Die frühen Christen (bis 200 n. Chr.), Teil 6b: Die Rolle Roms – Primat des Papstes

Wer wissen will, was es mit dieser Reihe auf sich hat, möge bitte diese kurze Einführung hier lesen; knapp gesagt: ich habe Zitate aus christlichen Schriften vom Jahr 95 bis ca. 200 n. Chr. gesammelt, um einen Eindruck von der frühen Kirche zu vermitteln. (In der Einführung findet sich eine Liste mit allen herangezogenen Werken mitsamt ihrer Datierung.)

Alle bisher veröffentlichten Teile gibt es hier.

 

Bibelstellen zum Vergleich (u. a.): Mt 16,18f.; Lk 22,32; Joh 1,42; Joh 21,15-19; Apg 1-5.

 

Im Neuen Testament erwählt Jesus die Apostel und gibt Simon Petrus unter ihnen eine herausgehobene Rolle; am bedeutendsten dürfte hier die Stelle in Mt 16,18f. sein, wo Er ihm zusagt: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Der dem Simon von Jesus gegebene Beiname Petros/Petrus, auf Aramäisch Kephas, bedeutet „Fels“.) Auch an anderen Stellen wird ein besonderer Auftrag, eine besondere Verantwortung für Petrus deutlich; und nach der Himmelfahrt Christi und dem Pfingstereignis leitet er die Urgemeinde in Jerusalem, das er später dann verlassen muss. Sein Martyrium in Rom unter Nero ist gut belegt; und auf dem Bischofsstuhl von Rom hatte er Nachfolger.

(Katholische Sicht ist es, dass Petrus‘ besondere Stellung auf seine Nachfolger übergehen sollte, weil Jesu Zusagen nicht plötzlich aufhören sollten; dass der römische Bischof (für den erst ein paar Jahrhunderte später die Bezeichnung Papst üblich wurde) davor geschützt ist, eine falsche Lehre als Dogma zu verkünden (wenn er auch nicht vor anderen Fehlern geschützt ist); und dass er die oberste Regierungsgewalt über die Gesamtkirche hat.)


(Petrusstatue auf dem Petersplatz.)

Unter den frühkirchlichen Zeugnissen gibt es sowohl allgemeine Texte über die Stellung des römischen Bischofs als auch konkrete Beispiele für sein Handeln und Eingreifen in der Weltkirche. Zuerst ein besonders beeindruckendes Beispiel für ersteres. Bischof Irenäus von Lyon, der noch den Apostelschüler Polykarp von Smyrna gekannt hatte, schreibt um 180 n. Chr. folgendes in einem Werk gegen die esoterischen gnostischen Sekten:

„Weil es aber zu weitläufig wäre, in einem Werke wie dem vorliegenden die apostolische Nachfolge aller Kirchen aufzuzählen, so werden wir nur die apostolische Tradition und Glaubenspredigt der größten und ältesten und allbekannten Kirche, die von den beiden ruhmreichen Aposteln Petrus und Paulus zu Rom gegründet und gebaut ist, darlegen, wie sie durch die Nachfolge ihrer Bischöfe bis auf unsere Tage gekommen ist. So widerlegen wir alle, die wie auch immer aus Eigenliebe oder Ruhmsucht oder Blindheit oder Mißverstand Konventikel gründen. Mit der römischen Kirche nämlich muß wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allerwärts, denn in ihr ist immer die apostolische Tradition bewahrt von denen, die von allen Seiten kommen.

Nachdem also die seligen Apostel die Kirche gegründet and eingerichtet hatten, übertrugen sie dem Linus den Episkopat zur Verwaltung der Kirche. Diesen Linus erwähnt Paulus in seinem Briefe an Timotheus. Auf ihn folgt Anacletus. Nach ihm erhält an dritter Stelle den Episkopat Klemens, der die Apostel noch sah und mit ihnen verkehrte. Er vernahm also noch mit eignen Ohren ihre Predigt und Lehre, wie überhaupt damals noch viele lebten, die von den Aposteln unterrichtet waren. Als unter seiner Regierung ein nicht unbedeutender Zwist unter den Brüdern in Korinth ausbrach, da sandte die römische Kirche ein ganz nachdrückliches Schreiben an die Korinther, riet ihnen eindringlich zum Frieden und frischte ihren Glauben auf und verkündete die Tradition, die sie unlängst von den Aposteln empfangen hatte. Es gebe einen allmächtigen Gott, der Himmel und Erde erschaffen und den Menschen gebildet und die Sintflut geschickt und den Abraham berufen habe; der das Volk aus dem Lande Ägypten hinausgeführt, zum Moses gesprochen, das Gesetz gegeben, die Propheten gesandt, dem Teufel und seinen Engeln aber das ewige Feuer bereitet habe. Daß dieser als der Vater unseres Herrn Jesu Christi von den Kirchen verkündet wird und dies als apostolische Tradition aufzufassen ist, können alle, die da wollen, aus jenem Briefe entnehmen; denn der Brief ist älter als die neuen Falschlehrer, die sich über dem Weltenschöpfer und Demiurgen noch einen andern Gott zurechtlügen.

Auf genannten Klemens folgte Evaristus, auf Evaristus Alexander, als sechster von den Aposteln wurde Sixtus aufgestellt, nach diesem kam Telesphoros, der glorreiche Märtyrer, dann Hyginus, dann Pius, dann Anicetus. Nachdem dann auf Anicetus Soter gefolgt war, hat jetzt als zwölfter von den Aposteln Eleutherius den Episkopat inne. In dieser Ordnung und Reihenfolge ist die kirchliche apostolische Überlieferung auf uns gekommen, und vollkommen schlüssig ist der Beweis, daß es derselbe Leben spendende Glaube sei, den die Kirche von den Aposteln empfangen, bis jetzt bewahrt und in Wahrheit uns überliefert hat. (Irenäus, Gegen die Häresien III,3,2-3)

 

Das älteste erhaltene Zeugnis für eine besondere Autorität der Päpste in der Gesamtkirche, das Irenäus hier auch erwähnt, ist der 1. Clemensbrief, ca. aus dem Jahr 95 n. Chr., verfasst von Clemens von Rom wegen Streitigkeiten und Unruhen in der Gemeinde von Korinth.

