kompendiums des Katechismus. Die Lauretanische Litanei gibt es hier, die Josefslitanei hier, eine Anleitung zum Rosenkranz hier.

Die Geistlichen Übungen des hl. Ignatius von Loyola findet man in einer Ausgabe von 1922 hier auf Internet Archive, auch als PDF zum Download. Einen anderen Klassiker über das geistliche Leben (Gebet, Sakramente, persönliche Besserung) vom hl. Franz von Sales, die „Philothea. Einführung in das fromme Leben“, gibt es online hier (als Büchlein auch wieder im Shop der FSSP). „The Friendship of Christ“ von Robert Hugh Benson von 1912 findet man online hier. Dann gäbe es noch die „Nachfolge Chrisi“ (Imitatio Christi) von Thomas von Kempen, ein großer Klassiker aus dem Spätmittelalter.

Ein systematisches Werk über die Theologie des geistlichen Lebens von Adolphe Tanquerey mit hilfreichen, konkreten Unterscheidungen, in dem auch darauf eingegangen wird, was alle Christen und was manche Christen (Ordensleute, Priester…) in Bezug auf Streben nach Heiligkeit und Vollkommenheit nun eigentlich tun müssen, gibt es auf Englisch im Internet Archive (hier als PDF).

Pater Engelbert Recktenwald FSSP hat eine Seite speziell mit Zitaten zur Barmherzigkeit Gottes. Fulton Sheens „Life of Christ“ ist empfehlenswert; die deutsche Übersetzung allerdings nicht sehr gut. Ich finde auch das Buch „An die Liebe glauben“ von Pater Jean du Coeur de Jésus d’Elbée sehr hilfreich.

Über ein spezielles Problem des geistlichen Lebens (Skrupulosität) habe ich z. B. hier oder hier geschrieben und auch andere Dinge (z. B. von Adolphe Tanquerey oder William Doyle) dazu verlinkt; hier ein Beitrag mit zusammenfassenden Tipps.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0f/Millais_-_Das_Tal_der_Stille.jpg

(John Everett Millais, Das Tal der Stille. Gemeinfrei.)

5) Bibel

Übersetzungen: Die Einheitsübersetzung ist aktuell katholischer Standard in Deutschland, aber nicht die allerbeste Übersetzung. Die Übersetzung von Hamp/Stenzel/Kürzinger ist in Ordnung; besser ist die Kepplerbibel oder die Allioli-/Arndtbibel, die man online hier findet. Die Vulgata (die lateinische Standardübersetzung) findet man hier. Diverse neuere Übersetzungen in einigen Sprachen, hauptsächlich protestantische, aber auch die Einheitsübersetzung, gibt es online hier.

Interpretation: Bibelexegese gehört leider zu den Feldern, zu denen extrem viel pseudowissenschaftlich-spekulatives Zeug geschrieben wird; aber ein paar gute Exegeten gibt es natürlich auch. Dazu gehören Scott Hahn oder der Neutestamentler Klaus Berger. Dann mache ich hier einfach nochmals Eigenwerbung und empfehle meine Reihe über die „schwierigen“ Bibelstellen. Auch „Hard Sayings. A Catholic approach to answering Bibel difficulties“ von Trent Horn ist zu diesem Thema hilfreich.

Wer sich vor pseudowissenschaftlichen Spekulationen schützen will, sollte unbedingt C. S. Lewis‘ Essay „Laiengeblök“ gelesen haben, den es auf Deutsch in diesem Buch gibt, oder auf Englisch unter dem Originaltitel „Fern seeds and elephants“ online hier [Update: Hier ein Link zu einer besser lesbaren PDF].

6) Moral

Hier empfehle ich natürlich erst mal meine „Moraltheologie und Kasuistik“-Reihe, die praktische Einzelfragen behandelt; die ist allerdings noch unvollendet. Heribert Jones „Katholische Moraltheologie“ von 1930 ist ein ganz wunderbares Standardwerk, das nicht nur die Grundlagen von Gut und Böse kurz darlegt, sondern vor allem auch viele praktische Gewissensfragen beantwortet (solche Bücher wurden früher für Beichtväter geschrieben, zu denen die Leute mit ihren Fragen kamen); ich habe mittlerweile hier das eingescannte Buch zum Download bereitgestellt, weil man es nur noch schwer findet. Wer gut Englisch kann, dem sei „Right and Reason. Ethics in theory and practice based on the teachings of Aristotle and St. Thomas Aquinas“ von Austin Fagothey SJ empfohlen. Edward Feser hat ein paar gute Beiträge zu ein paar moralischen Fragen; z. B. hier zur Sexualethik; in diesem Essay hier erklärt er auf den ersten Seiten auch allgemeine Grundlagen des Naturrechts. Auf archive.org gibt es eine englische Übersetzung von Dominikus Prümmers Handbuch der Moraltheologie.

7) Kirchengeschichte

Hier seien einige Bücher empfohlen, die populäre Mythen über die Kirchengeschichte angehen: „Die Dunkelmänner. Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte“ von Michael Hesemann, „Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“ von Arnold Angenendt, „Von Ablasshandel bis Zölibat. Das ‚Sündenregister‘ der Katholischen Kirche“ von Josef Bordat, „Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition“ von Hans Conrad Zander, „Gottes Krieger. Die Kreuzzüge in neuem Licht“ von Rodney Stark, „Inquisition“ von Edward Peters (auf Englisch).

Ein guter Blog zu diesem Thema ist „History for Atheists“; der wird zwar von einem Atheisten betrieben, aber dieser Atheist ist ehrlich genug, um einige Geschichtsmythen, die unter den „Neuen Atheisten“ verbreitet sind, anzugehen.

8) Liturgie

Allgemeines dazu findet man am besten in den Katechismen; Erklärungen zur außerordentlichen Form des Römischen Ritus (alte Messe) findet man hier oder hier.

File:Bonhams - Jean Béraud (French, 1849-1936) The Elevation of the Host 81 x 65 cm. (32 x 25 1-2 in.).jpg

(Jean Béraud, Die Elevation der Hostie. Gemeinfrei.)

