Ein Tag der Freude für die Ungeborenen

Gestern war das Fest des Heiligsten Herzens Jesu, das vor Liebe für alle Menschen brennt, und gleichzeitig das Fest des hl. Johannes des Täufers, der schon als Fötus im Mutterleib den Heiland, der als Zygote im Mutterleib zu ihm kam, erkannte.

Robert Anning Bell, Treffen der hl. Jungfrau und der hl. Elisabeth. „Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“ (Lk 1,44)

Und passend dazu gab es zwei Nachrichten, eine schlechte und eine sehr sehr gute.

Zuerst die schlechte: Der deutsche Bundestag beschließt, § 219a StGB, also das Werbeverbot für Abtreibungen, abzuschaffen. (Wobei sie natürlich weiter herumlügen und behaupten, es ginge nur um „Informationen“, während der Paragraph ausdrücklich Werbung wegen des Vermögensvorteils unter Strafe stellte; aber offene Lügen sind wir von dieser Seite her ja gewohnt.) Jetzt können wir uns also darauf freuen, auch in Deutschland solche Plakate wie in Österreich…

… oder den USA zu sehen:

Unsere lieben Abgeordneten sind auch ziemlich begeistert darüber, Abtreibungen zu erleichtern und die Zahlen hochzutreiben; und hier kann man nicht nur die Banalität, sondern auch die pure Infantilität des Bösen sehen:

Aber kurz danach kommt eine wahnsinnig großartige Nachricht, auf die wir seit Jahrzehnten gewartet haben: In den USA kippt der Oberste Gerichtshof das Urteil im Fall Roe v. Wade von 1973. Dieses Urteil hatte erklärt, die amerikanische Verfassung schließe implizit ein Recht auf Privatsphäre ein, was wiederum ein Recht auf Abtreibung einschließe; und so war es in den USA wahnsinnig schwierig geworden, noch irgendwelche Gesetze mit Abtreibungsbeschränkungen zu erlassen, die nicht wieder von Gerichten gekippt werden würden. Über 60 Millionen Kinder wurden seitdem in den USA abgetrieben. Mississippi erließ 2018 ein Gesetz, das die meisten Abtreibungen ab 15 Wochen verbat; sofort klagte eine Abtreibungsklinik dagegen und schließlich landete der Fall vor dem Obersten Gerichtshof, der nun erklärt hat, dass die Verfassung kein Recht auf Abtreibung enthält und die Bundesstaaten frei sind, Gesetze dagegen zu erlassen. 13 Staaten hatten schon Gesetze vorbereitet, die Abtreibung verbieten, sobald Roe gekippt wird, und die sie jetzt nach und nach in Kraft setzen:

HURRA. HURRA, HURRA, HURRA.

Abtreibungsaktivisten hatten vorher schon Gewalt angekündigt, und in den letzten Wochen schon einige Schwangerschaftskrisenzentren (die Frauen helfen, die ungeplant schwanger sind, z. B. Beratung und Babyausstattung bieten) und Kirchen angegriffen, teilweise „nur“ Fenster eingeschlagen und Wände beschmiert („wenn Abtreibung nicht sicher ist, seid ihr es auch nicht“), teilweise Gebäude in Brand gesteckt; die Polizei hatte Diözesen und die Diözesen ihre Pfarreien gewarnt, auf extreme Gewalt nach der Gerichtsentscheidung vorbereitet zu sein. Seit gestern gab es jetzt auch Proteste, und Gewaltausbrüche, und Abtreibungsbefürworter sind fleißig dabei, Mordpläne gegen die Richter im Internet anzukündigen; das Schlimmste scheint aber – vorerst – noch auszubleiben. [Update: Es gibt jetzt weitere Berichte von (versuchten) Angriffen; Aktivisten haben u. a. versucht, das Parlament in Arizona zu stürmen.] Gleichzeitig sind sie wieder fleißig dabei, Lügen zu verbreiten, z. B. dass, wenn Abtreibung verboten sei, Frauen nach einer Fehlgeburt von der Polizei verfolgt werden könnten. (Was schlicht nicht passiert; wenn solche Leute versuchen, Beispiele heranzuziehen, kommen sie z. B. auf einen Fall aus El Salvador, wo eine Frau verurteilt wurde, deren Kind tot mit Wunden am Hals in einer Tasche versteckt gefunden wurde, und die behauptete, es wäre schon tot geboren worden und sie hätte ihm die Wunden aus Versehen zugefügt, als sie die um den Hals gewickelte Nabelschnur durchschneiden wollte, oder einen anderen Fall aus demselben Land mit einer Frau, deren Kind tot in einer Klärgrube gefunden wurde; auch sie behauptete, es wäre tot geboren worden, während die Gerichtsmediziner meinten, es hätte da noch gelebt. Diese Fälle würden in Deutschland oder den USA ebenso gerichtlich verfolgt werden, da es eben um Tötung nach der Geburt ging.)