Man beachte hier besonders das Datum: Zu diesem Zeitpunkt war wahrscheinlich sogar noch Johannes als der letzte der Apostel am Leben (und wäre von Griechenland aus vielleicht sogar leichter zu erreichen gewesen als die römische Gemeinde); sogar im Vergleich zu einem Apostel hatte Rom schon eine herausgehobene Rolle. Clemens schickte nicht nur diesen Brief, sondern auch mehrere Abgesandte, die in Korinth wieder für Ordnung sorgen sollten (s. den Schluss des Briefes unten).

Der Brief beginnt mit:

„Die Kirche Gottes, die zu Rom in der Fremde lebt, an die Kirche Gottes, die zu Korinth in der Fremde lebt, den Berufenen, nach dem Willen Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus Geheiligten, Gnade sei euch und Friede in reicher Fülle von dem allmächtigen Gott durch Jesus Christus.

Wegen der plötzlichen und einander nachfolgenden Drangsale und Leiden bei uns, Brüder, glauben wir, etwas lässig sein zu dürfen, bis wir unsere Aufmerksamkeit den bei euch lebhaft verhandelten Dingen zuwendeten; wir meinen, Geliebte, den für die Auserwählten Gottes unpassenden und fremdartigen, den ruchlosen und unseligen Streit, den einige wenige hitzige und verwegene Leute, die da sind, bis zu einem solchen Grade von Unverstand angefacht haben, dass euer ehrwürdiger, hochgerühmter und bei allen Menschen beliebter Name in hohem Grade beschimpft wurde.“ (1. Clemensbrief Vorwort-1,1)

Die römische Kirche / der römische Bischof sieht offenbar für sich eine Pflicht, in innere Konflikte anderer Gemeinden einzugreifen und sie zu befrieden. (Vielleicht hat sich auch jemand aus Korinth selbst nach Rom gewandt, weshalb sich der Verfasser wegen der verspäteten Nachricht entschuldigt.) Vor allem mahnt Clemens die Korinther zu Friedfertigkeit, Liebe, Gehorsam und Achtung gegenüber ihren Kirchenoberen und verurteilt Eifersucht, Zorn, Prahlerei, Hochmut.

Speziell über das Amt der Bischöfe sagt er an einer Stelle:

„Jeder von uns, Brüder, soll in seinem Stande Gott danken, indem er sich ein gutes Gewissen bewahrt und die für seine Verrichtung festgesetzte Regel nicht übertritt, in würdigem Wandel. Nicht an allen Orten, Brüder, werden Gott immerwährende Opfer oder Gelübdeopfer oder Sühnopfer oder Schuldopfer dargebracht, sondern nur in Jerusalem; aber auch dort wird nicht überall geopfert, sondern vor dem Heiligen am Altare, wobei die Opfergabe genau untersucht wird durch den Oberpriester und die vorerwähnten Diener des Heiligtums. Wer nun nicht seinem Willen entsprechend etwas tut, erleidet den Tod als gebührende Strafe. Ihr sehet, Brüder, je größer die Erkenntnis ist, deren wir gewürdigt worden sind, um so größer ist auch die Gefahr, der wir ausgesetzt sind.

Die Apostel haben uns das Evangelium verkündet, (das sie) vom Herrn Jesus Christus (bekommen haben), Jesus Christus aber ist gesandt von Gott. Christus ist also von Gott und die Apostel von Christus (gesandt); beides ist demnach geschehen in aller Ordnung nach dem Willen Gottes. Sie empfingen also ihre Aufträge, wurden durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus mit Gewissheit erfüllt, wurden im Glauben an das Wort Gottes gefestigt, und dann zogen sie voll des Heiligen Geistes hinaus zur Predigt, dass das Reich Gottes nahe sei. Indem sie nun in Ländern und Städten predigten, setzten sie die Erstlingsfrüchte ihrer (Predigt), nach vorhergegangener Prüfung im Geiste, zu Bischöfen und Diakonen der zukünftigen Gläubigen ein. Und dies war nichts Neues; denn schon seit langer Zeit war geschrieben über Bischöfe und Diakone. So nämlich sagt einmal die Schrift: „Ich will einsetzen ihre Bischöfe in Gerechtigkeit und ihre Diakone in Treue“. […]

Auch unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass Streit entstehen werde um die Bischofswürde. Aus diesem Grunde setzten sie auch, da sie eine genaue Kenntnis hiervon zum voraus erhalten hatten, die oben Genannten ein und gaben ihnen dazu Auftrag, dass, wenn sie entschlafen wären, andere erprobte Männer ihren Dienst übernähmen. Die also von jenen oder hernach von anderen ausgezeichneten Männern unter Zustimmung der ganzen Gemeinde eingesetzten (Bischöfe), die das Hirtenamt Christi in Demut untadelig, ruhig, uneigennützig verwaltet haben, die lange Zeit hindurch von allen ein gutes Zeugnis erhalten haben, diese von ihrem heiligen Amte abzusetzen, ist nach unserer Ansicht ein Unrecht. Denn es wird für uns keine kleine Sünde sein, wenn wir Männer, die tadellos und heiligmäßig ihre Opfer dargebracht haben, aus ihrem Bischofsamte vertreiben. Selig sind die Presbyter, die ihren Lebensweg bereits durchlaufen und eine vollkommene, an Früchten reiche Auflösung erreicht haben; denn sie müssen nicht fürchten, dass man sie verdrängt von dem für sie festbestimmten Platze. Wir müssen es nämlich erleben, dass ihr einige, die einen guten Wandel führten, vertrieben habt aus dem heiligen Dienste, dem sie durch tadellose Verwaltung alle Ehre gemacht hatten.

