Lasst es bleiben

Man kann dem Papst so viele Fragen zu Amoris Laetitia stellen, wie man will, er wird nicht antworten. Ja, die Leute wollen Klarheit. Ja, sie wollen wissen, was jetzt eigentlich Sache ist, was der Papst zu dem Thema jetzt eigentlich denkt. Und der Papst hält uns dafür für legalistische Pharisäer und ignoriert uns. Das mag uns aufregen, und wir mögen uns ziemlich ungerecht behandelt und vorverurteilt vorkommen, aber es ist jedenfalls seine Überzeugung. Und, Leute, wir sind hier nicht bei Benedikt XVI. Franziskus ist ein autoritärer Mensch, der macht, was er für richtig hält, auch wenn er dabei von anderen als unhöflich wahrgenommen wird, und der nicht einmal Kardinälen, die ihm Anfragen gestellt haben, eine Audienz gewährt hat. Auf dieses neue Papier von irgendwelchen Theologen wird er erst recht nicht eingehen. Es bringt nichts und es schafft nur noch mehr Streit und beleidigende Online-Diskussionen und gegenseitige Vorwürfe zwischen der einen Katholiken-Fraktion und der anderen. Die Veröffentlichung war kontraproduktiv. Mir wäre auch Klarheit lieber, aber die werden wir unter diesem Papst nicht kriegen.

Tipp: Nicht mehr über das Thema reden als nötig, abwarten bis zum nächsten Papst, und dann wieder fragen. Lasst es bleiben.

 

Noch eins am Ende. Ich habe ein bisschen hin und her überlegt, ob ich das hier überhaupt veröffentlichen soll – Achtung vor unserem Heiligen Vater und so. Ich bin bis jetzt zu keinem rechten Ergebnis in der Frage gekommen, was genau die Achtung vor ihm verlangt, ob wir unseren Ärger mit einigen seiner Handlungen manchmal auch einfach lieber für uns behalten und für ihn beten – und das nicht unbedingt in der „Lieber Gott, bitte mach, dass dieser Idiot sich endlich bekehrt!“-Art – sollten. Aber ich denke mal, es ist manchmal auch ganz gut, wenn wir als „konservative“ Benedikt-Katholiken uns ein bisschen über unsere Frustrationen mit dieser fruchtlosen Debatte um AL und dem Schweigen des Papstes austauschen, anstatt die Frustrationen bloß innerlich weiter zu hegen und zu pflegen. Und es muss auch in Ordnung sein, die Wahrheit über die Situation in der Kirche anzuerkennen und nicht jedes Wort des Papstes so lange schönreden und bejubeln zu müssen, bis ganz sicher niemand mehr etwas daran kritisieren kann. Solange natürlich, wie niemandem hier böse Absichten unterstellt werden. Nein, ich will dem Papst hier auch nichts unterstellen. Wenn er sich im Recht und seine Kritiker so sehr im Unrecht sieht, dass man sie nicht mal beachten muss, dann kann ich das kritisieren, aber er sieht es eben ehrlich so und verhält sich entsprechend seiner Art. Ich kann nicht in ihn hineinsehen. Na ja. Warten wir also, bis Franziskus sich hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft entschließt, auch die Ruhe des Rentner-Lebens zu genießen, und entspannen uns bis dahin.

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