9) Ältere Klassiker:

In der Bibliothek der Kirchenväter findet man vor allem antike Texte, angefangen im Jahr 95 n. Chr.; aber auch die Summa Theologiae des hl. Thomas von Aquin aus dem 13. Jahrhundert (das meiste in Übersetzungen aus dem 19. Jahrhundert). Die Summa, ein sehr umfangreiches Werk, hat dort leider kein anständiges Inhaltsverzeichnis; wenn man wissen will, was Thomas zu einem bestimmten Thema sagt, ist es daher hilfreich, das Inhaltsverzeichnis dieser englischen Übersetzung zurate zu ziehen, um gleich zum richtigen Artikel zu kommen.

Zwei generelle Tipps: Wenn man ältere Bücher sucht, kann man manche, die man nicht mehr oder nur noch zu hohen Preisen zu kaufen findet, einfach am besten per Fernleihe in der örtlichen Bücherei bestellen. Eigentlich offensichtlich, aber man kann es vergessen. Auch im Internet Archive wird man öfter noch ältere Ausgaben der Schriften von Heiligen, Kirchenlehrern, Theologen usw. finden. (Ein schönes Beispiel wären etwa die „Ten Reasons“ des späteren Märtyrers Edmund Campion aus dem 16. Jahrhundert, eine Schrift, in der er seine Gründe gegen die Reformation und für seine Bekehrung zum Katholizismus angibt.)

Und dann zuletzt ein paar Warnungen:

„katholisch.de“ wurde oben schon erwähnt; die Seite hat aus gutem Grund den Spitznamen häretisch.de. Sie hat zwar auch ein paar auf den ersten Blick harmlos wirkende Infos zu Themen wie dem Kirchenjahr, aber dort schreiben eigentlich nur Leute, die sich innerlich schon vom Katholizismus verabschiedet haben, aber aus unerfindlichen Gründen nicht zur EKD übergehen wollen, und ihre meiste Zeit verwenden sie darauf, alles Katholische anzugreifen.

Auf der anderen Seite gäbe es z. B. eine Seite, die sich „Zeugen der Wahrheit“ nennt (kath-zdw.ch); diese Seite hat zwar auch ein paar gute Infos, verbreitet aber auch sämtliche irgendwo erhältlichen Privatoffenbarungen, inklusive derer, die von der Kirche verurteilt worden sind, und Verschwörungstheorien bis hin zu den Protokollen der Weisen vom Zion; außerdem setzen die Autoren etwas zu viel darauf, den Leuten möglichst viel Angst vor der Hölle zu machen.

Auch mit der (kommerziellen) Seite „Tradition und Glauben“ ist man schlecht bedient; es finden sich zwar ein paar gute Beiträge dort, aber auch viel sensationalistisches Zeug darüber, wieso der Rücktritt von Benedikt XVI. ungültig sei usw., und viel ekelhaftes Zeug (z. B. wird Benedikt unironisch für sein „Jet-Setten“ beschimpft, weil er seinen sterbenden Bruder besucht hat); insgesamt merkt man den Autoren sehr einen gewissen Hochmut an.

* Sie wird betrieben vom Verlag der Piusbruderschaft (FSSPX), die ja leider, anders als die ähnlich klingende Petrusbruderschaft (FSSP), zurzeit noch einen kirchenrechtlich irregulären Status hat, aber trotzdem katholisch ist und ein paar Fakultäten vom Papst erhalten hat. Wenn sich jemand fragt, wieso ich hier auch Infos von der Piusbruderschaft verlinke:

1) Die verlinkten Infos sind größtenteils aus älteren Quellen, die nur zufällig von dieser Organisation bereitgestellt werden; wieso sollte man, weil die Piusbruderschaft ihn ins Internet hochgeladen hat, einen Katechismus ablehnen, der geschrieben wurde, als sie noch nicht einmal existiert hat?

2) Die Piusbruderschaft vertritt nirgends Irrlehren, sie erkennt den Papst an und befindet sich nicht im Schisma; was ihr vorgeworfen wird, ist eher Ungehorsam, und dass ihre Priester kein richtiges Amt in der Kirche haben. Sie sind damit ebenso katholisch, wie z. B. ein Pfarrer, der wegen einem Streit mit dem Pfarrgemeinderat seines Amtes enthoben worden ist, noch katholisch ist (und die Anhänger eines solchen Pfarrers, die finden, dass er im Recht und sein Bischof im Unrecht ist und illegalerweise an seinen Messen teilnehmen, sind natürlich erst recht noch katholisch). Die Frage, inwiefern sie hier im Recht oder im Unrecht sind (auch für Ungehorsam kann es Rechtfertigungsgründe geben), ist zu kompliziert, um sie in einer Fußnote zu beantworten; aber sie hat auch mit ihren Infoseiten nichts zu tun. Jedenfalls halte ich auch gegenüber der so oft angefeindeten Piusbruderschaft etwas christliche Nächstenliebe und den Versuch, deren Perspektive zu sehen, für angebracht; einfach ist diese Situation nicht. (Übrigens hat der Vatikan schon seit langem klargestellt, dass ein Katholik seine Sonntagspflicht bei ihren Messen erfüllen kann, und inzwischen dürfen sie wieder Beichten hören und bei Trauungen assistieren.) [Update: Ich habe hier mehr zu meiner Meinung über sie geschrieben.]

Ein Vorteil der FSSPX ist übrigens, dass sie im deutschsprachigen Raum auch mehrere Schulen und ein Altenheim betreibt. Sie bietet auch anonyme Onlineseelsorge.

** Der Verlag der Piusbruderschaft (s. Fußnote 1).

Facade de Notre Dame de Reims.png

(Kathedrale von Reims, Foto von Johan Bakker.)

Schuldgefühle, früher und heute

Es ist wahrscheinlich eine der pervertiertesten Ideen, die existieren: Wenn eine Mutter bei der Geburt ihres Kindes stirbt, würde sich das Kind sicher sein Leben lang entsetzlich schuldig fühlen, dass „es seine Mutter getötet hat“, ergo muss logischerweise die Mutter das Kind durch ihren Arzt töten lassen, um ihm dieses schreckliche Schicksal zu ersparen. (Ob ihr dann das Schicksal des schlechten Gewissens erspart bleibt, sei hier dahingestellt.)

