An die ungeplant Schwangere: Ein offener Brief

Du bist schwanger, und das war nicht geplant. Vielleicht hat die Pille versagt – oder was auch immer. Und jetzt weißt du nicht, wie du mit deinen Problemen umgehen sollst. Vielleicht drängt dein Partner dich zu einer Abtreibung, oder du hast keinen Partner, oder du hast dich noch nicht getraut, es ihm zu sagen, oder er weiß nicht, was er dir raten soll und fühlt sich genauso hilflos wie du. Vielleicht sagen dir Freunde und Familie auch nur, du müsstest das selber lösen.

File:Human Embryo - Approximately 8 weeks estimated gestational age.jpg

(Ca. 6 Wochen alter Embryo. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von lunar caustic.)

Aber du kannst das schaffen. Natürlich kannst du das schaffen. Unzählige Frauen haben Kinder schon unter den schwierigsten Umständen zur Welt gebracht – auch wenn sie genauso gezweifelt haben und Angst hatten wie du jetzt. Es gibt Informations-, Beratungs- und Hilfsangebote: Bei ProFemina. Bei der Caritas. Bei etlichen anderen kleinen und großen Adressen. Selbst eine anonyme Geburt ist möglich, wenn du gar nicht weiter weißt.

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(8 Wochen alter Embryo. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von drsuparna.)

Du hast Ansprüche gegenüber dem Vater – im Notfall zahlt auch das Jugendamt Unterhaltsvorschuss – und du hast Ansprüche auf staatliche Hilfeleistungen. Du hast Rechte gegenüber deinem Arbeitgeber. An Unis gibt es Hilfen für Eltern – Urlaubssemester, Betreuungsangebote usw. Du kannst auch trotz Kind deinen Schulabschluss machen. Es gibt Hilfe bei medizinisch schwierigen Schwangerschaften.

Vielleicht heißt es, dein Kind könnte behindert sein. Aber solche Diagnosen sind alles andere als sicher. Falsche Diagnosen oder Risikoeinschätzungen sind sehr viel häufiger, als man meint. (Das kennt meine Familie beispielsweise aus eigener Erfahrung.)

Und selbst wenn es behindert ist: Sollte man denn alle Behinderten töten? Geh mal zu einem Behinderten – z. B. zu jemandem mit Downsyndrom – hin und frag ihn: „Wäre es dir lieber, weiterzuleben oder soll ich dich töten?“ Und dein Kind wird hier nicht einmal gefragt. Selbst wenn es heißt „dein Kind wird wahrscheinlich schon kurz nach der Geburt sterben, weil es eine so schlimme Fehlbildung hat“, was ist besser: es gleich gewaltsam zu töten oder zu warten und es vielleicht – denn noch mal: sicher ist bei diesen Diagnosen nichts – einen natürlichen Tod zu seiner Zeit sterben zu lassen?

Denk dran: Niemand kann dich zu einer Abtreibung zwingen. Weder deine Eltern noch dein Freund noch dein Ehemann noch ein Arzt, der meint, zu wissen, was das Beste ist.

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(Zwölf Wochen alter Embryo, Ultraschallbild. Gemeinfrei.)

Es ist dein Kind. Es ist auf dich angewiesen. Du wirst nicht erst Mutter, du bist schon eine.

Und du hast nicht das Recht, dein Kind zu töten. Dein Kind hat eine Zukunft, die ihm gehört.

Von dir wird nicht verlangt, dich „für dein Kind zu entscheiden“. Von dir wird verlangt, dich nicht dafür zu entscheiden, dein Kind zu töten. Was du nach seiner Geburt machst – ob du es behältst oder zur Adoption freigibst (auch das ist möglich), welche Beziehung du weiterhin zu seinem Vater hast, ob du bald wieder arbeiten gehst oder erst einmal zu Hause bleibst – das alles musst du selber entscheiden, wie es für dich am besten ist. Aber es ist nicht in Ordnung, zu einem Arzt zu gehen, der einen Schlauch in deine Gebärmutter einführen soll, um dein Kind durch Saugluft in Stücke zu reißen und seine einzelnen Gliedmaßen herauszusaugen. So sieht eine Abtreibung im ersten Trimester aus. Im späteren Verlauf einer Schwangerschaft wird das Kind meistens mit einer Giftspritze ins Herz getötet und dann eine Frühgeburt eingeleitet.