Streitsüchtig seid ihr, Brüder, und eifersüchtig in den Dingen, die zum Heile nötig sind. Die heiligen Schriften, die wahren, die vom Heiligen Geist eingegebenen, habt ihr genau durchforscht. Ihr wisst, dass nichts Unrechtes und nichts Verkehrtes in denselben geschrieben steht. (Da) werdet ihr nicht finden, dass Gerechte abgesetzt worden sind von heiligen Männern. Es wurden zwar Gerechte verfolgt, aber von Bösen; sie wurden eingekerkert, aber von Gottlosen, sie wurden gesteinigt von Missetätern, sie wurden getötet von solchen, die mit verruchter und sündhafter Eifersucht erfüllt waren. Solches haben sie in rühmlicher Geduld ertragen.“ (1. Clemensbrief 41-42.44-45,1-5)

Es gab also offenbar einige, die den Bischof oder vermutlich größere Teile des Klerus absetzen und sich selbst an dessen Stelle setzen wollten.

Clemens mahnt die Korinther, sich nicht diesen Spaltern anzuschließen:

„Es ist daher recht und heilig, Männer, Brüder, mehr Gott Untertan zu sein, als denen zu folgen, die in Prahlerei und Abfall Führer zu verruchter Eifersucht sind. Denn wir werden nicht in den nächsten besten (= geringen) Schaden, vielmehr in große Gefahr uns stürzen, wenn wir uns verwegen dem Willen von Leuten ausliefern, die es auf Streit und Zwist abgesehen haben, um uns von dem, was gut ist, abzubringen.“ (1. Clemensbrief 14,1f.)

Der Streit hatte offenbar größere Ausmaße; Clemens schreibt:

„Eure Spaltung hat viele verführt, viele in Mutlosigkeit versetzt, viele in Wankelmut, euch, alle in Trauer; und euer Zwist dauert noch immer fort.“ (1. Clemensbrief 46,9)

„Eine Schande, Geliebte, eine große Schande und eine Schmach für den Wandel in Christo, wenn man hören muss, wie die festgegründete und uralte Kirche von Korinth wegen einer oder zweier Personen sich empört gegen ihre Presbyter. Und diese Kunde ist nicht nur zu uns gedrungen, sondern auch zu den Andersgesinnten, so dass dem Namen des Herrn Schmach angetan wird wegen eures Unverstandes, für euch selbst aber Gefahr entsteht.“ (1. Clemensbrief 47,6f.)

Gegen Ende mahnt er:

„Ihr nun, die ihr den Grund zum Aufruhr gelegt habt, unterwerfet euch den Presbytern, lasset euch die Züchtigung dienen zur Umkehr, beuget die Knie eures Herzens. Lernet Unterwürfigkeit, leget ab die großsprecherische und hochfahrende Kühnheit eurer Zunge; es ist nämlich besser für euch, wenn ihr in der Herde Christi klein, aber ehrenhaft befunden werdet, als wenn ihr in scheinbarer Größe ausgeschlossen seid von ihrer Hoffnung.“ (1. Clemensbrief 57,1f.)

Zuletzt beschließt er den Brief folgendermaßen:

Ihr werdet uns Freude und Vergnügen bereiten, wenn ihr, gehorsam gegen das, was wir durch den Heiligen Geist (geleitet) geschrieben haben, den sündhaften Zorn eurer Erbitterung ableget, entsprechend der Mahnung, die wir euch über Frieden und Eintracht in diesem Briefe gegeben haben. Wir haben euch zuverlässige und verständige Männer geschickt, die von Jugend auf bis in ihr Alter einen tadellosen Wandel unter uns geführt haben, diese sollen auch Zeugen zwischen euch und uns sein. Dies haben wir getan, damit ihr einsehet, dass wir jede Sorgfalt angewendet haben und anwenden, damit ihr in Bälde den Weg zum Frieden findet. […]

Unsere Abgesandten Klaudius Ephebus, Valerius Biton und Fortunatus schicket uns bald und in Frieden mit Freuden zurück, damit sie recht schnell Kunde bringen, dass der von uns sehnlichst erwünschte Friede und die Eintracht hergestellt sei, auf dass auch wir uns schneller freuen können über eure wohlgeordneten Verhältnisse.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch und überall mit allen, die berufen sind von Gott und durch ihn, durch den ihm Ruhm, Ehre, Stärke und Verherrlichung, ewige Herrschaft sei von Ewigkeit in alle Ewigkeit. Amen. (1. Clemensbrief 63,2-4.65)

Man beachte: Der Verfasser schickt nicht nur Abgesandte, die die Sache regeln und dann wieder Bericht erstatten sollen, sondern nimmt auch bei seinem Brief eine Leitung durch den heiligen Geist für sich in Anspruch.

 

Zu dem Bild von einer besonderen Stellung Roms passt auch die ausführliche Anrede, die Bischof Ignatius von Antiochia (um 107 n. Chr. auf dem Weg zu seinem Prozess und Märtyrertod in Rom) in dem Brief verwendet, den er an die römische Gemeinde vorausschickt:

„Ignatius, der auch Theophorus (heißt), an die Kirche, die Gottes Barmherzigkeit erfahren in der Herrlichkeit des höchsten Vaters und Jesu Christi, seines einzigen Sohnes, die geliebt und erleuchtet ist im Willen dessen, der alles Seiende gewollt hat, gemäß der Liebe Jesu Christi, unseres Gottes, die auch den Vorsitz führt am Orte des römischen Bezirkes, die Gottes würdig, ehrwürdig, preiswürdig, lobwürdig, des Erfolges würdig, keusch und Vorsteherin ist des Liebesbundes, die das Gesetz Christi hat, des Vaters Namen führt, die ich auch grüße im Namen Jesu Christi, des Sohnes des Vaters; denen, die dem Fleische und dem Geiste nach eins sind in jeglichem Gebot desselben, die unzertrennlich erfüllt sind mit der Gnade Gottes und völlig gereinigt sind von jeglicher fremden Farbe, sage ich herzlichen, vollkommenen Gruß in Jesus Christus, unserem Gott.“ (Brief an die Römer, Anrede)

Hier werden Einzelheiten nicht deutlich, aber es ist von irgendeiner Art von besonderer Vorrangstellung Roms in der Kirche die Rede.