Das Interessante an dieser Idee ist, dass sie ziemlich jung zu sein scheint. In Zeiten, in denen das Risiko, bei der Geburt oder hinterher am Kindbettfieber zu sterben, ziemlich hoch war, scheinen Kinder oder andere überlebende Familienmitglieder dieses Gefühl nicht gehabt bzw. dem Kind keine Schuld eingeredet zu haben. Da scheint man so damit umgegangen zu sein, wie wir heute damit, dass wir wissen, dass unsere Mütter bei der Geburt extreme Schmerzen hatten, dass sie an Schwangerschaftsübelkeit gelitten haben, Komplikationen hatten, wegen denen sie während der Schwangerschaft ins Krankenhaus mussten. Selbst der skrupulöseste Mensch würde wahrscheinlich nicht darauf kommen, sich ein schlechtes Gewissen zu machen, weil „ich meine Mutter stundenlang gefoltert habe, bis ich endlich geboren war“. Schon die Vorstellung ist lächerlich.

Man ehrt und liebt Mütter für gewöhnlich einfach für die Leiden und Gefahren, die sie auf sich genommen haben (und weiterhin nehmen). Und das war’s. Wenn jemand für mich gelitten hat, oder sogar für mich gestorben ist, was fühle ich dann für den? Liebe.

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(Christus wird vom Kreuz abgenommen. Viktor Vasnetsov. Gemeinfrei.)

Unter Christen beklagt man oft, dass die Leute heute zu wenig Schuldgefühle hätten. Das ist oft richtig (beispielsweise wenn sie ihre ungeborenen Kinder töten). Aber manchmal haben sie auch zu viele – bzw. sie haben sie an den falschen Stellen. Es scheint seit einiger Zeit auch sehr beliebt zu sein (wenn man nach Belletristik und Film geht), sich die dümmsten Schuldgefühle einzureden à la „Ich bin schuld am Tod meines Bruders, wenn ich ihm nicht gesagt hätte, er sollte sich diesen Urlaub gönnen, wäre er nicht in dieses Flugzeug gestiegen, das dann abgestürzt ist“. In vielen Fällen scheint das wirklich nur eine Sache der Fiktion zu sein, aber manchmal erlebt man es schon, dass Leute sich ihre Vorstellungen davon, was die angemessenen Gefühle in einer bestimmten Situation sind, davon prägen lassen.

[Ähnliches gilt vermutlich für das „Eltern verlieren den Glauben, weil ihr Kind stirbt oder permanent behindert wird“-Motiv. Zu den Zeiten, als die Kindersterblichkeit ziemlich hoch war und die meisten Eltern mindestens ein Kind verloren haben und es auch noch keine Heilung für Kinderlähmung u. Ä. gab, hieß es „Not lehrt beten“, kaum „wie kann Gott mir das antun; Ihn kann es also nicht geben“. Selbst wenn man verzweifelt fragte „Wie kann Gott mir das antun?“, erwartete man eher, dass Gott einem irgendwann eine Antwort darauf geben würde, statt den Atheismus zu postulieren. Aber vielleicht kommt das Problem in diesem Fall daher, dass die Menschen „früher“ das Thema Leid einfach weniger ignoriert haben, und sich mehr bewusst waren, dass Gott einen nicht immer vor schlimmen Leid bewahrt, dass es dafür tatsächlich gute Gründe geben kann, und dass sogar der Sohn Gottes selbst schlimmes Leid auf sich genommen hat. Aber selbst heute scheint „Not lehrt beten“ häufiger zu sein als „Wie kann Gott mir das antun“ – meinem persönlichen Eindruck nach, der täuschen kann. Über die Theodizeefrage spekulieren, das tun vielleicht eher Theologen vom Schreibtisch aus; sich an Gott wenden, das tun vielleicht eher Krebskranke und Verwitwete. Aber ich schweife ab.]

Man könnte spekulieren, ob Leute sich zuerst Schuldgefühle für abstruse Dinge einreden, um sich dann zu sagen, dass ihre realen Schuldgefühle genauso abstrus wären wie jene und sie beide verdrängen sollten. Wenn man weiß, dass es unsinnig ist, sich Schuldgefühle einzureden, weil man jemandem zu dem Flug geraten hat, bei dem das Flugzeug abgestürzt ist, bringen wohl auch die Schuldgefühle nichts, die man hat, weil man die Sicherheitsvorkehrungen in der Fabrik nicht eingehalten hat und ein anderer einen schweren Arbeitsunfall hatte. „Gib dir nicht die Schuld.“ Das kommt wahrscheinlich auch daher, dass es keinen guten Weg mehr gibt, mit als real anerkannter Schuld umzugehen. Man glaubt nicht, dass es Verzeihung dafür gäbe. Auf eine Entschuldigung scheint die erwartete Antwort immer zu sein „ist okay, war nicht so schlimm“, nicht „ist verziehen“ oder so etwas. Dass etwas wirklich Schlimmes bei Reue und eventueller Wiedergutmachung verziehen werden kann, scheinen viele nicht mehr zu glauben.

Aber das ist ziemlich sicher nicht alles. Viele Leute glauben wirklich an unvermeidbare Schuld, und haben Angst davor. Vor kurzem hat man das wegen der Corona-Epidemie gesehen, wenn es darum ging, dass die Intensivbetten und Beatmungsgeräte zu irgendeinem Zeitpunkt nicht reichen könnten (wie das in italienischen Krankenhäusern ja schon der Fall war) und man auswählen muss, wen man beatmet und wen nicht. Viele Leute glauben wirklich, dass man es dann nicht vermeiden kann, schuldig zu werden – dass man hier durch muss, und es auf sich nehmen muss, schuldig zu werden.

Dabei ist es gerade das, was persönliche Schuld ausmacht, dass man das Gute hätte wählen können und es nicht gewählt hat. Sie ist vermeidbar; durch Unvermeidbares kann man keine persönliche Schuld auf sich laden. Wenn man nun aber sieben Patienten und fünf Beatmungsgeräte hat, kann man nicht jedem eins geben. Nicht jede Tragödie beinhaltet Schuld. Manchmal passiert etwas Schlimmes, ohne dass der Betroffene Schuld hat. (Letzten Endes resultiert zwar alles Schlechte irgendwo aus freien Entscheidungen von Geschöpfen für das Böse, aber diese freien Entscheidungen können so weit in der Vergangenheit liegen wie die Ursünde der ersten Menschen.)