Aber der Teufel tobt eben, wenn er eine Niederlage einstecken muss, kann man sagen.

Dass dieses Urteil gekippt wurde, ist nun einzig und allein den drei Richtern zu verdanken, die Ex-Präsident Trump an den Obersten Gerichtshof gebracht hat: Brett Kavanaugh, Amy Coney Barrett und Neil Gorsuch, die zusammen mit den von den beiden Bushs ernannten Richtern Clarence Thomas und Samuel Alito dafür stimmten; der ebenfalls von einem Bush ernannte Richter Roberts stimmte dafür, das Gesetz aus Mississippi aufrecht zu erhalten, aber dagegen, Roe v. Wade zu kippen, während die drei von Clinton und Obama ernannten Richter Breyer, Sotomayor und Kagan gegen beides stimmten. (Die 9 Richter werden auf Lebenszeit ernannt; und weil sie das letzte Wort in den USA haben, spielt die Aussicht darauf, dass einer von ihnen sterben und der neue Präsident einen anderen Kandidaten ernennen könnte, eine so große Rolle in den US-Präsidentschaftswahlen.)

Vor den letzten und vorletzten Wahlen gab es ja in den USA viele heftige Diskussionen unter Katholiken; die meisten konservativen Katholiken waren grundsätzlich dafür, die Republikaner zu wählen, weil die nun mal (zumindest irgendwie und halbherzig) pro life sind, und weil das Thema Abtreibung wichtiger sei als alle anderen, und weil Trump neue Richter an den Obersten Gerichtshof bringen könnte, die Roe v. Wade kippen könnten. Mehr politisch links geneigte Katholiken behaupteten dagegen immer wieder, die Republikaner würden in der Praxis sowieso nichts gegen Abtreibung tun, der Supreme Court werde auch unter konservativen Richtern Roe v. Wade nicht abschaffen, also solle man eher die Demokraten wählen, die (angeblich) für eine sozialere Politik sorgen würden und damit mittelbar für weniger Abtreibungen, was erst wirklich pro life wäre. Diese Katholiken spielten sich gerne als die Gemäßigten auf, die fähig zur Differenzierung seien, die sich nicht mit der Korruption in der Politik gemein machten.

Aber die Konservativen haben Recht behalten. Ja, die Republikaner haben in den letzten Jahren mehr gegen Abtreibung getan, haben Gesetze auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten erlassen, die schließlich dazu führten, dass das Thema wieder vor den Obersten Gerichtshof kam. Und wenn 2016 Hillary Clinton statt Donald Trump gewählt worden wäre, wäre dieser Gerichtshof mit großer Mehrheit mit abtreibungsfreundlichen Richtern besetzt gewesen, die ein „Recht auf Abtreibung“ noch einmal bekräftigt hätten. Und letztlich kann keiner leugnen, dass der legale Mord an Millionen Menschen das wichtigste Thema ist, wenn Wahlen die Chance bieten, bei diesem Thema wirklich etwas zu ändern; egal, wie man über Sozialhilfe oder illegale Migration aus Lateinamerika oder sonst ein Thema denken mag. (Wenn wir mal davon absehen, dass die Demokraten hier eben keine gute soziale Politik machen; dass in von ihnen kontrollierten Städten und Staaten wie Kalifornien Kriminalität und Obdachlosigkeit ihren Höhepunkt erleben.)