 

Ein weiteres konkretes Beispiel für das Eingreifen eines Papstes in der Weltkirche wäre der Osterfeststreit Ende des 2. Jahrhunderts. Es war eigentlich „nur“ ein liturgischer, kein dogmatischer Streit (in der Liturgie können unterschiedliche Traditionen an sich legitim sein), aber er erhitzte die Gemüter offenbar ziemlich. Man konnte sich nicht auf das genaue Datum des Osterfests einigen; die Gemeinden in Kleinasien feierten Ostern immer am 14. Nisan nach dem jüdischen Kalender, auch wenn der 14. auf einen Wochentag fiel, der Rest der Kirche hielt es anders und feierte es immer am Sonntag.

Um 300 n. Chr. schreibt der Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea darüber und zitiert Beteiligte. Zuerst gab es wegen dieses Streits Lokalsynoden, dann griff Papst Viktor I. direkt ein, weil die kleinasiatischen Bischöfe, an ihrer Spitze ein gewisser Polykrates, sich uneinsichtig zeigten und sich weiterhin auf ihre Tradition beriefen.

„Damals war ein nicht unbedeutender Streit entstanden. Während nämlich die Gemeinden von ganz Asien [=Kleinasien] auf Grund sehr alter Überlieferung glaubten, man müsse den 14. Tag des Mondes, an welchem den Juden die Opferung des Lammes befohlen war, als Fest des Erlösungspascha feiern und auf jeden Fall an diesem Tage, gleichviel welcher Wochentag es gerade sein mochte, die Fasten beenden, war es bei den Kirchen auf dem ganzen übrigen Erdkreise nicht üblich, es auf diese Weise zu halten; man beobachtete vielmehr gemäß apostolischer Überlieferung den noch heute giltigen Brauch, daß an keinem anderen Tage als dem der Auferstehung unseres Erlösers die Fasten beendet werden dürfen.

Es fanden daher Konferenzen und gemeinsame Beratungen von Bischöfen statt, und alle gaben einstimmig durch Rundschreiben die kirchliche Verordnung hinaus, daß das Geheimnis der Auferstehung des Herrn an keinem anderen Tage als am Sonntage gefeiert werden dürfe und daß wir erst an diesem Tage das österliche Fasten beenden dürfen. Noch jetzt sind vorhanden ein Schreiben der damals in Palästina zusammengetretenen Bischöfe, von welchen Bischof Theophilus von Cäsarea und Bischof Narcissus von Jerusalem den Vorsitz führten, ein Schreiben der in Rom versammelten Bischöfe, welches die gleiche Streitfrage behandelt und den Namen des Bischofs Viktor trägt, ein Schreiben der Bischöfe des Pontus, deren Vorsitzender Palmas als der Älteste war, ein Schreiben der Gemeinden in Gallien, deren Bischof Irenäus war, ferner ein Schreiben der Bischöfe in Osroëne und in den dortigen Städten, ein Privatschreiben des Bischofs Bacchyllus von Korinth und noch Schreiben von sehr vielen anderen Bischöfen. Sie bekunden eine und dieselbe Meinung und Ansicht und geben das gleiche Urteil ab. Ihr einstimmiger Beschluß ist erwähnt.

An der Spitze der Bischöfe Asiens, welche behaupteten, man müsse an dem ihnen von alters her überlieferten Brauche festhalten, stand Polykrates. In dem Briefe, welchen er an Viktor und die römische Kirche schrieb, äußerte er sich über die Überlieferung, die auf ihn gekommen, also:

‚Unverfälscht begehen wir den Tag; wir tun nichts dazu und nichts hinweg. Denn auch in Asien haben große Sterne ihre Ruhestätte gefunden, welche am Tage der Wiederkunft des Herrn auferstehen werden. An diesem Tage wird der Herr mit Herrlichkeit vom Himmel kommen und alle Heiligen aufsuchen, nämlich: Philippus, einen der zwölf Apostel, der in Hierapolis entschlafen ist, mit seinen beiden bejahrten, im jungfräulichen Stande verbliebenen Töchtern, während eine andere Tochter, die im Heiligen Geiste wandelte, in Ephesus ruht, und Johannes, der an der Brust des Herrn lag, den Stirnschild trug, Priester, Glaubenszeuge und Lehrer war und in Ephesus zur Ruhe eingegangen ist, ferner den Bischof und Märtyrer Polykarp von Smyrna und den Bischof und Märtyrer Thraseas aus Eumenea, der in Smyrna entschlafen. Soll ich noch den Bischof und Märtyrer Sagaris, der in Laodicea entschlafen, und den seligen Papirius und Melito, den Eunuchen, anführen, welcher stets im Heiligen Geiste wandelte und nun in Sardes ruht, wartend auf die Heimsuchung vom Himmel, da er von den Toten erstehen soll? Diese alle haben gemäß dem Evangelium das Pascha am 14. Tage gefeiert; sie sind keine eigenen Wege gegangen, sondern der vom Glauben gewiesenen Richtung gefolgt. Auch ich, Polykrates, der geringste unter euch allen, halte mich an die Überlieferung meiner Verwandten, von denen einige auch meine Vorgänger waren. Sieben meiner Verwandten waren nämlich Bischöfe, und ich bin der achte. Und stets haben meine Verwandten den Tag gefeiert, an welchem das Volk den Sauerteig entfernte. Ich nun, Brüder, der 65 Jahre im Herrn zählt und mit den Brüdern der ganzen Welt verkehrt hat und die ganze Heilige Schrift gelesen hat, ich lasse mich durch Drohungen nicht in Schrecken setzen. Denn Größere als ich haben gesagt: ‚Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Dem fügt er über die Bischöfe, die bei ihm waren, als er das Schreiben abfaßte, und die seine Meinung teilten, folgendes bei: ‚Ich könnte die Bischöfe erwähnen, die bei mir waren und die ich eurem Wunsche gemäß einberufen mußte und auch einberufen habe. Wollte ich ihre Namen niederschreiben: ihre Zahl wäre groß. Obwohl diese wissen, daß ich ein unbedeutender Mensch bin, so stimmen sie doch meinem Briefe zu. Und sie wissen, daß ich nicht vergebens meine grauen Haare getragen, daß ich vielmehr stets in Christus Jesus gewandelt bin.‘