Es gibt einerseits protestantische Theologen, die so denken, weil für sie generell die Sünde etwas Unvermeidbares ist, es keinen freien Willen gibt, und der Mensch zutiefst verdorben ist, ohne irgendetwas daran ändern zu können, und für sie die Gnade darin besteht, dass Gott die Sünden dann nicht anrechnet, ohne dass man irgendwelche Bedingungen dafür erfüllen muss. (Eine schöne Gnade, etwas zu vergeben, für das man nicht verantwortlich war.)

Aber das ist doch eine Minderheit; die Mehrheit denkt nicht mehr lutherisch oder reformiert, auch wenn das im Unterbewusstsein irgendwo drin sein könnte. Nein, bei der Mehrheit ist es wahrscheinlich einfach ein zutiefst pessimistischer Ausblick auf die Welt: Man darf nicht sagen, dass Gott alles lenkt, dass alles am Ende gut werden wird, dass alles seinen Sinn hat, dass es (letzten Endes) gerecht zugeht in der Welt. Das wäre triumphalistisch und naiv; erwachsene Menschen sehen die Finsternis. Gerade in Deutschland ist das sehr, sehr weit verbreitet; der Schock der Nazizeit scheint eine gewisse Verantwortung dafür zu tragen.

Entscheidende Argumente kommen dafür aber eigentlich nicht. Es ist wohl mehr ein Gefühl, das aus Müdigkeit, Überdruss und Unsicherheit geboren wird. Dass Gott sowohl vollkommen gut als auch allmächtig als auch die Vernunft selbst ist, ergibt sich logisch sowohl aus den klassischen philosophischen Gottesbeweisen als auch aus der göttlichen Offenbarung; und ein solcher Gott wird Menschen nicht in Situationen unvermeidbarer Schuld geraten lassen. Es ist für mich eine der gesündesten, tröstlichsten und erhellendsten Lehren des Christentums: Die Wirklichkeit ist im tiefsten Inneren gut, logisch, freundlich.

Sog. Dilemmata sind auflösbar. Um auf das Beispiel zurückzukommen, mit dem ich diesen Artikel begonnen habe, die Mutter mit der lebensbedrohlichen Schwangerschaft: Eigentlich sollte jeder Mensch wissen, dass es keine Notwehr ist, jemanden zu töten, der unschuldig ist und nichts tut, um einem zu schaden, und dass es nicht gerechtfertigt ist, jemanden zu töten, dessen bloße Anwesenheit Lebensgefahr für einen bedeutet. Manchmal kommt hier das Argument „wenn mich ein unzurechnungsfähiger Mörder mit einer Waffe angreift, darf ich ihn notfalls auch töten, obwohl er vielleicht keine Schuld trägt“, aber das zieht nicht. Derjenige tut etwas objektiv Böses, und seine subjektive Schuldfähigkeit ist bzgl. der Notwehr nachrangig. Man könnte kaum verlangen, dass Angegriffene immer erst einmal herausfinden sollen, wie schuldfähig ihre Angreifer sind und ob sie vielleicht an Wahnvorstellungen leiden.

Bessere Beispiele wären: Darf ich jemanden in einen Abgrund stoßen, weil er mir im Weg steht, damit ich auf einem schmalen Weg schneller vor einem Mörder wegrennen kann? Darf ich, wenn ich über einem Abgrund hänge und jemand sich an meinen Beinen festhält, nach ihm stoßen, damit er fällt und ich mich nach oben ziehen kann? Natürlich nicht.

Es gibt hier kein „schwieriges Dilemma“, keine „unvermeidbare Schuld“. Manchmal gibt es unvermeidbare Tragik. Und das war es.

Mehr Patriarchat bitte!

Der Begriff „Patriarchat“ ist ja heutzutage nicht allzu beliebt; auch wenn man in der Kirche manchmal noch im positiven Sinn von „Patriarchen“ spricht – die Erzväter Israels (Abraham, Isaak, Jakob usw.) haben den Titel „heilige Patriarchen“, und die Bischöfe von Rom, Konstantinopel, Jerusalem, Alexandria tragen neben ihren jeweiligen anderen Titeln auch den des „Patriarchen“.

„Patriarch“ kommt von „pater“, Vater, und im Christentum nennt man auch Gott Vater. Es wird heute sehr gern gesagt, dass Gott nicht ein „alter bärtiger Mann auf einer Wolke“ ist. Ja, danke, wir wissen auch, dass Gott reiner Geist ist, allgegenwärtig, ewig, unendlich, die unverursachte Ursache und der Erhalter von allem, was existiert, das subsistierende Sein selbst, allmächtig, allwissend, allgütig, die Liebe selbst, nicht aus Teilen zusammengesetzt, nicht vergänglich, undsoweiterundsofort. Aber gegen das Bild des alten bärtigen Mannes auf der Wolke ist eigentlich nichts einzuwenden (sofern man überhaupt Bilder von Gottvater haben will, worüber man ja diskutieren kann). Es zeigt einen weisen, gütigen, persönlich ansprechbaren, über die Welt wachenden, sie schützenden Gott, und jeder ist sich bewusst, dass es ansonsten nur ein Bild ist. Es zeigt einen Gott, den man Abba, Vater, „Papa“, nennen kann.

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(Cima da Conegliano, Gott der Vater. Gemeinfrei.)