Ich glaube auch nicht, dass diese linken Katholiken immer ganz ehrlich mit sich selbst waren; sie wollten gegenüber ihren säkularen Freunden und der gehobenen Gesellschaft nicht als tumbe Hinterwäldler dastehen, sie wollten sich auch etwas beliebt machen; und auch wenn ihr Gewissen ihnen keinen offensichtlichen Bruch mit der Kirchenlehre bzgl. Abtreibung erlaubte, spielten sie das Thema eben herunter. Und auch ihre Abgrenzung von Trump hatte etwas Heuchlerisches; denn sie hatten kein Problem damit, für extrem korrupte Politiker zu stimmen, die eine respektablere Fassade boten (auch wenn sie wahrscheinlich durch Verleumdungen und Trump Derangement Syndrome beeinflusst waren). Man muss sich tatsächlich auch kein schlechtes Gewissen machen, wenn man für schlechte Politiker stimmt, die immer noch am meisten Gutes und am wenigsten Schlechtes bewirken; das ist eine entfernte materielle Mitwirkung am Bösen, die erlaubt ist; und dieses Prinzip gilt eben bei Demokraten wie bei Republikanern, nur dass die Demokraten eben tatsächlich die wesentlich Böseren sind. Sie sind für Abtreibung bis zur Geburt oder zumindest bis zur Lebensfähigkeit des Kindes (24. Woche) ohne Einschränkungen (und außerdem sind sie auch sonst für vieles Böse, z. B. haben sie politische Gewalt durch Black Lives Matter befeuert und befürworten Geschlechtsumwandlungen bei Kindern).

Gott hat Humor, und ich vermute, Er hat alle diese Never-Trumper ein bisschen getrollt, als Er es so fügte, dass ausgerechnet der vulgäre, mehrfach geschiedene, orangegesichtige Millionär Trump, vor dem sie alle die Nase rümpften, für das Ende von Roe v. Wade sorgte. Ich denke, wir schulden Trump ein paar Gebete für seine Seele; denn wir können ihm wirklich dankbar sein, und er kann sie wahrscheinlich gebrauchen. Und natürlich schulden wir das auch den Richtern, die tatsächlich einiges riskiert haben; vor kurzem erst wurde ein Mann festgenommen, der einen Mord an Richter Kavanaugh geplant hatte, und Aktivisten haben im Vorfeld der Entscheidung ihre Adressen veröffentlicht und ihre Häuser belagert. Aber vielleicht war Kavanaugh, Coney Barrett, Gorsuch jetzt auch klar, dass sie es den Linken nie recht machen können würden und man nicht mehr vor ihnen einknicken darf.

Manche Pro-Lifer sind jetzt quasi der Meinung, wir könnten uns nicht wirklich freuen, weil es immer noch Gründe gäbe, die Frauen zur Abtreibung bewegen, usw., aber doch: Wir können uns freuen, wir sollten uns freuen, wir sollten jubeln und feiern. Die totale Rechtlosigkeit der Ungeborenen in Amerika ist beendet, und vielleicht wird es in absehbarer Zeit sogar möglich sein, Abtreibung per Bundesgesetz oder Verfassungszusatz im ganzen Land zu verbieten, wenn bei den nächsten Wahlen die Demokraten verlieren. Die Pro-Life-Bewegung wird weiterhin Frauen/Eltern in Not helfen, und Frauen/Eltern, die unter vergangenen Abtreibungen leiden, wie sie das die ganzen letzten Jahrzehnte getan hat, und das wird auch nötig sein; aber erst einmal können wir uns freuen. Wir können ein paar Mal „Großer Gott, wir loben dich“ schmettern und eine Flasche Sekt rausholen. Die Leute, die die Ungeborenen zu rechtlosen Nichtmenschen machen wollen, haben erst mal verloren. ÄTSCHI-BÄTSCH.

Ein Gedanke zu “Ein Tag der Freude für die Ungeborenen

  1. Das Verb „treiben“, welches in dem Wort Abtreibung enthalten ist, wird etymologisch wie folgt umschrieben: treiben Vb. ‘vorwärtsbewegen, fortjagen, sich mit etw. beschäftigen’. (Quelle: DWDS)
    Wenn nun „fortjagen“ eine mögliche Definition ist, dann ist Abtreiben eine doppelte Jagd auf das ungeborene Leben. Ab und fort damit. Wenn ich einen Menschen töte jage ich ihn definitiv aus dem Leben davon.
    Für den gescholtenen Ex-Präsidenten Trump gilt auch folgende Schriftstelle:
    „In jener Zeit sagte Johannes – einer der Zwölf – zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“
    (Markus 9,38-41)

    Meine feste Überzeugung ist, dass D. Trump mitgeholfen hat, einen sehr mächtigen Dämon zu vertreiben, oder zumindest zu entlarven. Dieser Dämon ist nun im oben verlinkten Video in Deutschland angekommen und in die jämmerlichen Gestalten einiger SPD Politiker gefahren.

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