Daraufhin versuchte Viktor, der Bischof der römischen Kirche, die Gemeinden von ganz Asien sowie die angrenzenden Kirchen insgesamt als ketzerisch von der Gemeinschaft und Einheit auszuschließen, und rügte sie öffentlich in einem Schreiben, worin er alle dortigen Brüder als außerhalb der Kirchengemeinschaft stehend erklärte. Doch nicht allen Bischöfen gefiel dies Vorgehen Viktors. Sie stellten an ihn geradezu die Gegenforderung, für Friede, Einigung und Liebe einzutreten. Noch sind ihre Briefe erhalten, in denen sie Viktor ziemlich scharf angreifen.

Unter anderen richtete auch Irenäus im Namen der ihm untergebenen gallischen Brüder ein Schreiben an ihn. Darin tritt er zwar dafür ein, daß man nur am Sonntage das Geheimnis der Auferstehung des Herrn feiern dürfe, aber er mahnt auch Viktor würdig und eindringlich, er solle nicht ganze Kirchen Gottes, die an alten, überlieferten Bräuchen festhalten, ausschließen, und fährt wörtlich also fort: ‚Es handelt sich nämlich in dem Streite nicht bloß um den Tag, sondern auch um die Art des Fastens. Die einen glauben nämlich, nur einen einzigen Tag, andere zwei, andere noch mehr fasten zu sollen; wieder andere dehnen die Zeit ihres Fastens auf vierzig Stunden, Tag und Nacht, aus. Diese verschiedene Praxis im Fasten ist nicht erst jetzt in unserer Zeit aufgekommen, sondern schon viel früher, zur Zeit unserer Vorfahren, welche wohl nicht umsichtig genug waren und darum eine aus Naivität und Ungeschicklichkeit entstandene Gewohnheit auf die Folgezeit vererbten. Aber trotz dieser Verschiedenheit lebten all diese Christen in Frieden, und leben auch wir in Frieden. Die Verschiedenheit im Fasten erweist die Einheit im Glauben.‘

An diese Worte schließt Irenäus noch Bemerkungen, die ich als hierher gehörig anführen möchte. Sie lauten: ‚Auch die vor Soter lebenden Presbyter, welche der Kirche vorstanden, an deren Spitze du nunmehr stehst, nämlich Anicet, Pius, Hyginus, Telesphorus, Xystus, haben weder selbst diese Praxis beobachtet, noch sie ihren Gemeinden gestattet. Doch, trotzdem sie dieselbe nicht beobachteten, hatten sie nichtsdestoweniger Friede mit denjenigen, welche aus Gemeinden kamen, in denen die Praxis eingehalten wurde. Und doch hätte die Ausübung des Brauches denen, die ihn nicht hatten, den Gegensatz erst recht zu Bewußtsein bringen sollen. Niemals wurden aus solchem Grunde Leute ausgeschlossen, vielmehr schickten die, welche vor dir Presbyter waren, obwohl sie die Praxis nicht hatten, an die, welche sie hatten und aus solchen Gemeinden kamen, die Eucharistie. Als der selige Polykarp unter Anicet in Rom weilte und zwischen ihnen wegen einiger anderer Fragen kleine Differenzen entstanden waren, schlössen sie sogleich Frieden. Denn in dieser wichtigsten Frage kannten sie unter sich keinen Streit. Weder vermochte Anicet den Polykarp zu überreden, jenen Brauch nicht mehr festzuhalten, den dieser mit Johannes, dem Jünger unseres Herrn, und mit den übrigen Aposteln, mit denen er verkehrte, ständig beobachtet hatte; noch überredete Polykarp den Anicet, ihn zu beobachten, da dieser erklärte, er müsse an der Gewohnheit der ihm vorangegangenen Presbyter festhalten. Trotz dieser Differenzen blieben beide in Gemeinschaft. Und Anicet gestattete aus Ehrfurcht dem Polykarp in seiner Kirche die Feier der Eucharistie. Und im Frieden schieden sie voneinander. Und es hatten Frieden mit der ganzen Kirche sowohl die, welche es so hielten, als jene, welche es nicht so hielten.‘ In solcher Weise mahnte Irenäus, der seinen Namen verdiente und tatsächlich ein Friedensmann war, zum Frieden der Kirchen und trat für ihn ein. Nicht nur mit Viktor, sondern auch mit sehr vielen anderen Kirchenfürsten verhandelte Irenäus brieflich in ähnlicher Weise über die entstandene Streitfrage.