Wenn man von Gott als Vater spricht, tauchen immer gleich die Leute auf, die betonen müssen, dass Gott auch mütterlich sei, wofür sie dann immer dieselben zwei bis drei Bibelstellen heranziehen (die beste sind noch die wunderschönen Verse Jes 49,14-16: Doch Zion sagt: Der HERR hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen. Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, ohne Erbarmen sein gegenüber ihrem leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergisst: Ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände, deine Mauern sind beständig vor mir.“). Jetzt könnte man genauer ausführen, dass und wieso in Bibel und Tradition zwar vereinzelte Vergleiche göttlicher Eigenschaften mit mütterlichen Eigenschaften auftauchen (und das sind sehr schöne Vergleiche, wie der hier, der klar macht, dass Gottes Liebe noch viel größer ist als die einer Mutter), aber generell in männlichen Begriffen von Gott geredet wird und es für Ihn nie die Anrede „Mutter“, sondern nur die Anrede „Vater“ gibt. Aber dafür verweise ich einfach mal hierauf. Hier genügt es mir erst einmal, zu sagen: Wieso kann man das Wort „Vater“ nicht einfach mal so stehen und auf sich wirken lassen? Über die Väterlichkeit Gottes reden, an Gott als Vater denken? Hier muss nichts „problematisiert“ werden, es ist eine wunderschöne Vorstellung.

(Sicher wird es manche Leute geben, die Schwierigkeiten mit dem Vaterbild haben, weil sie selber einen missbräuchlichen Vater hatten, aber so kann es Leuten auch gehen, wenn Maria als Mutter oder Jesus als Bruder bezeichnet wird, und sie entsprechende Erfahrungen mit Mutter oder Bruder hatten. Wenn ein einzelner Schwierigkeiten mit einem Titel Gottes hat, muss er sich dafür auch nicht schämen. Aber während ein menschlicher Vater in seiner Rolle furchtbar versagen und sie pervertieren kann, ist Gott der wahre, der eigentliche Vater.)

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(Gott der Vater, Ausschnitt eines Bildes von Tizian. Gemeinfrei.)

Feministisch geprägte Gesellschaften wie unsere scheinen oft keinen rechten Platz für Männer zu haben, kommt es mir vor. Da wird oft gesagt, was Männer nicht sein sollen oder nicht zu sein bräuchten. Mädchen wird gesagt, dass sie alles machen und sein und erreichen können sollen (außer natürlich Heimchen am Herd bei vier kleinen Kindern, wag das ja nicht), bei Jungen wird erst mal problematisiert und zurückgehalten. Keine toxische Männlichkeit, kein Sexismus, blabla. Ist ja schön, wenn Männer uns Frauen nicht verachten und keine falsche Vorstellung davon haben, was Männlichkeit sein muss. Aber das Negative allein ist etwas wenig.

Ich bin ja der Meinung, dass man z. B. falschen Nationalismus am besten dadurch verhindert, indem man den Leuten etwas zeigt, wofür sie ihr Land wirklich lieben können. Ähnlich bei falschen Vorstellungen von Männlichkeit (oder Weiblichkeit, anbei – das gibt es ja auch, sogar in ganz verschiedenen Formen; sowohl wer Heidi Klum als auch wer Zarin Katharina II. als auch wer Frau Dr. Merkel als Vorbild für Frauen nimmt, hat etwas falschgemacht).

Davon abgesehen ist es freilich ziemlich seltsam, was inzwischen als „toxische Männlichkeit“ bezeichnet wird. Selbst wenn Männer kleine Gesten der Zuvorkommenheit üben, z. B. Frauen die Tür aufhalten oder ihnen den Koffer die Treppe hoch hieven, gilt das ja einigen schon als anmaßend und überheblich. Danke auch, liebe Feministinnen!

Was sollen Männer eigentlich sein? Meistens kommt darauf überhaupt keine Antwort.

Zurück von Männlichkeit an sich zur Vaterschaft speziell (wobei Männlichkeit ja am besten Väterlichkeit in irgendeiner Weise bedeuten sollte): In Filmen und Romanen – ganz besonders in sog. „historischen“ – scheinen Väter ständig in negativen Rollen aufzutauchen: Der Vater, der seine Tochter zu einer Ehe drängen will, der Vater, der seinem Sohn einen Beruf aufzwingen will, der Vater, der seinem Kind eine Liebe ausreden will, der verständnislose, tyrannische Vater. Entweder muss er am Ende aufgeben, oder er darf, wenn es gut kommt, seine Fehler einsehen und abtreten. (In den Filmen, die in der Gegenwart spielen, wird der tyrannische Vater dann gern durch den nutzlosen Vater ersetzt, dessen Frau alles erledigen muss, weil er nichts zustande bringt. Natürlich alles ganz tolle Vorbilder.) Der Vater, der sein Kind vor einem Fehler oder vor Menschen, die ihm übelwollen, beschützt, der Anleitung, Halt, Sicherheit gibt, ermutigt, sorgt… den findet man nicht wirklich. Auch wenn die Wirklichkeit anders aussieht.

Jeder Vater ist anders, und natürlich gibt es tyrannische Väter; auch wenn das häufigere Negativbeispiel der abwesende, gleichgültige Vater sein wird. Aber ich habe den Eindruck, dass immer noch die Mehrheit der Väter halbwegs gute Väter sind, die ihre Kinder lieben und ihnen Gutes wollen. Und ich beispielsweise kenne aus meiner weiteren Verwandtschaft eher die tyrannische Mutter als den tyrannischen Vater. Aber was ich sagen will: Wieso ist der Vater manchen Leuten so sehr ein Dorn im Auge, dass sie ihm kaum mal eine reale, gute Rolle geben wollen?

God the Father and angels, Pietro Perugino, Stanza dell'Incendio di Borgo, medalion, part of the ceiling, Vatican City 1.jpg

(Pietro Perugino, Deckengemälde, Stanza dell’Incendio di Borgo, Vatikan. Gemeinfrei.)