„Mein Körper gehört mir.“ Da ist aber noch ein Körper in deinem Körper  – einer, der dir nicht gehört. Stell dir vor, da wären zwei siamesische Zwillinge, und die eine von beiden würde sagen: „Herr Doktor, trennen Sie uns, ich weiß, dass meine Zwillingsschwester dabei sterben wird, aber das ist mir egal, mein Körper gehört mir.“

Du kannst dieses Kind bekommen. Du bist stark genug dafür. Schwangerschaft sind schwierig, ja – aber die Alternative ist nicht so leicht, wie es manchmal heißt.

Du wirst eine Abtreibung vielleicht nicht so schnell vergessen. Viele Frauen haben jahrelang Albträume und Flashbacks. Es ist eine brutale Sache, die übrigens auch für dich gesundheitliche Risiken hat.

Lass dein Leben nicht von einer Kurzschlussreaktion bestimmen, die du hinterher vielleicht bereust. Hol dir erst einmal Vomex gegen die Morgenübelkeit und heul dich ordentlich bei jemandem aus, der dir helfen will, vielleicht kannst du dann schon wieder klarer denken. Es ist ja eine unglaublich stressige Situation. Ruf bei einer Beratungsstelle an oder geh direkt dorthin oder nimm ein Onlineberatungsangebot in Anspruch und informier dich, bevor du irgendetwas tust, über alle deine Möglichkeiten und alle angebotenen Hilfen.

Und dann stell dir die Frage: Angenommen, ich treibe nicht ab – würde ich mir dann vielleicht in zehn Jahren, wenn mein Kind also etwa in der 3. oder 4. Klasse wäre, wünschen, ich hätte es getan? Und angenommen, ich treibe ab – würde ich mir dann vielleicht wünschen, ich hätte es nicht getan?

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(Neugeborenes Baby. Bildquelle: Wikimedia Commons, eingestellt von Krish Dulal.)

 

PS: Wenn du bereits eine Abtreibung hattest und mit den psychischen Folgen zu kämpfen hast, auch da gibt es Menschen, die dir helfen wollen.

PPS: Und wenn du als Mann erfahren hast, dass du Papa wirst: Bitte unterstütz die Mutter deines Kindes. Viele Frauen fühlen sich in einer solchen Situation hilflos – plötzlich ist da ein Kind im eigenen Körper, kannst du dir das vorstellen? (Und dann sämtliche gesundheitlichen Probleme einer Schwangerschaft…) Sei für sie da, und für dein Kind.

6 Gedanken zu “An die ungeplant Schwangere: Ein offener Brief

  1. Übrigens auch ganz vielen Dank für das Statistikvideo. Super Sache. Ich fürchte nur – ist der Verfasser pro-Life? – daß es auf taube Ohren stoßen könnte.

    (Schüler, lernt Mathe. Das ist ganz einfach und kann, wie wir gesehen haben, Leben retten.)

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  2. Sie schreiben ja selbst sehr gut „dann sämtliche gesundheitlichen Probleme einer Schwangerschaft…“ – warum sollte ich mir das antun ohne – im Fall einer anonymen Geburt – auch nru irgendeinen Vorteil davon zu haben? Und das in einer Welt, in der jeder dazu angehalten wird nur auf seinen unmittelbaren persönlichen Vorteil zu schauen?

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    1. In die allgemeine Lamentatio über die Schlechtigkeit der modernen Welt möchte ich jetzt gar nicht einstimmen –

      zumal ich mir, und das ist, denke ich schon, ein entscheidender Gesichtspunkt, der viel zu wenig bedacht wird, kaum eine (auch) eigennützigere Tat vorstellen kann, als die, das eigene Gewissen eben *nicht* mit einem Mord belasten zu müssen. Dürfte klar sein. Ich widerstehe der Versuchung, das hier noch näher auszuführen.

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