Die vor kurzem erwähnten Bischöfe von Palästina, nämlich Narcissus und Theophilus, sowie Kassius, Bischof von Tyrus, Klarus, Bischof von Ptolemais, und die mit ihnen versammelten Bischöfe, behandelten ausführlich die durch apostolische Überlieferung auf sie gekommene Erblehre bezüglich des Osterfestes und schlössen ihr Schreiben mit den Worten: ‚Sorget dafür, daß von unserem Briefe an jede Gemeinde Abschriften geschickt werden, damit wir keine Schuld denen gegenüber haben, welche leichtsinnig in die Irre gehen. Wir tun euch kund, daß man in Alexandrien das Fest am gleichen Tage begeht wie bei uns. Wir stehen nämlich miteinander im brieflichen Verkehr, so daß wir den heiligen Tag übereinstimmend und zugleich feiern.'“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,23-25)

Hier werden mehrere Dinge deutlich: Der Bischof von Rom hatte offenbar das Recht, andere Bischöfe zu exkommunizieren, und es gab keinen Einwand gegen dieses grundsätzliche Recht, obwohl viele andere Bischöfe fanden, dass er in diesem Fall überreagiert hätte und ein solcher Unterschied bei den Osterbräuchen es nicht rechtfertigen würde, jemanden aus der Kirche auszuschließen. Auch Irenäus, der oben mit der Aussage zitiert worden ist, bei der Lehre müsse jeder mit der römischen Kirche übereinstimmen, sah offenbar kein Problem dabei, eine aus seiner Sicht falsche praktische Entscheidung von Papst Viktor zu kritisieren – wobei er sich auch darauf beruft, dass frühere Päpste wegen dieser Unterschiede nie die Kirchengemeinschaft mit den kleinasiatischen Bischöfen aufgekündigt hatten; diese Unterschiede würden die Einheit nicht beeinträchtigen.

Eusebius berichtet nicht genau, wie der Streit beigelegt wurde, wer zuerst nachgab; aber später feierten auch die kleinasiatischen Gemeinden Ostern wie die anderen und es entstand jedenfalls keine längere Kirchenspaltung.

 

In Eusebius‘ „Kirchengeschichte“ finden sich auch immer wieder kurze Notizen über Amtsantritt und Regierungszeiten der römischen Bischöfe bis zu seiner Zeit (er identifiziert dabei die frühesten Nachfolger Petri als in den Paulusbriefen erwähnte Mitarbeiter Pauli). Bei ihm findet sich folgende Reihenfolge der Päpste (er datiert die Amtszeiten anhand der Amtszeiten der römischen Kaiser):

„Nach dem Martertod des Paulus und Petrus erhielt zuerst Linus den bischöflichen Stuhl der römischen Kirche. Paulus gedenkt seiner bei Anführung der Namen am Ende des von Rom aus an Timotheus gerichteten Briefes.“ (Eusebius, Kirchengeschichte III,2)

„Von den übrigen Schülern des Paulus reiste Krescens, wie der Apostel erklärt, nach Gallien, Linus aber, von dem er im zweiten Briefe an Timotheus erzählt, daß er sich bei ihm in Rom befinde, erhielt zunächst nach Petrus den bischöflichen Stuhl der Kirche in Rom, wie ich schon oben gesagt habe. Klemens, der dritte Bischof der Kirche in Rom, wird von Paulus selbst als sein Mitarbeiter und Mitkämpfer erklärt.“ (Eusebius, Kirchengeschichte III,4)

„Im zweiten Jahre der Regierung des Titus hinterließ Linus, Bischof der Kirche von Rom, die bischöfliche Würde dem Anenkletus, nachdem er selbst dieselbe zwölf Jahre innegehabt hatte. Dem Titus aber folgte, nachdem er zwei Jahre und ebensoviel Monate Kaiser gewesen war, sein Bruder Domitian. […]

Im zwölften Jahre der Regierung des gleichen Kaisers folgte auf Anenkletus, welcher zwölf Jahre Bischof der römischen Kirche gewesen war, Klemens, den der Apostel in seinem Briefe an die Philipper als seinen Mitarbeiter bezeichnete, da er sagt: ‚mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buche des Lebens stehen‘.

Ein echter, umfangreicher und bedeutsamer Brief des Klemens ist uns überliefert. Klemens hatte ihn im Namen der römischen Gemeinde an die Gemeinde zu Korinth geschrieben, weil damals dort Streitigkeiten ausgebrochen waren. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, ist dieser Brief in den meisten Kirchen wie früher so auch jetzt noch in öffentlichem Gebrauch. Dafür, daß es zur erwähnten Zeit unter den Korinthern tatsächlich einen Aufstand gegeben hat, ist Hegesippus glaubwürdiger Zeuge.“ (Eusebius, Kirchengeschichte III,13.15-16)

„Im dritten Jahre der Regierung des oben erwähnten Kaisers starb von den römischen Bischöfen Klemens und überließ das Hirtenamt dem Evaristus. Klemens hatte im ganzen neun Jahre der Lehre des göttlichen Wortes vorgestanden.“ (Eusebius, Kirchengeschichte III,34)

„In Rom besteigt zu gleicher Zeit, nachdem Evaristus acht Jahre die Würde inne gehabt hatte, Alexander als fünfter Nachfolger von Petrus und Paulus den Bischofstuhl.“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,1)

„Im dritten Jahre der gleichen Regierung stirbt Alexander, Bischof von Rom, nach zehnjähriger Amtstätigkeit. Sein Nachfolger war Xystus.“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,4)

„Im zwölften Jahre der kaiserlichen Regierung folgt auf dem bischöflichen Stuhle in Rom Telesphorus als siebter Nachfolger der Apostel dem Xystus, nachdem dieser zehn Jahre im Amte tätig gewesen war.“ (Eusebius, Kirchengeschichtet IV,5)

„Nachdem Hadrian 21 Jahre regiert hatte, zahlte er dem Tode seinen Tribut, und an seine Stelle trat in der römischen Regierung Antoninus mit dem Beinamen ‚der Fromme‘. In dem ersten Jahre seiner Regierung schied Telesphorus, nachdem er zehn Jahre die Kirche verwaltet hatte, aus dem Leben, und Hyginus erhielt die bischöfliche Würde in Rom. Irenäus erzählt, daß Telesphorus sein Lebensende durch den Martertod verherrlicht habe. […]

Nach vier Jahren bischöflichen Wirkens starb Hyginus, worauf Pius mit der kirchlichen Regierung in Rom betraut wurde. […] Nachdem in Rom Pius im 15. Jahre seines bischöflichen Wirkens verschieden war, trat Anicet dort an die Spitze.“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,10-11)