Das Patriarchat wird gerade oft mit dem Islam in Verbindung gebracht – Tenor: „Der ist ja nur so schlecht wegen der patriarchalen Kultur, die gab es bei uns früher auch“. Aber der Islam ist nicht besonders patriarchal. Im Islam gibt es Männerherrschaft, natürlich – aber mit der Väterlichkeit ist es nicht weit her. Ein Herrscher, der seine Söhne, die von hunderten von Haremssklavinnen stammen, die Nachfolge mittels gegenseitiger Morde ausfechten lässt – was hat der mit einem Vater zu tun? (Die osmanische Sultansfamilie, in der das jahrhunderlang so üblich war, ist der Extremfall, sicher; aber der Islam erlaubt jedem Mann theoretisch bis zu vier Frauen und unbegrenzt viele Sklavinnen; und wenn ein Mann Kinder von verschiedenen, allesamt noch lebenden Frauen hat, kann er für keins davon ein besonders guter Vater sein.) Ein Mann, der, um sogenannte „Ehre“ zu bewahren, seine eigene Tochter umbringt, weil sie eine Sünde gegen die Keuschheit begangen hat – was hat der mit einem Vater zu tun? (Und bevor jemand fragt, nein, solche Ehrenmorde gab es dort, wo einst das christliche Abendland war, nicht. Da gab es vielleicht die auf fehlerhafte Weise doch beschützerische Variante „Der hat meine Tochter/Schwester verführt, den fordere ich zum Duell“, wofür man von der Kirche, die Duelle als Verabredung zum Mord verurteilte, freilich exkommuniziert wurde, aber die Variante „Ich muss meine Tochter/Schwester umbringen, was sagen denn sonst die Nachbarn“ gab es gerade nicht. Auch wenn es gefallene Mädchen und ledige Mütter nicht immer allzu leicht hatten, um ihr Leben musste keine fürchten.)

Natürlich gibt es im Islam einen gewissen Platz auch für gute Väterlichkeit; vielleicht etwas mehr als bei uns im modernistischen Säkularismus jetzt. Und man muss zugeben, dass der Islam in dieser Hinsicht nicht die schlimmste all derjenigen Kulturen ist, die man gern als „patriarchal“ bezeichnet. Männerherrschaft ohne Väterlichkeit oder Ritterlichkeit gab es schließlich in vielen Kulturen. Vor, sagen wir, 150 Jahren beklagten christliche Missionare in Asien, Afrika oder bei den amerikanischen Ureinwohnern oft sehr ähnliche Dinge, was das Verhältnis von Männern und Frauen betraf: Dass neugeborene Mädchen ausgesetzt wurden; dass Mädchen in früher Jugend verheiratet wurden, ohne gefragt zu werden; dass die Männer faul wären und den Frauen viel Arbeit (z. B. Feldarbeit) überließen; dass die Polygamie praktiziert wurde; dass Mädchen keinerlei Bildung erhielten und Frauen generell nichts gelten würden, Bräuche wie die Witwenverbrennung in Indien. (Was alles, wie man sieht, gerade das Gegenteil von dem ist, was ein Vater täte, der diesen Namen verdiente.) Die indische Männerherrschaft ist heute nur deshalb (fraglicherweise) weniger schlimm als die arabische, weil Indien sich mehr vom Westen hat beeinflussen lassen als das widerstandsfähigere und für den Westen zuerst auch uninteressantere Arabien.

Wie dem auch sei: Die Lösung dafür, dass Väter eine völlig pervertierte Rolle einnehmen, ist wohl kaum, ihnen gar keine Rolle mehr zu geben. Ich sage nicht, dass das frühere europäische Patriarchat dagegen perfekt war; dank der Erbsünde hat jede Kultur große Fehler und blinde Flecke, und auch hier gab es an einigen Stellen Verachtung gegenüber Frauen oder Regeln, die sie in ungerechter Weise benachteiligt haben. Aber es war sicher besser als die Männerherrschaft in anderen Kulturen, und sicher auch besser als der jetzige Zustand. Denn wozu führt es, wenn man Vaterschaft so ablehnt?Was ist das Resultat, wenn Männer als überflüssig hingestellt werden?

Männer, die nicht besonders charakterlich gefestigt sind, ziehen sich zurück, werden passiv und indifferent, nutzen Frauen aus, wenn die sich ausnutzen lassen, und sehen keinen Anreiz, sonst viel für sie zu tun. Das wäre ja zu patriarchalisch. Das ist nicht als Rechtfertigung, sondern als Erklärung gesagt; es gibt keine Rechtfertigung dafür, bei dieser Entwicklung mitzumachen. In äußerster Konsequenz (und leider nicht in seltenen Fällen) führt das dann dazu, dass Männer z. B. ihre schwangeren Freundinnen sitzenlassen oder zur Abtreibung überreden. Das kann man vielleicht „toxische Männlichkeit“ nennen (oder man kann es als Mangel an Männlichkeit betiteln, je nach Betrachtungsweise), aber als „patriarchal“ kann man es kaum bezeichnen, wenn Väter Vaterschaft so hassen, dass sie den Mord an ihren Kindern bewirken wollen.

Es wird ständig gepredigt, dass Frauen keine Männer bräuchten, dass z. B. eine Mutter ihr Kind sehr gut ohne Mann großziehen könnte (und inzwischen muss eine enorme Masse an Kindern dann so aufwachsen). Nun, für gewöhnlich sieht das Kind das noch etwas anders, und tatsächlich ist es ein sehr großer Risikofaktor für Kinder, ohne Vater aufzuwachsen. Kinder bei alleinerziehenden Eltern – i. d. R. Müttern – haben ein deutlich höheres Risiko für psychische Probleme, Verhaltensauffälligkeiten, Schwierigkeiten in der Schule, Übergewicht, Jugendarbeitslosigkeit, Teenagerschwangerschaft, unabhängig vom Einkommen der Eltern. (Siehe z. B. hier und hier für Statistiken.) Väter braucht man, genauso wie man Mütter braucht.

Und es geht hier auch nicht einfach nur darum, zwei Erwachsene da zu haben, damit das Kind genug Zuwendung hat. Es geht darum, einen Mann und eine Frau als Vorbilder zu haben. Jungen brauchen einen Vater, um zu lernen, wie sie später mal sein sollen, und Mädchen brauchen einen, damit sie lernen, wie ein Mann sein soll, auf den sie sich später mal einlassen.

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(Henry Ossawa Tanner, The Banjo Lesson. Gemeinfrei.)

 

Freilich lässt sich das Wort „Patriarchat“ nicht einfach nur mit „Väterlichkeit“, sondern tatsächlich mit „Vaterherrschaft“ übersetzen (lat. pater = Vater, gr. arche = Herrschaft, Ordnung). Der Herrschaftsbegriff steckt hier irgendwo drin, ja.