„Im achten Jahre der erwähnten Regierung folgte auf Anicet, welcher volle elf Jahre die römische Kirche geleitet hatte, Soter.“ (Eusebius, Kirchengeschiche IV,19)

„Der römische Bischof Soter starb nach achtjähriger Regierung. Ihm folgte als zwölfter Bischof nach den Aposteln Eleutherus, und zwar im 17. Jahre der Regierung des Kaisers Antoninus Verus.“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,Vorwort)

„Im zehnten Jahre der Regierung des Kommodus folgte Viktor auf Eleutherus, welcher das bischöfliche Amt dreizehn Jahre innegehabt hatte.“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,22)

„Soviel über Viktor. Nachdem dieser zehn Jahre regiert hatte, wurde Zephyrin etwa im zehnten Jahre der Regierung des Severus sein Nachfolger.“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,28)

„Auf Antoninus, der sieben Jahre und sechs Monate regierte, folgte Makrinus. Nachdem dieser ein Jahr die Herrschaft innegehabt, erhielt ein zweiter Antoninus die Regierung über das römische Reich. Im ersten Jahre seiner Herrschaft starb der römische Bischof Zephyrin, nachdem er volle 18 Jahre sein Amt bekleidet hatte. Nach diesem wurde Kallistus zum Bischof erwählt.  Er lebte noch fünf Jahre und hinterließ die bischöfliche Würde dem Urbanus.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VI,21)

„Damals folgte auf Urbanus, der acht Jahre Bischof der römischen Kirche gewesen war, Pontianus.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VI,23)

„Als Gordianus nach Maximinus die römische Herrschaft übernommen hatte, folgte in der Kirche zu Rom auf Pontianus, der sechs Jahre Bischof gewesen war, Anteros und auf diesen nach dessen einmonatigem Wirken Fabianus. Dieser soll nach dem Tode des Anteros mit noch anderen Männern vom Lande her nach Rom gekommen sein und hier auf ganz wunderbare Weise durch die göttliche und himmlische Gnade die Würde erlangt haben. Als sämtliche Brüder zusammengekommen waren, um den zukünftigen Bischof zu wählen, waren von den Meisten schon sehr viele angesehene und berühmte Männer in Aussicht genommen; an Fabianus aber, der ebenfalls anwesend war, dachte niemand. Plötzlich soll da vom Himmel eine Taube herabgeflogen sein und sich auf das Haupt des Fabianus niedergelassen haben, gemahnend an den Heiligen Geist, der sich in Gestalt einer Taube auf den Erlöser herabgelassen hatte. Daraufhin habe das ganze Volk wie von dem einen göttlichen Geiste getrieben in aller Begeisterung und einstimmig ‚Würdig‘ gerufen und ihn ohne Zögern ergriffen und auf den bischöflichen Thron erhoben.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VI,29)

„Auf Philipp, der sieben Jahre regiert hatte, folgte Decius. Aus Haß gegen Philipp begann dieser eine Verfolgung gegen die Kirchen. Nachdem während derselben Fabian in Rom gemartert worden war, folgte ihm Kornelius in der bischöflichen Würde.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VI,39)

„Nachdem Kornelius die bischöfliche Würde in Rom ungefähr drei Jahre innegehabt, wurde Lucius sein Nachfolger, welcher nach einer Regierung von nicht ganz acht Monaten sterbend das Amt Stephanus übertrug.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VII,2)

„Auf Stephanus folgte, nachdem dieser zwei Jahre die Bischofswürde bekleidet hatte, Xystus.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VII,5)

„Nachdem Xystus die römische Kirche elf Jahre regiert hatte, folgte ihm Dionysius, ein Namensvetter des Bischofs von Alexandrien.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VII,27)

„Kurz zuvor war auf den römischen Bischof Dionysius, der neun Jahre die Regierung innegehabt, Felix gefolgt.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VII,30)

„Um diese Zeit folgte auf Felix, der fünf Jahre die römische Kirche geleitet, Eutychianus. Dieser regierte nicht ganz zehn Monate und hinterließ das Amt unserem Zeitgenossen Gaius. Und nachdem dieser ungefähr fünfzehn Jahre vorgestanden, trat Marcellinus an seine Stelle, der gleiche, den die Verfolgung ereilte.“ (Eusebius, Kirchengeschichte VII,32)

 

Wir haben also bei Eusebius wie bei Irenäus die Reihenfolge: Petrus – Linus – Anacletus – Clemens – Evaristus – Alexander – Sixtus/Xystus – Telesphorus – Hyginus – Pius – Anicetus – Soter – Eleutherus. Nach Eleutherus, den Irenäus in seiner Liste als gegenwärtigen Papst erwähnt, geht es bei Eusebius weiter mit: Viktor – Zephyrinus – Kallistus – Urbanus – Pontianus – Anterus – Fabianus – Cornelius – Lucius – Stephanus – Xystus – Dionysius – Felix – Eutychianus – Gaius – Marcellinus.

 


(Kuppel des Petersdoms, an deren Rand der Vers Mt 16,18 („Du bist Petrus“ usw.) steht. Bildquelle hier.)

 

Außerdem zitiert Eusebius an anderer Stelle Dionysius von Korinth (Bischof in Korinth um 170 n. Chr); Dionysius erwähnt u. a., dass die Römer andere Gemeinden und Verurteilte in den Bergwerken mit Almosen unterstützten, und dass ein Brief von Papst Soter in der Kirche von Korinth verlesen wurde, ebenso, wie noch immer der Clemensbrief dort verlesen wurde:

„Auch wird ein Brief des Dionysius an die Römer überliefert. Er ist an den damaligen Bischof Soter gerichtet. In demselben sind vor allem erwähnenswert die Worte, in denen Dionysius eine bis auf die Verfolgung unserer Tage von den Römern festgehaltene Sitte lobt. Er schreibt nämlich: ‚Von Anfang hattet ihr den Brauch, allen Brüdern auf mannigfache Weise zu helfen und vielen Gemeinden in allen Städten Unterstützungen zu schicken. Durch die Gaben, die ihr von jeher geschickt habt, da ihr als Römer einen überlieferten römischen Brauch festhaltet, erleichtert ihr die Armut der Dürftigen und unterstützt ihr die in den Bergwerken lebenden Brüder. Euer heiliger Bischof Soter hat diesen Brauch nicht nur festgehalten, er hat ihn auch noch erweitert, soferne er sowohl reichliche Gaben an die Heiligen spendet als auch die (nach Rom) kommenden Brüder wie ein liebender Vater seine Kinder mit frommen Worten tröstet.‘ In dem gleichen Briefe erwähnt Dionysius auch den Brief des Klemens an die Korinther und bemerkt, daß er schon von jeher nach altem Brauche verlesen wurde. Er sagt: ‚Wir feiern heute den heiligen Tag des Herrn und haben an demselben euren Brief verlesen, welchen wir gleich dem früheren durch Klemens uns zugesandten Schreiben stets zur Belehrung verlesen werden.'“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,23)

Eusebius erwähnt dann noch einen Brief gallischer Christen im 2. Jh. (zur Zeit Kaiser Mark Aurels), der nach Kleinasien und Rom geschickt wurde; dabei wird Papst Eleutherus als „Vater Eleutherus“ bezeichnet:

„Auch übermittelten sie von den Märtyrern, welche bei ihnen gestorben waren, verschiedene Briefe, welche diese, da sie noch in Ketten waren, an die Brüder in Asien und Phrygien und auch an Eleutherus, den damaligen römischen Bischof, im Interesse des kirchlichen Friedens geschrieben hatten.

Dieselben Märtyrer empfahlen dem erwähnten römischen Bischof auch Irenäus, der damals bereits Priester der Kirche von Lugdunum war. Sie stellten dem Manne ein sehr rühmliches Zeugnis aus, wie die folgenden Worte bekunden: ‚Wir beten für dich, Vater Eleutherus, um Freude in Gott jetzt und immer. Unseren Bruder und Genossen Irenäus haben wir beauftragt, dieses Schreiben zu überbringen, und bitten dich, daß du dich seiner annehmest wegen seines Eifers für den Bund Christi. Denn wenn wir wüßten, daß der Stand einem Manne Gerechtigkeit gebe, dann würden wir ihn vor allem als Priester, was er tatsächlich ist, empfehlen.'“ (Eusebius, Kirchengeschichte V,3-4)

 

Es besuchten offenbar relativ viele wichtige Christen Rom; Eusebius erwähnt zum Beispiel einen gewissen Hegesippus:

„Hegesippus hat uns in den fünf Büchern ‚Erinnerungen‘, die auf uns gekommen sind, ein ganz vollständiges Bild seines eigenen Geistes hinterlassen. Darin erzählt er, daß er auf einer Reise nach Rom mit sehr vielen Bischöfen zusammengekommen sei und daß er von allen die gleiche Lehre erhalten habe. Hören wir, was er nach einigen Bemerkungen über den Brief des Klemens an die Korinther sagt! Er erklärt: ‚Die Kirche in Korinth blieb im rechten Glauben bis auf Primus, Bischof von Korinth. Auf meiner Fahrt nach Rom kam ich mit den Korinthern zusammen, mit welchen ich einige Tage verkehrte, während welcher wir uns gemeinsam des wahren Glaubens freuten. In Rom verweilte ich bei Anicet, dessen Diakon Eleutherus war. Auf Anicet folgte Soter und auf diesen Eleutherus. In jeder Stadt, wo ein Bischof auf den anderen folgte, entsprach das kirchliche Leben der Lehre des Gesetzes, der Propheten und des Herrn.'“ (Eusebius, Kirchengeschichte IV,22)

Ein anderes Beispiel wäre Bischof Aberkios von Hierapolis in Phrygien. Er schreibt in seiner Grabinschrift (die er schon vor seinem Tod in Auftrag geben ließ und die nur verschlüsselt über den christlichen Glauben spricht; sie datiert von irgendwann vor 216 n. Chr.) über seinen Besuch in Rom; die römische Kirche wird hier als Königin bezeichnet:

„Einer auserwählten Stadt Bürger habe ich dies errichtet,
da ich noch lebe, auf dass ich hätte seiner Zeit für
meinen Leib hier eine Stätte.
Aberkios bin ich mit Namen, der welcher Jünger ist
eines reinen Hirten,
der da weidet der Schafe Herden auf Bergen und Fluren,
der Augen hat gewaltig, die überall herniederschauen;
denn er hat mich gelehrt . . . untrügliche Zeichen.
Der nach Rom mich sandte, einen König zu schauen
und eine Königin zu sehen mit goldnem Gewand und
goldnen Sandalen;
einen Stein aber sah ich dort mit einem leuchtenden Gepräge.
Und Syriens Flur sah ich und seine Städte alle ; ich überschritt
den Euphrat und sah Nisibis. Überall aber gewann ich Kultgenossen;
Paulos war mein (Begleiter?). Nestis leitete mich überall
und schaffte mir Nahrung überall, einen Fisch vom Quellwasser
gar gross und rein, den gefangen hatte eine reine Jungfrau,
und den gewährte sie den Genossen immer zu essen
und spendete Wein in guter Mischung mit Brot.
Dies habe ich Aberkios unter meiner eignen Aufsicht so
zu schreiben geheissen.
Das zweiundsiebzigste Jahr hab‘ ich wirklich vollbracht.
Wer dies versteht, bitte für Aberkios, ein jeder Genosse.
Aber keiner soll in mein Grab noch einen andern oben
darauf beisetzen.
Wenn er es thut, soll er dem römischen Fiscus spenden
zweitausend Goldstücke
und der guten Vaterstadt Hierapolis tausend Goldstücke.“ (Aberkiosinschrift)

Das war gesammelt so ziemlich alles, was ich bis ca. 200 n. Chr. über das Amt des Bischofs von Rom gelesen habe.

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