Nun hat die heutige Welt ja schon ein Problem mit Herrschaft an sich, nicht nur mit bestimmten Formen von Herrschaft. Das ist allerdings ein grundsätzlicher Fehler, denn es kann keine Welt ohne Herrschaft geben, und wenn man so etwas versucht (z. B. in bestimmten Sekten oder linksextremistischen Gruppen), entstehen informelle, manipulative Herrschaftsformen. Wenn es keine klaren Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten gibt, kann der seine Macht ausüben, der am besten überreden und manipulieren kann, ohne dass man sich eingesteht, dass er herrscht, und er kann die Vorrechte eines Herrschers genießen, ohne dessen Pflichten ausüben zu müssen. Und Herrschaft ist ja in den wenigstens Fällen eine Herrschaft, die keinen Kontrollen, Regeln und Grenzen unterworfen ist.

Nun könnte man sagen: Herrschaft gut und schön, aber wieso sollte es eine patriarchale Herrschaft geben? Wieso nicht eine matriarchale, oder besser eine, bei der beide Geschlechter gleichermaßen vertreten sind?

Tatsächlich müssen (vergleichsweise) patriarchale Herrschaftsformen gut sein, weil Gott die Welt entsprechend eingerichtet hat. Das folgende Argument ist für Nichtkatholiken wahrscheinlich nicht sonderlich überzeugend; aber als Katholik wird man seine Gültigkeit m. E. schwer bestreiten können. Erst einmal zwei Dinge, die allgemein bekannt sein dürften:

1) In Gottes Kirche ist der Klerus rein männlich. Auch wenn Nonnen, Mütter, Theologinnen, Religionslehrerinnen, Mesnerinnen, Jugendgruppenleiterinnen usw. natürlich nicht ohne Einfluss sind, ist der Klerus trotzdem männlich. Der Sohn Gottes hat nur zwölf Männer als Apostel ausgewählt, keine einzige Frau, auch wenn er Frauen in seinem engen Jüngerkreis hatte, und zum Amt ihrer Nachfolger, der Bischöfe (und deren Helfer, der Priester und Diakone), gehört nicht nur das Sakramentespenden, sondern auch die Leitung der Kirche. Isso.

2) Es ist katholische Lehre, dass der Mann das Oberhaupt der Familie ist, nicht die Frau und auch nicht beide; s. z. B. Epheser 5 oder kirchliche Lehrdokumente wie die Enzyklika Casti Connubii über die Ehe von Papst Pius XI.:

„In der Familiengemeinschaft, deren festes Gefüge so die Liebe ist, muß dann auch die Ordnung der Liebe, wie es der hl. Augustinus nennt, zur Geltung kommen. Sie besagt die Überordnung des Mannes über Frau und Kinder und die willfährige Unterordnung, den bereitwilligen Gehorsam von seiten der Frau, wie ihn der Apostel mit den Worten empfiehlt: ‚Die Frauen sollen ihren Männern untertan sein wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie Christus das Haupt der Kirche ist.‘

Die Unterordnung der Gattin unter den Gatten leugnet und beseitigt nun aber nicht die Freiheit, die ihr auf Grund ihrer Menschenwürde und der hehren Aufgabe, die sie als Gattin, Mutter und Lebensgefährtin hat, mit vollem Recht zusteht. Sie verlangt auch nicht von ihr, allen möglichen Wünschen des Mannes zu willfahren, die vielleicht unvernünftig sind oder der Frauenwürde weniger entsprechen. Sie ist endlich nicht so zu verstehen, als ob die Frau auf einer Stufe stehen sollte mit denen, die das Recht als Minderjährige bezeichnet und denen es wegen mangelnder Reife und Lebenserfahrung die freie Ausübung ihrer Rechte nicht zugesteht. Was sie aber verbietet, ist Ungebundenheit und übersteigerte Freiheit ohne Rücksicht auf das Wohl der Familie. Was sie verbietet, das ist, im Familienkörper das Herz vom Haupt zu trennen zu größtem Schaden, ja mit unmittelbarer Gefahr seines völligen Untergangs. Denn wenn der Mann das Haupt ist, dann ist die Frau das Herz, und wie er das Vorrecht der Leitung, so kann und soll sie den Vorrang der Liebe als ihr Eigen- und Sonderrecht in Anspruch nehmen.

Grad und Art der Unterordnung der Gattin unter den Gatten können sodann verschieden sein je nach den verschiedenen persönlichen, örtlichen und zeitlichen Verhältnissen. Wenn der Mann seine Pflicht nicht tut, ist es sogar die Aufgabe der Frau, seinen Platz in der Familienleitung einzunehmen. Aber den Aufbau der Familie und ihr von Gott selbst erlassenes und bekräftigtes Grundgesetz einfachhin umzukehren oder anzutasten, ist nie und nirgends erlaubt.

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(Bernhard Strigel, Heilige Familie. Gemeinfrei.)

Es ist ja auch so, dass es manchmal einfach jemanden geben muss, der in einer Familie das letzte Wort hat, und dass es wahrscheinlich keine Frau besonders mag, wenn ihr Mann sich von ihr herumkommandieren lässt.

So weit, so altbekannt; jetzt der dritte Punkt, auf den ich hier noch hinauswollte:

3) In einem Land, in dem der Katholizismus zum weltanschaulichen Grundkonsens gehören würde und die Leute ihren Glauben einigermaßen praktizieren würden, würde sich, bezogen auf die gesamte Gesellschaft, mehr oder weniger von selber eine relativ patriarchale Gesellschaftsform einstellen. Das liegt einfach an zwei Dingen:

Erstens, Katholiken schätzen größere Familien und erkennen als legitime Methode zur Kinderzahlbegrenzung nur die Natürliche Empfängnisregelung an, die zwar nicht unbedingt unsicherer, aber aufwendiger und anstrengender ist als die Pilleneinnahme, und für die man zudem laut Kirchenlehre einen rechtfertigenden Grund braucht (keinen extrem schwerwiegenden Grund, aber es muss einen vernünftigen Grund geben). Dementsprechend hätten mittelgroße Familien in einer katholischen Gesellschaft eher drei bis sechs Kinder anstatt nur zwei, und Familien mit neun oder zehn Kindern wären auch nichts Groteskes und Verachtetes.

Zweitens, Katholiken glauben, dass zuerst die Eltern und nicht der Staat für die Kindererziehung verantwortlich sind, und dass für Eltern zuerst ihre Familie kommt und dann erst solche Sachen wie Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Politik.

Die Leute, die verheiratet und nicht unfruchtbar wären (also die Mehrheit der Bevölkerung; selbst im katholischsten Land würde kaum eine Mehrheit ins Kloster gehen), hätten also i. d. R. mehrere Kinder, die höchstens im dringenden Notfall als Kleinkinder fremdbetreut würden; da die Frauen diejenigen wären, die auch mit Schwangerschaft, Geburt und Stillen zu tun hätten, würde es sich für viele Paare anbieten, dass sie diejenigen sind, die bei den Kindern daheim bleiben, und von der Geburt des ersten Kindes bis zum Kindergarteneintritt des letzten können bei vier oder fünf Kindern locker zehn bis fünfzehn Jahre vergehen; außerdem macht ein Haushalt mit mehreren Kindern auch dann mehr Arbeit, wenn die Kinder schon im Kindergarten oder in der Schule sind. (Zudem wäre in einer katholischen Gesellschaft sicherlich Homeschooling legal und zumindest ein paar Familien würden es machen.) Dass beide Teilzeit arbeiten ist oft auch eher unpraktisch – welche Frau arbeitet schon gerne genauso viel wie der Mann, wenn sie zwischendurch immer wieder schwanger ist und in Mutterschutz geht; außerdem kann der Mann eher eine höhere, besser bezahlte Arbeitsstelle finden, wenn er ganztags arbeitet, was für die Familie natürlich praktischer ist. Sicher würde es einzelne Paare geben, die es so organisieren würden, oder bei denen der Mann zuhause bliebe, aber das wären (auch wenn das dann sicherlich legitim wäre) Ausnahmefälle bei besonderen Umständen.

Dementsprechend würden wenige Mütter minderjähriger Kinder in Vollzeit einer Erwerbsarbeit nachgehen; wenn sie überhaupt arbeiten würden, würde es eher auf Teilzeitarbeit, Heimarbeit oder Hilfe im Familienbetrieb hinauslaufen. Da höhere Jobs für gewöhnlich Vollzeitjobs sind, und seltener von Leuten erreicht werden, die fünfzehn oder zwanzig Jahre lang gar keiner Erwerbsarbeit nachgegangen sind (was auch Sinn macht; man braucht hier einfach Leute mit Erfahrung und genug Zeit), wären Abteilungsleiter, Bürgermeister, Personalchefs, Unternehmer, Chefärzte, Professoren und dergleichen mehrheitlich Männer. Nicht ausschließlich; aber mit einer sehr deutlichen Mehrheit.

Wie gesagt: Hier habe ich jetzt nicht auf Geschlechterrollenideale geschaut, sondern nur auf die automatischen Folgen davon, wenn viele Leute viele Kinder haben, und alle tun, was das Praktischste für sie ist.

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(Bild von John William Waterhouse. Gemeinfrei.)

Es hat seine Gründe, dass Feministinnen immer die Familie, besonders die Großfamilie, als Hindernis der Emanzipation bekämpft haben; ganz blöd waren bzw. sind sie ja auch nicht. Eine Frau, die mit 24 heiratet, mit 25 das erste von sechs Kindern bekommt, einen großen Teil der nächsten zwei, drei Jahrzehnte damit verbringt, Windeln zu wechseln, Geschichten vorzulesen, bei den Hausaufgaben zu helfen, Nudeln mit Soße zu kochen, bei F-Jugend-Fußballspielen zuzuschauen und Geburtstagskuchen zu backen, die irgendwann 20 Enkelkinder hat und 60 Jahre mit demselben Mann verheiratet bleibt – die gibt einfach keine gute Feministin ab, in aller Regel. Grundvoraussetzung für den Feminismus, wie man ihn so kennt, sind eine Menge künstliche Hilfsmittel, die die Gesellschaft ohne allzu viel Mutterschaft und Vaterschaft mehr schlecht als recht am Laufen halten: funktionierende, billig verfügbare und weithin praktizierte Empfängnisverhütung, spätes Kinderkriegen, geringe Kinderzahl, großflächige günstige Kinderbetreuungsangebote, und evtl. Zugang zu Abtreibung. Mit Kindern kann der Feminismus einfach nicht. Kein Wunder, dass inzwischen öffentlich-rechtliche Sender für Jugendliche Propagandavideos verbreiten, in denen unsympathische Feministinnen mit gruseligen Augen erzählen, wie toll die Sterilisation ist und dass sie ein Kind auf jeden Fall abtreiben würden. Den Kindern muss einfach klargemacht werden, was für ein Hindernis sie für ihre Mütter sind.

Wie gesagt: In einer kinderfreundlichen katholischen Gesellschaft würde sich also ganz automatisch eine Ordnung ergeben, die heutige Feministinnen für gewöhnlich als „patriarchal“ betiteln würden. Nun kann es nicht sein, dass Gott Seine Natur und Seine Gebote so geordnet hätte, dass nichts Sinnvolles herauskommt, wenn man sich nach ihnen richtet; ergo kann dieser Zustand im Großen und Ganzen zumindest nicht schlechter sein als andere Anordnungen.

Nochmal: Patriarchat in diesem Sinne heißt nicht, dass Frauen keinen Einfluss hätten, keine wichtigen Positionen, keine Möglichkeit, eigene Anliegen geltend zu machen, usw.; aber es heißt schon, dass mehr Entscheidungsgewalt bei Männern läge als bei Frauen, dass der privat-häusliche Bereich weiblicher geprägt wäre und der öffentlich-politische männlicher, und Familien nach außen hin eher von den Vätern vertreten werden würden. Und das muss irgendeinen Sinn haben.

Was das für ein Sinn das wäre: Dazu mache ich mir vielleicht ein andermal mehr Gedanken. So lange Artikel liest eh irgendwann keiner mehr mit.